Die Launen des Teufels

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Die Launen des Teufels', Originalausgabe

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82

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Daniela Loisl
Eindrucksvoller und temporeicher Debütroman

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2010

Kurzgefasst:

Ulm anno 1349: Um Gott ein Denkmal zu setzen, beschließen die Bürger der Handelsmetropole den Bau eines himmelstürmenden Münsters. Der habgierige Glockengießer Conrad setzt alles daran, von dem geplanten Bauvorhaben zu profitieren und scheut weder vor Intrige noch vor Mord zurück, um sich einen einflussreichen Platz im Rat der Stadt zu sichern. Skrupellos zwingt er seine blutjunge Tochter Anabel ins Bett des lüsternen Abtes der Barfüßerabtei, von dem er sich Vorteile zur Erlangung seiner Ziele erhofft - doch Anabel liebt Bertram, den Lehrling ihres Vaters. Gemeinsam beschließen sie, aus Ulm zu flüchten, aber sie haben nicht mit dem schrecklichsten aller Feinde gerechnet: dem Schwarzen Tod! Dieser schleicht durch die Gassen der Stadt, bereit, wahllos zuzuschlagenDas gewaltige Bauvorhaben des Ulmer Münsters schürt Konflikte zwischen den immer mächtiger werdenden Zünften und dem städtischen Patriziat. Als der gewissenlose Glockengießer Conrad beschließt, die damit einhergehende Korruption zu seinem Vorteil zu nutzen, ist ihm seine schöne Tochter Anabel willkommenes Mittel zum Zweck. Begehrt vom Abt der Barfüßerabtei, in der sie als Helferin im Hospital arbeitet, wird sie von Conrad kurzerhand an diesen verpfändet. Um ihre Geschwister vor dem brutalen Vater zu schützen, fügt die junge Frau sich ihrem Schicksal, ihre Liebe jedoch gilt einzig Bertram, dem Lehrling des Glockengießers. Als Anabels Geschwister der in Ulm wütenden Pest zum Opfer fallen, beschließen die Liebenden, die Stadt heimlich zu verlassen. Doch dazu kommt es nicht: Conrad ermordet den Alderman, um dessen Posten zu ergattern und schiebt die feige Tat Bertram in die Schuhe. Während Bertram im Kerker ebenfalls an der Pest erkrankt, versucht Anabel verzweifelt, die Unschuld ihres Geliebten zu beweisen. Da wird die hochschwangere Adelige Katharina von Helfenstein in das Hospital eingeliefert. Sie bringt dort das Kind ihres Liebhabers, Ritter Wulf von Katzenstein, heimlich zur Welt. Selbst in höchster Gefahr, da ihr Gemahl bereits nach ihr suchen lässt, wird die Gräfin zur letzten Hoffnung von Anabel und Bertram.

 

Ulm 1349: Anabel, Tochter des habgierigen Glockengießers, arbeitet bei den Beginen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Froh, zumindest tagsüber den Klauen ihres rohen und brutalen Vaters zu entkommen, trifft sie eines Abends auf Bertram, den jungen Lehrling, den ihr Vater gerade eingestellt hat, und verliebt sich in ihn.
Der Glockengießer jedoch hat mit dem Abt der Barfüßerabtei einen Pakt geschlossen, dass dieser ihm weitere Aufträge zukommen lässt, und im Gegenzug soll Anabel dem Abt zu Willen sein. Als dann die Pest ausbricht und auch viele Leute des Rats sterben, sieht der Glockengießer eine Chance, selbst an die Macht zu kommen und geht dabei rücksichtslos und brutal vor. Anabel und Bertram beschließen aus Ulm zu fliehen, was sich aber als schwieriger erweist als gedacht...

Dichte und authentische Atmosphäre

Schon nach wenigen Seiten steht der Leser mitten im Geschehen. Sehr bildhaft und glaubwürdigt zeichnet Silvia Stolzenburg ein Bild der Stadt Ulm Mitte des 14. Jahrhunderts. Eindrucksvoll und authentisch vermittelt die Autorin das harte Leben der damaligen Zeit und schafft es, dem Leser die Atmosphäre des einstigen Ulms zu vermitteln, wenngleich viele der von ihr beschriebenen Gebäude zu dieser Zeit noch gar nicht existierten, wie sie selbst im Nachwort erläutert. Ist die Vorverlegung des Münsterbaus noch nachvollziehbar, so sind die anderen erwähnten Häuser doch ein kleiner Wermutstropfen, da man sich unweigerlich fragt, warum die Erwähnung dieser Gebäude dann unbedingt in die Geschichte mit einfließen musste.

Stolzenburg schreibt tempo- und ereignisreich, so dass nie Längen aufkommen und man stets wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht. Auch die Arbeit des Glockengießers ist geschickt und interessant mit eingeflochten, was zweifelsohne für gute Recherche der Autorin spricht. Schier unvorstellbar müssen die Anstrengungen an diese Männer gewesen sein, die nur mit Muskelkraft die Schmelze rühren oder die schweren Kessel schleppen mussten. Diese schwere Arbeit wird greifbar und glaubwürdig dargestellt, so dass keine Zweifel aufkommen, dass dies so war wie beschrieben. Ebenso eindrucksvoll und nachvollziehbar sind die Arbeiten und Mühen der Beginen, die die Kranken und Verwundeten pflegen. Aufopfernd und mit viel Geduld und Wissen pflegten sie die Begüterten ebenso wie die Armen.

Parallel zu Anabels und Bertrams Geschichte läuft noch ein Erzählstrang über die Erlebnisse Katharinas von Helfenstein, Gemahlin von Ulrichs von Württemberg. Sie hat Ehebruch begangen und erwartet nun ein Kind von ihrem Geliebten.
Auch diesem Part wird ebensolche Aufmerksamkeit gewidmet wie der Hauptgeschichte und in etwa der Hälfte des Romans laufen die beiden Handlungsstränge zusammen, die geschickt miteinander verwoben werden.

Jugendliche als Protagonisten - ein Jugendbuch?

In dieser dichten Atmosphäre lernt man nicht nur die Protagonisten kennen, sondern jede Menge Nebenfiguren. Jeder einzelnen hat sich Stolzenburg mit viel Akribie gewidmet, so dass man meint, die Figuren auf der Straße wiederzuerkennen, sollte man ihnen begegnen.

Allerdings taucht relativ schnell die Frage auf, ob es sich nicht vielleicht um ein Jugendbuch handelt, da die Protagonisten gerade mal 14 und 16 Jahre alt sind und die ganze Geschichte nicht einmal ein Jahr umfasst. Anderseits wären dazu manche Szenen doch etwas zu roh und brutal, wenn auch realistisch, ausgeleuchtet. Da dieses Buch der erste Band einer Trilogie ist, könne man meinen, dass sich in den Nachfolgebänden die Figuren entwickeln und dadurch logischerweise auch älter werden. Liest man aber die Kurzbeschreibung des zweiten Bandes, so erfährt man schnell, dass die Protagonisten in diesem wieder in etwa demselben Alter sind. So ist oft von Bertram als "dem Knaben" die Rede und auch so manche Handlung von Bertram und Anabel entsprechen denen von Jugendlichen.
Dennoch muss man fairerweise sagen, dass die Figuren mit viel Tiefgang und Empathie ins Leben gerufen und weit davon entfernt sind, in Schablonen zu kleben, wie es auch manchmal bei schon erfahrenen Autoren der Fall ist. Conrad, der Glockengießer, ist ein brutaler, habgieriger und machtbesessener Tyrann, der weder Mitleid noch Gefühle besitzt, nicht einmal für seine eigenen Kinder. Sind Conrads Arbeiter auch alles andere als feinfühlig geschaffen, so zeigt sich bei manchen Szenen doch, dass der harte Mantel einen weichen Kern hat.

Im Gesamten ein gelungener und unterhaltsamer Debütroman, dessen einzige Manko es sind, dass man nicht klar erkennt ob es sich um einen Jugendroman handelt und dass die Autorin sich bedauerlicherweise viele Freiheiten genommen hat. Wenn man es denn als Manko bezeichnen will.
Eine stringent und spannend erzählte Geschichte, die mit einer etwas anderen und sehr real dargestellten Handlung und sehr vielschichtigen Figuren punktet.

 

Die Launen des Teufels

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Letzte Kommentare:
03.04.2013 14:00:25
chatty1968

COVER

Aufgrund des Covers ist das Genre natürlich gleich zu erkennen. Die Farben, Schriftart und Darstellung von Person und Gebäuden zeigen unverkennbar, dass es sich um einen historischen Roman handelt.

STORY

Anabels Vater, Conrad, ist ein Tyrann. Er schlägt, misshandelt Anabels Geschwister und ihre Stiefmutter. Nichts kann man ihm recht machen. Er scheint auch nicht vor Intrigen zurück. So verlangt er von seiner Tochter Anabel, dass sie dem Abt der Barfüßerabtei Franciscus gefügig ist. Francisus wird dafür Conrad weiterhin Glockengießeraufträge zuschieben. Anabel wiederum hat sich in Bertram verliebt, der von seinem Vater an Anabels Vater, den Glockengießer Conrad verkauft wurde.

Eine Geschichte mit Irrungen und Wirrungen beginnt

FAZIT

Aufgrund der vielen sehr guten Bewertungen wollte ich mich doch auch mal von diesem Werk überzeugen. Aber leider - wurde ich sehr enttäuscht.

In diesem Buch geht es leider nicht wirklich um die geschichtlichen Hintergründe des Münsterbaus, sondern vielmehr um eine Liebesgeschichte bzw. Intrige. Aber wo ist da die Historie?

Aufgrund des Titels habe ich immer nach eine gewissen Handlung oder Spannung gesucht. Aber wahrscheinlich ist mit dem Teufel einfach nur der böse Conrad gemeint.

Auffällig ist auch, dass alle Männer böse und alle Frauen gut sind.

Ich denke, dass Kenner der mittelalterlichen Geschichte nicht wirklich Spaß an diesem Buch haben werden. Sollte man jedoch eine Liebesschnulze lesen wollen - herzlich willkommen. Aber auch da bitte nicht allzusehr auf die Charakteren achten, denn die werden nicht wirklich beschrieben. Ein Hineinversetzen in die Personen bzw. Geschichte ist mir bei diesem Buch leider gar nicht geglückt. Ständig bin ich über irgendwelche Ausdrück oder Aussagen gestolpert, wie wohl 1349 so nicht stattgefunden haben können oder sehr konstruiert wirken.

Viel zu viele einzelne Geschichtsstränge aud die aber alle nur am Rande bzw. oberflächlich eingegangen wird. Kaum wird eine Geschichte zuende erzählt, dafür aber 2-3 neue angefangen.

Wie bereits erwähnt, wer das Buch noch oberflächlich liebst, dem werden die kleinen "Missgeschicke" wohl gar nicht auffallen.



Ich kann für diese Buch nur 2 Punkte vergeben. 1 Punkt für die Auswahl des Covers, und 1 Punkt für die Idee der Geschichten.

26.01.2013 18:57:05
mabuerele

Wir befinden uns in Ulm im Jahre 1349. Anabel, die Tochter eines Glockengießers, arbeitet zusammen mit ihrer Freundin Vren bei den Beginen. Das Hospital der Beginen gehört zur Barfüßerabtei. Der Abt verfolgt Anabel mit seinen Blicken.
Conrad, Anabels Vater, regiert in seiner Familie mit harter Hand. Bertrams Vater, dem die Zunftrechte entzogen wurden, verkauft seinen Sohn an Conrad. Der gibt dem Jungen gleich auf der Straße zwei Schläge, um ihn zu zeigen, aus welcher Richtung zukünftig der Wind weht.
Auf der Burg ihres Vaters erwartet Katharina ihr erstes Kind. Sie hat sich an diesen Ort zurückgezogen, weil der Vater des Kindes nicht ihr Ehemann, sondern einer seiner Gefolgsleute ist. Weder ihr Geliebter, noch das Kind haben eine Überlebenschance, wenn sie ihren Ehemann in die Hände fallen.
Der historische Roman, der am Vorabend des Beginns der Pest in Ulm spielt, zeichnet sich durch eine exakte Beschreibung der Örtlichkeiten und der historischen Verhältnisse aus. Dabei wird deutlich, dass Kinder und Frauen keinerlei Rechte haben. Dafür setzen die Männer ihre Wünsche mit aller Gewalt durch. Nicht nur Conrad, sondern auch die Äbte Franziscus und Henricus sind passende Beispiele. Die Beginen, die ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit die Kranken im Hospital behandeln, werden bedroht und bevormundet. Die Zustände, unter denen Kranke und gebärende Frauen behandelt wurden, sind für uns heute unvorstellbar. Umso bewunderungswürdiger ist der Einsatz der Frauen.
Gut dargestellt werden die Auswirkungen, die die Pest auf Ulm und das Umland hat. Da nach offizieller Meinung Alkohol gegen die Krankheit hilft, nehmen Gewalt und Anarchie zu.
Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Anabel und Bertram. Bedroht durch Conrads Gewalt finden sie aneinander Halt. Doch die aufkeimende Liebe muss sich gegen immer neue Widerstände bewähren.
In Ulm werden auch die Wege von Katharina und Anabel zusammengeführt.
Die Personen werden gut charakterisiert, aber den einen oder anderen hätte ich mir etwas vielschichtiger gewünscht. Andererseits macht die Überhöhung von Gut und Böse im Charakter einen Teil der Faszination der Geschichte aus.
Das Ende des Buches schließt ein wichtiges Kapitel der Geschichte ab, lässt aber Raum für folgende Bände.
Der Roman ist spannend geschrieben und lässt sich zügig lesen. Die zarten Ranken, die die Kapitel in kleine, schnell lesbare Abschnitte unterteilen, finde ich passend. Positivist außerdem, dass den einzelnen Kapiteln das Datum und der Handlungsort vorangestellt sind.
Ein Nachwort, das Fakten und Fiktion trennt, und eine Bibliografie ergänzen den Roman.
Der betuchten Person auf dem Cover sieht man nicht an, welche Teufeleien er ausheckt. Das Münster im Hintergrund passt zum Inhalt des Buches.

07.08.2012 13:30:37
Marlene Sieber

Sehr geehrter Herr Ternes,

eine sachlich fundierte Rezension ist erst zu nehmen, wenn die Rezension allerdings - wie in Ihrem Fall - sachlich falsch ist, wirft das ein schiefes Licht auf die Meinungsäußerung und ihren Urheber.

Sie schreiben, Sie könnten anders rezensieren als "Ottonormalleser", dann halten Sie sich aber bitte auch an die Fakten. Die Hauptprotagonistin Anabel ist 14 Jahre alt und da ist man sehr wohl eine junge Frau, vor allem, weil wir uns im Mittelalter befinden und dort war das ein durchaus salonfähiges Heiratsalter. Bitte werfen Sie einen Blick auf S. 15 des Buches, da steht: "Mit ihren vierzehn Jahren stand Anabel an der Schwelle zur Weiblichkeit ...". Auf S. 14 wird auf das Alter ihrer Freundin eingegangen, diese ist 16 Jahre: "Doch als sie das Missfallen in den dunklen Zügen der zwei Jahre älteren Vren las ...".

Die von Ihnen zitierte Widmung an Frau Stolzenburgs Mutter ist nicht aus dem Band "Die Launen des Teufels", sondern aus Teil 2 "Das Erbe der Gräfin".

Fazit: wenn schon ein Verriss, dann sollte sich der geneigte Rezensent bitte an die Fakten halten, da es sonst wie die Neidattacke eines Schriftstellerkollegen wirkt.

Mit freundlichen Grüßen

Marlene Sieber

06.08.2012 09:05:54
Peter Ternes

Ich habe mir alle drei Bücher, auf Grund der guten Rezensionen gekauft. Wahrscheinlich ein Fehler. Aber vorweg: ich schreibe selber Romane, habe acht veröffentlicht und habe auch eine entsprechende Ausbildung genossen. Ich wage daher zu behaupten, dass ich anders rezensieren kann, als Ottonormalleser. Und noch eins vorweg: ich habe bis jetzt nur ca 70 Seiten gelesen und werde diese Rezension ggf. überarbeiten müssen.

Ich habe selten ein Buch gelesen, wo ich nach 70 Seiten noch nicht wusste, worum es geht. Bin aber voll der selben Meinung eines Mitrezensenten, der schrieb, dass der Roman einen leichten Geschichtsbuchcharakter aufweist. Man kann alles übertreiben, aber hier wäre weniger mehr. Die Krönung war, das die Autorin der Meinung ist, dass sie ihre Leserschaft erklären müsse, was ein Mittelstand ist. Ein weiterer Rezensent schrieb: Die Autorin sollte ihre Fähigkeit, zu recherchieren und einen Romanplot zu entwerfen gerne weiter fortführen, aber das Schreiben des Romans jemandem überlassen, der die Fähigkeit hat, die Geschichte und die Figuren lebendiger wirken zu lassen... Und das trifft den Nagel voll auf den Kopf. Meines Erachtens kann Frau Stolzenburg nicht schreiben. Wie all die Fünfsterne Rezensionen und wie die Millionenauflage der drei Bücher zustande kommen, ist mir absolut schleierhaft.

Werden wir mal etwas konkreter. Das Buch beginnt mit zwei Mädchen, die sich eine Baugrube ansehen. Die eine vierzehn Jahre alt, die andere zwölf. 50 Seiten später wird die zwölfjährige ständig als junge Frau bezeichnet. Ein so altes oder junges Mädchen ist bei mir ein Kind. Jenes Kind muss bei einer Sitzung Getränke auftragen und ein Ratsherr sagte: Nehmt ihr neuerdings auch Weiber... Und fasste das Kind am Ärmelrock (was immer das auch sein mag) nach den sich darunter verbergenden Rundungen...

Später will sich der Abt an dem Kind vergreifen. Zitat: als er sie näher an sich heranzog, um ihren Busen an seine Brust zu drückten...

Wie gesagt, hier ist die Rede von einem zwölfjährigen Kind, was weder Rundungen noch einen Busen haben dürfte, zumal das ihre Freundin auch sagt. Diese beschwert sich über den Wuchs ihrer Brüste und stellt fest, dass Anabel normal gewachsen ist. Und diese Ungereimtheiten setzen sich fort.

Hier haben ganz einfach zwei Menschen versagt, einmal die Autorin selbst und einmal der Lektor. Als Schriftsteller weiß ich, dass ein Lektor nicht nur Satzaufbau, Grammatik und Rechtschreibung zu prüfen hat, sondern dass er auch für den Wahrheitsgehalt zuständig ist.

Folgende Aussage eines Mitrezensenten hat mich regelrecht geschockt: dieser Roman ist noch der beste der Trilogie! Ich werde weiter lesen, keine Frage und mich wahrscheinlich hier auch weiter zu Wort melden, habe aber doch irgendwie ein ungutes Gefühl, dass ich die Investition in diese drei Bücher wohl in den Sand gesetzt habe.

Frau Stolzenburg widmet den Roman ihrer Mutter, die als „kritische" Testleserin tätig gewesen war. Während meiner Autorenausbildung habe ich als erstes lernen müssen, dass Verwandte (besonders ersten Grades) als Testleser absolut untauglich sind.

Aber was labere ich hier, hab ohnehin keine Ahnung, bin ich doch meilenweit von den Verkaufszahlen von Frau Stolzenberg entfernt.

Abschließend ein Wort zum Buch selbst. Die Ebookversionen spotten sämtlichen Beschreibungen. Alle Augenblicke sind Leerzeilen eingeführt und der Text wurde linksbündig formatiert (Flattersatz). So eine schlechte Umsetztung ins Ebookformat hab ich noch nie gesehen.

09.03.2011 18:04:18
Johannes

Ich fand das Buch ebenfalls sehr, sehr spannend, an manchen Stellen erschütternd, an anderen wiederum einfach nur schön. Sowohl die Wirren in Ulm als auch die Geschichte um die Gräfin Katharina von Württemberg werden mit viel Liebe zum Detail und - bei Anabel und Bertram - Einfühlungsvermögen erzählt. Conrad habe ich von Herzen gehasst und über Wulf von Katzenstein habe ich manchmal den Kopf schütteln müssen. Diese Nebenfigur hat es mir besonders angetan - ein echter Mann mit allen Ecken und Kanten. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Mir hat es viele unterhaltsame Stunden beschert.

03.03.2011 15:51:21
Thomas Vogt

Ich habe das Buch geschenkt bekommen und finde es einfach den Hammer! Die Geschichte ist wahnsinnig spannend, und ich kann Thomas71 nicht zustimmen, dass der große Spannungsbogen fehlt. Der ist von Anfang bis Ende dabei und hat mich voll und ganz mitgerissen. Ich schließe mich der Rezension von Histo Couch an, allerdings haben mich die kleinen Abweichungen überhaupt nicht gestört. Es ist ja schließlich ein Roman und kein Sachbuch. Dass die Protagonisten so jung sind, ist doch normal fürs Mittelalter, oder? Mit zwanzig waren die doch schon alt. Von mir bekommt das Buch volle Punktzahl, habe es schon all meinen Freunden weiterempfohlen!

05.01.2011 11:00:17
Thomas71

Ich habe "Die Launen des Teufels" Vor allem deshalb gelesen, weil ich selbst in der Gegend von Ulm lebe und neugierig darauf war, einen historischen Roman zu lesen, dessen Handlungsorte ich aus eigener Anschuung kenne. Und ich muss sagen, der Roman hat mich sehr gut unterhalten, allerdings fehlt ihm meiner Meinung nach "das gewisse Etwas" zum ganz großen Wurf. Zum einen fehlt mir der große Spannungsbogen, der sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte zieht. Kommen die Hauptpersonen in dramatische Situationen, werden diese in der Regel schon nach wenigen Seiten aufgelöst. Dadurch zerfällt die Handlung für mich ein wenig in eine Ansammlung einzelner, gut geschriebener Episoden. Desweiteren störe ich mich an einigen eigentlich unnötigen historischen Ungenauigkeiten. Ich verstehe, dass es sich aus dramaturgischen Gründen angeboten hat, den Baubeginn des Ulmer Münster um einige Jahrzehnte nach vorne zu legen, damit er mit dem Ausbruch der Pest in Ulm zusammenfällt, was ich aber nicht nachvollziehen kann, dass zum Beispiel einige Szenen, die genausogut in einer anderen Schänke spielen könnten, im historischen Wirtshaus "Drei Kannen" angesiedelt sind, das es zur Zeit der Handlung nachweislich noch nicht gegeben hat. Mittelalterliches Prdouctplacement? Immerhin räumt die Autorin diese Ungenauigkeiten ein, dennoch verstehe ich sie nicht. Abgesehen von diesen kleinen Einschränkungen ist das Buch sehr lesenswert, ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die in diesem Jahr erscheinen soll...

18.10.2010 18:20:40
Stefan Kuehn

Super spannend, mit vielen interessanten und liebevollen Details zum Mittelalter, die ich vorher noch gar nicht kannte und die so gar nicht dem üblichen Klischee vom stinkenden, ungepflegten Bürgertum entsprechen.

Alles, was ein gutes Buch braucht: Bösewichte und zarte Unschuld, Liebe und Verzweiflung und...