Die Heilerin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2011, Titel: 'Die Heilerin', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Authentische und packende Erzählung über eine Mennonitenfamilie, die gezwungen ist, in die neue Welt auszuwandern

Buch-Rezension von Daniela Loisl Feb 2011

Kurzgefasst:

Krefeld im 17. Jahrhundert. Für Margaretha und ihre Familie wird das Leben in der Stadt immer schwieriger. Da sie der mennonitischen Glaubensgemeinschaft angehören, werden sie wiederholt angegriffen. Plötzlich müssen sie über einen bisher unerhörten Plan nachdenken: Sollen sie in die Neue Welt auswandern? Doch kann Margaretha dann auch Hebamme und Heilerin werden wie ihre Mutter? Und was wird aus Jan, dem Jungen, den sie heimlich liebt? Die authentische Geschichte einer mennonitischen Familie, die nach Amerika auswanderte.

 

Die junge Margaretha lebt im späten 17. Jahrhundert mit ihrer Familie in Krefeld. Aufgrund ihres mennonitischen Glaubens kommt es immer wieder zu Übergriffen aus der Bevölkerung. Krefeld ist einer der letzten Zufluchtsorte für die Mennoniten, und da es vielen Familien sehr gut geht und sie sich auch gegenseitig stützen, kommt gerade in strengen Wintern und ernteschwachen Jahren Neid und Gehässigkeit auf. Die Übergriffe häufen sich und die Familie muss überlegen, wie ihr Leben weitergehen soll. Da erfahren sie von der Möglichkeit, nach Amerika auszuwandern, um dort ein neues Leben zu beginnen. Das Leben dort wird in den schillerndsten Farben präsentiert und Margarethas Brüder sind begeistert von dieser Idee, Margaretha selbst jedoch will nicht in die Neue Welt und versucht verzweifelt einen Weg zu finden, damit die Familie bleiben kann.

Wunderbare Zeichnung des Alltaglebens

Viel zu selten wird in historischen Romanen der Augenmerk auf das Alltagsleben gerichtet und deshalb ist es umso erfreulicher, dass Ulrike Renk diesem so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Wie schon in ihrem ersten historischen Roman Die Frau des Seidenwebers zeichnet sie auch in diesem Buch eine sehr authentische Welt der Mennoniten im 17. Jahrhundert. In leichter, aber keinesfalls platter Sprache nimmt sie den Leser mit in das Haus der Familie op den Graeff und veranschaulicht deren Lebensweise. Von den häuslichen Sitten und Gebräuchen der op den Graeffs erfährt man ebenso, wie man beim täglichen Kochen und Töpfe scheuern bis hin zum Schlachten eines Schweines Anteil nehmen darf. Mit feiner Leichtigkeit gibt die Autorin das Bild einer gut bürgerlichen Familie wieder und der Leser fühlt sich direkt in deren Mitte aufgenommen.

Passend zum Umfeld sind viele niederländische Ausdrücke mit eingebaut, und auch wenn diese nicht extra übersetzt sind, so ergibt sich der Sinn stets aus dem Gesamtgefüge des Satzes. Nur für das Wort "Gottegot" scheint die Autorin eine besondere Vorliebe zu haben, kommt dieses, gerade auf den ersten 200 Seiten des Buches, schon anstrengend oft vor.

Atmosphärisch dicht und stimmig

Die Stimmung und Zusammengehörigkeit der doch vielen Familienmitglieder ist spürbar und intensiv. Das jüngste Mitglied, Eva, ist vom Down-Syndrom betroffen, wird aber von allen, besonders von der Mutter, heiß geliebt. Mit viel Gespür skizziert die Autorin die Problematik einer Behinderung in der damaligen Zeit und gibt wieder, mit welch bornierten Vorurteilen die Familie zu kämpfen hat.

Das geordnete Leben ist jedoch schon lange nicht mehr das, was es war, denn Neid und Missgunst brodeln unterschwellig in der Bevölkerung. Zum Eklat kommt es, als auf eine schlechte Ernte ein sehr harter Winter folgt und gerade die ärmeren Leute unter der Kälte und unter Hunger leiden. Immer mehr Übergriffe finden statt und auch die op den Graeffs bleiben davor nicht verschont. Ulrike Renk beschreibt die immer größer werdende Belastung und die Ängste vor den Mitmenschen intensiv und beklemmend, aber nie mit erhobenem Zeigefinger. Durch Margaretha erlebt der Leser, wie die einst so positive und fröhliche Familie immer mehr unter der Last zerbricht. Und Margaretha, eine junge Frau geworden, verliebt sich in Jan und wünscht sich natürlich eine Familie.

Figuren aus dem wahren Leben

Ein Weggehen aus Krefeld schwebt zu dreiviertel des Buches über den Köpfen der Mennonitenfamilie, aber erst sehr spät wird die Auswanderung nach Amerika in die Tat umgesetzt. Margarethas Brüder Hermann und Abraham treffen letztendlich die Entscheidung, die Margaretha ängstlich erwartet.

Durch das Vertrautwerden aller Familienmitglieder überträgt sich das bange Gefühl, was sie denn in der Fremde erwarten könnte, besonders intensiv. Sehr glaubwürdig und nachvollziehbar wird der weite und ungewisse Weg nach Amerika beschrieben und auch die Ankunft und das Zurechtfinden in der neuen Welt werden sensibel und subtil dargestellt.

Ein wirklich lesenswertes Buch, dessen Titel nicht so wirklich passen mag. Einerseits lernt zwar Margaretha von ihrer Mutter mit Heilpflanzen umzugehen, dies trägt aber nicht maßgeblich zu der Entwicklung der Geschichte bei, und anderseits suggeriert der Titel eher seichte und oberflächliche Unterhaltung, was bei diesem wirklich intensiven und tiefgängigen Buch absolut nicht der Fall ist.

Wer mehr vom Leben der gut-bürgerlichen Menschen des 17. Jahrhunderts wissen möchte und auch keine Scheu hat, sich mit den Problemen Andersgläubiger auseinanderzusetzen, wird mit diesem historischen Roman bestens bedient sein.

 

Die Heilerin

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Letzte Kommentare:
08.04.2011 14:30:20
Bratmax

DIE HEILERIN von Ulrike Renk ist ein lesenswerter Roman, doch gegen Mitte-Ende verfällt er leider in einen 08/15 Roman, obwohl der Anfang richtig gut war. Mir gefällt, dass die Handlung in Krefeld spielt, man merkt, dass die Autorin auch persönlich aus Krefeld kommt. Man erfährt viel über die Stadt und die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten und Quäker. Insgesamt kein herausragender, aber doch lesenswerter Roman.