Die Blutsäule

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2011, Titel: 'Die Blutsäule', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Carsten Jaehner
Mord zu Zeiten des Kölner Dombaus

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2011

Kurzgefasst:

Brutale Morde im Schatten des Doms Köln 1248. Gerhard von Rile hat soeben seinen Dienst als Dombaumeister angetreten, als ein verheerender Brand den alten Dom vorzeitig vernichtet. Doch damit nicht genug, sein Neffe Gerwich wird Zeuge eines Mordes, der kein Einzelfall bleibt: Junge Männer aus den verfeindeten Ständen der Händler und Handwerker sterben. Doch kein Richter entscheidet über Schuld oder Unschuld der Verdächtigen, sondern ein Stein, der magische Kräfte haben soll: die Blutsäule. Können die Mönche Albertus Magnus und Thomas von Aquin, denen Gerwich sich angeschlossen hat, die Morde aufklären? "Finde den Mann, der die Säule von Sankt Gereon beherrscht, und das Töten wird ein Ende haben."

 

Im Köln des Jahres 1248 hat soeben der neue Dombaumeister Gerhard von Rile sein neues Amt angetreten, der einen neuen und größeren Dom als den bisherigen bauen soll. Dazu sollen Teile des alten Doms kontrolliert abgebrannt werden, doch die Flammen verbrennen mehr als ursprünglich geplant. Zudem wird sein Neffe und vermeintlicher Lehrling Gerwich, der aber leider nicht schwindelfrei ist, Zeuge eines Mordes.

Ein Verdächtiger soll, alten Bräuchen gemäß, nicht von einem Richter abgeurteilt werden, sondern seine Hände an einen Stein legen, der die "Blutsäule" genannt wird. Passiert nichts, ist er unschuldig, bluten seine Hände, ist er schuldig und stirbt sowieso. Er legt seine Hände auf die Säule, woraufhin die Hände anfangen zu bluten und er stirbt, und man meint den Mörder gefunden zu haben, doch kurz darauf sterben weitere junge Männer aus den Handwerkergilden.

Zur gleichen Zeit kommen die Mönche Albertus Magnus und sein Schüler Thomas von Aquin aus Paris nach Köln, um ein neues Studium Generale einzurichten. Sie geraten in die Geschehnisse, und entgegen seiner eigentlichen Berufung beginnt Albert mit Hilfe des Jungen Gerwichs und mit dem unwilligen Thomas an, zu ermitteln. Dabei stoßen sie auf alte Bräuche und Dinge, die eigentlich verschleiert bleiben sollten.

Treffende Darstellung der Zeit

Mit der Blutsäule versetzt die Autorin den Leser in das mittelalterliche Köln, an den Baubeginn des heute in voller Pracht am Rhein stehenden Doms. Dabei beschreibt sie weniger die Bauarbeiten, sondern mehr die politischen und handwerklichen Umstände drum herum, und zudem holt sie den Leser mühelos in das Köln der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Allerdings braucht die Autorin einen längeren Anlauf als in ihren vorherigen Romanen, bis sie den Leser zu packen weiß. Gerade die ersten ungefähr 100 Seiten lesen sich etwas lustlos, ehe die Geschichte so richtig in Fahrt kommt. Erst mit dem Auftauchen von Albert und Thomas bekommt die Geschichte Tempo, und die Schilderungen mit den beiden Mönchen sind denn auch intensiver gelungen als manch andere Stellen. Da geht schon einmal die Konzentration auf die Aufklärung der Mordfälle verloren, und man fragt sich unweigerlich, warum nur Albert ermittelt und nicht beispielsweise ein Stadtbüttel, zu dessen offiziellen Aufgaben das ja eigentlich gehören sollte.

Dennoch schafft die Autorin es ab einem gewissen Zeitpunkt, den Leser in das Geschehen zu holen, was nicht zuletzt an ihrer nachvollziehbaren und sympathischen Figurenzeichnung liegt. Man fühlt mit Gerwich mit, der nicht schwindelfrei ist und trotzdem Nachfolger seines Onkels als Dombaumeister werden soll. Doch ist er noch jung, und so steht seine Zukunft noch offen. Zudem wird er durch einen Naschlag auch erst einmal aus dem Verkehr gezogen, der ihn das Klettern auf Baustellen unmöglich macht, und ihn aber für eine Handwerkertochter interessieren lässt...

Gute Vorrecherche

Die Konstruktion der Mordgeschichte ist recht geschickt, flacht aber zum Ende etwas ab und kann dadurch auch nicht wirklich überraschen. Aber sie ist konsequent und dadurch nicht falsch oder verwerflich. Die Umstände, durch die das Verbrechen geschehen konnte bzw. musste, werden gut dargestellt. Überhaupt merkt man dem Roman seine gute Vorrecherche an. Das Leben in Köln innerhalb der Gilden ist gut dargestellt, das Stadtleben gut aufgeschlüsselt und das Leben innerhalb der Kirchen und Klöster nachvollziehbar dargestellt. Diese Teile liest man gerne und lässt sich bereitwillig auf sie ein, bilden sie doch das Salz in der Suppe eines historischen Romans.

In einem Nachwort wird dies von der Autorin nochmals angesprochen und die fiktiven von den realen Personen unterschieden. Vermisst werden allerdings für Nicht-Lateiner zum Teil die Übersetzungen der Sprachwendungen, denn Lateinkenntnisse können nicht bei jedem Leser vorausgesetzt werden. Insgesamt ein ordentlicher Roman, der den Leser in das Köln des Mittelalters und des Dombaus entführt und der trotz kleinerer Schwächen durchaus als gelungen bezeichnet werden kann, wenngleich die Autorin bereits stärkere Romane vorgelegt hat. Einen schönen Einblick in das Mittelalter und seine Rituale und Aberglauben bietet er allemal, und das bietet heutzutage auch nicht jeder Roman.

 

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