Das Mädchen aus Mantua

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2011, Titel: 'Das Mädchen aus Mantua', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Rita Dell'Agnese
Klassische Hosenrollen-Geschichte mit Krimielementen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Padua, 1601. Celestina wird der Schicklichkeit halber von ihrer Mutter zu Verwandten nach Padua gesandt. Die eigensinnige junge Witwe, die ihr selbstständiges Leben in Mantua nur ungern aufgibt, macht aus der Not eine Tugend, denn sie hat sich Unmögliches in den Kopf gesetzt: Celestina will an der berühmten Universität von Padua Medizin studieren! Ein ebenso waghalsiges wie aussichtsloses Unterfangen, denn Frauen haben in den Hörsälen nichts verloren. Das Streben nach akademischen Würden ist allein den Herren der Schöpfung vorbehalten. Doch Celestina hat nicht nur stapelweise Anatomiebücher ihres verstorbenen Gatten im Gepäck, sondern auch eine Auswahl an passender Männerkleidung...

 

Celestina möchte Ärztin werden. Doch das ist einer Frau im Italien von 1601 verwehrt. Da besinnt sich die junge Witwe auf Verwandtschaft in Padua, bei der sie als Pflegerin unterkommen kann. Das Gute dabei: Sie hat viel Freiraum und kann sich deshalb - gekleidet als Mann - in der örtlichen Universität einschreiben. Unbeirrbar geht die junge Frau, die stapelweise Anatomiebücher studiert hat und über ein profundes, medizinisches Wissen verfügt, ihren Weg - bis ihr Timoteo Caliari begegnet. Der junge Mann, der unsterblich in Celestinas Cousine Chiara verliebt ist, gehört jedoch einem verfeindeten Clan an. Für Celestina wird es brenzlig, als Timoteo und seine Freunde, die ebenfalls an der medizinischen Fakultät studieren, ihre Scharade durchschauen. Doch sie kann nicht mehr zurück. Denn sie hat ihre Aufnahme an der Universität durch das Versprechen erkauft, für einen frommen Bruder nach den Ursachen von mysteriösen Todesfällen zu forschen.

Temporeicher Verlauf

Die Mischung von Krimielementen, dem historischen Hintergrund der Medizingeschichte und einer Clanfehde birgt einiges Potential. Charlotte Thomas meistert alle Klippen mühelos und verwebt die einzelnen Sequenzen zu einem temporeichen Roman, der sich süffig liest. Der leise Humor, den die Autorin in die Geschichte einbringt legt sich wohltuend über ein Geschehen, das einzeln betrachtet jeweils einem bekannten Muster folgt, das jedoch als Kombination durchaus einen gewissen Reiz entfaltet. Es ist wohl der Professionalität von Charlotte Thomas zuzuschreiben, dass es ihr gelingt, keinen der Schwerpunkte ausreißen zu lassen und die Oberhand zu gewinnen. Die so erhaltene Balance zwischen den einzelnen Themenkreisen bietet einiges an Lesevergnügen.

Etwas zu gut

Leider bleibt Celestine, was sich schon am Anfang abzeichnet: Eine in zu vielen Bereichen unschlagbar gute Heldin. Damit verliert sie an Charisma und ist weder schillernd noch interessant. Als junge Schönheit, hervorragende Ärztin, gewitzte Frau in Hosenrolle und geduldige Pflegerin ihrer hypochondrischen Tante vereint sie ein wenig zu viel des Guten auf sich. Anders die anderen Charaktere, die facettenreich, überraschend und überzeugend gestaltet sind. Sie machen die in ihrer Perfektion zu schwache Heldin wett und bilden einen Reigen von Figuren, die zusammen eine gute und glaubwürdige Geschichte ergeben. Dass die Charaktere ihren Charme entfalten können, liegt nicht zuletzt an der Erzählkunst der Autorin.

Gut präsentierter Hintergrund

Sehr schön zum Tragen kommen die historischen Fakten bezüglich der medizinischen Ausbildung in Padua. Charlotte Thomas versteht es ausgezeichnet, sowohl die guten als auch die übleren Seiten darzustellen. Wenn sie beschreibt, wie eine Leiche in der Anatomie vor Publikum seziert wird, glaubt man, den unangenehmen Gerüchen persönlich ausgesetzt zu sein. Aber auch die Erkenntnisse, die die einzelnen Protagonisten nach und nach durch die anatomischen Studien gewinnen, werden sehr gut begründet und dargestellt. Dieser Bereich des Buches gehört auf jeden Fall zu den Perlen unter historischen Büchern über Medizin.

Nicht zu Ende erzählt

Obwohl das Ende des Buches durchaus zur Geschichte passt und auch einen vorläufigen Schlusspunkt setzt, mag man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Cliffhanger produziert wurde, um die Geschichte um die Familien Caliari und Bertolucci weiter zu erzählen. Da man die Lektüre des ersten Romans mit einer gewissen Leichtigkeit genießen kann und die Autorin einen zügigen und überzeugenden Roman vorlegt, darf man auf eine mögliche Fortsetzung durchaus gespannt sein.
Sehr gut gelungen ist aber nicht nur der Inhalt des Buches, sondern auch dessen Gestaltung. Nicht nur, dass der Verlag auf ein attraktives Cover setzt, auch die Buchinnenseiten sind hochwertig gestaltet. Eine Bereicherung sind die Bilder und die mit Blüten dargestellten Kapitelanfänge. Hier zeigt sich, dass eine sorgfältige Gestaltung die Attraktivität eines Buches in jeder Hinsicht unterstreichen kann.

 

Das Mädchen aus Mantua

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