Das Lied der roten Erde

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2010, Titel: 'Das Lied der roten Erde', Originalausgabe

Couch-Wertung:

66
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Rita Dell'Agnese
Netter Australien-Schmöker für verregnete Tage

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2010

Kurzgefasst:

Australien, 1800: Die junge Irin Moira kommt nach New South Wales, wo ihr ungeliebter, wesentlich älterer Ehemann als Arzt der Strafkolonie arbeiten soll. Einer der Sträflinge ist Duncan, ein verurteilter Rebell. Als Duncan Moira vor einem Überfall rettet, kommen die beiden sich näher. Ihre Liebe scheint jedoch aussichtslos, und so ergreifen sie gemeinsam die Flucht.

 

Als die junge Irin Moira den Bogen überspannt und ihre Eltern vor der Gesellschaft blamiert, verheiraten diese sie kurzerhand mit dem wesentlich älteren Arzt Alistar McIntyre. Der Arzt, den stets eine Düsterkeit umgibt, will in einer australischen Sträflingskolonie seinen Dienst antreten. Alistar bringt seiner Frau kaum Gefühle entgegen, Moira lehnt ihren Mann ab. Da tritt Duncan in ihr Leben. Der Sträfling erregt schnell das Interesse Alistars, der im jungen, kräftigen Mann eine ideale Testperson für seine medizinischen Experimente sieht. Als Moira in Duncans Armen Trost und Vergessen sucht, kommt es zum Eklat.

Sehr viele Klischees

Der Roman birgt nur wenige Überraschungen. Schnell weiß der Leser, worauf die Autorin hinaus möchte. Die Liebesgeschichte zwischen Moira und Duncan folgt denn auch ganz dem Muster von "junge Frau mit garstigem Ehemann rettet sich in die Arme des schönen, starken Helden". Der Verlauf der Geschichte bietet also kaum Anreiz, sich näher auf das Geschehen einzulassen. Die Autorin kommt daher auch sehr schnell zur Sache und verzichtet auf ein Katz- und Mausspiel, wie es bei dieser Konstellation in der Regel vorkommt. So bleibt die Liebesgeschichte eine recht banale und oberflächliche Angelegenheit, die so sehr auf der Hand liegt, dass sie gar etwas langweilig wirkt. Störend wirkt sich auch aus, dass die Protagonisten sehr klischeehaft ausgestaltet sind und mit wenigen Ausnahmen kaum Tiefe haben, geschweige denn einen facettenreichen Charakter aufweisen.

Toller Hintergrund

So seicht die Liebesgeschichte selber ist, so gelungen ist der historische Hintergrund. Er macht die eigentliche Qualität des Buches aus und weiß durchaus zu überzeugen. Einerseits ist die Verbissenheit, mit der Alistar McIntyre seine Forschungen betreibt, sehr eindrücklich dargestellt. Andererseits gelingt es der Autorin auch, die Atmosphäre in den Gefangenenlagern so zu schildern, dass vor dem geistigen Auge plastische Bilder entstehen. Dass ein sadistischer Offizier die Leute zusätzlich quält, ist jedoch leider wieder dem Klischee zuzuordnen. Schade, denn hier liegen die eindeutigen Stärken der Autorin. Sie vermag eindringlich zu erzählen und dadurch den Schmerz und die Entbehrungen, denen die Häftlinge ausgesetzt sind, fühlbar zu machen. Zu Höchstform läuft Inez Corbi bei Szenen auf, in denen die Gefangenen nur noch knapp mit dem Leben davon kommen. Hier kommt Spannung auf, man mag das Buch kaum aus den Händen legen. Und genau dies zeigt, dass die Autorin durchaus etwas zu bieten hat. Allerdings geht sie damit noch zu spärlich um.

Eher was für zwischendurch

Große Ansprüche darf man an Das Lied der roten Erde nicht stellen. Es ist eine traditionelle, wenngleich nicht besonders spektakuläre Liebesgeschichte vor einer gelungenen Kulisse. Dies wird in einer soliden Sprache serviert. Am ehesten eignet sich dieser Roman für einige nette Lesestunden an einem verregneten Tag oder als Urlaubslektüre am Strand.

 

Das Lied der roten Erde

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