Die Königin der Weißen Rose

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'The White Queen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Daniela Loisl
Ein zermürbender Kampf um die Krone

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jan 2011

Kurzgefasst:

England, 1464: Die Adelshäuser York und Lancaster kämpfen erbittert um den Thron. Als König Edward, der Erbe der Weißen Rose, der schönen jungen Witwe Elizabeth Woodville begegnet, ist es um beide geschehen. Doch Elizabeth weigert sich, Edwards Mätresse zu werden. Da heiratet der König sie entgegen allen Standesschranken - ein ungeheurer Skandal! Und keine Frau im Königreich hatte je so viele Feinde. Neid, Missgunst und Intrigen bringen Elizabeth und ihre Familie in größte Gefahr. Ihre Widersacher nennen sie eine Hure. Sie nennen sie eine Hexe. Doch Elizabeth weiß: Sie ist die Königin.

 

Seit Jahren herrscht ein Kampf zwischen den Adelshäusern York und Lancaster, denn beide Familien pochen auf das Recht der Krone, um so den rechtmäßigen König zu stellen. Als Edward IV. es nach vielen harten und grausamen Schlachten schafft, König zu werden, trifft er bei einem Jagdausritt auf die Witwe Elizabeth Grey. Sie möchte ihn bitten, ihr zu ihrem Recht zu verhelfen und ihr den enteigneten Gutshof wieder zu geben, der ihr nach dem Tod ihres Mannes genommen wurde, weil er für die vermeintlich falsche Seite kämpfte. Edward, als Frauenheld bekannt, ist von der schönen Elizabeth hingerissen und möchte sie zu seiner Mätresse. Elizabeth jedoch weißt dieses Angebot entrüstet zurück und so heiratet Edward sie heimlich. Ein Skandal, steht Elizabeth Grey doch weit unter seinem Stand. Aber nicht nur durch den Standesunterschied wachsen die Probleme, sondern auch Neid und Intrigen machen dem Königspaar das Leben schwer und lassen sie nie zur Ruhe kommen.

Hervorragende Einblicke in die Rosenkriege

Dass Philippa Gregory ein enormes Geschichtswissen hat und ihre Romane auf fundierter Recherche aufgebaut sind, ist den Liebhabern ihrer Bücher bekannt. Die "Rosenkriege" sind ein tragender Teil der englischen Geschichte und die unerbitterlichen Kämpfe zogen sich über viele Jahre hin. Das Ende dieser Fehden, nach Edward IV. war sein Bruder Richard III. der letzte König des Hauses York, schildert Gregory mit immensem Feingespür für Details und gewährt dem Leser einen Einblick aus einer gänzlich neuen Perspektive.

Gute Erzählung, etwas schwächelnde Sprache

Philippa Gregory hat das Ende der Rosenkriege zum Thema gewählt und gewohnt eindrucksvoll festgehalten. Obwohl sich in ihren Büchern im Grunde alles um die englisch historische Politik dreht, versteht es die Autorin stets, diese dem Leser nicht nur authentisch, sondern auch mitreißend und gefühlvoll zu erzählen, so dass man wirklich sagen kann: "So könnte es gewesen sein".
Man steht von Beginn an in der Geschichte und Schritt für Schritt baut sich Verständnis und auch ein Gefühl dafür auf, unter welchem Druck die Königsfamilie stets gestanden haben muss. Anschaulich und glaubhaft werden die steten Spannungen, Intrigen und der unterschwellige Neid bis hin zum Hass geschildert und vertrauen konnten Elizabeth und Edward oft nicht einmal den eigenen Familienmitgliedern.
Die Geschichte bleibt stets straff, so dass nie Längen aufkommen, aber so makellos wie einem die Erzählung erscheint, so gehoben würde man sich auch die Sprache wünschen, die doch etwas sehr "einfach" ist. Ob dies jetzt rein der Autorin angekreidet werden kann, oder ob da auch die Übersetzung geschwächelt hat, lässt sich leider nur sagen, wenn man das Buch im Original liest.

Packende und interessante Figuren

Die Autorin lässt ihre Protagonistin Elizabeth die Geschichte erzählen und schafft es auf subtile Weise, dass sehr wohl auch ihre Schwächen und Fehler aufgezeigt werden.
Trotz der vielen Namensgleichheiten der Figuren - es gab damals unzählige Edwards und Richards - fädelt Gregory dies stets so geschickt ein, das man immer weiß wer gemeint ist und das bei einer sehr großen Anzahl an Darstellern. Edward schildert sie einerseits als einen hart und teilweise sogar skrupellos durchgreifenden König, wenn es um die Macht geht, aber anderseits zeigt sie von ihm auch eine sehr weiche und beinah schon naive Seite, wenn es um seine Brüder oder seine Mutter geht.
Gewisse Freiheiten hat sich die Autorin bei der Schilderung der "Prinzen im Tower" genommen. Da dieser Part der Geschichte jede Menge an Spekulationen zulässt, hat sie die für ihren Roman wohl passendste ausgewählt und als Leser wünscht man sich, dass es vielleicht doch so gewesen war.

Ein von Beginn an spannender und mitreißender historischer Roman, bei dem Politik nicht trocken und öde, sondern dramatisch und ergreifend geschildert wird. Äußerst positiv fällt auf, dass Gregory in diesem Buch ohne Kitsch und Sexszenen auskommt und dem Leser die innige Verbundenheit des Königspaares trotzdem überzeugend näher bringt.

 

Die Königin der Weißen Rose

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