Cherubim

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2010, Titel: 'Cherubim', Originalausgabe

Couch-Wertung:

86
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Birgit Stöckel
Erneut ein spannender und fesselnder historischer Kriminalroman im Nürnberg des 15. Jahrhunderts

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Nov 2010

Kurzgefasst:

Der neue Fall für Katharina Jacob: Nürnberg 1491. Die Heilerin Katharina Jacob verliert einen ihrer Patienten auf grausame Art: Dem Mann wurden die Augen ausgestochen. Doch er ist nur das erste Opfer einer Mordserie. Gemeinsam mit dem Anatom Richard Sterner nimmt Katharina die Ermittlungen auf. Diese führen sie nicht nur zu den Nonnen eines Dominikanerinnenklosters, sondern auch zu den Huren in Nürnbergs Gassen.

 

Nürnberg 1491: Gerade einmal ein paar Monate sind seit den schrecklichen Ereignissen und den um sich greifenden Wahnsinn, unter denen die Stadt im Sommer gelitten hatte, vergangen. Katharina Jacob, die junge Heilerin, hat sich inzwischen in ihr jetziges Leben eingefunden. Da es ihr verboten ist, ihrem Beruf nachzugehen, behandelt sie heimlich Bettler und andere der Ärmsten. Zudem muss sie sich um ihre bettlägerige Mutter kümmern, zu der sie eine gespannte Beziehung hat, und auch ihr Verhältnis zu Richard Sterner ist alles andere als einfach. Obwohl Katharina mit diesen Dingen mehr als genug zu tun hat, lassen sich die Erinnerungen an die "Engelsmorde" und die damaligen Geschehnisse nicht so einfach verdrängen. Das letzte also, was sie gebrauchen kann, sind erneute Morde. Doch als einer ihrer Patienten brutal ermordet wird, wird sie erneut in die Sache hineingezogen und bald zeigt sich, dass es nicht nur einen Mord gibt...

Gelungene Fortsetzung

Cherubim ist nach Seraphim der zweite historische Krimi von Kathrin Lange um die junge Katharina Jacob in Nürnberg, und wieder ist der Autorin ein überzeugendes und fesselndes Buch gelungen. Wie schon im ersten Teil ist auch diesmal die Vielschichtigkeit ein großer Pluspunkt. Zum einen sind da, natürlich, die Mordfälle an sich. Diesmal erregen die Morde allerdings kaum das Aufsehen der Öffentlichkeit, trifft es doch Randgruppen der Gesellschaft: Bettler und Prostituierte. Lediglich der Fund einer verwesten Leiche, die sich im Grab des Heiligen Sebalds befindet, ruft große Empörung hervor. Doch Gott sei Dank ist ein Schuldiger bzw. eine Gruppe Schuldiger schnell ausgemacht: Die Juden. Kathrin Lange gelingt es hervorragend, aufzuzeigen, wie leicht sich die "Massen" beeinflussen lassen und dass die Juden schon immer gerne als Sündenbock gedient haben. Aufgrund der Tatsache, dass Juden als Geldverleiher arbeiten durften, haben sich auch hochrangige und "ehrenvolle" Nürnberger Bürger hoch verschuldet, und diese nehmen freudig jede Möglichkeit war, die Juden vielleicht doch aus der Stadt zu verjagen und somit das leidige Geldproblem zu lösen. Doch die Autorin gibt ebenso Einblick in die Unterwelt Nürnbergs, in die Geschäfte der Prostituierten und Engelmacherinnen wie auch in die klösterliche Welt in einem Nonnenkloster.
Ein Kompliment ist Kathrin Lange für ihre Recherche und Darstellung medizinischer Probleme und Krankheiten auszusprechen. Egal ob Erbkrankheit, psychische Störungen oder die Darstellung von Persönlichkeitsveränderungen, die nach schweren Kopfverletzungen auftreten können: Kathrin Lange gelingt es, das Ganze glaubhaft und nachvollziehbar und - vor allem - korrekt darzustellen.

Altbekannte und neue Figuren

Man kann Cherubim auch lesen, wenn man Seraphim nicht kennt, denn das Wichtigste wird zusammenfassend erklärt. Doch mehr Spaß macht es, das Buch zu genießen, wenn man die Hauptpersonen schon kennt, um ihre vorherigen Erlebnisse und ihre Vergangenheit weiß. Gespannt verfolgt man die weitere Annäherung zwischen Katharina und Richard, die dankenswerter Weise nicht kitschig sondern eher leise und voller Zweifel daher kommt. Hinzu kommen noch Personen wie Katharinas Mutter Mechthild, die man schon aus dem ersten Buch kennt und auch einige neue Figuren wie den jungen Lukas, Bürgermeister Silberschläger oder die Prostituierte Maria. Sie alle verleihen dem Buch Würze, denn es gibt eigentlich niemanden, der einfach nur schwarz-weiß gezeichnet wäre.
Auch einige überraschende Wendungen hat sich die Autorin für ihre Leser einfallen lassen, besonders das Sprichwort "Totgeglaubte leben länger" bewahrheitet sich in diesem Buch, was insbesondere für Katharina einiges an Problemen nach sich zieht.

Der Schluss des Buches ist diesmal deutlich weniger offen gehalten wie noch im ersten Teil. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass es noch eine Fortsetzung mit Katharina und Richard geben wird, immerhin gibt es in der Hierarchie der Engel in der ersten Sphäre neben den Seraphim und Cherubim auch noch die Throne...

 

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