Das Mädchen mit den Teufelsaugen

  • Wunderlich
  • Erschienen: Januar 2010
  • Wunderlich, 2010, Titel: 'Das Mädchen mit den Teufelsaugen', Originalausgabe
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Bettina Weiß
85

Histo-Couch Rezension von Bettina Weiß Jul 2010

Gegen den Aberglauben kämpft eine mutige Frau um ihren Platz im Leben

Kurzgefasst:

Das Zeichen des Bösen... So nennen die Leute Rosamunds Augen. Sie hat ein blaues und ein braunes. Im Frankfurt des Jahres 1530 ist sie damit eine Ausgegrenzte. Selbst ihre eigene Mutter will nichts mit ihr zu tun haben. Nur die Zigeunerin Tonia hält zu ihr. Sie lehrt sie die Kunst des Handlesens. Als Rosamund eines Tages auf dem Markt den Tod in der Hand einer alten Frau liest, beschwört sie ungeahnte Gefahren herauf...

 

Teufelsbalg, Zauberkind, Heilige - das sind nur einige der Namen, mit denen Rosamund im Laufe ihres Lebens belegt wird. Doch wer und was ist sie wirklich ? Im Jahre 1530 wird in Frankfurt ein Mädchen geboren, das ein blaues und ein braunes Auge hat. In diesen Zeiten ist sie damit eine Ausgegrenzte, die das Zeichen des Bösen trägt, selbst ihre Mutter weist Rosamund zurück. Sie darf das Haus nur bei Dunkelheit und nur in Begleitung von Tonia, einer Zigeunerin, die im Haus der Familie dient, verlassen. Rosamund verbringt ihre Tage in der Malerwerkstatt des Vaters und lernt dort, Farben anzurühren und Pigmente aus Bleiweiß, Pferdeurin und Blattläusen zu gewinnen. Von Tonia lernt sie, das Schicksal der Menschen aus den Händen zu lesen. Als sie eines Tages in der Hand einer Alten deren Tod liest, beschwört Rosamund Gefahren für die ganze Familie herauf.

Ein kurzer Weg vom Teufelsbalg zur Heiligen

Als dann auch noch ein Unglück in der Werkstatt des Vaters geschieht und Rosamund daran die Schuld tragen soll, muss die mit dem Teufel Verbundene das Elternhaus und die Stadt verlassen. In einem Kloster findet sie Zuflucht und eine neue Heimat. Doch auch dies wird nicht von Dauer sein und wieder geschieht ein Unglück. Diesmal wird sie die Heilige genannt und ist erneut auf der Flucht. Gegen den Aberglauben will Rosamund ihren Weg gehen und ihren Platz im Leben finden. Wird es ihr gelingen ?

Kampf um den Platz im Leben

Rosamund könnte ein normales Mädchen ihrer Zeit sein, wäre sie nicht mit einem blauen und braunen Auge geboren worden. Abgelehnt von der Mutter, nur unzureichend behütet durch den schwachen Vater, ist ihre einzige Bezugsperson die Zigeunerin Tonia, die sie mit Hingabe und Liebe versorgt und erzieht. Als Tonia ihr genommen wird, ist Rosamund auf sich allein gestellt. Sie wird zu einer starken und mutigen Person, die um ihr Lebensglück kämpft. Diese Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und wird damit das tragende Element. Die einzelnen Personen, allen voran Rosamund und ihre Schwester, sind sehr einfühlsam gezeichnet und glaubwürdig gestaltet. Auch wenn Rosamund für ihre Zeit sehr eigenständig und selbstbewusst dargestellt ist, wird dies durch ihre Kindheit nachvollziehbar und scheint nicht aufgesetzt. Als Gegenpart ist Rosamunds Schwester Ursula zu sehen, die selbst noch als erwachsene, verheiratete Frau das Urselchen genannt wird und damit auch ausgezeichnet beschrieben ist. Die anderen Personen, wie die Eltern und auch Matteo, ein Maler aus Italien, bleiben hingegen etwas blass.

Bereits aus der ersten Begegnung zwischen Lisbeth, der Mutter von Rosamund, und Tonia, erwächst der Spannungsbogen, als Tonia der hochschwangeren Frau aus der Hand liest und sich auf vage Andeutungen beschränkt. Dieser Spannungsbogen bleibt zunächst bis zur Flucht Rosamunds aus dem Kloster erhalten, flacht dann aber etwas ab, da die Handlung an dieser Stelle ein wenig ins Stocken gerät. Erst als einem Familienangehörigen die Verbindung zu einem Teufelsbuch nachgesagt wird, nimmt die Handlung wieder Fahrt auf und führt zu einem spannungsreichen Ende. Der Lesefluss wird durch die leicht zu lesende Sprache und die zunehmende Spannung gefördert.

Der Klappentext ist sehr zurückhaltend gestaltet und verrät angenehm wenig von der eigentlichen Handlung. Der Schutzumschlag ist mit den Gemäldeausschnitten sehr schön und passend gewählt.

Insgesamt ein sehr anregender und abwechslungsreicher Roman, der einen Einblick in die Malerei und Farbenherstellung im 16. Jahrhundert verschafft und sich dem Thema des Aberglaubens auf unterhaltsame Weise nähert. Eine klare Leseempfehlung für kalte Herbsttage.

 

Das Mädchen mit den Teufelsaugen

Ines Thorn, Wunderlich

Das Mädchen mit den Teufelsaugen

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