Blauer Staub

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Blauer Staub', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Daniela Loisl
Geschichte einer jungen naiven Frau, deren Verliebtheit und Vertrauen schändlich ausgenützt wird

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2010

Kurzgefasst:

Ein ungewöhnliches Frauenschicksal in der Zeit des Kolonialismus. Aufgewachsen im Leipziger Arbeitervorort Volkmarsdorf als älteste Tochter eines Eisenwarenhändlers möchte die 16-jährige Elisabeth Voigt gern aus den ärmlichen Verhältnissen ausbrechen. Da empfindet sie es fast als ein Wunder, dass im Jahr 1886 der reiche Diamantenhändler Fritz de Bruyn sich für sie interessiert und ihr einen Heiratsantrag macht. Beeindruckt nimmt Elisabeth den Antrag an, auch gegen den Zweifel ihres Vaters. Bei Nacht und Nebel verlassen beide Leipzig und reisen per Schiff nach Südafrika. Zurück bleibt die geschockte Familie. Die naive Elisabeth ist begierig auf das neue Leben am anderen Ende der Welt, auf Reichtum und die feine Gesellschaft. Doch statt einer Hochzeit und süßem Nichtstun bringt sie Fritz de Bruyn in ein seltsames Etablissement und verschwindet dann spurlos. Da erst begreift Elisabeth, dass ihr angeblicher Verlobter sie in ein Bordell verkauft hat. In einem alten Bergwerk muss sie nun die Freier bedienen, Glücksritter, Geschäftsleute, Minenbesitzer und Goldschürfer. Sieben Jahre sieht sie das Tageslicht nicht, bis einer ihrer Freier, ein reicher Minenbesitzer, Mitleid mit Elisabeth empfindet und sie freikauft. Jetzt endlich könnte für Elisabeth das so innig erhoffte schöne Leben beginnen, wenn ihr Mann nicht Bure wäre und somit in die politischen Auseinandersetzungen in Südafrika verwickelt. Ihre Familie in Leipzig schämt sich ihrer, und doch käme eine finanzielle Hilfe nicht ungelegen, denn in Deutschland haben sich die Zeiten verschlechtert. Der erste Weltkrieg steht bevor. Da wird Elisabeth in Südafrika enteignet und inhaftiert...

 

Elisabeth Voigt, genannt Betty, wächst mit ihren Geschwistern wohlbehütet in Leipzig auf. Ihr Vater führt ein kleines Eisenwarengeschäft und die Mutter kümmert sich um die Kinder. Betty ist die älteste und träumt stets davon einmal reich zu sein, schöne Kleider zu tragen und sich alle Wünsche erfüllen zu können. Als die 16jährige Betty durch Zufall den Südafrikaner Fritz de Bruyn kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Er erzählt ihr von seiner Diamantenmine in Afrika, seiner Farm und von seinem Reichtum und er möchte sie als seine Frau mitnehmen. Bis auf den Vater sind alle überwältig von dem galanten und reichen jungen Mann und so schnell wie möglich soll Hochzeit gefeiert werden. Als Franz de Bruyn Betty eines Tages mitteilt, dass sie aus geschäftlichen Gründen sofort abreisen müssten und erst in Afrika heiraten können, packt sie ihre Sachen und verlässt ohne Abschied ihre Familie. In Südafrika angekommen platzt ihr Traum wie eine Seifenblase, denn de Bruyn zeigt sein wahres Gesicht - er ist ein Mädchenhändler und verkauft Betty an einen Bordellbesitzer...

Berührendes und unvorstellbares Schicksal

Susan Hastings erzählt die Geschichte ihrer Urgroßtante und man kann kaum glauben, dass eine junge Frau von gerade mal 16 Jahre dies alles wirklich erlebt hat.
Ungemein feinfühlig und bewegend schildert die Autorin das einfache Leben Bettys und deren Familie. Oskar Voigt, dessen Eisenwarengeschäft mehr schlecht als recht läuft, versucht seine Familie zusammenzuhalten und wird von seiner Frau auch unterstützt. Man bekommt als Leser das Gefühl mitten in der kleinen Wohnung der Voigts zu stehen und alles live mitzuerleben, so eindrucksvoll gelingt es Susan Hastings das Milieu zu vermitteln. Die Träume Bettys sind die Träume eines jungen und naiven, aber wohlbehüteten Mädchens und so ist man gar nicht verwundert, dass sie dem attraktiven Franz de Bruyn jedes Wort glaubt.

Durch die bevorzugte Lage, die man als Leser inne hat - man weiß ja bereits, was die arme Betty erwartet - baut sich ein immenses Mitgefühl auf und man möchte Betty am liebsten vor den Geschehnissen warnen. Man leidet und fühlt mit ihr und spürt förmlich die Enttäuschung, das Entsetzen, als sie begreift, wohin de Bruyn sie gebracht hat.

Plötzlich fehlen 7 Jahre

Hastings Schilderungen sind hervorragend, beinahe makellos, bis Betty ins Bordell kommt. Man erlebt noch ihre ersten Begegnungen mit und dann ist plötzlich ein Schnitt von sieben Jahren. Wie es ihr in dieser Zeit erging (in der sie anscheinend auch nie das Tageslicht sah), was sie alles durchmachen musste, gerade welch psychische Verletzungen das hinterlassen haben muss, all das wird dem Leser leider vorenthalten. Dies ist zwar das einzige, aber dafür sehr große Manko des Buches. Denn gerade diese schwere Zeit die Betty hier vor ihrer Rettung erleben musste, hätte enorm viel hergegeben und reißt so auch ein großes Loch in die Bewertung, da einem diese Zeit einfach abgeht.

Nach dem der wirklich reiche Pieter Bloemberg sie freikauft, beginnt für sie das Leben, das sie sich erträumt und wohl auch verdient hat. Schwungvoll und lebendig zeichnet Hastings nun alle erfreulichen Erlebnisse Bettys bis hin zur Rückkehr nach Deutschland. Das Wiedersehen mit ihrer Familie, der Beginn des Ersten Weltkrieges, all die Ereignisse schildert Hastings wunderbar und farbenprächtig, aber auch drückend schwer, wie die Stimmungslage damals war. Man lernt alle ihre Familienmitglieder kennen, die vielschichtig und interessant gezeichnet sind.
Ein wunderbares und zum nachdenken anregendes Zeitzeugnis. In dieser Art wünscht man sich mehr von der Autorin.

Sieht man sich die Liste der Bücher an, die Susan Hastings bereits geschrieben hat, so sticht dieses wirklich schöne Schicksalsdrama von all den "Nackenbeißer-Romanen" förmlich heraus. Susan Hastings hat mit diesem Buch eine totale Kehrtwendung gemacht und diese ist ihr - bis auf den einen erwähnten Punkt - ausgesprochen gut gelungen!

 

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