Wiener Requiem

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2010, Titel: 'Requiem in Vienna', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Mordanschlag auf Gustav Mahler!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Dez 2010

Kurzgefasst:

Mord im Dreivierteltakt. Wien 1899: Aufregung an der Oper. Während der letzten Proben der Saison, die Gustav Mahler leitet, kommt eine junge Sängerin ums Leben. Ein Vorhang stürzt herab und erschlägt sie. Ein Unfall? Alma Schindler, eine junge Verehrerin des Meisters, glaubt nicht daran. Sie wendet sich an den Anwalt Karl Werthen. Er soll nachforschen, ob jemand Gustav Mahler nach dem Leben trachtet. Wenig später geschieht ein zweiter Mord - und es wird ein Attentat auf den berühmten Komponisten verübt.

 

Im Wien des Jahres 1899 bekommt Advokat Karl Werthen Besuch von Alma Schindler, einer jungen Dame und Verehrerin des Direktors und Chefdirigenten der Hofoper, Gustav Mahler. Bei einer Bühnenprobe hat sich ein schwerer Vorhang von oben gelöst und den berühmten Komponisten nur knapp verfehlt, dafür aber eine junge, aufstrebende Sängerin getötet. Alma bittet Werthen darum, ein Auge auf Mahler zu haben, als weitere Unfälle ans Tageslicht kommen.

Kurze Zeit später trifft auch der Kriminologe Gross ein, mit dem Werthen bereits einen Fall gelöst hat. Gemeinsam und schließlich im Auftrag des Prinzen höchstpersönlich, mit Unterstützung von Werthens Ehefrau Berthe, begeben sich die beiden in die Welt der Musik und des Theaters, um Mahler zu beschützen und in den Theaterferien einen weiteren Anschlag zu verhindern.

Dabei stossen die Ermittler auf weitere Todesfälle unter Komponisten, und es entspinnen sich unglaubliche Theorien, bis ein weiterer Anschlag verübt wird. Schließlich rückt eine Wagner-Aufführung näher, bei der die Wagner-Witwe Cosima persönlich zugegen sein wird, und man vermutet einen weiteren Anschlag...

Schöne Darstellung des spätkaiserlichen Wien

Nach ihrem erfolgreichen ersten Fall, in dem der Maler Gustav Klimt unter Mordverdacht stand, schickt Autor J. Sydney Jones sein Ermittlerduo, bestehend aus Advokat Werthen und Kriminologe Gross, ein zweites Mal durch das spätkaiserliche Wien, um Mordanschläge und Mordfälle mit prominenter Besetzung zu lösen. Dabei erwiest sich der Autor als Kenner der musikalischen Lage Wiens und den örtlichen Gegebenheiten und versteht es somit, den Leser einen Zeitsprung in die K.-und-K.-Monarchie machen zu lassen.

Noch kompakter als im Erstling Das Haus der Spiegel wird der Roman erzählt und bewegt sich dabei erneut in erlesensten Kreisen. Dabei steht vor allem der Komponist und Dirigent Gustav Mahler im Vordergrund, der zunächst die Anschläge auf ihn als Unfälle abtut, letztlich aber doch Ermittlungen zustimmt. Mahlers Porträt und das seiner künftigen Ehefrau Alma (da weiß der geneigte Leser mal mehr als Mahler und Alma selber) bestimmen dann auch den Roman, auch wenn es noch keine wirklich Beziehung zwischen beiden gibt. Nun, die Geschichte wird sich ihrer annehmen.

Wilde Verschwörungstheorien

Das Ermittlerduo trifft erst spät zusammen und wird ergänzt durch Werthens Frau Berthe, die seinen Bürokram erledigt. Die beiden haben erst kürzlich geheiratet, und Berthe hat ihren Mädchennamen behalten, was ein für diese Zeit sehr moderner Zug ist. Viel moderner wird es allerdings nicht, der Autor weiß das Wien in Stadt und Denkensweise um die Jahrhundertwende gut darzustellen.

Mahler flieht in den Theaterferien aufs Land, um zu komponieren, und so müssen Werthen und Gross an mehreren Stellen ermitteln. Dadurch wird der Fall etwas konfus und bekommt auch einige, wenn auch durchaus erträgliche Längen und man tritt im Fall eigentlich auf der Stelle. Da man nicht recht vorwärts kommt, werden zahlreiche wilde Verschwörungstheorien entwickelt, und einige Todesfälle rund um den Fall bringen die Ermittler schließlich auf die richtige Spur. Hier wären weniger falsche Fährten etwas übersichtlicher gewesen, aber trotzdem liest man dies mit einigem Vergnügen. Dass die Leser selber genau so lange im Dunkeln tappen wie alle anderen, ist aber mit der sehr späten und recht spektakulären Auflösung des Falles gut gelöst.

Es darf mehr plänkeln

Das Geplänkel zwischen Gross und Werthen ist nicht mehr so spritzig wie im ersten Fall, was wohl mit daran liegt, dass Gross erst später zum Fall dazustößt und Berthe den beiden mit Hilfe des neuen Mitarbeiters Tor viel Arbeit abnimmt. Gerne hätte man hier mehr Spitzen gelesen, die an die Münsteraner Tatort-Kommissare erinnern. Immerhin bietet der Roman einen interessanten Einblick in das Theaterleben, wenngleich hier durch die Theaterferien nicht so viele Intrigen ans Licht kommen, wie man sonst hätte einflechten können.

Leider fehlen wie schon beim Erstling jegliche zusätzliche Anhänge und Erklärungen, wenn man von einem kurzen Nachwort einmal absieht. Aber auch so ist der Roman ein interessanter und schöner Beitrag zum Gustav Mahler-Jahr 2011, denn natürlich starb der Komponist nicht schon 1899, sondern erst 1911. Vielleicht begegnet der Leser ihm ja noch einmal in einem der kommenden angekündigten Fälle von Gross und Werthen, die ja immerhin angekündigt sind. Vielleicht dann mit etwas mehr Schwung im Mittelteil, aber unterm Strich doch sehr gerne.

 

Wiener Requiem

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Letzte Kommentare:
31.07.2014 10:27:38
Harald

Gefallen hat mir die Fülle an Anekdoten, die der Autor in die Geschichte eingebunden hat und somit das Wissen über das Wien um 1900 durchaus vergrößert. Die leicht lesbare Sprache macht das Buch zu einem Sommerlesevergnügen, das ich auch anderen in der Musikgeschichte interessierten Menschen gerne weiterempfehle