Das Mädchen mit den Teufelsaugen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Wunderlich, 2010, Titel: 'Das Mädchen mit den Teufelsaugen', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Gegen den Aberglauben kämpft eine mutige Frau um ihren Platz im Leben

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jul 2010

Kurzgefasst:

Das Zeichen des Bösen... So nennen die Leute Rosamunds Augen. Sie hat ein blaues und ein braunes. Im Frankfurt des Jahres 1530 ist sie damit eine Ausgegrenzte. Selbst ihre eigene Mutter will nichts mit ihr zu tun haben. Nur die Zigeunerin Tonia hält zu ihr. Sie lehrt sie die Kunst des Handlesens. Als Rosamund eines Tages auf dem Markt den Tod in der Hand einer alten Frau liest, beschwört sie ungeahnte Gefahren herauf...

 

Teufelsbalg, Zauberkind, Heilige - das sind nur einige der Namen, mit denen Rosamund im Laufe ihres Lebens belegt wird. Doch wer und was ist sie wirklich ? Im Jahre 1530 wird in Frankfurt ein Mädchen geboren, das ein blaues und ein braunes Auge hat. In diesen Zeiten ist sie damit eine Ausgegrenzte, die das Zeichen des Bösen trägt, selbst ihre Mutter weist Rosamund zurück. Sie darf das Haus nur bei Dunkelheit und nur in Begleitung von Tonia, einer Zigeunerin, die im Haus der Familie dient, verlassen. Rosamund verbringt ihre Tage in der Malerwerkstatt des Vaters und lernt dort, Farben anzurühren und Pigmente aus Bleiweiß, Pferdeurin und Blattläusen zu gewinnen. Von Tonia lernt sie, das Schicksal der Menschen aus den Händen zu lesen. Als sie eines Tages in der Hand einer Alten deren Tod liest, beschwört Rosamund Gefahren für die ganze Familie herauf.

Ein kurzer Weg vom Teufelsbalg zur Heiligen

Als dann auch noch ein Unglück in der Werkstatt des Vaters geschieht und Rosamund daran die Schuld tragen soll, muss die mit dem Teufel Verbundene das Elternhaus und die Stadt verlassen. In einem Kloster findet sie Zuflucht und eine neue Heimat. Doch auch dies wird nicht von Dauer sein und wieder geschieht ein Unglück. Diesmal wird sie die Heilige genannt und ist erneut auf der Flucht. Gegen den Aberglauben will Rosamund ihren Weg gehen und ihren Platz im Leben finden. Wird es ihr gelingen ?

Kampf um den Platz im Leben

Rosamund könnte ein normales Mädchen ihrer Zeit sein, wäre sie nicht mit einem blauen und braunen Auge geboren worden. Abgelehnt von der Mutter, nur unzureichend behütet durch den schwachen Vater, ist ihre einzige Bezugsperson die Zigeunerin Tonia, die sie mit Hingabe und Liebe versorgt und erzieht. Als Tonia ihr genommen wird, ist Rosamund auf sich allein gestellt. Sie wird zu einer starken und mutigen Person, die um ihr Lebensglück kämpft. Diese Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und wird damit das tragende Element. Die einzelnen Personen, allen voran Rosamund und ihre Schwester, sind sehr einfühlsam gezeichnet und glaubwürdig gestaltet. Auch wenn Rosamund für ihre Zeit sehr eigenständig und selbstbewusst dargestellt ist, wird dies durch ihre Kindheit nachvollziehbar und scheint nicht aufgesetzt. Als Gegenpart ist Rosamunds Schwester Ursula zu sehen, die selbst noch als erwachsene, verheiratete Frau das Urselchen genannt wird und damit auch ausgezeichnet beschrieben ist. Die anderen Personen, wie die Eltern und auch Matteo, ein Maler aus Italien, bleiben hingegen etwas blass.

Bereits aus der ersten Begegnung zwischen Lisbeth, der Mutter von Rosamund, und Tonia, erwächst der Spannungsbogen, als Tonia der hochschwangeren Frau aus der Hand liest und sich auf vage Andeutungen beschränkt. Dieser Spannungsbogen bleibt zunächst bis zur Flucht Rosamunds aus dem Kloster erhalten, flacht dann aber etwas ab, da die Handlung an dieser Stelle ein wenig ins Stocken gerät. Erst als einem Familienangehörigen die Verbindung zu einem Teufelsbuch nachgesagt wird, nimmt die Handlung wieder Fahrt auf und führt zu einem spannungsreichen Ende. Der Lesefluss wird durch die leicht zu lesende Sprache und die zunehmende Spannung gefördert.

Der Klappentext ist sehr zurückhaltend gestaltet und verrät angenehm wenig von der eigentlichen Handlung. Der Schutzumschlag ist mit den Gemäldeausschnitten sehr schön und passend gewählt.

Insgesamt ein sehr anregender und abwechslungsreicher Roman, der einen Einblick in die Malerei und Farbenherstellung im 16. Jahrhundert verschafft und sich dem Thema des Aberglaubens auf unterhaltsame Weise nähert. Eine klare Leseempfehlung für kalte Herbsttage.

 

Das Mädchen mit den Teufelsaugen

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Letzte Kommentare:
12.11.2013 10:32:55
isabelle

Hat mir überhaupt nicht gefallen. Schlampig und oberflächlich geschrieben/lektoriert ("Glocken von Jericho"), dabei vollgepackt mit praktisch jedem Historienromanklischee, scherenschnittartige Figuren ohne jede Charaktertiefe, handelt die "größten" Themen (Verbrennung von Frauen, Heiligmäßigkeit, Exorzismus, Naturkatastrophen usw.) mit ein paar lumpigen Seiten ab und sprachlich eine unerträgliche Mischung aus "altertümelnd" und moderner Umgangssprache.

Ich könnte eine lange Liste von Anachronismen, völlig unrealistischen Szenarien und Fehler aufstellen, spare mir das aber aus Platzmangel. Auf ein Detail will ich aber noch hinweisen: Nicht nur gibt es nur ausschließlich gute und ausschließlich böse Figuren, der Charakter korreliert auch noch mit der äußerlichen Erscheinung: Rosamund (die endlos und unerträglich gute, aufopferungsvolle, kluge, talentierte Schwester) ist wunderschön, Ursula (die endlos böse, dumme, liederliche, faule Schwester) ist fett und häßlich. Ich weiß nicht, ob das ein Märchenmotiv à la Goldmarie/Pechmarie sein soll, es ist jedenfalls ein Ärgernis, da es sich mit allen anderen Figuren wiederholt.

Ich habe selten ein so lieblos dahingeschriebenes Buch gelesen.

12.10.2011 13:13:56
€nigma

Die Handlung des Romans spielt um die Mitte des 16.Jahrhunderts in Frankfurt. Rosamund wird als Tochter eines Weißbinders (=Maler und Lackierer) in eine Familie hineingeboren, in der die herrische und verwöhnte Mutter - und später auch die jüngere Schwester Ursel - das Sagen haben, während der gutmütige, schwache Vater unter deren Pantoffel steht. Er bringt kaum den Mut auf, seine Tochter Rosamund, die wegen ihrer zwei verschiedenfarbigen Augen im Verdacht steht, des Teufels zu sein, gegen die Boshaftigkeit von Mutter und Schwester zu verteidigen. Auch den Frankfurter Bürgern ist Rosamund nicht geheuer und alle sind erleichtert, als sie ins Kloster Mariahilf einzieht. Nachdem sie den Brand im Kloster überlebt und eine Weile allein in den Ruinen gelebt hat, wird sie für eine Heilige gehalten und darf nach Frankfurt zurückkehren. Rosamunds Mutter und Schwester versuchen zunächst, aus der Heiligen in ihrer Familie Kapital zu schlagen. Sobald Rosamund aber verheiratet ist und sich damit in die Rolle einer "normalen" Frau begeben hat, beginnen die Eifersüchteleien und Verleumdungen von Neuem. Durch den beruflichen Neid von Ursels Mann Michael, der die väterliche Werkstatt übernommen hat, geraten Rosamund und ihr Mann mehr als einmal in Gefahr.
Bei diesem Roman handelt es sich um einen unterhaltsamen und schnell lesbaren Historienschmöker, in dessen Mittelpunkt das Leben und Leid einer Frau stehen, die in einer von Religion und Aberglauben geprägten Zeit anders - und damit verdächtig -ist. Es werden zwar einige historische Persönlichkeiten der Zeit erwähnt, sie spielen jedoch weiter keine Rolle. Das Buch dient nicht der Vermittlung geschichtlichen Wissens, sondern ausschließlich der leichten Unterhaltung. Wie bei vielen Romanen dieses Genres ist auch hier bei der Charakterzeichnung der Figuren eine auffällige Schwarz-Weiß-Malerei festzustellen: den bösen, intriganten Personen stehen die guten, unschuldigen Figuren gegenüber. Bei den Szenen in Rosamunds Familie hat die Autorin wohl gewisse Anleihen bei "Aschenputtel" genommen, hier sind es die leibliche Mutter und Schwester, die der Protagonistin das Leben schwer machen. Angenehm unterscheidet das Buch sich allerdings in Bezug auf die Sprache von gängigen historischen Romanen: der Erzählstil ist anschaulich, flüssig und dezent gleichzeitig, vor allem gibt es keine derben Sex-Szenen.
Interessant ist die Darstellung der (lange auf dem Index stehenden )Werke des Abtes Johannes Trithemius und die Erörterung der daraus folgenden religionsphilosophischen Fragestellungen, davon hätte ich gern ausführlicher gelesen.

Fazit
"Das Mädchen mit den Teufelsaugen" ist kein historischer Roman für Leser, die hohe Ansprüche an Wissensvermittlung in Romanform stellen, aber er bietet gute Unterhaltung, ohne je in Geschmacklosigkeiten abzugleiten. Wer Unterhaltung und Entspannung sucht, kann hier unbesorgt zugreifen. Ich vergebe 3,5 Sterne, der halbe Extra-Stern ist Herrn Trithemius zu verdanken.

09.12.2010 14:54:45
Mira Sharisa

Ines Thorn hat es auch mit diesem Buch geschafft, mich völlig "hinein zu ziehen" in ihre neue Geschichte. Viel zu schnell hatte ich es durchgelesen, quasi in einem Stück. Es ist, ganz nach Thorn-Stil, flüssig und einfach geschrieben. Ohne Schnick-Schnack kommt sie gleich zur Sache und eröffnet ein bilderreiches, in sich harmonisches Geschehen im Mittelalter. Sie bringt Brutalität und Härte des Mittelalters ungeschönt rüber.
Sehr gelungen!

06.11.2010 14:54:55
Rosamunde

Ein unterhaltsames und spannendes Buch, in dem alles vorkommt, was einen historischen Roman ausmacht, in dem eine starke Heldin für ihren Platz im Leben kämpft.
Die Zeit ist mehr als Tapete, die Renaissance ist anders als in Marina Fioratos neuem Buch Das Geheimnis des Frühlings ein Bestandteil der Geschichte und das offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin.
Angenehm zu lesen, nicht nur an kalten Herbsttagen.