Der indigoblaue Schleier

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2011, Titel: 'Der indigoblaue Schleier', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87
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Rita Dell'Agnese
Gelungene Verbindung von lieblicher Exotik und harter Realität

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2011

Kurzgefasst:

Goa im 17 Jahrhundert: Der junge Miguel wird in die portugiesische Kolonie entsandt, um sich um die Belange des väterlichen Handelshauses zu kümmern. Er ahnt nicht, dass eine geheimnisvolle Inderin seinen Ehrgeiz mehr anstacheln wird als alle unternehmerischen Herausforderungen. Die als Dona Amba bekannte Dame pflegt keinerlei Umgang mit ihren Mitmenschen, entblößt ihr Gesicht vor niemandem außer ihrer alten Amme und ist alles andere als begeistert von dem Interesse des heißblütigen jungen Mannes. Miguel aber lässt sich von ihr nicht abschrecken. Welches düstere Geheimnis hütet die verschleierte Schöne?

 

Nach unerwarteten Schwierigkeiten in seiner portugiesischen Heimat wird der junge Miguel von seinem Vater ins Handelshaus der Familie nach Goa in Indien geschickt. Er soll dort aufklären, weshalb immer wieder Waren fehlen. Nach anfänglichem Zögern beginnt er, sich mit der exotischen Welt, die ihn umgibt, auseinander zu setzen. Immer stärker verfällt Miguel zudem dem Zauber der geheimnisvollen Amba, die sich stets hinter einem indigoblauen Schleier verbirgt. Er ahnt, dass die wohlhabende Amba etwas zu verbergen versucht und setzt alles daran, dahinter zu kommen, weshalb die Frau sich versteckt. Amba ihrerseits, sonst stets auf Abstand zu den Menschen bedacht, kann sich dem Charme Miguels nicht verschließen. Sie ahnt jedoch, dass sie ihn damit in Gefahr bringt. Zudem taucht eines Tages eine "Verlobte" von Miguel in der Kolonie auf.

Geschickt eingeflochten

Wer Der indigoblaue Schleier zur Hand nimmt, erwartet wohl zunächst einmal, auf eine große Liebesgeschichte vor exotischem Hintergrund zu stoßen. Doch diese Erwartung dürfte schnell "enttäuscht" werden, denn der Roman ist wesentlich mehr als bloße Liebesgeschichte. Die Autorin schafft es, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse des Goa im 17. Jahrhundert geschickt in die Geschichte einzubinden und sie zu einem tragenden Element des Romans zu machen, ohne dabei zu schulmeisterlich zu wirken. Es entsteht ein lebendiges Bild von Goa, das einerseits noch stark dem alten, ursprünglichen Brauchtum verpflichtet ist, sich aber andererseits dem Diktat der portugiesischen Kolonialherren unterwirft und die neuen Regeln - zumindest vordergründig - umzusetzen versucht.

Spannende Persönlichkeiten

Es ist aber nicht nur die lebendige Atmosphäre, die in diesem Roman besticht. Ana Veloso hat die Geschichte mit einer Vielzahl von interessanten, vielschichtigen Protagonisten bestückt. Nicht nur Miguel und Amba sind gut ausgearbeitet, auch die übrigen Persönlichkeiten bestechen durch eine überraschende Natürlichkeit, die auch negative Eigenschaften einschließt. Einzig Miguels Reisegenosse Carlos Alberto und der in Goa auftauchende Inquisitor scheinen im Vergleich dazu etwas gar zu eindimensional gezeichnet. Doch ist diese klare Zuordnung angesichts der Lebendigkeit der übrigen Figuren durchaus zu verkraften, ohne der Geschichte Abbruch zu tun. Sehr schön dargestellt hat Ana Veloso die Unterschiede der beiden Kulturen - sie stellt die Einheimischen den Portugiesen gegenüber, ohne die eine oder andere Position zu werten. Damit schafft sie es, ein überzeugendes Bild einer lebendigen Stadt zu präsentieren.

Leicht zu lesen

Auch sprachlich überzeugt die Autorin, indem sie ein leicht lesbares und flüssig geschriebenes Werk vorlegt, das auf den gut 700 Seiten kaum Längen aufweist und genügend zu fesseln vermag, dass man bei der Lektüre dabei bleiben möchte. Die sonst den Fokus eher auf Südamerika legende Autorin hat mit diesem Buch bewiesen, dass sie eine hervorragende Beobachterin und Erzählerin ist, die dazu einlädt, in fremde Kulturen einzutauchen. Dies, ohne dabei die Exotik zu verherrlichen. Denn Ana Veloso spricht durchaus verschiedene soziale, kulturelle und gesellschaftliche Probleme an, und macht sichtbar, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten. Einzig das Fehlen jeder Zusatzleistung, wie etwa ein Personenverzeichnis, ein Nachwort oder eine Landkarte, auf der zu sehen ist, wo Goa liegt, sind bedauerlich.

Wer bereit ist, sich auf den Roman einzulassen und die Erwartungen an eine mit vielen Liebesszenen geschmückte Geschichte zu dämpfen, wird sich von Der indigoblaue Schleier verzaubern oder zumindest gut unterhalten lassen können.

Der indigoblaue Schleier

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