Die Mühlen des Herrn

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 1999, Titel: 'La mossa del cavallo', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Die sizilianische Mafia und der Mühleninspekteur

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2010

Kurzgefasst:

In Camilleris Sizilien des 19. Jahrhunderts soll ein neuer Inspekteur aus Rom die fiskalischen Einnahmen aus den Mühlenbetrieben kontrollieren. Die Suche nach den Drahtziehern einer umfassenden Steuerhinterziehung erweist sich als hochexplosiv. Ein gerissener Mafiosi, ein eifriger Inspekteur, ein gieriger Pfarrer und eine schöne Witwe: ein jeder will etwas anderes. Doch alle verwickeln sich in einem Netz aus Korruption, mafiosen Intrigen, Sprach- und Liebesverwirrungen.

 

Im Jahr 1877 schickt das römische Finanzministerium einen neuen Mühleninspekteur nach Montelusa auf Sizilien, um die Steuereinnahmen zu kontrollieren. Giovanni Bovara, in Montelusa geboren und in Genua aufgewachsen, bezieht ein hübsches Häuschen im Küstenort Vigáta und begibt sich sofort an die Arbeit. Er weiß, dass es nicht einfach wird, denn sein Vorgänger Benedicò wurde erschossen und dessen Vorgänger Tuttobene verschwand im Meer. Für gewöhnlich schickt der Hauptinspekteur seinen Tross an Unterinspekteuren übers Land, doch er will die Mühlen selbst überprüfen und das auch noch unangemeldet. Nicht nur sein Vorgesetzter La Pergola, genannt der Mistkäfer, weil er die Bestechungsgelder zusammenrollt wie der Käfer den Mist, ist wenig erfreut darüber, auch Advokat Fasùlo und vor allem der Mann, dessen Namen niemand in Montelusa auszusprechen wagt und dessen Kontakte bis nach Rom reichen: Don Coco Afflitto. Sie sehen ihren wirtschaftlichen Erfolg durch Bovara gefährdet.

Bovara entdeckt eine topografische Karte seines korrupten Vorgängers, auf der er ablesen kann, wie das System der Steuerhinterziehung funktioniert. Bei einer nächtlichen Überprüfung findet er eine nicht kartografierte Mühle. Als er seinem Vorgesetzten Meldung macht und die Polizei dem nachgeht, baut man über Nacht die ganze Mühle ab. Bovaras Zuverlässigkeit wird in Zweifel gezogen. Als wenig später Pfarrer Carnazza erschossen wird, nutzen Bovaras Gegner die Chance, lenken die Schuld auf ihn und konstruieren als Motiv Eifersucht. Sie wollen ihn im Gefängnis oder in der Irrenanstalt verrotten lassen.

Beruhend auf einem wahren Fall

Für Bovara wird es immer enger und der Leser fragt sich besorgt, wie er da wieder heraus kommt. Denn sein Feind hat beste Verbindungen nach Rom und zu den lokalen Medien, um Strippen zu ziehen und Stimmung gegen ihn zu machen. Camilleri hat sich inspirieren lassen von einem wahren Fall im sizilianischen Barrafranca, als man dem neuen Mühleninspekteur aus Turin den Mord eines Cousins an einem verhassten Pfarrer anhängen wollte. Er spinnt ein Netz aus Lügen, Intrigen und Korruption, in das seine Hauptfigur wie eine Fliege in das Netz einer Spinne gerät. Die Korruptionsgeschichte schneidet sich mit einem zweiten Erzählkreis, der sich um Pater Carnazza dreht, einen notorischen Frauenhelden und Geldverleiher, dem die Affäre mit der schönen promisken Witwe Trisìna und der Erbschaftsstreit mit seinem Cousin Moro zum Verhängnis werden.

Wie Camilleri auf knapp 200 Seiten seinen akkuraten Helden zum Opfer eines Komplotts macht und dabei die Organisation und Methoden der sizilianischen Mafia offenlegt, ist überaus intelligent. Wie er die Geschichte unter Rückgriff auf den sizilianischen Dialekt und den Springer im Schachspiel auflöst, ist genial.

Alles in allem ist Die Mühlen des Herrn eine tragische Farce über Sizilien und die Mafia, hervorragend erzählt, packend, komisch und intelligent.

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