Die Konfektmacherin

  • Diana
  • Erschienen: Januar 2010
  • Diana, 2010, Titel: 'Die Konfektmacherin', Originalausgabe
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Rita Dell'Agnese
91

Histo-Couch Rezension vonJul 2010

Nougat, das von der Bitterkeit des Lebens erzählt

Kurzgefasst:

Frankreich 1685: Fast täglich besucht Cathérine den alten Nougatmacher Pierre, um ihrem Traum von einem eigenen Süßigkeitenstand auf dem Markt näher zu kommen. Als Cathérines Familie wegen ihres protestantischen Glaubens verhaftet wird, sie selbst aber fliehen kann, wird ihr Rezeptbuch ihr wertvollster Besitz. Als Konfektmacherin macht sie sich einen Namen. Doch der Ruhm ihres Nougats bringt auch die Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur...

 

Catherine hat nur einen Traum: Sie möchte Nougat herstellen. Dieser Traum ist ihr aber immer wieder verwehrt. Nicht etwa, weil es ihr an Talent mangeln würde, sondern weil Catherine dem falschen Glauben angehört. Denn die junge Frau aus Montélimar ist protestantisch und als solche eine Verfolgte in ihrem Land. 1693 muss Catherine zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Julie aus einem Versteck zusehen, wie die älteste Schwester Mariette und ihr Ehemann abgeführt werden, verraten von Barnabas du Port, dem Vater ihres Jugendfreunds Adrien. Für Catherine und Julie beginnt eine schwere Zeit. Auf der Flucht vor den Katholiken werden die beiden Mädchen von Catherines Verlobtem Mathieu getrennt und können sich nur mit Hilfe des Schleppers Luc über Wasser halten. Doch Catherines süße Passion lockt den Verfolger ihrer Familie auf ihre Spur.

Überzeugende Geschmackskomposition

Noch heute genießt Nougat aus Montélimar einen besonderen Ruf. Und genau hier setzt Autorin Kirsten Schützhofer ein. Sie legt ihrem Roman "Die Konfektmacherin" den unnachahmlichen Geschmack des Nougats zu Grunde. Und baut darauf eine Geschichte von überzeugender Geschmackskomposition auf. Dies in einer sprachlich gekonnten Art. Sie lässt die Charaktere langsam reifen und zwar jede Persönlichkeit auf ihre eigene Art. Besonders die junge Julie, ein Kind noch, als die beiden Schwestern mit Mathieu aus Montélimar fliehen müssen, macht alle Stadien der Entwicklung zur selbstbewussten jungen Frau durch. Dass sie ihn ihrer Wahrnehmung Catherine als Verantwortliche für ihr schweres Los sieht, ist glaubwürdig und nachvollziehbar eingeflochten. Ebenso die Überforderung Catherines, mit der Situation fertig zu werden. Die junge Frau ist keineswegs die Superheldin, die alle Gefahren besteht, sondern ein Mensch, der manchmal die falschen Entscheidungen trifft und damit auch das Schicksal der jüngeren Schwester bestimmt.

Weit ab vom gängigen Klischee

Wie von Kirsten Schützhofer nicht anders gewohnt bewegt sich Die Konfektmacherin weitab von den üblichen Klischees durchschnittlicher historischer Romane. Der Hintergrund - die religiöse Auseinandersetzung von Katholiken und Protestanten in Frankreich - ist keineswegs nur Kulisse sondern ein tragendes Element des Romans. So stellt das Buch durch seine Vielschichtigkeit einige Ansprüche an die Leserinnen und Leser. Es erzählt eine Geschichte von Intoleranz und Macht. Und davon, wie sich Menschen, die sich eigentlich lieben, immer mehr voneinander entfernen. Etwas unglücklich gewählt scheint vor diesem Hintergrund der Titel Die Konfektmacherin. Er lässt ausgerechnet jenes Publikum, für das dieses Buch geschrieben wurde, zögern. Ein schlüssigerer Titel und ein stimmigerer Klappentext wären wünschenswert gewesen.

Gut verknüpfte Handlungsstränge

Virtuos geht Kirsten Schützhofer mit dem Problem um, die einzelnen Schicksale, die jeweils einen Handlungsstrang ausmachen, miteinander zu verknüpfen, ohne dass die eine oder andere Person darin untergeht. Feinfühlig arbeitet sie die Unsicherheiten heraus, die die ungelösten Probleme aus der Vergangenheit mit sich bringen - sei es nun bei den Menschen in Mathieus Umfeld oder auch bei Catherine und Julie. Leicht überladen wird der Roman erst, als es um die Geschichte von Luc geht, die erst sehr spät ihren Niederschlag findet und zwar stimmig eingebaut ist, den Lesern aber doch sehr viel abverlangt und auch im Ansatz etwas konstruiert wirkt. Dank der konsequenten Aufarbeitung der Geschichte vermag die Autorin aber auch diese Klippe zu meistern.

Wer hinter Die Konfektmacherin einen Main-Stream-Roman vermutet, liegt ganz falsch und sollte, sofern er solche Geschichten sucht, auch nicht unbedingt zugreifen. Wer aber bereit ist, sich mit der französischen Geschichte des 17. Jahrhunderts auseinander zu setzen, wird hier ein besonderes Leseerlebnis finden. Und sich eventuell danach verzehren, einmal im Leben ein Stück Nougat aus Montélimar auf der Zunge zergehen lassen zu können.

 

Die Konfektmacherin

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