Die Dichterin von Aquitanien

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2010, Titel: 'Die Dichterin von Aquitanien', Originalausgabe

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89

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Birgit Borloni
Marie ai nun, si suis de France

Buch-Rezension von Birgit Borloni Aug 2010

Kurzgefasst:

Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris: Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich...

 

Dieser Satz (dt. "Maria heiße ich und bin aus Frankreich") ist, neben ihren Werken, das einzige, was über Marie de France, der Hauptperson in Tereza Vanek neuestem Roman, überliefert ist. Sie ist die erste bekannte französische Autorin und lebte im 12. Jahrhundert. Oft wird sie mit einer unehelichen Halbschwester Heinrich II., die Äbtissin in Shaftesbury war, gleich gesetzt. Tereza Vanek hat sich dafür entschieden, sie eine uneheliche Nichte des englischen Königs sein zu lassen und erzählt anhand des wenigen, was bekannt bzw. wahrscheinlich ist, ihr Leben, wie es gewesen sein könnte - und das gelingt ihr ganz hervorragend.

Nach dem Tod ihres Ziehvaters erfährt Marie d'Anjou (so ihr Name im Buch), dass sie die uneheliche Tochter von Geoffroy VI., dem verstorbenen Bruder des englischen Königs Henri II. ist. Dieser holt sie nun zu sich an den Hof, in eine ihr völlig fremde Welt. In eine unglückliche Ehe mit einem walisischen Prinzen gezwungen, beginnt Marie, Geschichten niederzuschreiben. Als Aliénor (Eleonore) von Aquitanien davon erfährt, holt sie Marie zurück an ihren Hof, wo sie sich ganz ihrer Begabung hingeben kann.

Interessante Persönlichkeiten

Wie bereits in ihren vorherigen Büchern zeigt Tereza Vanek auch in Die Dichterin von Aquitanien, dass die Figurenzeichnung ihre große Stärke ist. Hier findet man keine eindimensionalen, platten Charaktere, sondern liebevoll ausgearbeitete und vielschichtige Protagonisten. Marie ist demnach auch alles andere als eine strahlende Schönheit, die ihren Willen mit Leichtigkeit durchsetzen kann. Im Gegenteil, sie ist eher naiv, oft auch unsicher und voller Selbstzweifel, aber auch humorvoll, und manchmal kann sie auch impulsiv und hartnäckig sein. Eine solche Hauptfigur macht es dem Leser leicht, sich gefangen nehmen zu lassen und ihr durch die Geschichte zu folgen.

Doch auch alle anderen Figuren, gerade auch die historisch verbürgten, wie Henri, Aliénor und ihr Sohn Richard oder Maries Tante Emma d'Anjou, haben ihre Ecken und Kanten und schaffen es immer wieder, den Leser mit neuen Facetten zu überraschen. Es gelingt Tereza Vanek hervorragend, dem Leser zu zeigen, dass all diese Personen nicht nur Herrscher waren, sondern auch Menschen, und das macht einen Teil des Reizes dieses Buchs aus.
Eingebettet werden die Figuren und ihre Entwicklung in die politischen Geschehnisse sowie die gesellschaftlichen Umstände der damaligen Zeit, die Tereza Vanek interessant und verständlich zu schildern weiß.

Ein Lob dem Verlag

Anerkennend muss die schöne Ausstattung des Buchs erwähnt werden. Allein das Cover hebt sich wohltuend von den vielen halben Frauenkörpern, die so gerne die Umschläge historischer Romane zieren, ab. Im Buch finden sich dann eine Zeittafel, eine Karte Frankreich und Englands und ein Stammbaum der Plantagenets. Ein ausführliches Nachwort der Autorin, in dem sie über Fakten und Fiktion sowie dünne oder unterschiedliche Quellenangaben spricht, rundet das Buch ab.

Die Dichterin von Aquitanien ist die interessant erzählte Geschichte einer Frau, über die man nicht viel weiß, deren Leben hier aber so erzählt wird, dass man am Ende sagen kann: "Ja, so könnte es gewesen sein."

 

Die Dichterin von Aquitanien

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Letzte Kommentare:
27.01.2017 08:45:01
PMelittaM

Marie wächst bei ihrem Ziehvater Guillaume auf, ihre Mutter hat sie schon sehr früh verloren, wer ihr Vater ist, weiß sie nicht. Von Guillaume übernimmt sie die Freude an Geschichten, auch am Selbsterzählen, er lehrt sie Lesen und Schreiben. Im Dorf sind die beiden Außenseiter, Marie hat nur einen Freund: Pierre. Als Guillaume stirbt, versucht Pierre zwar, sie zu unterstützen, doch seine Familie mag sie nicht. In dieser Situation erscheint der Ritter Guy de Osteilli, um Marie an den Hof König Henris II zu holen, denn sie ist, wie sich herausstellt, Henris Nichte. Durch ihr erzählerisches Talent fällt Marie Henris Gattin, Aliénor von Aquitanien auf, fortan begleitet sie das Leben der Herrscherin durch Höhen und Tiefen, und auch ihr eigenes Leben ist nicht immer einfach.

Marie de France und ihre Werke gab es wirklich. Ihre Werke sind überliefert, über ihr Leben weiß man jedoch so gut wie nichts, nur die ungefähre Zeit und dass sie aus Frankreich stammte („de France“). So hatte die Autorin, neben den historischen Fakten, viel dichterische Freiheit, der Dichterin ein Leben zu ersinnen. Dass das Resultat durchaus möglich sein könnte, kann man u. a. dem Nachwort der Autorin entnehmen, in dem sie auf Forschungsergebnisse, Maries Identität betreffend, eingeht. Dass die Dichterin an Aliénors Hof gelebt haben könnte, kann man sich gut vorstellen, hat Aliénor (oder Elenonore – Tereza Vazek erklärt im Nachwort auch, warum sie die jeweilige Namensvariante gewählt hat) doch die Dicht- und Gesangskunst gefördert.

Tereza Vaneks Charaktere sind alle vielschichtig dargestellt, reine Schwarz-Weiß-Zeichnung gibt es nicht. Neben Aliénor treten eine ganze Reihe weiterer historischer Persönlichkeiten auf, natürlich Henri und die Kinder des Paares, unter ihnen Richard Löwenherz, aber auch historisch verbürgte Personen, die weniger bekannt sind, wie z. B. Denis Piramus, der Marie zeitweise das Leben schwer macht. Mir haben die Darstellungen der Charaktere gut gefallen – auch dazu hat die Autorin etwas im Nachwort zu sagen – sie kommen meiner Vorstellung der Herrscherfamilie recht nahe. Marie, die Protagonistin, aus deren Perspektive erzählt wird, ist ebenfalls gut gelungen, vom Ziehvater wurde sie zu selbständigem Denken erzogen, was ihr Leben nicht immer leichter macht, sie aber auch voran bringt, in Geschichten kann sie regelrecht versinken, was ihr eine große Hilfe in dunklen Stunden ist.

Marie Leben wird ausführlich und detailliert geschildert, mit Zeitsprüngen an passenden Stellen. Hin und wieder gibt es kleine Längen, die aber nicht wirklich stören, denn ähnlich wie Marie in ihre Geschichten, versinkt man schnell in Maries Leben. Die Autorin erzählt sehr anschaulich, man fühlt sich mit allen Sinnen hineinversetzt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und an die jeweiligen Schauplätze der Geschichte.

Durch Maries Beziehung vor allem zu Aliénor, aber auch zu Henri, ist ihr Leben auch mit den historischen Ereignissen verbunden, so kann die Autorin neben Alltäglichkeiten und Maries persönlicher Geschichte auch das politische Geschehen in die Erzählung miteinbinden. Zu Beginn des Romans findet man, neben einer Karte und einem Stammbaum, auch eine Zeittafel. Wer die geschichtlichen Ereignisse noch nicht kennt, sollte sie besser nicht vor dem Roman lesen, um Spoiler zu vermeiden. Schön wäre noch ein Personenregister gewesen, nicht nur wegen der Fülle der Personen, sondern auch um historische und fiktive Personen besser trennen zu können. Das schon erwähnte Nachwort ist interessant und aufschlussreich.

Alienor von Aquitanien ist eine meiner historischen Lieblingsgestalten, es war schön, sie wieder zu treffen. Der Roman ist prall gefüllt mit Geschichte, gut ausgearbeiteten Charakteren, seien sie historisch oder fiktiv, und viel Flair der damaligen Zeit. Er unterhält nicht nur, sondern versetzt den Leser mit allen Sinnen in das Geschehen. Leider fehlt ein Personenregister, dafür gibt es ein interessantes Nachwort der Autorin. Ich freue mich auf weitere Romane der Autorin und vergebe 86 %. Wer umfangreiche und gut recherchierte historische Romane mag, sollte zugreifen.

25.07.2011 11:36:44
Silky

Es ist zwar nicht viel bekannt über "Marie", doch so wie ihre Geschichte in diesem Buch beschrieben wird, hätte sie wirklich sein können.
Die Protagonisten werden so liebevoll und lebendig beschrieben, das man sehr schnell zu dem einen oder anderen eine Beziehung aufgebaut hat. Es gibt nicht nur weiß oder schwarz, sondern alle haben ihre Grautöne und gerade deshalb fühlt und zittert man mit ihnen.
Die Autorin beschreibt sehr realistisch die Vor- und Nachteile am königlichem Hof. Ein tolles Kopfkino beginnt, man sieht schöne Kleider, große Feste verliebte Paare, aber auch Mißgunst, Eifersucht, die Brutalität eines Ehemanns und Krieg.
All dies wird in einer so schönen Sprache beschrieben, daß man abtaucht und am Hof von Eleonore in Poitiers wieder auftaucht.
Toll ist auch der Stammbaum der Plantagenets, sowie das Nachwort der Autorin in dem vieles erklärt wird.
Ich konnte das Buch jedenfalls kaum aus der Hand legen und ließ mich gerne für ein paar Stunden davon entführen.

27.10.2010 23:16:11
Nomadenseele

Ein nettes Buch, wobei die Tatsache, dass über Marie de France nicht mehr bekannt ist, als das sie gelebt hat, der Autorin sehr viel Spielraum lässt –zu viel Spielraum.
Die romantische Liebe, wie wir sie uns erträumen, kam als erstes im viktorianischen Zeitalter auf – und war absolut nicht ernst gemeint. Vielmehr lasen sich die Damen des Hauses während des Stickens daraus vor, während sich der Gatte in einschlägigen Bordellen vergnügte.
In dem Roman dagegen ist die einzige Person, die sich ihrer Zeit gemäß verhält Henry II. mit seiner *unerbittlichen* Heiratspolitik. Ansonsten wird fröhlich geliebt und darauf bestanden, dass man den / die Geliebte(n) auch heiraten möchte.
Was übrig bleibt ist ein netter historischer Roman, der sich flüssig lesen lässt.

Fazit:
Unterhaltsam und mehr nicht.

23.09.2010 23:35:01
Zabou1964

Auch in ihrem neusten Werk bewegt sich die Autorin Tereza Vanek wieder abseits „ausgelatschter Pfade“ und widmet ihr Buch der ersten französischen Dichterin Marie de France. Über diese Frau ist nur sehr wenig bekannt, was Tereza Vanek die Möglichkeit gibt, Fiktion und historische Wahrheit zu einer spannenden Geschichte zu verweben.

Marie stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie ist das Resultat einer Affäre Geoffreys VI mit einer Magd. Wie damals üblich wächst sie bei der Mutter auf, die jedoch früh verstirbt. Deren Lebensgefährte Guillaume, ein Gaukler und Geschichtenerzähler, kümmert sich weiter um das Kind, unterstützt durch Zahlungen des leiblichen Vaters. Als auch Guillaume stirbt, wird sie an den Hof Henris II geholt, wo sie als Hofdame Eleonores von Aquitanien leben soll. Sie hat eine Gabe, Geschichten zu erfinden und in schöne Reime zu fassen. Dies bleibt von Eleonore nicht lange unbemerkt und schon bald zählt Marie zu deren Günstlingen. Doch der Onkel hat etwas anderes mit ihr vor: Sie muss einen walisischen Prinzen heiraten, der sie misshandelt und wie eine Gefangene hält. Als sie von Eleonore an den Hof zurückgeholt wird, scheint ihr Leben und Wirken zunächst gerettet. Aber auch hier erwarten sie Intrigen und Neider, die ihr das Leben schwer machen.

Sprachlich ist dieses Buch ein Genuss. Die Autorin versteht es ausgezeichnet, den Leser in fremde Welten eintauchen zu lassen. Sie beschreibt sehr bildhaft die Figuren und Landschaften, sodass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, allen voran natürlich Marie und die Königin Eleonore. Aber auch Nebenfiguren wie Maries Tante Emma oder ihre Dienerin Hawisa sind mehrdimensional gezeichnet, machen im Laufe der Jahre Entwicklungen durch und wuchsen mir ans Herz. Eine Liebesgeschichte darf in einem historischen Roman natürlich auch nicht fehlen. Tereza Vanek erzählt diese sehr gefühlvoll und dennoch realistisch.

Neben einem zeitlichen Überblick und einem Stammbaum der englischen Königsfamilie bietet das umfangreiche Taschenbuch noch ein ausführliches Nachwort der Autorin, in dem sie erklärt, was an ihrer Geschichte historisch belegt und was ihrer Fantasie entsprungen ist. Wie eingangs erwähnt, ist über Marie de France nicht sehr viel bekannt, sodass Frau Vanek die Geschehnisse um Marie zum größten Teil frei erfunden hat. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Leben am Hofe damals so stattgefunden hat.

Fazit:
Mit „Die Dichterin von Aquitanien“ hat mir Tereza Vanek auf unterhaltsame und spannende Art sowohl das Leben und das Werk der Marie de France, als auch den Königshof zu Zeiten Henris II, näher gebracht.