Die Hexe vom Niederrhein

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2010, Titel: 'Die Hexe vom Niederrhein', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Ein schön erzählter Debütroman mit jeder Menge historischer Fauxpas'

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jul 2010

Kurzgefasst:

Kempen, im Winter 1642. Am Niederrhein tobt der Dreißigjährige Krieg. Nach einem Kirchgang rettet der junge Schmied Lorenz die Tochter des Statthalters vor zwei durchgehenden Pferden. Die schöne Elisabeth macht ihrem Retter von der ersten Minute an eindeutige Avancen. Doch nicht sie ist seine Auserwählte, sondern ihre schüchterne und geheimnisvolle Adoptivschwester Antonella. Als hessische Söldner Kempen belagern und einnehmen, bricht das Chaos aus. Und die kräuterkundige Antonella wird von der gesamten Stadt als Hexe denunziert...

 

Kempen zu Beginn des Jahres 1642. Der Krieg tobt schon viele Jahre, und bis zu dieser Zeit blieb Kempen von dem grausigen Gemetzel verschont. Als Lorenz und Maximilian nach einem Kirchgang auf dem Weg nach Hause sind, kann Lorenz eine junge Schönheit vor einem schweren Unfall bewahren. Die Dame heißt Elisabeth und ist die Tochter des Bürgermeisters. Diese verliebt sich auf Anhieb in ihren Retter, aber dieser hat nur Augen für ihre Stiefschwester Antonella.
Als nun der Krieg immer näher rückt und der Feind Kempen bedroht, beschließen die beiden Brüder, sich freiwillig zu melden, um ihre Heimatstadt zu verteidigen. Um einen Sündenbock für das schreckliche Leid zu haben, das der Bevölkerung droht, wird Antonella als Hexe denunziert.

Flottes Tempo, sympathische Figuren und eine runde Geschichte

Sebastian Thiels Debütroman beginnt bedrückend, melancholisch und düster und vermittelt so dem Leser sofort die beklemmende Atmosphäre des Krieges. Sprachlich einfach, leicht und mitreißend, steht man schnell mitten im Geschehen und bekommt ein Gefühl für die bedrohliche Aura, die sich über Kempen gelegt hat.
Seine Figuren zeichnet Thiel mit viel Liebe zum Detail, wobei der ganze Focus auf Lorenz gerichtet ist. Diese Figur ist lebendig gestaltet, so dass einem auch die Gefühle wie Verliebtsein, verdrängte Ängste und Euphorie nicht fremd bleiben. Man fühlt mit Lorenz mit und begleitet ihn über einen Zeitraum von zwölf Tagen. In diese Zeit hat der Autor alle Geschehnisse seiner Geschichte gepackt. Ist der Leser noch zu Beginn des Buches mit Lorenz auf dem Schlachtfeld, so erfährt er in einem Rückblick, wie es dazu kam.

So fein und empathisch Lorenz und seine Familie gezeichnet sind, so einseitig sind leider so manch andere Figuren gehalten. Speziell der bitterböse Pfarrer Tillmann, über den man nichts erfährt und nur weiß, dass er anscheinend ein Fanatiker ist. Leider bleibt auch Antonella etwas blass. Über sie, die Adoptivtochter des Bürgermeisters, erfährt man lediglich, dass sie heilkundig ist und sich in Lorenz verliebt. Weshalb der Bürgermeister sie adoptierte, ob sie gleichgestellt mit ihrer Stiefschwester aufwuchs oder woher sie ihre Kenntnisse in Kräuterkunde hat, dies alles bleibt im Verborgenen. Dennoch ist die Erzählung über den doch kurzen Zeitraum äußerst kurzweilig und stringent und dies wäre im Grunde ein ganz gut gelungenes Erstlingswerk, wenn da nicht die vielen Logikfehler und historischen Fauxpas' wären.

Auch ein in historischen Dingen nicht so Belesener
wird über mancherlei Ungereimtheiten stolpern

Anscheinend hat sich Sebastian Thiel so auf die Szenerie und die zweifelsohne schön gestaltete Geschichte konzentriert, dass ihm so manch Logikfehler passiert sind. Schon nach den ersten Seiten stolpert man leider auch über historische Unkorrektheiten. Lorenz und Maximilian sind Söhne eines einfachen Schmieds, stellen aber gekonnt Waffen, im speziellen Musketen, und Rüstungen für das Militär her und sie führen ein einfaches, aber keineswegs armseliges Leben. Dennoch stockt man beim Lesen, wenn Lorenz mal schnell "durch das Wohnzimmer" geht, eine Kutsche kommt und "mit einem Peitschenknall der Fiaker zum Stehen kommt". Ein Wohnzimmer im Hause eines einfachen Schmieds im mittleren 17. Jahrhundert? Einen Fiaker in dieser Zeit, obwohl diese Bezeichnung erst im 18. Jahrhundert geprägt wurde? Aber es gab auch Braten mit Kartoffeln, gespeist wurde von Porzellan und im Wirtshaus bestellte man auch schon mal eine Runde Tee zum Aufwärmen...Alles Dinge, die erst um vieles später zum Alltag gehörten, denn Kartoffeln wurden erst ca. 100 Jahre später angebaut, Porzellan gab es zwar aus China, war aber sündhaft teuer und wohlgehütete Schätze und auch der Tee war zu dieser Zeit überhaupt nur als Medizin bekannt und diesen einfach mal so locker im Wirtshaus zu bestellen, wäre damals bestimmt niemandem eingefallen.

Da gibt es aber auch noch den Sonntag, an dem alle Bürger bei eisiger Kälte und auf knirschendem Schnee in die Kirche gingen und am übernächsten Tag traf Lorenz Antonella in ihrem Garten, "inmitten der Kräuter und wilden Gewächse.." und sein Blick fiel "auf die Bücher im niedergedrückten Gras...", "Antonella in ihrem Arbeitsrock und einfacher Bluse.." - und dies alles im kalten Januar und binnen zwei Tagen, die reinsten Temperatur- und Wetterkapriolen. Es gäbe leider noch unzählige solcher Dinge aufzuzeigen, und könnte man über den einen oder anderen Fauxpas hinwegsehen, so macht dies aber hier die Fülle aus, die einem die Lust am Lesen nimmt.

Dass der Autor erzählen kann, ist unbestritten, denn die Geschichte an und für sich ist spannend und auch das Ende ist überraschend und alles andere als trivial. So aber kann man dem Autor nur empfehlen - oder sich wünschen -, dass er sich über die Zeit, in der er schreibt, besser informiert und auch recherchiert, wenn er diesem Genre treu bleiben möchte.

 

Die Hexe vom Niederrhein

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13.11.2010 14:11:32
Zabou1964

Als gebürtige Niederrheinerin und Liebhaberin historischer Romane war ich sehr erfreut, als ich erfuhr, dass im Gmeiner-Verlag ein Roman erscheint, der im 17. Jahrhundert in Kempen spielt. Leider konnte mich die Umsetzung der Geschichte nicht wirklich überzeugen.

Lorenz und Maximilian Cox, die Söhne des Schmieds, retten einer jungen Frau das Leben, als durchgegangene Pferde sie niederzutrampeln drohen. Wie sich schnell herausstellt, ist Elisabeth die Tochter des Bürgermeisters, der die jungen Männer zum Dank zum Abendessen einlädt. Obwohl Elisabeth sehr hübsch ist und Lorenz schöne Augen macht, verliebt sich dieser in ihre Adoptivschwester Antonella, die sich mit Kräuterheilkunde beschäftigt. Auch sie findet Gefallen an dem jungen Schmied. Doch der Dreißigjährige Krieg verschont auch die kleine Stadt am Niederrhein nicht. Lorenz und Maximilian melden sich als freiwillige Kämpfer, um die Stadt zu schützen. Als die Schlacht verloren geht, suchen die Bürger der Stadt, allen voran der Pfarrer, eine Schuldige für das Unglück. Antonella wird bezichtigt, eine Hexe zu sein. Ihr Leben ist in Gefahr.

Die Geschichte beginnt mit einer Traumsequenz, die in der Ichform aus Lorenz\' Sicht geschrieben ist. Hier werden der Beginn der Schlacht bei Krefeld und die Gefühle des jungen Schmiedes dargestellt. Diese Schilderungen der Träume kommen immer wieder vor und haben mir Einblick in Lorenz\' Denkweise gewährt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch die Beschreibungen der anderen männlichen Figuren haben mich überzeugt. Insbesondere der Pfarrer, aber auch die Freunde der Brüder, waren sehr gut gezeichnet.

Der Charakter der Elisabeth, der Tochter des Bürgermeisters, war in meinen Augen allerdings total überzeichnet. Die Art und Weise, wie sie sich an Lorenz heranmacht, erinnerte mich eher an eine Straßendirne als an eine junge Dame der besseren Gesellschaft. Antonella dagegen ist eher das schüchterne Mädchen, das nachts alleine im Wald herumläuft und Kräuter sammelt.

Leider war die Geschichte zudem total vorhersehbar. Lediglich das Ende war noch eine Überraschung für mich. Neben einigen historisch falschen Details, wie z. B. das Essen von Kartoffeln von feinstem Porzellan oder das Trinken von Tee in einer Kneipe, ist der Roman durchzogen von Fehlern. In einer Szene wischt sich Lorenz den Met aus den Mundwinkeln, in der nächsten hustet er in seinen Bierkrug. An anderer Stelle sitzt Antonella im Jahre 1642 mit ihren Büchern im Schnee. Der Buchdruck war zwar bereits erfunden, Bücher dürften zu dieser Zeit jedoch extrem kostbar gewesen sein, sodass sich wohl niemand damit im Winter in den Garten gesetzt hätte. Diese Unstimmigkeiten hätten spätestens dem Lektorat auffallen sollen.

Fazit:
Mit viel Wohlwollen kann ich beim besten Willen nur zwei Sterne für dieses Debüt vergeben. Die Stimmung des einfachen Volkes und die Gefühle der jungen Männer im Krieg wurden eindrucksvoll geschildert. Ansonsten ist „Die Hexe vom Niederrhein“ leider nur eine Liebesgeschichte mit zu vielen historischen Ungenauigkeiten.

15.07.2010 20:20:43
Natascha Orwatski

Der historische Roman erzählt die Geschichte von Lorenz und Antonella im Jahre 1642 in einer kleinen Stadt am Niederrhein. Er beschreibt die Wirren des 30-jährigen Krieges und wie eine ganze Gemeinde sich aus Angst gegen eine Frau stellt, sie sogar als Hexe denunziert. Dieser Roman ist etwas anders, als die anderen historischen. Zum Beispiel wurde viel Wert auf Bildsprache gelegt, so sind Lorenz`s Traumsequenzen in der ¿Ich-Perspektive¿ im Präsens geschrieben, um eine Nähe zur Person zu schaffen. Der restliche Roman ist im Präteritum gehalten. In seinen Träumen spiegeln sich Warnungen und Überlegungen des Jungen wieder. Am Anfang des Romans wird die Schlacht, ebenfalls in der ¿Ich-Perspektive¿, schon vorweggenommen. Diese äußerst persönliche und nahe Schilderung des Protagonisten lässt den Leser mehr wissen als den Helden selbst, so dass direkt am Anfang Spannung erzeugt wird. Dazu interessante Figuren und endlich mal ein nicht typisches Ende. Der Charakter des Buches ist eher etwas düster, die die Grundstimmung ist mit wunderschönen Bildern und viel liebe zum Detail geschmückt, was den Roman Die Hexe vom Niederrhein zu einem echten Lesevergnügen macht. Habe sogar ab und zu mal ein Tränchen verdrückt, oder herzlich gelacht ... auf jeden Fall hat der Roman aufgewühlt. So mag ich das!

13.07.2010 17:19:29
VBoleyn

Die Story wird nie langweilig, auch wenn es bestimmt nicht "Schlag auf Schlag" geht. Der behutsame Spannungsaufbau und das aufbauschen das Sündenbocks Antonella hat mir besonders gut gefallen. Dazu interessante Figuren und endlich mal ein nicht typisches Ende. Der Charakter des Buches ist eher etwas düster, die die Grundstimmung ist mit wunderschönen Bildern und viel liebe zum Detail geschmückt, was den Roman "Die Hexe vom Niederrhein" zu einem echten Lesevergnügen macht.

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