Mord in der Josefstadt

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2008, Titel: 'Lord Mord', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

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Bettina Weiß
Unterhaltsames Sitengemälde aus Prag

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jul 2010

Kurzgefasst:

Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Mordserie erschüttert die Prager Josefstadt. Immer wieder werden Prostituierte tot aufgefunden. Adi, ein tuberkulosekranker und heroinsüchtiger junger Mann aus gutem Hause, verfolgt das Geschehen nicht ohne Voyeurismus. Als aber seine Geliebte umgebracht wird, macht er sich auf die Jagd nach dem Mörder. Dieser versetzt das Viertel auch deshalb in Angst und Schrecken, weil man in ihm Kleinfleisch vermutet, eine abgrundtief hässliche und zutiefst böse Gestalt aus der jüdischen Mythologie, vergleichbar mit dem Golem, was den Morden eine mythische Dimension gibt. Seine nächtlichen Streifzüge durch das Judenviertel, in dem mittelalterliche Häuser mit schiefen Schornsteinen und gotischen Kragsteinen sich in engen Gassen aneinanderducken, lehren Adi das Fürchten. Schon wieder wurde eine Frau umgebracht, hinter vorgehaltener Hand wird der Name Kleinfleisch geflüstert. Adi aber verfolgt längst eine ganz andere heiße Spur. Und eines Nachts steht er dem gesichtslosen Mörder plötzlich gegenüber.

 

Morde an jungen Frauen, die den Gerüchten nach von einer mythischen Gruselgestalt verübt werden, erschüttern Prag. Ende des 19. Jahrhunderts, die Assanierung der Josefstadt, des alten jüdischen Viertels, hat gerade begonnen, als eine Mordserie an jungen Prostituierten die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Adi, ein wohlhabender Dandy aus altem Adel, unternimmt regelmäßig Streifzüge durch die Prager Judenstadt und wird in die Ereignisse hineingezogen.

Leichten Mädchen und heroische Pillen

Adi, selbst ist ein Freund der leichten Mädchen, war mit einer der Getöteten wohl vertraut. Die Geschehnisse begleitet er mit einem gewissen Voyeurismus. Schnell macht unter der Bevölkerung der Namen "Kleinfleisch", eine Spukgestalt aus der jüdischen Sagenwelt, die Runde und wird mit den Untaten in Verbindung gebracht. Doch Adi, der gegen sein Lungenleiden dem gerade neuerfundenen Heroin zuspricht, verfolgt eine ganz andere Spur. Und eines Nacht steht Adi auf einem seiner Streifzüge der gesichtslosen Spukgestalt unvermittelt gegenüber ...

Bonvivant und Schatten des Lebens

Das Buch ist weit mehr als ein gelungener Kriminalroman, es ist vielmehr ein Sittengemälde des Prag des 19. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel eines gutsituierten Lebemannes. Adi entstammt einem alten Adelsgeschlecht und seinen Tagesablauf bestimmen die Freuden des Lebens. Ihn plagen kaum Geldsorgen und falls doch mal, hat er gute Freunde, die aushelfen können. Allerdings leidet er unter einer Lungenkrankheit, die er mit Hilfe des neuerfundenen Heroins zu behandeln versucht. Diese Beschreibung klingt zunächst wenig ansprechend, doch dem Autor gelingt es, Adi als sympathischen Helden des Romans zu zeichnen. Er ist seinen Frauen und Freunden zugetan. Auch die Geschehnisse in der Josefstadt, die in der breiten Öffentlichkeit wenig Beachtung finden, fesseln sein Interesse und er ist bestrebt, den Täter dingfest zu machen. Dabei scheut er auch den Konflikt mit den Großen und Mächtigen nicht. Dass er dabei in die revolutionären Bestrebungen Böhmens verwickelt wird, muss er in Kauf nehmen.

Subtile Spannung und eine en passant erzählte Krimihandlung

Der Roman lebt von einer ganz subtilen Spannung und vermag den Leser dabei ungemein zu unterhalten. Die eigentliche Krimihandlung wird en passant erzählt und ist dabei ein Spiegelbild von Adis Leben, welches sich ebenfalls wie zufällig gestaltet. Das Augenmerk des Erzählers liegt auf der Beschreibung der Stimmung in Prag zur Zeit der Assanierung, als die Menschen ihre Wohnungen und Häuser verloren und in neue hygienische Wohnungen umgesiedelt wurden und dabei ihre gewachsenen Bindungen und ein Stück Identität verloren. Es ist, als streife der Leser Nacht für Nacht mit Adi durch das alte Prag und bedaure den Abriss der Häuser und entdecke das Entstehen täglich neuer Baugruben.

Die Sprache des Romans vermag den Leser ins 19. Jahrhundert zu versetzen. Dem Autor gelingt es, durch den Stil und Ausdruck eine stimmungsvolle, fast Kaffeehausatmosphäre zu schaffen, ohne dabei den Lesefluss zu beschränken. Das Leben der Menschen in der Josefstadt wird in ganzer Vielfalt und Unterschiedlichkeit beschrieben, so dass der Leser in diese Zeit eintauchen kann, um mit Adi Kleinfleisch zu verfolgen und den Täter zu finden.

Als einziger Kritikpunkt mag angeführt werden, dass die politischen Ereignisse und die freiheitlichen Bestrebungen Böhmens nur am Rande gestreift werden und für den mit der Landesgeschichte nicht vertrauten Leser dadurch etwas verschwommen bleiben.

Insgesamt aber ein gelungener Roman mit Krimihandlung, der ein interessantes Kapitel der Prager Geschichte beschreibt und für unterhaltsame Lesestunden wunderbar geeignet ist.

 

Mord in der Josefstadt

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Letzte Kommentare:
15.05.2012 16:49:28
tassieteufel

Prag Ende des 19. Jahrhunderts, die alte Judenstadt, auch als Josefsstadt bekannt, soll mit all ihren uralten Häuschen und engen, dunkeln Gassen der Assanierung zum Opfer fallen. Der Stadtrat will hier angeblich Schmutz und Krankheit beseitigen und ein modernes Stadtbild schaffen. Natürlich sind viele Prager, zuallererst die Bewohner des Viertels damit nicht einverstanden und es kommt zu allerlei Aufruhr. In diesem Szenario geschehen grausame Morde an Prostituierten, die das ganze Viertel in Angst und Schrecken versetzen. In dem Mörder vermutet man Kleinfleisch, eine Gestalt der jüdischen Mythologie.
Graf Arco, genannt Adi, ein junger Adliger, der dem Müßiggang frönt, eine Vorliebe für Prostituierte hat und sich auf Grund einer Lungenkrankheit einem neuartigen Medikament namens Hydrochlor hingibt, begegnet dem Unhold eines Nachts und macht sich auf die Jagd nach dem Mörder.

Was für ein langatmiges und zähes Buch! Selten habe ich etwas gelesen, was den Namen Krimi weniger verdient hätte! Bevor überhaupt mal ein Mord passiert, vergeht ein Drittel des Buches und selbst als dann ab und an mal wieder ein Opfer gefunden wird, wird das eigentlich nur am Rande erwähnt, von Ermittlungsarbeit auch keine Spur und schon gar nicht von Seiten Graf Arcos. Von dieser Seite war das Buch also schon mal sehr enttäuschend. Das erste Drittel vergeht mit Adis lottrigem Leben mit diversen Freudenmädchen und seinen anderen Vergnügungen. Immer für eine gewisse Zeit hält er sich eine junge Frau als Geliebte, die er dann in die Prostituion entläßt, sobald er ihrer überdrüssig geworden ist und noch während er mit der einen zusammen ist, hängt er in Gedanken schon bei der nächsten. Ein Zug der ihn für mich nicht sonderlich sympathisch gemacht hat. Das er bei seiner letzten Geliebten plötzlich Skrupel bekommt und sie dann als Dienstmädchen behält, mildert diesen Eindruck nur unwesentlich ab.
Ganz gelungen sind die Schilderungen von der alten Josefsstadt, doch auch hier hat mir bei all der Detailtreue einfach die Atmosphäre gefehlt. Mit Kleinfleisch treibt sich ja ein wahres Ungeheuer in den finstren Gassen herum, doch von der Angst und dem Schrecken die dieses mythische Wesen verbreiten sollte, ist im ganzen Buch nichts zu spüren. Da wird sich mehr über den Abriss eines Hauses echauffiert, als über eine tote Prostituierte. Überhaupt nahmen die Dispute über den Sprachenstreits zwischen Deutschen und Böhmen und andere patriotische Bestrebungen wesentlich mehr Raum ein, als die mehr als dürftige Krimihandlung, die quasi nicht existent ist. Den Klappentext kann man daher wohl nur als irreführend bezeichnen, vermittelte er doch den Eindruck, man würde hier einen spannenden historischen Krimi zu lesen bekommen. Ein Spannungsbogen ist aber überhaupt nicht vorhanden. Für mich war das ein Fehlschlag auf ganzer Linie und ich hab das Buch nur zu Ende gelesen, weil ich eine unverbesserliche Optimistin bin, die halt immer hofft, es würde noch besser werden..............

FaziT: frei von jeglicher Spannung und in keiner Weise als Krimi zu bezeichnen! Wer etwas über die politischen und patriotischen Bestrebungen in Böhmen des 19. Jh. lesen will, wird hier vielleicht mehr Freude haben als jemand der einen spannenden Krimi erwartet.