Abgründe der Macht

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Abgründe der Macht', Originalausgabe

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64
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Carsten Jaehner
Der Beginn der Herrschaft Ottos des Großen mit Schwächen

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2011

Kurzgefasst:

Am 7. August 936 wird in Aachen ein neuer Kpönig gekrönt: Der junge Herzog Otto von Sachsen besteigt den Thron, um über das Ostfrankenreich zu herrschen und später Kaiser des deutsch-römischen Reichces zu werden. Otto muss in seinen ersten schweren Regierungsjahren zahlreiche Kämpfe ausfechten, sowohl gegen Intrigen und Mordpläne aus den eigenen familiären Kreisen als auch auf dem Schlachtfeld. An seiner Seite findet sich schon früh seine geliebte Gemahlin Editha, deren Rat er immer vertraut.

 

Der junge Herzog Otto von Sachsen wird am 7. August des Jahres 936 in Aachen zum König gekrönt und ist nun Herrscher über das Ostfrankenreich. Er ist erst 23 Jahre alt und wird von vielen als schwacher und unerfahrener König zu Anfang belächelt. Vor allem sein älterer Halbbruder Thankmar, Sohn aus erster Ehe seines Vaters, König Heinrich I., durch dessen zweite Heirat allerdings von der Thronfolge ausgeschlossen, schmiedet Ränkepläne. Doch auch Ottos jüngerer Bruder rebelliert mit Heeren gegen ihn.

Nicht einmal seine Mutter kann Otto von seinen Qualitäten als König überzeugen, und so ist seine Frau Edgith die einzige, die scheinbar auf seiner Seite ist. Nur allmählich kann er die Fürsten und Herzöge auf seine Seite ziehen, muss aber gelegentlich gegen seine Brüder ins Feld ziehen, auch wenn er lieber Verhandeln als Krieg führen würde. Schon früh wünscht er sich, dass man lieber miteinander als gegeneinander kämpfen solle, allerdings ist es noch harte Arbeit, seine Gegner ebenfalls davon zu überzeugen.

Auch muss sich Otto Mordanschläge gegen sich überstehen und Verräter in den eigenen Reihen stellen, ehe sich allmählich seine Stellung und seine Macht durchsetzen können. Durch die eine oder andere List gewinnt er die Sympathien der Menschen und die Schwerter der Feinde, uns nach und nach steigt sein Einfluss. Immerhin wird er später einmal Otto der Große sein, Kaiser des deutsch-römischen Reiches. Doch bis dahin ist es langer, mühseliger und steiniger Weg.

Feinde in der eigenen Familie

Robert Gordian nimmt sich in seinem Roman Abgründe der Macht einer Epoche an, die bislang von der Belletristik mehr oder weniger vernachlässigt wurde. Und es wird auch schnell klar, warum: Viele ungewohnte Namen, die sich auch des öfteren wiederholen ("Heinrich"), Titel und längst von der Geschichte vergessene Namen und Landstriche machen es dem Leser schwer, dem Geschehen konzentriert zu folgen. Wenn man das Buch für längere Zeit weglegen musste, ist es nicht immer einfach, wieder in die Lektüre einzusteigen. Dies gilt allerdings nicht immer.

Dabei hat Gordians Roman einiges zu bieten. Otto, oder Odda, wie er familienintern genannt wird, ist ein junger, aufstrebender König mit Visionen, die leider von seinen Angehörigen nicht geteilt werden. Ränke und Betrug hemmen seinen Eifer, er kann nicht schalten und walten, da er sich mehr um andere Dinge kümmern muss, als er eigentlich möchte. Dass seine Mutter Mathilde mit zu den Drahtziehern um die Streitigkeiten gegen ihn gehört, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.

Wenig Entwicklung

Leider beschränkt sich die Entwicklung Ottos im Roman im wesentlichen auf die Erkenntnis, dass es besser sei, gemeinsam gegen einen Feind zu kämpfen als sich untereinander zu bekriegen. Otto lebt von Verschwörung zu Verschwörung, und von dem, was er dazwischen macht, erfährt man nicht viel. Die Verschwörung laufen immer irgendwie über seinen jüngeren Bruder Heinrich, werden entdeckt, Heinrich wird begnadigt, und sobald er fort ist, schmiedet er wieder neue Pläne bis zum nächsten Angriff auf Otto. Das ist wenig einfallsreich, und somit lässt auch die Spannung immer mehr nach. Natürlich kann der Autor nichts dazu erfinden, was die Historie nicht hergibt, aber gerade dann wäre es wünschenswert gewesen, den Fokus nicht nur auf die Intrigen um seine Familie zu legen, sondern sich auch ein oder zwei Nebenhandlungen einfallen zu lassen, die mehr über die Zeit und das Leben erzählt hätten.

So bleiben auch letztlich die Charaktere im Roman ohne nennenswerte Entwicklung. Erst nach der letzten Intrige im Roman wird Heinrich reumütig zu Otto kehren und sich auf seine Seite schlagen, wie im Nachwort erklärt wird. Hier wäre eine Entwicklung zu sehen gewesen, doch leider endet der Roman vor dieser Entwicklung. Die komplizierten politischen Machtverhältnisse und die wankelmütigen Herzöge und Fürsten erschweren es dem Autor, einen spannungsgeladenen, stringenten Roman zu verfassen, und so liest sich der Roman zwar flüssig, allerdings muss man bei der Stange bleiben, um nichts zu vergessen.

Kein nennenswerter Spannungsbogen

Der Roman endet im Jahr 939, nur drei Jahre nach Ottos Krönung, und der wirklich interessante Teil wie die Schlacht gegen die Ungarn im Jahr 955 auf dem Lechfeld bleibt ausgespart. Vielleicht legt der Autor ja noch einen oder mehrere weitere Romane um Otto vor, die dann das Leben des künftigen Kaisers beschreiben. So bleibt ein Roman, der nett zu lesen ist, aber leider keinen Spannungsbogen hat. Immerhin wartet er mit einem Personenverzeichnis und einem Glossar auf, die dem interessierten Leser manche Frage beantworten mag. Die Kapitel des Romans sind erfreulich kurzgehalten, deren Unterteilung allerdings nicht immer schlüssig.

Mit Abgründe der Macht hat Robert Gordian bestimmt nicht seinen stärksten Roman vorgelegt, aber er hat längst bewiesen, dass er es anders kann. Bleibt zu hoffen, dass sein nächster Roman wieder mehr Tempo und mehr Zug in der Dramaturgie hat. Warum der Verlag Philipp von Zabern den Roman im Flexicover, einer Art Mischcover zwischen Hardcover und Taschenbuch, vorlegt, bleibt auch ein Geheimnis des Verlages. Es liegt komisch in der Hand und macht einen ebenso unentschlossenen Eindruck wie der Roman selbst. Aber vielleicht ist zumindest das Cover Gewöhnungssache.

 

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