Der himmlische Gemahl

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2004, Titel: 'The Divine Husband', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Auf der Suche nach der Geschichte zwischen den Erzählungen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2011

Kurzgefasst:

Guatemala, spätes 19. Jahrhundert: María des las Nieves Moran, eine verträumte, belesene Novizin, soll mit Jesus verheiratet werden. Doch ausgerechnet auf ihre beste Freundin im Kloster, die schöne Paquita, fällt das begehrliche Auge eines mächtigen Generals. Um sie zu bekommen, lässt er alle Klöster schließen und zwingt Paquita zur Ehe. María findet eine Anstellung in der britischen Gesandtschaft und trifft dort auf den kubanischen Freiheitskämpfer und Poeten José Marti. Hin und her gerissen zwischen ihren traditionellen Werten und dem begeisternden Liberalismus eines Mannes, der die Gleichheit aller Menschen in berauschenden Gedichten besingt, folgt sie ihm durch die Ballsäle und Kaffeeplantagen des Landes. Viele verehren, viele begehren María, und als sie Jahre später zusammen mit Paquita heimlich das Land in Richtung New York verlässt, nimmt sie ihre kleine Tochter mit und verweigert beharrlich die Antwort auf die Frage, wer der Vater des Mädchens sei...

 

Was passiert, wenn ein einflussreicher Mann ein Mädchen begehrt, das in einem Kloster erzogen wird? Nichts scheint naheliegender, als dass er seinem Traum entsagt und das Mädchen verloren gibt. Nicht so der General in Der himmlische Gemahl. Er lässt kurzerhand alle Klöster schließen und heiratet seine Angebetete. Doch mit der Schließung der Klöster bestimmt der General nicht nur über das Leben von seiner Paquita, sondern auch über das Leben der Nonnen, die bis dahin ein Leben in Abgeschiedenheit - und teilweise Fanatismus - gelebt haben. Besondern Paquitas beste Freundin und Ziehschwester Maria des las Nieves Moran trifft es hart. Sie wollte eben das Gelübde ablegen und muss sich nun einer ganz anderen Welt stellen. Dass sie indianische Wurzeln hat, erleichtert ihr Leben nicht, denn damit sind ihr im Guatemala des 19. Jahrhunderts viele Wege verbaut. Erst die Liebe zum Freiheitskämpfer José Marti zeigt der bis dahin haltlosen Maria des las Nieves Moran einen Weg.

Viel Geduld gefragt

Von einem lebensprallen Sitten- und Gesellschaftsroman ist auf dem Klappentext die Rede. Doch davon ist auf den 699 Seiten wenig zu spüren. Der Autor breitet sich episch über Familienzusammenhänge aus, macht unwillkürliche Zeitsprünge und flicht mitten in eine Handlung Erläuterungen und ausgedehnte Rückblenden ein. Damit geht er einen Weg, der sich alles andere als Lebensprall ausnimmt. Denn um zu verstehen, was Francisco Goldman eigentlich erzählen möchte, ist sehr viel Geduld gefragt. Oft erschließt sich eine Szene erst viel später, dann nämlich, wenn sie nochmals in Ruhe durchgelesen wird und aller "Ballast" beiseitegeschoben ist. Dass die Sprache einen starken Hang zum Schwülstigen aufweist, kommt erschwerend hinzu. Und so bekommt die Klappentext-Ankündigung hier einen ganz eigenen Sinn: Der lebenspralle Roman ist so üppig, dass er vor allem erdrückt.

Die Protagonisten lassen sich kaum fassen

Schwierig ist es, mit den Protagonisten umzugehen. Nicht nur, dass der verhaltene Sadismus von Maria des las Nieves alles andere als sympathiefördernd ist, die "Heldin" wird so blass skizziert, dass sie über den ganzen Roman hinweg kaum zu fassen ist. Einzig der Freiheitskämpfer José Marti hat ein Charisma, das sich durchsetzen kann. Alle anderen scheinen in einem riesigen Kochtopf zu einer undefinierbaren breiigen Masse vermengt. Besonders unangenehm ist hier die Namensgebung, wimmelt es doch von Marias aller Art, die jeweils einen ganzen Rattenschwanz von Namenszusätzen mit sich schleppen. Die so aneinandergereihten ähnlichen Namen ermüden das Auge und lassen über einige Strecken hinweg sehr ausgedehnte Längen aufkommen.

Spannender Kern

Dieser Roman gleicht einer Frucht mit harter Schale, an der man sich durchaus die Zähne ausbeißen kann. Nur wer zum süßen Kern vordringt, wird dort eine Geschichte finden, in der die Poesie des Lebens zu entdecken ist. Tatsächlich legt Francisco Goldman seinen Finger immer wieder auf schwelende gesellschaftliche Wunden und zeigt Entwicklungen vor dem Hintergrund einer diktatorischen Macht auf. Leider ist dieser Teil der Geschichte so beladen und erschlagen von der erdrückenden Üppigkeit der Erzählung, dass man eher geneigt ist, den Roman entnervt weg zu legen, denn sich auf die Suche nach dem süßen Kern zu machen. Dass der Autor immer wieder in Klammerbemerkungen, die sich über mehrere Zeilen hin ziehen, erklärende Einschübe macht, rückt das Buch stark in die Nähe eines nur in kleinsten Einheiten genießbaren Geschichtsbuches über die gesellschaftliche Entwicklung in Guatemala, aber auch in New York.

Empfohlen werden kann dieser Roman nur ausgesprochenen Fans von lateinamerikanischer Literatur und von epischen Darstellungen, die sich selber genügen, aber nicht unbedingt eine Handlung haben müssen. Eine schwer verdauliche Kost, die zwar in gefälliger Aufmachung steckt, sich aber als Unterhaltungsroman definitiv nicht durchsetzen kann.

 

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