Die Vergolderin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • List, 2011, Titel: 'Die Vergolderin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

65
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Rita Dell'Agnese
Klassischer Mainstream-Roman mit vielen Klischees

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Braunschweig, 1604: Auf der Flucht vor Plünderern wird Elisabeth von einem geheimnisvollen Blinden gerettet. Doch ihr Herz gehört einem anderen. In der aufblühenden Handelsstadt Braunschweig arbeitet sie heimlich als Vergolderin. Ihr Geschick bringt ihr viele Aufträge, aber auch den Zorn ihres Großvaters ein, denn Frauen ist das Handwerk untersagt. Einer der mächtigsten Gildemeister hat es auf Elisabeth abgesehen und stellt ihr nach. Als sie sich wehrt, droht er ihr. Da begegnet sie ihrem Retter wieder. Kann er ihr auch diesmal helfen?

 

Elisabeth ist verzweifelt: Sie hat ihrer Mutter auf deren Sterbebett versprochen, für die Geschwister Marga und Christian zu sorgen und sie zum Großvater nach Braunschweig zu bringen. Denn der Großvater ist der einzige Angehörige der drei Waisen. Dieser nimmt die Kinder seines Sohnes zwar auf, bringt ihnen aber wenig Herzlichkeit entgegen. Sein Sohn war mit der Familie nach einem Betrug mit Schimpf und Schande aus Osnabrück gejagt worden und nun befürchtet Elisabeth, der Makel könne ihnen wie ein Mühlstein am Hals hängen. Heimlich vergoldet sie Spiegel, um das Lehrgeld für Christian zusammen zu bringen. Diese Heimlichkeit bringt sie aber in Teufelsküche, denn einer Frau ist es 1604 untersagt, dem Goldschmiedehandwerk nachzugehen. Als Elisabeth dem blinden Kaufmann Martin Clavius begegnet, gerät sie in den Strudel eines sich entbrennenden Bruderzwistes. Gregor Rudel, Clavius Bruder, schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Schwarz und Weiß

Dieser Roman gehört zu jenen Geschichten, in denen es nur schwarz und weiß gibt und wo die Zwischentöne vollständig fehlen. Schnell wird klar, dass die wunderschöne und blütenreine Elisabeth ein selbstloses Wesen besitzt und kein anderes Ziel verfolgt, als ihren Geschwistern eine Zukunft zu ermöglichen. Ihre Schwester Marga ist hingegen nicht nur weniger hübsch, sondern auch von schlechtem Charakter. Neid und Missgunst lassen sie ihrer tapferen Schwester immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen. Ein noch drastischeres Bild ergibt sich bei den Brüdern Martin Clavius und Gregor Rudel. Während Martin nur Gutes will und ein umsichtiger, tapferer Mann ist - trotz Blindheit - handelt es sich bei Gregor Rudel um einen skrupellosen Menschen, dem ein anderes Menschenleben nichts gilt.

Dieses Gut-Böse-Bild zieht sich durch den ganzen Roman hindurch. Sämtliche Protagonisten lassen sich mühelos einordnen. Den Figuren fehlt es an Tiefe und Vielschichtigkeit, die ihnen mehr Lebendigkeit verschafft hätten. Dies ist die größte Schwachstelle des Romans, dem dadurch wesentliche Elemente fehlen, um ihn aus der breiten Masse hervorzuheben.

Vertiefte Auseinandersetzung mit dem Gewerbe

Hapert es bei den Figuren, kann der Leser hinsichtlich der historischen Grundlage nicht klagen. Helga Glaesener setzt sich vertieft mit dem Gewerbe der Goldschmiede auseinander und serviert dem Publikum so ein umfassendes Bild. Diese Hintergründe, die sehr geschickt mit der Geschichte verwoben sind, geben dem Roman das Gewicht, das ihm beim Plot fehlt. Es zeugt von gutem Handwerk, eine an sich unspektakuläre, wenngleich interessante Begebenheit auf diese Weise zu präsentieren.

Weniger überzeugend ist hingegen der Plot an sich. Besonders bei der Lebensgeschichte von Martin Clavius muss man Fragezeichen setzen. Vor dem Hintergrund, dass es sich hier um einen Roman handelt, mag man zwar einige gewagte Winkelzüge verzeihen. Hier wird aber so dick aufgetragen, dass es einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Mit einer streckenweise spannenden Rahmenhandlung vermag die Autorin jedoch einen Teil dieser starken Überzeichnung aufwiegen.

Nette Unterhaltung

Letztlich präsentiert sich dieser Roman als nette Unterhaltung, der weitgehend im Strom der Durchschnitts-Histo-Romane mitzuschwimmen vermag, sich aber nicht absetzen kann. Flüssig zu lesen, lädt die Geschichte zum Blick hinter die Kulissen des Handwerks im beginnenden 17. Jahrhundert ein. Der Plot bietet nur wenige Überraschungen, wenngleich die Autorin mit einigen sehr gelungenen Szenen beweist, dass in ihr mehr Potential steckt.

 

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