Das blaue Siegel

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2010, Titel: 'Das blaue Siegel', Originalausgabe

Couch-Wertung:

74
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Birgit Stöckel
Interessanter Ansatz, leichte Mängel in der Ausführung

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Jul 2010

Kurzgefasst:

Indien 1866. Der amerikanische Detektiv John Gowers soll rätselhafte Todesfälle im Königshaus der Oudh aufklären. Hatte die britische Kolonialregierung ihre vielen Hände im Spiel? Es beginnt eine abenteuerliche Reise quer durch Indien, bei der ihm die hübsche Leibwächterin Ishrat zur Seite steht. Rasch kommt er ihr näher, aber von ihrem wahren Auftrag ahnt Gowers nichts. Kurz darauf entgeht er nur knapp einem Mordanschlag. Der Täter trug eine blaue Tätowierung im Nacken, das Zeichen der Könige von Gwalior - doch deren Dynastie gilt seit Jahrzehnten als ausgestorben...

 

Daniel Twardowski erzählt in seinem zweiten Roman um den Privatdetektiv John Gowers, wie schon in seinem ersten Roman, mehrere Geschichten. Zum einen ist da der schon im Klappentext erwähnte Kriminalfall 1866 in Indien. Nachdem John Gowers einen Rechtsstreit gegen eine frühere Klientin verloren hat, wird er von Zinat Mahal Begum, der Prinzessin von Oudh, angeheuert, einen Todesfall aufzuklären, der ihre Familie betrifft und der den Detektiv auf eine Reise quer durch Indien mit einigen interessanten Entdeckungen schickt.
Gleichzeitig wird die Geschichte einer britischen Expedition in die Arktis erzählt, die zwei Zielen dienen soll: Zum einen soll sie die Nordwestpassage entdecken, zum anderen soll sie die verschollenen Schiffe des Admiral John Franklin dort oben wieder finden. Mit an Bord ist als Schiffsjunge der junge John Gowers, dieser Teil spielt also in der Vergangenheit.
Als drittes werden immer wieder Kapitel über eine "Dämonin" eingestreut, die für rätselhafte und brutale Morde in indischen Dörfern verantwortlich sein soll und die Angst und Schrecken in der ganzen Region verbreitet.

Zwei-in-Eins Prinzip

An sich ist an der Idee, Gegenwart und Vergangenheit eines Hauptprotagonisten in einem Buch zu verbinden, nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil, es ist sogar äußerst spannend, den damaligen John Gowers mit dem heutigen zu vergleichen und es erschließt sich dem Leser sehr gut, warum er einige seiner Charakterzüge besitzt und wann er manche seiner Fähigkeiten entwickelt hat. Zudem lassen sich beide Geschichten flüssig und spannend lesen und der Autor versteht es, Stimmungen zu erzeugen und seine Leser sowohl in das bunte, feucht-warme Indien als auch in die kalte, weiße Arktis zu versetzen. Man bekommt also praktisch zwei Bücher in einem.
Genau hier liegt aber auch der Nachteil der ganzen Sache: Es sind viele Informationen, die der Leser aufnehmen muss und dadurch wirkt das Buch teilweise überladen. Die indische Geschichte, besonders der Niedergang der unabhängigen Königreiche, ist spannend und nicht immer ganz einfach. Auch wenn der Autor es geschickt versteht, Hintergrundwissen mit einfließen zu lassen, so ist das Ganze doch recht komprimiert. Die beiden Handlungsstränge (Arktis und Indien) nehmen in etwa gleich viel Raum ein, wobei man stellenweise den Eindruck hat, dass die Kapitel aus der Arktis leicht überwiegen. Somit verbleiben von den 470 Seiten ca. 230 Seiten für den Erzählstrang in Indien, in dem sowohl der eigentliche Kriminalfall als auch geschichtliche Hintergründe verpackt sind.

Auch die Kapitel über die arktische Expedition, über den täglichen, harten Kampf der Seeleute gegen Kälte, Eis und andere Unwegsamkeiten sind informativ und spannend. Im Prinzip hätten es beide Geschichten verdient, ausführlicher erzählt zu werden. Da das aber den Rahmen eines einzigen Buchs gesprengt hätte, bleiben beide Erzählungen etwas auf der Strecke und erhalten nicht den Raum, sich zu entfalten, den sie verdient hätten.
Dazu kommt, dass die Kapitel nicht mit Zeitangaben versehen sind, so dass am Anfang die Zeitsprünge etwas verwirrend sind bzw. es anfangs auch nicht ganz ersichtlich ist, dass die Geschichte der Expedition in der Vergangenheit erzählt wird. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Eher historischer Roman als Krimi

Insgesamt kann man sagen, dass das Buch ein guter, flüssig geschriebener historischer Roman mit Kriminalelementen ist. Für einen wirklichen historischen Krimi, wie es der Klappentext suggeriert, nehmen andere Erzählstränge bzw. -elemente zuviel Raum ein. Wer sich damit abfinden kann und mit unvermittelten Zeitsprüngen kein Problem hat, der wird sich gut unterhalten wissen und einiges aus diesen Zeiten erfahren. Wer sich allerdings als Krimi-Fan auf eben einen solchen eingestellt hat und diesen auch in vollen Zügen genießen möchte, dürfte enttäuscht werden, denn diese Elemente nehmen nicht den zentralen Raum ein, den sie normalerweise in einem Krimi erhalten.
Lobend ist auf jeden Fall noch die Ausstattung des Buches zu erwähnen, mit jeweils einer Karte des indischen Gebiets und der Arktis am Anfang und einem Glossar mit den wichtigsten Begriffen am Ende.

 

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