Die Insel der Witwen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2010, Titel: 'Die Insel der Witwen', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Faszinierendes Dokument eines erwachenden Wahnsinns

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2010

Kurzgefasst:

Taldsum, eine Insel im friesischen Wattenmeer, Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Leben der Bewohner ist geprägt von der Seefahrt, dem Tod und bitterer Armut. Als ein Leuchtturm auf dem Eiland errichtet werden soll, schlagen die Wogen der Empörung hoch. Auch die junge Seemannswitwe Keike Tedsen, die wie viele Frauen von der Strandräuberei lebt, fürchtet um ihr karges Auskommen. Dann aber verliebt sie sich in den Hamburger Ingenieur Andreas Hartmann, der mit dem Leuchtturmbau beauftragt ist. Es ist eine schicksalhafte Liebe, die das Leben der beiden für immer verändern soll...

 

Keike Tedsen ist eine der Witwen, die auf der Insel Taldsum im friesischen Wattenmeer ein karges Dasein lebt. Zusammen mit ihren Töchtern und einem überdrehten Schwiegervater versucht sie, sich über Wasser zu halten - unter anderem durch Strandräuberei. Als der Hamburger Ingenieur Andreas Hartmann plant, auf der Insel einen Leuchtturm aufzustellen und damit das Stranden von Schiffen zu verhindern, ist die Empörung nicht nur bei Keike Tedsen, die um ihr Auskommen fürchtet, groß. Dem Ingenieur schlägt Ablehnung entgegen und sein Bauprojekt wird sabotiert. Als er und Keike aufeinander treffen, entsteht eine zerstörerische Liebe. Langsam verliert Andreas Hartmann die Kontrolle über sich.

Hervorragend aufgebaut

Dagmar Fohl verfolgt mit ihrem Roman Die Insel der Witwen einen ungewöhnlichen Weg - sie erzählt die Geschichte von Keike Tedsen und Andreas Hartmann in getrennten Strängen, die langsam aufeinander zugleiten. Als Einschub finden sich Aussageprotokolle von Ärzten und Angehörigen über den in gefährlichem Wahnsinn gefangenen Andreas Hartmann - zeitlich deutlich vom Erzählstrang abgegrenzt. So ist zwar von Anfang an klar, dass die Geschichte Hartmanns kein gutes Ende nehmen wird, sondern in einem Blutbad endet. Doch bleibt bis zuletzt im Dunkeln, wer sein Opfer sein wird. Die Erzählstränge sind so subtil miteinander verknüpft, dass nirgends ein Bruch entstehen kann.

Feinfühliges Portrait

Der Autorin ist es gelungen, ein äußerst feinfühliges Portrait ihrer Protagonisten zu zeichnen und ihre Handlungen - die durchaus etwas Brutales an sich haben - verständlich zu machen. Das feine Gewebe von Überlebenstrieb, Geister der Vergangenheit und einer verzehrenden Liebe hüllt den Leser ein und nimmt ihn gefangen. Kaum jemand kann sich der düsteren Faszination dieses Romans entziehen, dies umso mehr, als nicht nur Plot und Protagonisten auf der ganzen Linie überzeugen, sondern auch die Sprache kaum Wünsche offen lässt.

Spürbare Entwicklung

Schon in ihrem ersten Buch Das Mädchen und sein Henker hat Dagmar Fohl Wert auf eine tiefsinnige Geschichte gelegt. Der zweite Roman kommt jedoch noch wesentlich ausgereifter und mit stärkeren Bildern daher. Die erzählerische Stärke der Autorin offenbart sich denn unter anderem auch in ihrer Fähigkeit, so intensive Bilder zu schaffen, dass man glaubt, die Wucht des Meeres, die Düfte und Geräusche unvermittelt um sich zu haben, oder sich in der erstickenden bigotten Welt von Andreas Hartmanns Familie wiederzufinden. Schließlich ist es das Bild des wahnsinnigen Mannes, das den Schlusspunkt setzt und trotz allem den Leser mit der Geschichte zu versöhnen vermag.

Ein wirklich tiefsinniger, facettenreicher Roman, der kaum eine Schwachstelle aufweist, allerdings höchste Ansprüche an die Leserinnen und Leser stellt.

 

Die Insel der Witwen

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Letzte Kommentare:
09.08.2016 21:37:41
Ute_L.

Das war mein erstes Buch von Dagmar Fohl und im Moment bin ich mir nicht sicher, ob ich noch ein weiteres von ihr lesen werde.
Das Thema an sich hat ja schon was und meinetwegen darf ein Roman auch ruhig mal schwermütig, melancholisch, traurig etc. sein und es muss auch nicht jede Geschichte mit einem Happyend enden, aber das hier war dann noch nicht so mein Geschmack.
Ja, das Leben auf einer Insel war bestimmt nicht einfach für eine Witwe im 19. Jahrhundert und ja sicher gab es viel Kummer, Not und Trauer. Aber auch diese Menschen hatten sicher schöne Tage, an denen sie auch das Leben genießen konnten, sich freuen und miteinander lachen konnten. Aber diese positiven Dinge, die kamen als Gegengewicht in dem Roman überhaupt nicht vor. Oder nur so kurz dass sie untergingen zwischen den ganzen menschlichen Dramen.
Die Spannung, die sich über das ganze Buch gezogen hat - und weswegen ich es dann auch bis zu Ende gelesen habe - war einzig und allein, dass man wissen wollte welche schreckliche Bluttat Andreas den nun begangen hat. Denn damit fängt das Buch an. Er ist eines schrecklichen Verbrechens angeklagt und jeder fragt sich wie es nur dazu kommen konnte.
Mich hat auch gestört, dass verhältnismäßig wenig wörtliche Rede verwendet wurde. Deshalb hat das Ganze mehr etwas von einem Bericht als von einem Roman.

30.09.2013 20:33:53
murmeltier

Das ist eines der Bücher, in die man eintaucht und sich wünscht, nie wieder auftauchen zu müssen. Obwohl die Geschichte tragisch und zuweilen auch gruselig ist fühlt man mit der Protagonistin das Glück und die Trauer, die Hoffnung und den Hass. Beim Lesen kann man die salzige Nordsee riechen, den Dünensand zwischen den Fingern spüren, den kalten Wind fühlen. Ein absolutes musthaveread für Histo- und Nordseefans!

15.01.2012 21:06:34
Ina

Ein unvergesslicher Roman

Die Insel der Witwen: Dagmar Fohl zieht den Leser mit ihrer dichten, unnachahmlichen Sprache und eindrücklichen Bildern in die friesische Inselwelt des 19. Jahrhunderts, mitten in das Leben der Inselfrauen, die ihr entbehrungsreiches Leben zu meistern versuchen. Es gibt kein Entkommen. Das Buch saugt einen auf und hinterlässt eine Leseerfahrung, die unvergesslich bleibt.
Ein hervorragend komponierter, großer Roman, der zwischen  harter Realität und Traumwelt schwingt und dabei nie das Gleichgewicht verliert.

06.01.2011 14:00:44
Bärbel

War mir zu düster und zu bedrückend - und ob der Realitätsgehalt wiklich so groß ist, wage ich zu behaupten. Mit keiner der Figuren wurde ich richtig warm - eigentlich habe ich niemanden gemocht, wenn ich ganz ehlich bin.
Solche Bücher lese ich nicht gerne in meiner kargen Freizeit - mir fehlt der helle Funken, das kleine Etwas, das trotz aller "Realität" Hoffnung macht.
Für mich nur besseres Mittemaß - mochte es nicht einmal fertig lesen.
Schade - anhand der Bewertungen hatte ich mir deutlich mehr erwartet.
Bestenfalls 70 Punkte.

21.07.2010 16:48:17
Heinrich Anke

Literatur, die süchtig macht! Ein Muss niucht nur für Inselreisende und Nordseebegeisterte!

Bereits mit ihren Debut "Das Mädchen und sein Henker" hat Dagmar Fohl, gezeigt,
dass sie hohe Spannung, eine intelligente Geschichte und gute Sprache zu
vereinen weiß. Mit ihrem zweiten Roman "Die Insel der Witwen" ist ihr ein Juwel
der literarischen Unterhaltungsliteratur gelungen. Am Beispiel der fiktiven
Insel Taldsum und dem Schicksal der jungen Witwe Keike Tedsen, die sich in den
Leuchtturmingenieur Andreas Hartmann verliebt, zeichnet die Autorin authentisch
und ohne Kitsch das entbehrungsreiche Leben auf den friesischen Inseln des
19. Jahrhunderts, insbesondere das der Frauen, deren Welt von Armut,
Aberglauben, hartem Alltag, von Tod und von Lebensträumen bestimmt ist. Doch bei
aller Tragik vergisst Fohl selbst den Humor nicht. Packend und einfühlsam
beschreibt Fohl die Geschehnisse auf der Insel in einer Sprache, die in
kunstvollem Wechsel die harte Realität wie auch die zarten Träume und
Leidenschaften der Protagonisten widerspiegelt. Als Mann hat mich insbesondere
der schicksalhafte Lebensweg des Leuchtturmingenieurs gefesselt und zum
Nachdenken angeregt. Doch darf ich an dieser Stelle nichts verraten. Ein Roman,
den man erst aus der Hand legen kann, wenn die letzte Seite gelesen ist. Und der
einen mit allen Sinnen auf die Insel verbannt.