Aprilgewitter

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2010, Titel: 'Aprilgewitter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Aho Aho
Unterhaltsam aber ohne Überraschungen

Buch-Rezension von Aho Aho Jul 2010

 April 1881. Das junge Ehepaar Fridolin und Lore von Trettin sind von Bremen nach Berlin gezogen. Fridolin bekleidet hier eine gute Position im Bankhaus Grünfelder. Lore hat sich ihren Traum erfüllt und mit ihrer besten Freundin Mary einen Modesalon eröffnet. Allerdings fungiert sie hier nur als stille Teilhaberin, da es der Karriere Fridolins nicht zuträglich wäre, würde seine Ehefrau als einfache Schneiderin arbeiten. Das führt bei den jungen Eheleuten zu Unstimmigkeiten, denn Fridolin wäre es lieber, seine Frau würde sich aus dem Modegeschäft komplett zurückziehen.

Ebenfalls zu Spannungen im Eheleben führt die Tatsache, dass Fridolin abends immer mehr gesellschaftlichen Einladungen nachgeht und Lore von diesen Events ausgeschlossen wird. Denn aufgrund von üblen Gerüchten über Lore verweigert die gehobene Gesellschaft Lore den Zutritt. Zusätzlich hat sich Grünfelders Tochter Wilhelmine in den Kopf gesetzt, dass sie Lore irgendwie ausstechen muss, weil sie selbst unbedingt Frau von Trettin werden will. Doch auch Fridolin stößt in der Gesellschaft auf Gegenwind. So sieht er sich bei den Zusammenkünften im Bankiershaushalt des Öfteren den Sticheleien des Rittmeisters von Campe und des Leutnants von Trepkow ausgeliefert.

Durch die enge Verbindung des jungen Trettins zu Grünfelder ergibt es sich, dass er den Bankier auch öfter in das Edelbordell Le Plaisir begleiten muss und dort seiner alten Jugendfreundin Hede Pfefferkorn begegnet. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als sich an eben diesem eher verpönten Ort zwei Morde ereignen und Fridolin nicht nur zeitgleich anwesend war, sondern auch als Mörder beschuldigt wird.

Zweiter Teil der Ostpreußen-Trilogie

Die Handlung setzt fünf Jahre nach Ende des Vorgängers Dezembersturm an und spielt im April 1881. Das Buch steigt sofort in einen Dialog des Ehepaars von Trettin ein. Die Kenntnis des ersten Teils ist zum Lesen zwar nicht zwingend notwendig, aber sicher von Vorteil.

Geschickte Verquickung von Historie, Liebe und Krimi

Der Roman ist ein "typischer Iny Lorentz". Obwohl gewisse historische Ereignisse miteingeflochten sind, geht es doch eher in Richtung unterhaltsame Trivialliteratur. Man findet wieder eine gehörige Portion Liebesdrama gewürzt mit ein wenig Krimi, sprachlich nicht schwer zu verstehen und durch viel wörtliche Rede flott durchzulesen. Es wird beim Leser auch kein historisches Vorwissen bezüglich des 19. Jahrhunderts erwartet. Die handvoll zeittypischer Bezeichnungen werden dem Leser am Buchende in einem Glossar erklärt.

Im Roman spielt eine nicht unerhebliche Zahl Nebendarsteller eine Rolle. Hierbei hilfreich für den Leser befindet sich vor dem Glossar ein Personenregister. Das Buch selbst ist in acht Teile gegliedert, wobei jeder in römisch bezifferte Unterkapitel eingeteilt ist.

Heiße Szenen im "Le Plaisir"

Der Leser darf sich allerdings nicht daran stören, dass das Thema Sex hier doch sehr dominant auftritt und stellenweise auch ausführlich beschrieben wird. Dies ist allein schon dadurch erreicht, dass sich große Teile des Romans im Etablissement Hede Pfefferkorns abspielen.

Der Charakter der Lore Trettin ist als blütenrein ohne Ecken und Kanten dargestellt. Es hätte ihr sicher besser gestanden, wenn auch sie negative Eigenschaften hätte. Dadurch würde sie menschlicher wirken und nicht einem Engel gleichen. Einen Hauch von Egoismus und Eigensinn hingegen sieht man bei dem allseits smarten Fridolin. Die zeigt sich einerseits im Verhalten Lore gegenüber wenn es um den Modesalon geht, aber auch in seiner Beziehung zu seiner früheren Freundin Hede.

Als Gegensatz zu den beiden Hauptprotagonisten finden wir typisch böse Menschen wie beispielsweise den egoistischen Leutnant von Trepkow. Er erweckt beim Leser durch sein rücksichtsloses Verhalten seiner Familie gegenüber nur Antipathien. Ebenso die Prostituierte Elsie oder die mißgünstige Malwine von Trettin, beides Charaktere, die man schon aus dem ersten Teil kennt.

Aprilgewitter gelingt es besser als dem Vorgänger, einen Spannungsbogen beim Leser aufzubauen. Es kommt keine Langeweile auf, möchte man doch gerne wissen, wie es mit den verschiedenen Begebenheiten weitergeht. Sei es die Karriere Fridolins, die Eheprobleme, die Intrigen gegen Lore oder wie sie die Probleme um ihren Modesalon löst. Hinzu kommen auch noch die Geschehnisse um den Doppelmord. Dieser wird allerdings doch etwas zu schnell und leicht gelöst.

Insgesamt ist Aprilgewitter ein solider Roman aus der Feder von Iny Lorentz, der trotz allen bekannten Motiven Lust auf den dritten Teil macht. 

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