Der goldene Berg

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2011, Titel: 'The Mountain of Gold', Originalausgabe

Couch-Wertung:

65
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Rita Dell'Agnese
Amüsante Lektüre über einen jungen Kapitän

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Lügen, Verrat und das Gold von Afrika. Im Sommer 1663 kapert eine englische Fregatte unter Kapitän Matthew Quinton im Mittelmeer eine Korsarengaleere. An Bord: ein zum Islam konvertierter Ire, der schwört, er kenne die Route zu einem sagenhaften goldenen Berg in Afrika. Leider erreicht die Kunde London schon vor Quintons Rückkehr. Und so wird er vom finanziell klammen König für eine Expedition verpflichtet - nach Gambia, wo das Fieber herrscht und auch andere europäische Nationen längst auf Schatzsuche sind. Auf dem Weg entlang der Küste des Schwarzen Erdteils erweist sich indes bald, dass die Feinde des Königs nicht nur in Frankreich und Holland sitzen...

 

Tiefschürfende Lektüre darf man nicht erwarten, wenn man den zweiten Band von J. D. Davies zu Kapitän Matthew Quinton zur Hand nimmt. In einem lockeren - zeitweise etwas zu oberflächlichen - Erzählton plaudert der Kapitän über sein Leben. Das ist, dank einer Fülle von Zufällen, recht abwechslungsreich, wird der unerfahrene Mann doch immer wieder in Situationen gebracht, die er nur dank seiner naiv-optimistischen Lebenshaltung zu meistern versteht. In diesem zweiten Band um Matthew Quinton geht es um die Suche nach einem goldenen Berg in Gambia. Doch kommt der Kapitän beziehungsweise die Geschichte diesbezüglich nur zögerlich in Gang. Denn zunächst - und das macht gut zwei Drittel des Buches aus - versucht der junge Erbe von Ravensden zu verhindern, das sein älterer Bruder heiratet. Das nicht etwa, weil Matthew seinen Status als Erbe verlieren könnte, wenn aus der Ehe seines Bruders ein Sohn hervorgeht. Nein, Matthew möchte den Bruder, der sein Glück in der Liebe zu Männern findet, vor der Ehe mit einer Witwe bewahren, der nicht nur unterstellt wird, eine Hure zu sein, sondern auch ihre beiden Ehemänner ermordet zu haben. Zur Seite steht Matthew seine burschikose und oft derbe Ehefrau Cornelia.
So darf der Leser also zunächst mal einen tiefen Blick in die Abgründe der jeweiligen Familienmitglieder werfen und Vermutungen darüber anstellen, weshalb Matthews Mutter so an dieser Verbindung ihres Sohnes interessiert ist. Außerdem wird er mit einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten konfrontiert, die mal eben durch die Geschichte huschen oder darin gar eine ungewohnte Rolle übernehmen. Es sind letztlich so viele Persönlichkeiten, dass ein Personenregister eigentlich unabdingbar wäre, um den Überblick zu behalten, wer denn nun welche wichtige oder nebensächliche Rolle im Leben von Matthew Quinton und seinen Liebsten spielt. Doch ein solches Register sucht der Leser vergeblich.

Mit der Zeit wird's schal

Der lockere Plauderstil macht den Einstieg in die Geschichte einfach. Schnell fühlt man sich wohl an der Seite des unkonventionellen Kapitäns, der durchaus in der Lage ist, seine eigene Überforderung einzugestehen - wenn auch als alter Mann, als der er die Geschichte in Rückblende erzählt. Letzteres wird jedoch erst mit der Zeit deutlich. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet desto schaler wird der Geschmack. Der Plauderton bleibt derart oberflächlich, dass es ermüdend wird. Und wer sich auf eine Abenteuergeschichte gefreut hat, wird sich sehr lange gedulden müssen. Zwar bekommt er zwischendurch immer mal wieder ein Häppchen Mantel-Degen-Geschichte serviert, aber von Abenteuer ist dabei kaum die Rede.

Eher eine Parodie

Bei den Charakteren wird man vergeblich nach Tiefgang suchen. Die Figuren weisen in der Regel deutliche Züge von Parodie auf und dümpeln ohne echten Ausdruck durch die Geschichte. Dazu wird eine ganze Vielzahl von Klischees bedient, von denen dasjenige der leicht primitiven Holländerin mit höchst derben Umgangsformen - hier in der Figur von Ehefrau Cornelia - nur eines davon ist. So stellt sich die Frage, ob es dem Autor ernsthaft darum getan war, einen historischen Roman zu schreiben oder ob er nicht einfach eine amüsante Geschichte ohne besonderen Hintergrund präsentieren wollte und dafür die Kulisse des 17. Jahrhunderts gewählt hat.

Den ersten Band kennen

Besonders deutlich tritt zutage, dass es sich bei Der goldene Berg bereits um den zweiten Teil der Geschichte handelt. Zwar versucht Davies, fehlendes Wissen mit kurzen Rückblenden aufzufangen, doch sind die stetigen Verweise auf frühere Ereignisse mit der Zeit eher nervig denn hilfreich. So ist es auf jeden Fall besser, den zweiten Teil der Geschichte um Matthew Quinton erst zu lesen, wenn man Kapitän seiner Majestät gelesen und daran Gefallen gefunden hat.

So kann man sich also mit der Geschichte um Kapitän Matthew Quinton durchaus unterhalten - einen informativen oder tiefgründigen historischen Roman sollte man sich allerdings nicht erhoffen. Vielmehr wird man etliche Elemente aus Werken früherer Jahrzehnte entdecken - so unter anderem aus Die drei Musketiere von Alexandre Dumas.

 

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