Glencoe

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2010, Titel: 'Glencoe', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
So rau und faszinierend wie das schottische Hochland

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2010

Kurzgefasst:

1689. Im Streit um die englische Thronfolge ist das Hochland zutiefst gespalten. Die MacDonalds halten den Stuarts die Treue, die Campbells unterstützen den neuen König. Gegen den Willen ihrer Familien holt Sandy Og MacDonald die junge Sarah Campbell als seine Braut nach Glencoe. Zwischen ihnen ist es Liebe auf den ersten Blick. Als Sarah nach mehreren Totgeburten einen verkrüppelten Sohn zur Welt bringt, wird sie von den Frauen des Clans noch mehr verachtet. Sandy Og erntet ob seiner Sanftheit nichts als Hohn und Spott. Gleichzeitig spitzt sich der Zwist zwischen den MacDonalds und den Campbells zu. In einer eiskalten Winternacht kommt zu einem Blutbad, wie es das Hochland noch nicht gesehen hat. Können ausgerechnet Sarah und Sandy Og, die Außenseiter, ihren Clan vor dem Untergang retten?

 

Auf den ersten Blick ist an Glencoe kaum etwas Liebliches, weder am Roman noch am Tal, das dem Roman von Charlotte Lyne seinen Namen gegeben hat. Die herbe Schönheit von Glencoe fällt erst auf, wenn man genau hinsieht und sich öffnet. Unvoreingenommen und ganz. Die traurige Ballade, die über Glencoe gesungen wird, schwebt über den Worten, mit denen die Autorin von Stolz, Ehre, Liebe und Hass erzählt. Von Versprechen und Verrat, von Verzweiflung und Hoffnung. Es ist nicht der schöne John, der im Mittelpunkt des Geschehens steht. Er, der später den Platz seines Vaters Alasdair McDonald einnehmen wird, muss dem wortkargen Sandy Og Platz machen, der kaum etwas richtig zu machen scheint. Sandy Og ist es, der mit seiner besonnenen Art alles daran setzt, Unheil von Glencoe abzuwenden.

In die Geschichte eingegangen

Dem alten Alasdair McDonald, Clanführer der McDonalds in Glencoe, sind neben seinen beiden Söhnen John und Sandy Og auch Tochter Gormel und Ziehtochter Ceana geschenkt. Er glaubt fest an den Fortbestand seines Clans, denn der erstgeborene John hat etliche Söhne, die später das väterliche Erbe antreten sollen. Für König James Stuart zogen die Männer in den Krieg, während die Frauen im unwirtlichen Tal versuchten, Vorräte für den Winter zu erwirtschaften. Nur noch ein Bruchteil der Männer, die ausgezogen sind, kehren in ihr Tal zurück. Ein Waffenstillstand mit den Rotröcken soll das Volk schützen und es ihm ermöglichen, Wunden zu lecken und sich wieder zu stärken. Doch am 13. Februar 1692 kommt es im Morgengrauen zu einem unerwarteten Angriff. In Glencoe mussten Männer, Frauen und Kinder des McDonalds-Clan sterben, weil die "Sassenachs", die Engländer, ein Exempel statuieren wollten. Der Wille der schottischen Clans, hinter König Jamie zu stehen, sollte gebrochen werden. Als besonders verwerflich gilt noch heute, dass die Angreifer die von den McDonalds gewährte Gastfreundschaft missachtet haben.

Feines Gespinst menschlicher Gefühle

Charlotte Lyne erzählt nicht einfach die Geschichte eines beispiellosen Massakers nach, das bis heute seine Auswirkungen hat. Sie webt ein dichtes Netz von menschlichen Gefühlen, die ihre Protagonisten handeln, leiden und lieben lassen. Und sie bringt den wortkargen Außenseiter Sandy Og mit der ebenso wortkargen Sarah zusammen, die er aus dem Haus ihrer Familie, dem Clan der Campbells in Glenlyon raubt und die so gerne eine von Glencoe werden möchte, doch immer wieder scheitert. Gekonnt lässt die Autorin zwischen den beiden eine Spannung entstehen, die weitgehend stumm bleibt - so, wie es das Paar über viele Jahre hinweg in seinem Zusammenleben handhabt. Doch da ist Ceana - auch sie in einer wortlosen Liebe zu Sandy Og gefangen und von Eifersucht auf "die Campbell" beseelt.

Hoffnung bis zur letzten Seite

Durch ihren dem rauen schottischen Hochland angepassten Erzählrhythmus schafft Charlotte Lyne eine nahezu magische Stimmung, der man sich nicht zu entziehen vermag. Selbst wer sich mit dem Massaker von Glencoe und den damaligen politischen Ereignissen schon auseinander gesetzt hat und deshalb um den Ausgang der Geschichte teilweise weiß, wird kaum davon lassen können, sich bis zuletzt an die Hoffnung zu klammern. Bleibt das Auge dann am letzten Wort des Romans - Ende - haften, macht sich eine dumpfe Leere breit. Das Tal beginnt, hinter dem dichten Nebel zu verschwinden und wieder zu dem zu werden, was es noch heute ist: ein stiller, geschichtsträchtiger Ort. Ein Tal, dessen Stolz trotz allem nie gebrochen worden ist.

Wie eine lange Ballade

Zurück bleibt nach dem Lesen das Gefühl, einer langen Ballade gelauscht zu haben. Charlotte Lyne schafft diese Stimmung durch wohlüberlegt gesetzte Worte, die eine eigene Melodie ergeben. Je nachdem, welchen Ort sie gerade erhellt, wechselt sie den Ton der Erzählung leicht, so dass eine ganz andere Stimmung entstehen kann. So bringt sie etwa die viel geschmähte Königin Mary den Lesern näher, ohne dass sie in überschwänglichen oder auch nur feinfühlig geschönten Worten über sie berichten würde. Vielmehr zeigt sie die Zerrissenheit und Einsamkeit jener Frau auf, die zusammen mit ihrem Mann William von Oranien nach der Krone Schottlands griff und damit auch für die Menschen in Glencoe zur furchtbaren Geisel wurde.

Blutiges Entsetzen

Die Autorin schont ihre Leserinnen und Leser nicht. Blutige Schlachten, brutale Misshandlungen, verzweifelter Überlebenskampf: All das sind ebenso bestimmende Elemente wie der lebenssprühende Stolz und die tiefe Liebe zwischen Sandy Og und Sarah. Der Krieg wird in seiner ganzen, verzweifelten Traurigkeit dargestellt, und oftmals braucht es ein trockenes Schlucken, um den Kloss im Hals wieder los zu werden. Gerade diese kraftvollen Schilderungen, die aber an keiner Stelle ins Groteske abgleiten, machen den Roman zu etwas Besonderem. Glencoe ist rau, schmerzhaft, blutig - dabei aber so zauberhaft und intensiv, wie es nur eine Hochlandpflanze zu sein vermag, die sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens zu behaupten vermag.

Sich darauf einlassen

Der Roman verlangt von den Lesern Aufmerksamkeit. Er eignet sich so wenig als leichte Strandlektüre wie als kleiner Lesegenuss mal zwischendurch. Die Sprache ist, so intensiv sie sich auch präsentiert, hat man ihren Rhythmus gefunden, nicht jedermanns Sache, erzählt sie die Geschichte doch immer wieder zwischen den Zeilen. Zudem bewegt sich die Geschichte fern vom gängigen Schema historischer Romane, was nicht jedermanns Sache sein dürfte. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird aber ein Buch in Händen halten, das ihn noch lange in den Gedanken begleiten wird.

Ein großes Plus ist die geschmackvolle Gestaltung des Buches. Nicht nur die Nachbemerkungen der Autorin, die dazu führen, dass das Ende nicht im luftleeren Raum steht, sondern auch die Gestaltung des Buches mit Planskizze in den Klappen, mit Glossar und Personenverzeichnis sind sehr gut gelungen und machen einen echten Mehrwert aus.

 

Glencoe

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Letzte Kommentare:
16.02.2011 16:40:17
Buchliese

Definitiv kein Buch, dass "in einem Rutsch" oder als "Sommerlektüre" gelesen werden will. Die Gesetze der Clans und das schwere, oft entbehrungsreiche Leben in den schottischen Highlands sowie Einblicke in die Kultur verlangen einen aufmerksamen Leser. Die Liebe von Charlotte Lyne zu den Leuten aus Glencoe zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Ein Buch, das mich nachdenklich zurückgelassen hat mit einem Zitat, über das ich noch länger nachdenken werde.

"Glück ist, wenn ein Tag wie der andere verläuft und doch ein jeder auf eigene Weise. Glück ist, wenn alle, die man am Abend zählt, am Morgen noch unter ihren Decken liegen"

03.02.2011 13:33:56
Ulli-und-keine-5-Tage

Die schottischen Highlands sind betörend schön, aber auch unwirtlich und einsam. Wer hier durch mußte, war dankbar für das Gesetz der Gastfreundschaft und Gastfreundschaft wurde gewährt, egal ob Freund, Fremder oder Feind. Mit dem Massaker von Glencoe wurde dieses überlebenswichtige Prinzip vernichtet und zusammen mit der Schlacht von Culloden und den Clearances, als die Bevölkerung mit Gewalt aus den Highlands vertrieben wurde, um den Schafen, die im Gegensatz zu den Menschen Geld brachten, Platz zu schaffen, war der gewaltsame Untergang der Kultur der Highlands besiegelt.

Inmitten dieser unerbittlichen Geschichte erlebt man Menschen, die durch die Landschaft und ihre Gesetze geprägt sind, die störrisch und sensibel sind. Ob es der stolze McIan ist, der noch ganz Vergangenheit lebt und lange nicht wahrhaben will, daß die Zeiten sich geändert haben und früher verachtete Eigenschaften tatsächlich überlebenswichtig sind; ob Rob Glenlyon, der sich sein eigenes Grab geschaufelt hat und in seiner Wehleidigkeit und Verlorenheit doch auch eine tragische Gestalt ist; Sandy Og, der leidet, weil er anders ist, aber lange auch nichts tut, um zu beweisen, was in ihm steckt; die Frauen, ob Morag, ob Gormal, die herbe sind, verletzend, zuschlagend, auch wenn ihnen eher zum Heulen ist, aber eben damit auch das Überleben sichern. Viele sitzen in ihren selbst gebauten Gefängnissen, auch wenn manchmal ein anderer das Fundament dazu geschaffen hat.

Und trotz dieser unerbittlichen Geschichte flog ich durch die Seiten, weil da eine Welt vor einem aufgeblättert wird, weil da lauter Charakterköpfe sind, weil die Autorin einen Ton findet, Mensch und Landschaft gerecht zu werden, weil man wissen will, wie die beiden maulfaulen Querköpfe Sandy Og und Sarah nun gerade zueinanderstehen und weil trotz allem doch auch immer Humor durchblinzelt.

25.01.2011 22:43:23
anath

Ein herausragendes Buch und keines, das sich einfach mal so schnell weglesen läßt. Hier spürt man die akribisch forschende Historikerin genauso hinter den Zeilen wie die sensible Schriftstellerin. Und das Ergebnis ist ein Buch mit wunderbar lebendigen Protagonisten und einer Szenerie, die greifbar und vorstellbar ist.
Ich habe später auf you tube Bilder von Glencoe gesehen und mußte feststellen, daß ich das alles schon kannte. Mein inneres Auge konnte sich beim Lesen eine genaue Vorstellung von dem Ort machen, und nicht nur von diesem.
Wesentlich beeindruckender aber fand ich, wie die Autorin mit ihren Protagonisten und deren Konflikten umgeht - und immer wieder spürt frau, daß da auch ein Schmunzeln versteckt ist, wenn die (angeblich erwachsenen ) großen Männerjungs ihre Hahnenkämpfe miteinander auszufechten haben. Aber das ist eben nur die eine Seite.
Auf der anderen stehen Konflikte, hart, kräftezehrend. Geheimnisse, die niemanden glücklich machen und nur Lügen und weitere Lügen hervor bringen. Eine Liebe, die so schwierig ist, wie es eben nur die Liebe sein kann - und dabei so viel Kraft gibt , auch für das Überleben.

Als Charlotte Lyne vor zwei Jahren hier im Forum schrieb, sie wolle nun mit dem Roman beginnen, da schrieb sie auch, sie hätte ihn lieber noch etwas reifen lassen, sah sich aber durch äußere Umstände veranlaßt, nun mit dem Schreiben zu beginnen. Ich glaube, sie hat genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, der Roman war einfach reif in ihr.

15.01.2011 12:42:46
Hedwig

Bis jetzt habe ich alle Romane von Frau Lyne gelesen und ich schätze diese Autorin, sowohl von den Themen her, aber vor allem her von der Sprache.
Glencoe verlangt den Lesern anfänglich doch etwas Geduld ab, nachdem die Helden - Sandy Og und Sarah - wortkarg durchs Leben gehen und sich so, selbst das Leben ungemein schwer machen. Erst im Laufe des Romans löst sich dieser Knoten und aus den beiden werden starke, wenn auch weiterhin schwierige Persönlichkeiten. Ich selbst musste daher nach rund 150 Seiten eine Lesepause einlegen, da mir das Leiden von Sandy Og und Sarah einfach zuviel wurde.
Es dauert eine Weile, bis sich der Leser durch die vielen Beschreibungen diverser Vorkommnisse selbst als "Bewohner dieses Tales" fühlt, ist es soweit, kann der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen und versinkt darin.
Gut gelungen sind die "Zwischenberichte" der Gedanken und Überlegungen von Königin Mary, welche in den Augen der Schotten eine Thronräuberin ist, obwohl eine Stuart kann sie für das schottische Hochland keine positiven Gefühle aufbringen.
Letztendlich emfpinde ich als Leser den Vater von Mary, König James gleichfalls als Verräter an Schottland, er hat die Schotten für seine Zwecke benützt, ist ihnen aber nicht beigestanden, die Wahrheit ist, dass allen Königen Schottland egal war und die Schotten vom eigenen Königshaus (Stuart) verraten worden sind.
Unabhängig von den wirklich gut aufgezeigten politischen Geschehnissen dieser Zeit lässt die Autorin die Menschen eines ganzen Tales lebendig werden, mit ihren Stärken und Schwächen, der Lebensart in diesem Land zu dieser Zeit und ihren Gefühlen und Sorgen, ein ständiger Kampf um das nackte Überleben in diesem rauhen Land.
Das Ende ist so manchem bekannt, da auch andere Autoren diese Geschehnisse bereits aufgegriffen haben, dies ist aber kein Nachteil, nimmt nur vielleicht ein wenig an Spannung oder besser gesagt, Hoffnung.
Immer wenn Romane von wirklichen Geschehnissen handeln, ist der Leser um so mehr betroffen, was bei diesem Roman kaum zu vermeiden ist, man ist einfach betroffen von diesem Verrat an einem Clan, nicht möglich wäre dies wohl alles gewesen, hätte sich der König oder seine Tochter wirklich mit diesem Land beschäftigt und es nicht anderen überlassen, welche letztendlich eigene Ziele verfolgt haben.

Nun bleibt nur noch zu fragen, mit welchem Thema sich die Autorin beim nächsten Buch beschäftigen wird, nach diesem Roman wird es schwierig werden, ein gleichwertig anspruchsvolles Thema zu finden.

LG Hedwig

06.11.2010 11:21:40
arno

Glencoe: endlich ausgelesen, viel mehr als 50 Seiten war nicht drin. Immer wieder mußte ich nach ein paar Seiten das Buch weglegen um das gelesene zu überdenken. Das soll nicht heißen ich hab das nicht verstanden, sondern das gelesene wollte nur in mich einsickern. Es ist so viel über das Buch positives geschrieben worden da kann man kaum noch was hinzufügen was noch nicht erwähnt wurde. Ich wünsche dem Buch und natürlich auch der Autorin viel Erfolg. Ein tolles Buch
Arno ich vergebe auch 100 Punkte

02.11.2010 08:51:08
Lexa

Die Handlung ist ja bereits mehrmals beschrieben.
Wie alle Bücher der Autorin kein leichtes Buch, das man mal so schnell wegliest. Man muß sich auf die Geschichte einlassen, auf die Figuren so voller Leben, Leidenschaft, auf ihre Unzulänglichkeiten, Nöte und Ängste. Gar manches Mal könnte man den Protagonisten eins überziehen vor lauter Sturheit, einen Schubs geben, damit sie den Mund aufmachen, oder übers Haar streicheln vor lauter Liebe und Zärtlichkeit: allen voran Sandy Og, der Schweiger und Denker, und Sarah, beide in sich wachsend und reifend.
Besonders imponiert mir die Gestalt des Rob Glenlyon\'s: ein um\'s ander Mal in Selbstmitleid zerfließend, anstatt Verdammung zum Bösewicht.

Die Einlagen mit Königin Mary würzen auf besondere Art das Geschehen, zeigen sie doch die weltfremde Lebensweise jener Dame und ihrer Gesellschaftsschicht.

Sehr wirkungsvoll ist das spannende Finale dargestellt, das Massaker eingehüllt in einen Schneesturm, die Grausamkeiten zugedeckt mit weißen Flocken.

In jeder Zeile spürt man, wieviel Herzblut die Autorin in diese Geschichte gelegt hat und auch, daß sie die rauhe Gegend liebt, in der sie spielt.

Ja und dann noch die Sprache. Hier find ich nicht die rechten Worte, um die Ausdruckskraft zu beschreiben, sie ist das ganz Besondere an dem Buch und hebt es weit über das übliche Mittel hinaus: stark und kraftvoll, weich, zärtlich und feinfühlig, mit Worten spielend.

Im Innern des Buchdeckels gibt es eine Orientierungskarte, für mich das I-Tüpfelchen in einem guten Buch.

31.10.2010 11:19:34
Margitta

Habe gerade das Buch Clencoe beendet !
Ich hatte sehr hohe Erwartungen an die Schriftsellerin und keinerlei an die Historie ,die mir bis dato gänzlich unbekannt war.
Nun wurde ich von Charlotte Lyne in eine Familie eingeführt die wiedersprüchlich nicht sein konnte.Manchmal hatte ich das Gefühle ich müßte den Protagonisten helfen über ihren Schatten zu springen...Dieses Buch nahm micht zur Gänze gefangen,es war kurzweilig ,aufregend und aufklärend zu geleich.Über die geschichtlichen Hintergründe wurde ich aufgeklärt (Danke ) und gleichzeitig gut unterhalten.
Also von meiner Seite zu empfehlen !
Ich werde aber sicher das von Meike empfohlene Buch besorgen !

30.10.2010 12:23:57
Meike

Ich habe diese Buch noch nicht gelesen, aber die Story kommt mir doch sehr bekannt vor. In Herrin der Täler von Jennifer Roberson heisst sie allerdings Catriona und er Alsadair, was die gälische Form von Alexander ist und Sandy ist eine Koseform davon. Also mir ist das zu ähnlich zu dem anderen Buch, als das dieses hier mich reizen könnte.
Da es sich bei dem Vorfall in Glencoe um eine historische Tatsachae dreht, die eheliche Verbindung zwischen den Campbells und McDonalds of Glencoe aber (meines Wissens) nicht belegt ist. finde ich es schade, dass gerade der Teil hier soviel Ähnlichkeit hat.

11.10.2010 18:26:44
aida

Das Äußere dieses Romans ist sehr ansprechend. Mit oder ohne Schutzumschlag ist das Buch ein Schmuckstück. Zusätzliche Pluspunkte sind ein Personenverzeichnis, ein Glossar, eine Landkarte und ein Lesebändchen.

Nun zum Inhalt: Die Autorin führt uns Leser in die rauhen schottischen Highlands um 1689. Hier dürfen wir am harten, von starren Clanregeln bestimmten Leben teilhaben. Wir lernen Menschen mit Stärken und Schwächen kennen, die ihr Leben trotz aller Härten lieben und es genauso weiterleben möchten. Und diese Menschen sind leider größtenteils blind für die Zeichen des Umbruchs, der durch die Vertreibung König James Stuarts eingeleitet wurde. Schließlich gehört auch mehr Mut, Kraft und Intelligenz dazu, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen als an der alten, doch so lange bestehenden Lebensweise festzuhalten. Allzu menschliche Eigenschaften begegnen uns, alle Personen haben Ecken und Kanten, aber genau das macht sie für mich so lebensecht. Manche möchte ich schütteln, manche mag ich, manche erschrecken mich sehr – sie wecken in mir Emotionen, egal auf welcher Seite sie stehen. Und natürlich wird auch eine Liebesgeschichte erzählt. Diese ist nicht ganz einfach, sondern es gibt Missverständnisse, Schicksalsschläge und Einmischungen anderer.

Die Handlung des Buches zeigt uns geschichtlich authentische harte und grausame Ereignisse, sowohl im Alltag der Menschen als auch im politischen Leben. Aber die Autorin schafft es trotzdem dem ganzen eine starke lebensbejahende Note zu geben. Da wird der Zusammenhalt im Clan geschildert, die Feste und die Kraft zum Neuanfang und zum Verzeihen. So bin ich am Ende des Romans nicht nur traurig und wütend wegen der schlimmen Geschehnisse in Glencoe, sondern auch voller Hoffnung, dass es trotzdem eine gute Zukunft geben wird für die MacDonalds.

Auch die Nebengeschichte um König James Tochter Mary, die neue Königin, gibt uns Lesern ein sehr umfassendes Bild. Mit unserer heutigen Denkweise und den geschichtlichen Tatsachen allein ist Mary ein Ungeheuer, dass ihren Vater vom Thron verjagt hat. Aber die Schilderung zeigt mir eine unglückliche Frau ohne großes Einfühlungsvermögen. Sie hat, obwohl als Tochter eines Königs geboren, zu gehorchen erst ihrem Vater, dann ihrem Mann oder deren männlichen Beratern. Von allen wird sie nur als Marionette gebraucht. Denn eigentlich wird von ihr genau wie von jeder anderen Frau ihrer Zeit hauptsächlich erwartet, einen Sohn zur Welt zu bringen. Und das bleibt ihr leider versagt. Die Schuld dafür wird nur ihr allein angelastet, was ungerecht, dumm und schrecklich ist.

Da das geschilderte Geschehen auf Tatsachen beruht wird hier auch größtenteils von historisch real existierende Personen erzählt, das gefällt mir sehr gut.

Die Erzählweise der Autorin gefällt mir ebenso. So zum Beispiel, dass die Gedanken der Personen jeweils in anderer Schriftart geschrieben sind. Dadurch konnte ich mich noch besser in die Personen hineinversetzen.

Mein Fazit: Ein historischer Roman mit Tiefgang um Ehre, Verrat, Stolz, Verzeihen und Liebe ( und nicht nur zwischen Mann und Frau ), den ich nicht schnell sonders langsam und genussvoll lesen musste. Einerseits um die manchmal schlimmen Geschehnisse zu verarbeiten. Andererseits um auch keinen der besonders schönen Sätze der Autorin zu übersehen. Zum Beispiel: „ Glück war nicht, keine Sorge und keine Schmerzen zu haben, nichts zu bedauern oder sich nichts zu wünschen“.

10.10.2010 19:54:02
Keera

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Geschichte des Ehe- und Liebespaares Sandy Og MacDonald (welch ein Name!) und Sarah Campbell. Im Mittelpunkt der Handlung steht aber auch die Geschichte des schottischen Highland Clans der MacDonalds von Glencoe, in den Jahren vor 1689.
Die Menschen von Glencoe, verhaftet in ihrer uralten Kultur, ihren alten Wertvorstellungen und Loyalitäten, müssen feststellen, dass ihnen nur die Wahl bleibt, sich zu verändern, oder unterzugehen. Dass der erforderliche Wandel nicht allmählich und freiwillig erfolgen kann, dafür sorgen die Gleichgültigkeit der Herrschenden und das Machtstreben und die Gier derer, für die es keinerlei Werte außer dem eigenen Nutzen mehr gibt. Und so läuft die Geschichte unaufhaltsam auf ihren grausamen Höhepunkt zu.
Charlotte Lyne beschreibt die feudalen Strukturen im Highland Tal. Der Clan-Chief ist der absolute Herrscher, gebunden nur an überlieferte Traditionen und Gesetze. Es gibt strenge, für heutige Begriffe grausame Gesetze und riesige Standesunterschiede. Dennoch ist das Leben im Tal für die meisten Menschen gut. Weil man schon immer so gelebt hat und in den bisherigen, schon lange bestehenden und oft brutalen Kämpfen mit den Engländern die kulturelle Identität wahren konnte, glaubt man, so werde es auch jetzt weitergehen. Lyne beschreibt uns auch die Gleichgültigkeit der von den Stuart-Königen abstammenden Königin Mary, deren Denken sich ausschließlich um ihre eigene Person und ihre Befindlichkeit dreht und der das schottische Volk völlig gleichgültig ist. Dasselbe gilt auch für den von den Schotten als rechtmäßigen Herrscher angesehenen James, der hier nur am Rande vorkommt, von dem sich aber vermuten lässt, dass auch ihm Schottland und seine Menschen herzlich egal sind. Des weiteren begegnen wir dem skrupellosen Herrn von Argyll, der eiskalt den Genozid an seinen Landsleuten plant, weil es für ihn wirtschaftlich nützlich wäre. Dabei platziert er, wie in einem Schachspiel, die mit ihm verwandten Herren von Breadalbane und Sarahs Onkel Robert Campbell dort, wo sie ihm von Nutzen sind.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund entwickelt sich die komplizierte Liebesgeschichte von Sandy Og MacDonald und Sarah Campbell. Die Heirat der beiden wurde arrangiert von den Eltern, bzw. Großeltern. Glücklicherweise verlieben sie sich ineinander, was aber nicht bedeutet, dass es nun einfach für sie wird. Beide konnten in ihrer Kindheit nicht den Vorstellungen ihrer Familien genügen und so sind sie zu der Art von Menschen geworden, die Charlotte Lyne in allen ihren Büchern schildert. Sie sind unsicher, anders als ihre Geschwister und Freunde, und bis zur Schmerzgrenze unfähig, sich einem anderen Menschen zu öffnen, Gefühle zu zeigen und auszusprechen. Ihre Andersartigkeit macht es ihnen aber möglich, Grenzen zu überschreiten, Neues, Tabuisiertes und Unbequemes zu denken und zu tun, was die Menschen, die ihren festen Platz in der starren Gesellschaftsstruktur des Clans gefunden haben, nicht können. Im Laufe der Geschichte von Glencoe werden wir Zeuge, wie beide sich entwickeln und wachsen. Und so wird Sandy Og, gestützt auf seine ungewöhnliche Frau, zur treibenden Kraft, der es zwar nicht gelingt, das große Unglück zu verhindern, die es aber schafft, den Überlebenden Kraft und Mut für einen neuen Anfang zu geben.

Charlotte Lyne beschreibt die geschichtliche Entwicklung und die Entwicklung der Menschen in diesem Roman einfühlsam, stimmig und poetisch. Obwohl sprachlich viel zurückhaltender als bei den vorherigen Romanen, behält ihr Ausdruck immer Tiefe und Schönheit.

„Glencoe“ ist ein Buch mit faszinierenden Charakteren und spannender Geschichte.

07.10.2010 18:32:48
Stefanie80

1689. Im Streit um die englische Thronfolge ist das Hochland zutiefst gespalten. Die MacDonalds halten den Stuarts die Treue, die Campbells unterstützen den neuen König. Gegen den Willen ihrer Familien holt Sandy Og MacDonald die junge Sarah Campbell als seine Braut nach Glencoe. Zwischen ihnen ist es Liebe auf den ersten Blick. Als Sarah nach mehreren Totgeburten einen verkrüppelten Sohn zur Welt bringt, wird sie von den Frauen des Clans noch mehr verachtet. Sandy Og erntet ob seiner Sanftheit nichts als Hohn und Spott. Gleichzeitig spitzt sich der Zwist zwischen den MacDonalds und den Campbells zu. In einer eiskalten Winternacht kommt zu einem Blutbad, wie es das Hochland noch nicht gesehen hat. Können ausgerechnet Sarah und Sandy Og, die Außenseiter, ihren Clan vor dem Untergang retten?
Soweit die Kurzbeschreibung von amazon über Charlotte Lyne`s "Glencoe".
Für mich das fünfte Buch (samt hist. Krimi), das ich von der Autorin Charlotte Lyne gelesen habe. Ganz selten trifft man auf eine(n) Autor/in, der/die das Niveau bei jedem Buch hält, sich sogar noch steigert. Das ist hier absolut der Fall gewesen. Ohne irgendwelche Kenntnisse über diese Zeit im schottischen Hochland zu haben, ging ich an dieses Buch heran. Das brauchte ich auch nicht. Die Autorin brachte mir die Geschichte so nahe, dass ich nicht einmal das Gefühl hatte, ich müsste „googeln“ um die Geschichte zu verstehen. Alles was ich von einem Buch will, erfüllt dieser Roman. Eine Geschichte die einen berührt, zum Nachdenken anregt, vielschichtige lebensnahe Figuren. Was mich besonders beeindruckt, die Autorin versteht es mit ihrer Sprache eine Atmosphäre zu schaffen, dass man glaubt man befindet sich im Glencoe des ausgehenden 17. Jh. Die Sprache ist wie eine Urgewalt, kraftvoll, erdig auch poetisch aber niemals kitschig.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Einschübe über Königin Mary, von der ich bisher auch gar nichts gewusst habe.
Für mich ist das Buch trotz aller Tragik lebensbejahend, man spürt die Stärke aber auch Lebensfreude dieses ganz eigenen Menschenschlages. Es ist ein Buch das mich nachdenklich zurücklässt, das noch lange nachklingen wird. Ein Buch das auch mein Interesse für dieses Land und seine Geschichte geweckt hat.
Ich kann dieses Buch nur mit 100° empfehlen!

Zeitpunkt.
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