Die Nacht des Schierlings

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2010, Titel: 'Die Nacht des Schierlings', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Mehr Historie als Krimi - aber von der Atmosphäre her perfekt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2010

Kurzgefasst:

An einem sonnigen Herbstmorgen 1773 liegt ein Toter im morastigen Fleet. War der honorige Bürger ein Mitgiftjäger und Betrüger? Viele Hamburger hatten gute Gründe, Konditormeister Hofmann zu hassen: vom Apotheker im Opernhof über den jungen Grafen mit fragwürdiger Vergangenheit bis hin zum stummen Akrobaten Muto. Selbst die Beziehung zu Stieftochter Molly war nicht ungetrübt. Verdächtigt wird jedoch ausgerechnet Claes Herrmanns. Während der Großkaufmann erfährt, wie zerbrechlich Ansehen und Freundschaft sind, machen sich Komödiantin Rosina und Weddemeister Wagner auf die Suche nach dem Mörder. Nicht schnell genug, wie sich bald zeigt...

 

Wer hat den Konditormeister Hofmann ums Leben gebracht? Bei einem Krimi müsste dies eine zentrale Frage sein. Denn der Mann muss schon früh im Roman Die Nacht des Schierlings sein Leben lassen. Und dass es sich hier um einen Mord handelt, merkt Weddemeister Adam Wagner schnell. Ganz unabhängig davon, was der mehr von sich selber überzeugte als profilierte Gerichtsmediziner zunächst vermutet. Doch eigentlich bleibt der eher unbeliebte und undurchsichtige Tote eine Nebenfigur, bei der man schnell in Versuchung kommen könnte zu sagen: Ach ja, da war doch noch wer...

Wunderbare Schilderung

Dass der Mordfall so sehr in den Hintergrund tritt, ist weniger die Schwäche des Krimis als die Stärke der historischen Komponente. Denn wer könnte der Verlockung der Autorin Petra Oelker widerstehen und sich dem Reiz ihrer Schilderungen entziehen? Die auf historische Hamburg-Krimis spezialisierte Autorin verwöhnt die Leser mit einer wunderbaren Atmosphäre. Ob es nun das Gefühl ist, den Duft der frischen Backwaren in der Nase zu spüren, ein unvermitteltes Grausen ob der im Verborgenen trippelnden Ratten oder die würzige Bitterkeit einer Medizin auf der Zunge: Petra Oelker zaubert eine Welt herbei, die längst nicht mehr existiert. Es ist das Hamburg des 18. Jahrhunderts, die Welt von Komödiantin Rosina, die einmal mehr an der Seite von Weddemeister Wagner einem dunklen Geheimnis auf der Spur ist.

Sprachliche Feinheiten

Dass es sich bei Petra Oelker um eine ausgezeichnete Erzählerin handelt, wird dadurch deutlich, dass der Roman den Leser sofort ins Geschehen hinein zieht. Mit sprachlichen Feinheiten durchwoben bleibt die Geschichte zwar ruhig und beschaulich - was für einen Krimi wohl nicht die ideale Form ist - aber sie arbeitet mit so starken Bildern, dass die mangelnde Spannung ob des Mordes verziehen wird. Denn spannungslos ist "Die Nacht des Schierlings" keineswegs. Nur findet sich die Spannung eher im Zusammenwirken der Protagonisten, die so lebendig gezeichnet sind, wie man es kennt und von den Rosina-Romanen erwartet. So leidet man unvermittelt mit unglücklich Liebenden - ohne dass die Liebe je in einem lauen Säuseln aufgehen würde.

Die Leute von nebenan

Obwohl die ehemalige Komödiantin Rosina klar eine besondere Rolle einnimmt, verzichtet Petra Oelker auf strahlende Helden. Die Protagonisten haben alle ihre kleinen Eigenheiten und werden mehr als "Leute von nebenan" wahrgenommen, denn als Helden. Weddemeister Adam Wagner darf ebenso wichtige Details übersehen, wie sich Rosina sehr menschliche Gefühle zugesteht, wenn es um ihren Mann Magnus geht oder die Heroine Florinde, die gerade Star der Beckerschen Truppe ist. Jener Komödiantentruppe, mit der Rosina einst gereist war.

Unabhängig voneinander zu lesen

Obwohl es sich bei den Rosina-Romanen - Die Nacht des Schierlings ist bereits der zehnte - um eine Reihe handelt, ist es problemlos möglich, hier in die Geschichte einzusteigen. Mit kleinen Hinweisen auf die Entwicklung von Rosina schafft es die Autorin, auch jene Leser in die Geschichte einzubinden, die bisher noch nichts von Rosina gehört haben. Ein umfassendes Personenregister zu Beginn des Romans leistet hier weitere wertvolle Hilfe. Sehr schön gemacht ist auch die Einbettung von Karten und alten Ansichten wie die Innensicht einer Apotheke oder das Bild einer Konditorei aus dem 18. Jahrhundert. Dies alles zusammengefasst in einem Taschenbuch, das von einem großzügigen Glossar gekrönt wird.

Die Nacht des Schierlings ist keine Spannungslektüre, obwohl es als historischer Kriminalroman präsentiert wird. Aber es ist ein ausgezeichnet geschriebenes Abbild der Gesellschaft, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts in Hamburg anzutreffen war. Und alleine schon deshalb lohnt es sich, sich auf die jüngste Rosina-Geschichte einzulassen.

 

Die Nacht des Schierlings

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Letzte Kommentare:
21.03.2011 12:57:03
Nanne

also auch ich habe alle anderen bereits gelesen und bin weder der Meinung das es langweilig ist noch das man es sich sparen sollte. Es ist halt kein schneller, viel Blut, viel Aktion Krimi...es ist aber devinitiv ein Krimi aus dem sehr lange vergangenem Hamburg und das wiederum ist sehr spannend....

13.12.2010 11:26:46
nananana

Ich habe bisher alle Bücher dieser Reihe sehr gerne gelesen, aber dieses Buch kann man sich definitiv sparen. Es ist langweillig und langatmig. Seitenweise passiert gar nichts. Auch zum Ende hin steigert sich das Buch nicht. Schade-als 10. Buch einer Reihe hätte ich mir einen Höhepunkt gewünscht. Dieses Buch braucht man nicht lesen.

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