Die Frau des Seidenwebers

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2010, Titel: 'Die Frau des Seidenwebers', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Sensibel erzähltes Drama um die Fehlentscheidung einer jungen Frau

Buch-Rezension von Daniela Loisl Aug 2010

Kurzgefasst:

Im Jahr 1753 reist die 25-jährige Mennonitin Anna von Radevormwald nach Krefeld. Sie soll ihrem Onkel den Haushalt führen. Unterwegs lernt sie Claes kennen, der sich bei einem Überfall schützend vor sie stellt. Anna verliebt sich in ihn, doch fühlt er sich schon einer anderen versprochen. Die Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Weg geht, bis sie endlich den Mann findet, der sie liebt.

 

Im November 1753, nach dem Tod ihrer Tante, wird Anna te Kloot von ihrem Onkel um Hilfe gebeten. Sie soll ihm den Haushalt führen und seine noch kleinen Kinder betreuen. Nicht ungern macht sie sich auf den Weg von Radevormwald nach Krefeld, da sie im Hause ihres Bruders lebt und sie sich mit ihrer Schwägerin Christine nicht versteht. So meint sie, der bösen Schwägerin zu entfliehen, und bis Solingen will sie der geliebte Bruder auch noch begleiten. Als sie dann alleine weiterreisen muss, trifft sie auf Claes ter Meer, der dasselbe Reiseziel hat wie sie. Als sie unterwegs von Franzosen überfallen werden, steht Claes ihr zur Seite und hilft ihr auch in Krefeld in vielerlei Hinsicht. Sie braucht nicht lange, um zu wissen, dass Claes ihre große Liebe ist und durch ein Missverständnis gesteht sie ihm dies auch eines Tages und wird bitter enttäuscht. Claes hat sein Herz schon lange an eine andere Frau verschenkt. Als sich ihre Verzweiflung etwas gelegt hat, meint sie, bei einem anderen Mann der sie schon länger umwirbt, den richtigen gefunden zu haben und heiratet ihn...

Durchgehend flüssig und mitreißend

Wenn man aufgrund des Titels meint, einen reinen Liebesroman in den Händen zu halten, wird schnell eines Besseren belehrt. Zwar geht es um die Liebe, aber in einem viel weiteren und tieferen Sinn, wo kitschige Gefühlsduselei und explizite Sexszenen keinen Platz haben, sondern Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Loyalität und auch innige Zuneigung den Hauptpart bilden.
Schon zu Beginn des Buches bekommt man im Hintergrund die spannungsgeladenen politischen Begebenheiten mit, die, wenn auch nur ab und an eingestreut, wie eine dunkle Gewitterwolke über der Bevölkerung hängt und vorerst nur ab und zu ein paar Tropfen fallen lässt.
Die Familien te Kloots und ter Meers sind Mennoniten und gehören der gut bürgerlichen Gesellschaftsschicht an und so bekommt man nur am Rande Einblick in das Leben der ärmeren Leute. Dennoch hat Ulrike Renk einen sehr interessanten und ereignisreichen Schauplatz geschaffen, so dass nie Längen aufkommen oder man gar verleitet ist, ein paar Seiten zu überspringen. Von Beginn an nimmt die Geschichte den Leser mit und trägt ihn förmlich durch das Geschehen. Die Autorin wartet auch stets mit Überraschungen auf, so dass man zwar meint, die eine oder andere Begebenheit vorauszuahnen, nur um dann eine ganz andere Wende miterleben zu dürfen.

Interessante Charaktere

Viele Klischees werden außen vor gelassen und auch wenn Anna eine von den "ganz Guten" ist, so sind alle anderen Figuren alles andere als einseitig.
Jede Menge Nebendarsteller treten auf und jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen und selbst die, die Anna stets zur Seite stehen und sie in jeder Hinsicht unterstützen, schaffen es nicht immer, sie vor Schlimmerem zu bewahren. Dies macht die Geschichte authentisch und bietet dem Leser auf wunderbare Weise Möglichkeiten, sich mit den Figuren zu identifizieren.
Dass Anna nicht nur Gutes erlebt, sondern auch sehr Dramatisches und Grausames über sich ergehen lassen muss, erhöht die Glaubwürdigkeit und hebt sich somit von vielen anderen historischen Romanen, in denen die Protagonistinnen stets in letzter Minute aus brenzligen Situationen gerettet werden, sehr positiv ab.
Die eine oder andere Kleinigkeit mag einem vielleicht etwas sonderbar erscheinen, so wie die Feststellung eines Familienmitgliedes, dass eine Frau im Alter von 25 Jahren noch zu jung zum Heiraten ist, stört aber die kompakt und schlüssig erzählte Geschichte keineswegs.

Das Seidenweben bleibt auf der Strecke

Wie Verlag und Autorin allerdings auf den Titel kommen, bleibt wohl ein Geheimnis. Anna hat mit der Seidenweberei nichts zu tun und ihr Gatte? Nun, ein Seidenweber ist er jedenfalls nicht. Die ter Meers handeln zwar mit Seide, aber auch mit anderen Gütern, aber ein Seidenweber ist keiner von ihnen, sie haben lediglich Weber als Angestellte. Der Titel ist insofern auch irreführend, da am Buchrücken mit "Liebe und Seide" geworben wird, man aber über die Seidenweberei nichts erfährt und die Seide - außer, dass der Stoff manches Kleides Seide ist - keine Erwähnung findet.

Im Gesamten ein flüssig zu lesender Roman, in leicht und angenehm zu lesender Sprache, ohne in Schablonen gepresste Figuren, denn diese haben sehr wohl ihre Ecken und Kanten. Im letzten Drittel gewährt Ulrike Renk auch interessante Einblicke in das politische Geschehen des siebenjährigen Krieges, der zu dieser Zeit wütete. Der Krieg ist natürlich ein wichtiges Gesprächsthema der Familien, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Erwähnung dessen lediglich die zweifelsfrei gute Recherche der Autorin unterstreichen soll, denn als emotional wirklich betroffen von den Kriegswirren erscheinen einem die Figuren nicht.
Das Vereinigen von historischen Begebenheiten und fiktiver Geschichte wünscht man sich geschickter und subtiler, um aus einem guten Roman einen sehr guten zu machen, denn das große Potential der Autorin blitzt immer wieder durch.

 

Die Frau des Seidenwebers

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