Der schwarze Krieger

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2005, Titel: 'Attila', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Carsten Jaehner
Der Hunnenkönig ist zurück!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2010

Kurzgefasst:

Ein König nimmt Rache, und die Welt steht in Flammen. Attila, der schwarze Reiter - so kennt ihn sein eigenes Volk. Die Geißel Gottes - so nennen die Herrscher in Rom den furchtlosen Hunnenkönig. Als Kind war er einst bei ihnen gefangen. Nun kehrt er zu seinem Stamm zurück. Und bitter ist seine Rache an den Verrätern aus den eigenen Reihen. Doch eigentlich kennt Attila nur ein Ziel: Er will das Römische Reich unterwerfen. Ein Vorhaben, das an Größenwahn nicht zu überbieten ist. Und schon bald zieht ein riesiges Heer Richtung Westen...

 

Attila ist wieder da! Wiedergekehrt aus der Gefangenschaft bei den Römern, kehrt der mittlerweile über Vierzigjährige im Jahr 441 nach Christus zurück in die Steppen Skythiens. Dreißig Jahre zuvor war er in die Verbannung geschickt worden und wurde nur von seinem griechischen Sklaven Orestes begleitet.

Nun kehrt er zurück in seine Heimat, um die Hunnenvölker zu einen, den großen und gefürchteten Gegner China zu besiegen und Rache an den römischen Peinigern zu nehmen. Attila zieht mit seinen Untergebenen in den Krieg und sammelt zunächst das Vertrauen seiner hunnischen Völker. Dabei stößt er seinen eigenen Bruder vom Thron und übernimmt so die Herrschaft über das neu gegründete und stetig wachsende Hunnenvolk. Er bringt seinen Untergebenen gnadenlos eine neue und ebenso gnadenlose Art zu kämpfen bei, wobei er auch mit List genug geschlagen ist, auch im passenden Moment Kräfte zu schonen und ein zu eroberndes Volk sich selbst mittels Intrigen sich ihm kampflos unterwerfen zu lassen.

Als er sich nach einiger Zeit der Vorbereitung mit seiner Hunnenschar in Richtung Rom aufmacht, ahnen die Truppen des Kaisers Valentinian noch nicht, was ihnen blühen wird. Einzig der römische Heermeister Flavius Aëtius, den Attila während seiner Gefangenschaft kennen und schätzen gelernt hat, ahnt, was da wohl geschehen könnte. Und die Hunnen rücken immer näher.

Wuchtige Sprache

Der britische Autor William Napier legt sich mächtig ins Zeug. Mit wuchtiger Sprache versetzt er den Leser in das fünfte Jahrhundert, das man sonst nur aus Erzählungen um das Römische Reich oder die Völkerwanderung kennt. Doch hier ist man mittendrin in den Weiten Skythiens, des heutigen weitläufigen asiatischen Teils Russlands, wenn man so will, und Napier schafft es, dem Leser durch seine Beschreibungen die Ödnis der Steppen vor Augen erstehen zu lassen, dass man meinen könnte, man reite mit (wenn man das Glück hatte, ein Pferd zu bekommen).

Gestählt durch seine Vergangenheit, ist Attila ein Mann geworden, den nichts mehr erschüttern kann. Er hat sich eine Brutalität angeeignet, mit der er sowohl seine Leute verblüfft, aber dadurch auch eine gewisse Gerechtigkeit unter seinen eroberten Völkern schafft. Diese erkennen ihn als ihren neuen Führer an, weil sie erkennen, dass es nicht gesund ist, sich gegen ihn zu stellen. Dies wird von Napier eindringlich und beeindruckend beschrieben, und so freut man sich auf jede Begegnung mit dem Hunnenanführer.

Sein taktisches Wissen und seine Kenntnisse über sein Ziel, das er unbeirrt verfolgt, sei es auch durch Umwege, beeindrucken sein Volk ebenso wie den geneigten Leser. Landschaften und Personen werden nicht übertrieben, aber treffend charakterisiert, und man erfreut sich an jeder neuen Seite. Gerade die Führungsriege, die Attila sich auserkoren hat, wird bestechend beschrieben, und auch wenn er sich eine vermeintliche Hexe in seine Truppe holt, wagt niemand, sich gegen ihn zu stellen und nimmt hin, was sie tut.

Kleine Längen und Abschweifungen

Leider nimmt man erst ab ungefähr einem Drittel des Buches wahr, dass ein Ich-Erzähler die Geschichte erzählt. Priscus von Panium heißt er, hat Attilas Eroberungszüge selbst miterlebt und erzählt nun die Geschichte. "Aber ich schweife ab" heißt es an einer Stelle, und diese zeigt auch schon, dass er manchmal zu sehr abschweift und man sich fragt, ob das nun gerade Erzählte irgend etwas mit der Geschichte Attilas zu tun hat und den Leser weiterbringt.

Allerdings hat man als Leser des öfteren das Gefühl, einiges verpasst zu haben, sei es an Vorstellung von Personen, Schlachten oder sonstigen Begebenheiten aus der Vergangenheit. Im Laufe des Romans kann man sich das eine oder andere zusammen reimen, allerdings werden dadurch auch Verluste in der Erzählung deutlicher.

Wo bleibt der erste Teil der Trilogie?

Die Lösung hierzu liegt leider an einem ungewohnten Ort. Der schwarze Krieger ist schon irgendwie ein beeindruckender Roman, aber er ist der zweite Teil einer Trilogie, und der erste Teil ist bislang nicht erschienen und wird es nach Aussage des Rowohlt-Verlages auch nicht, obwohl die Übersetzung des dritten Teils bereits in Arbeit ist. Warum man nicht den Lesern überlässt, ob ein Roman zum Verständnis einer Trilogie gebraucht wird, ist vollkommen unverständlich.

Es wäre mehr als zu wünschen, wenn sich der Verlag doch noch dazu entscheiden könnte (wonach es aber im Moment nicht aussieht), aus einer vom Autor geplanten Trilogie auch im Deutschen eine Trilogie zu machen und so dem Leser nicht das vorzuenthalten, was er nach Lektüre dieses Romans wohl vermissen wird. Zu häufig werden (vermutlich) auf Personen und Handlungen im ersten Teil Bezug genommen, als dass man ihn weglassen sollte. Dies beeinträchtigt zwar nicht die Qualität des Romans, wohl aber sein Verständnis, und damit letztlich dann doch wieder die Qualität, wenn auch auf einer anderen Ebene.

Eine Landkarte des Römischen Reiches und der "Barbarenländer" um 441 und zwei Anhänge ergänzen den Roman, leider aber keine Zusammenfassung des ersten Teils. Ein gute Arbeit des Autors mit leichten "Ausschweifungen" lässt auf einen spannenden dritten Teil hoffen, wenn Attila Richtung Rom reitet. Wer den ersten Teil lesen will, muss wohl mit dem englischen Original vorlieb nehmen. Schade, dass die Leser hier so bevormundet werden.

 

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