Die Ungehorsame

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2010, Titel: 'Die Ungehorsame', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Daniela Loisl
Leichte, aber sehr kurzweilige und packende Unterhaltung

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2010

Kurzgefasst:

Bonn, 1842. Als die unscheinbare Leonie Gutermann und Landvermesser Hendryk Mansel sich das Jawort geben, bebt die Erde. Niemand mag an ein Omen glauben, doch in der Zweckehe kündigen sich schon bald Turbulenzen an. Beide hüten Geheimnisse voreinander, doch die Fassade bekommt erste Risse. Als auf Hendryk ein Anschlag verübt und auch Leonie bedroht wird, müssen sie sich ihrer Vergangenheit stellen - und ihren Herzen...

 

Leonie Gutermann soll mit dem Landvermesser Hendryk Mansel verheiratet werden und fügt sich dem Willen ihres Vaters. Sowohl von Leonie als auch für Hendryk ist es eine reine Zweckehe und sie arrangieren sich stillschweigend und führen, wenngleich nicht gerade eine glückliche, so zumindest eine zufriedene Ehe mit gegenseitigem Respekt. Jeder akzeptiert den anderen wie er ist, haben doch beide eine Vergangenheit, über die sie nicht sprechen können oder wollen. Eines Tages jedoch geschieht das Unvermeidbare und sowohl Leonie als auch Hendryk müssen sich der Vergangenheit stellen.

Nicht unbedingt neu, aber authentisch und sympathisch

Leonie, eine starke Frau, die Schlimmes erlebt hat, und Hendryk, ein Mann wie man ihn sich als Frau wünscht, mit Vergangenheit und Geheimnissen. Diese beiden Figuren stehen im Mittelpunkt des Geschehens, und schon nach dem Lesen weniger Seiten wird einem klar, dass die Geschichte vermutlich nicht sehr innovativ sein wird. Dies bestätigt sich auch beim Weiterlesen, denn irgendwo ist man in anderen Büchern schon Figuren begegnet, die Ähnliches erlebt haben, sich ähnlich verhalten und einem auch charakterlich bekannt vorkommen. Dies hört sich nicht gerade begeisternd an, doch wenngleich die Erzählung nicht frei von Klischees und anderem schon Dagewesenen ist, so hat Andrea Schacht doch die seltene Gabe, den Leser mit in ihre Geschichte zu ziehen und ihm leichte und kurzweilige Unterhaltung zu bieten.

Wer Schachts Bücher kennt, weiß, dass die Autorin den Leser nicht aufgrund der ausgefeilten Sprache oder dem subtilen Erzählstils für sich gewinnt, sondern durch ihre sehr sympathischen Protagonisten, die sie gekonnt in Szene setzt. Das Augenmerk ist stets auf die Erlebnisse der Figuren selbst gerichtet, so dass einem die einfache und schnörkellose, aber keineswegs platte Sprache sogar entgegenkommt. Die Autorin veranschaulicht das Leben des bürgerlichen Mittelstandes sehr authentisch und glaubhaft und der Erzählstil ist stets flüssig, so dass nie Längen aufkommen. Die Geschichte ist stets in Bewegung, die Schauplätze wechseln und man bekommt ein lebhaftes Bild von allen Ereignissen.

Um die Spannung straff zu halten, gewährt die Autorin dem Leser auch Rückblicke in Hendryks Erlebnisse fünf Jahre vor seiner Hochzeit in Algerien und Ägypten. Etwas befremdend ist nur, dass die Autorin Algerien zum Orient zählt, was man wiederholt im Buch finden kann.

Sympathische Figuren

Andrea Schachts Stärke ist es, ihre Figuren so darzustellen, dass der Leser sich mit ihnen identifizieren und deren Gemütslagen nachempfinden kann. Natürlich sind die Protagonisten die Guten, aber wider Erwarten stellt die Autorin die Antagonisten nicht als rein böse und berechnend dar, sondern zeigt sie in verschiedenen Facetten und gesteht dem einen oder anderen "Bösen" auch eine Entwicklung zu. Schritt für Schritt wird das Geheimnis, das jede der Hauptfiguren mit sich trägt, gelüftet und die Handlungen der Personen sind nachvollziehbar

Es kommt auch der Humor nicht zu kurz und, wie könnte es bei Andrea Schacht anders sein, die eine oder andere Katze stapft durch die Szenerie. Entweder sie findet Erwähnung durch ihr stolzes Gehabe oder weil sie auf der Flucht vor unzähligen Mäusen ist... Als Katzenliebhaberin ist es für die Autorin fast ein "muss", die eine oder andere kleine Begebenheit mit einer Katze mit einzubauen.

Im Gesamten ist Die Ungehorsame eine Geschichte mit großem Unterhaltungswert. Sie ist flüssig zu lesen, hat spannende Ereignisse und ein schlüssiges Ende. Die gut 400 Seiten des Romans hat man viel zu schnell gelesen und es ist ein ideales Buch, um einfach abzuschalten und sich in eine andere Welt tragen zu lassen, ohne sich groß anstrengen zu müssen.

 

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