Die Chronik des Mönchs

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Acabus, 2011, Titel: 'Die Chronik des Mönchs. Abenteuer unter Heiden', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Daniela Loisl
Waghalsiges Abenteuer in einer beklemmend düsteren Zeit

Rezension von Daniela Loisl Feb 2011

Kurzgefasst:

Das Siedlungsgebiet Schleswig-Holstein im 9. Jahrhundert: Sachsen, Abodriten und Wikinger treffen aufeinander. Teilweise bereits christlich, teilweise noch heidnisch, stehen sich die Stämme meist feindlich gegenüber. Es ist eine Zeit der Umbrüche. Grausamkeiten, Kriege und Raubzüge sind an der Tagesordnung. Der Mönch Wilfrith verfasst eine Chronik über die Ereignisse des Winters 880/881 - eine Geschichte voller Abenteuer, Glauben und Zweifel, Kampf und Liebe.Von Hamburg aus bricht er mit einer Handvoll Gefährten auf und durchquert die Sümpfe, Wälder und Meere jenseits des limes saxoniae und des Danewerk, um seinen verschollenen Lehrer, den Missionar Dietrich, zu suchen. Doch die Reise führt weiter als gedacht und die Zeit drängt, denn der nordelbischen Heimat droht eine unerwartete Gefahr. In seiner Hamburgischen Kirchengeschichte aus dem Jahre 1076 berichtet Adam von Bremen knapp von einem fast vergessenen Abenteuer: wo Burwido gegen einen Kämpen der Slawen einen Zweikampf bestand und denselben tötete.

 

September 881: Der Mönch Wilfrith sitzt an seinem Pult im Scriptorium und hängt gedankenverloren den Erinnerungen nach. Er hat sich vorgenommen, die abenteuerlichen Ereignisse des vergangenen Winters niederzuschreiben, und das möglichst genau und mit allen Einzelheiten. Wilfriths Lehrer, der Mönch Dietrich, reiste schon vor Wochen in Begleitung ins Land der Abodriten und kam nicht mehr zurück. Wilfrith fühlt sich verpflichtet, seinen alten Lehrer zu suchen und bricht mit seinem jüngeren Bruder Burwido und Freunden auf, um sich auf die Suche nach dem alten Mönch zu machen. Welch schwieriges Unterfangen diese Suche darstellte und welchen Gefahren die Freunde ausgesetzt waren, hält Wilfrith danach in einer Chronik fest.

Ungewöhnliche Geschichte in einer selten beschriebenen Umgebung

Ein schwarzes Taschenbuch in Übergröße mit knapp 300 engbeschriebenen Seiten, auf dessen Cover ein slawisches Götteridol prangt und der Name eines unbekannten Autors zu lesen ist, sagen nichts über die Qualität des Buches aus. Ist die Inhaltsbeschreibung auch ausführlich, so weiß man dennoch nicht was einem im Buch wirklich für eine Geschichte erwartet. Die Aufmachung des Buches spiegelt aber exakt das wieder, was das Buch erzählt.
Sven Kantelhardt lässt seine Geschichte im 9. Jahrhundert, im Frühmittelalter, spielen und hat schon damit eine nicht so "gängige" Epoche gewählt. Aber nicht nur die Zeit, sondern auch die Schauplätze sind ungewöhnlich und ob der vielen fremdartig klingenden Ortsnamen und Bezeichnungen auch gewöhnungsbedürftig.
Das Abenteuer spielt in Sachsen und im Land der Abodriten. Die alten Städte- und Siedlungsnamen wie Hammaburg (Hamburg), Michilinburg (Mecklenburg) oder Liubice ((Alt-)Lübeck) hat der Autor im Anhang erklärt und dort findet man auch zwei Karten, um das Abenteuer der Protagonisten nachvollziehen zu können.

Glaubwürdige Darstellung der damaligen Welt

Schon nach wenigen Zeilen weiß der Leser, dass dies keiner der üblichen historischen Romane ist, den er hier in den Händen hält. Obwohl Kantelhardts Sprache schlicht und faktisch ist, nimmt der Leser sofort die beklemmend bedrückende Atmosphäre wahr, die ihn scheint´s bis zum Ende des Buches begleitend wird. Da die Geschichte selbst im Winter spielt, macht dies noch sein Übriges. Das Abenteuer beginnt eher gemächlich und es ist nicht gerade die große Spannung, die einem beim Lesen hält, sondern die immense Gabe des Autors, die damalige Welt empirisch und glaubwürdig darzustellen.

Zwar ist die Erzählung gerade im ersten Viertel des Buches etwas träge, aber das Durchhalten lohnt sich schon ob der ausnehmend schönen Schilderung der täglichen Nichtigkeiten, die die Protagonisten auf der Suche nach dem verschwundenen Mönch erleben. Die üppige und kurz gefasste Erzählweise reflektiert das Leben der Figuren auf ihrer abenteuerlichen Suche nach Dietrich ausnehmend interessant und eröffnen dem Leser einen gänzlich neuen Blickwinkel.

Figuren wie aus einem Geschichtsfilm entlehnt

Wilfrith, der Mönch, der das Abenteuer in einer Chronik festhält, sein jüngerer Bruder Burwido, Vlad und Willehad, zwei sächsische Knechte; diese vier machen sich auf ins Abodritenland. Kantelhardt vermeidet überflüssige Beschreibungen der Figuren, und trotzdem erwachen sie vor dem geistigen Auge des Lesers und entwickeln sich auf individuelle Weise. Die Begegnung mit Herzog Otto und Burwidos Kampf gegen den tapferen Abodritenfürst Oklot, zählen zu den Höhepunkten des respektierlichen Romans.

Eine außergewöhnliche Geschichte, selten gesehene Schauplätze und Figuren, dargestellt in ebenso unüblicher Form, machen diesen historischen Roman zu etwas Besonderem. Einzig die Spannung hätte von vornherein straffer sein können, ist aber schon das einzige Manko, das man aufzeigen kann. Ein vielversprechender Debutroman, dem hoffentlich noch mehr nachfolgen werden.

Der Autor hat zur Erklärung vieler fremder Ausdrücke die Wörter mit kleinen Zahlen versehen, die am Ende des jeweiligen Kapitels erklärt werden. Um den Lesefluss durch ständiges Hin- und Herblättern nicht stören zu müssen, wären Fußnoten für den Leser bequemer gewesen.

 

 

 

 

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