Der Eid der Kreuzritterin

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2010, Titel: 'Der Eid der Kreuzritterin', Originalausgabe

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Volker Faßnacht
Die Kinderkreuzzüge 1212, verpackt in eine Liebesgeschichte

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Jun 2010

Kurzgefasst:

Mainz und Köln, 1212. Zwei junge Frauen lehnen sich auf gegen ihre arrangierte Zukunft: Konstanze will nicht ins Kloster und Gisela nicht mit einem Ritter verheiratet werden, dem ein schrecklicher Ruf vorauseilt. Zur gleichen Zeit brechen im Orient zwei junge Männer auf: Armand wird vom Großkomtur der Tempelritter mit einem geheimen Auftrag nach Europa entsandt, und der Sultan von Alexandria schickt seinen Sohn Malik auf eine nur scheinbar harmlose Reise...

Die Wege der zwei Frauen und der beiden Männer kreuzen sich. Ihr Schicksal ist untrennbar miteinander verknüpft. Ihre Welt gerät aus den Fugen. Und sie geraten in das Räderwerk einer unglaublichen Verschwörung, die im Vatikan ihren Ursprung zu haben scheint...

 

Die Autorin Dr. Christiane Gohl - bekannt durch ihre Neuseeland-Romanserie als Sarah Lark - schreibt hier als Ricarda Jordan, einem weiteren ihrer Pseudonyme, nach Die Pestärztin ihren zweiten historischen Roman. Der Eid der Kreuzritterin erzählt von den aufgrund der nicht vorhandenen Augenzeugenberichten historisch relativ vagen Kinderkreuzzügen 1212, die in Köln und in Cloyes ihren Anfang genommen haben sollen.

Die katholische Kirche hatte selbstverständlich wenig Interesse an der Bestätigung der Geschichte, da sie dabei einen wenig rühmlichen Part einnimmt. Die Beteiligten selbst - Kinder von niederem Stand und Gesindel jeglicher Art - konnten nicht schreiben. Die Bevölkerung, die von dem Kreuzzug mitbekommen haben mag, selbst nicht unbedingt gebildet, hatte wohl auch wenig Interesse an der Niederschrift der Geschehnisse, da für sie der Kinderkreuzzug wie eine Heuschreckenplage gewirkt haben musste. So sind nur Indizien und fragmentarische Bruchstücke aus zweiter oder dritter Hand von diesen Kreuzzügen übriggeblieben. Kreuzzüge, die schnell zur Legende wurden und die es immerhin bis Genua bzw. Marseille geschafft haben.

Vier Menschen mit vier Geschichten, die alle in den Kreuzzug führen

Ricarda Jordan behandelt in ihrem Roman vier Hauptfiguren, deren Schicksal in der Teilnahme an diesem Kreuzzug liegt. Nicht, weil es in Übereinstimmung mit der Überzeugung der Führer geschieht. Jede Person hat andere, ganz spezielle Gründe: Gisela, die der Eheschließung mit einem wesentlich älteren Ritter mit abscheulichem Ruf entfliehen will und Konstanze, die ins Kloster soll, obwohl ihr Schicksal nach Überzeugung einer alten Wahrsagerin doch ein ganz anderes sein sollte:

 

 

Das ist nicht das, was dir bestimmt ist, Kind. Ich sah dich in den Armen eines Königs.

 

Aber auch der Großkomtur der Tempelritter, der ahnt, dass sich in Europa etwas zusammenbraut, sowie der Sultan von Alexandria, schicken jeweils einen Spion, um zu erkunden, ob da etwas aufs Heilige Land zukommt. Diese vier Menschen werden schließlich Teil des Zuges, mit Hilfe derer der Roman erzählt wird.

Von fanatischen Spinnern, Dieben, Räubern, Mördern und Menschen ohne Perspektiven

Wie kommt ein Kreuzzug mit etwa 25.000 bzw. 30.000 Menschen zustande? Das allein ist schon unvorstellbar. Es ist die Hoffnung der Hoffnungslosen, der Leibeigenen, der Unterdrückten, die sich ein besseres Leben erhofften, der Diebe, Räuber und Mörder, die mit Absolution und Erlass ihrer Sünden rechneten und von religiösen Fanatikern, die wirklich an diese Mission glaubten: Ein gewaltfreier Kreuzzug ganz ohne Waffen. Oder waren doch unbekannte Initiatoren im Spiel, die ganz andere Motive hatten?

Ricarda Jordan erzählt diese Geschichte und erklärt in überzeugenden Bilder, wie es so weit kommen konnte. Sie erzählt auch von dem schrecklichen Ende der beiden Heere, welches wohl unausweichlich gewesen ist. Unendliches Leid, das diesen Ärmsten der Armen widerfahren musste. Sie waren alle miteinander nicht gerüstet, weder für den Gewaltmarsch Hunderter von Kilometern, noch für die Überquerung der Alpen, noch für all das andere, was danach noch kommen sollte. Das ist brutal eindrücklich. Fatal ist, dass der Autorin in vielen Szenen gelingt, diese ganz bestimmte Atmosphäre zu schaffen, die die Leserschaft unmittelbar an dem vielen Leid teilhaben lässt.

Die Liebesgeschichte - notwendiges Triebmittel oder überflüssiger Weichzeichner?

Nicht immer ist die im Buch vorkommende Ménage à quatre der vier Hauptpersonen ganz plausibel. So ist beispielsweise fragwürdig, weshalb sich die Vier überhaupt nahekommen können. Im realen Mittelalterleben hätten sie sich wahrscheinlich nicht einmal angeschaut. Zu groß sind die Standesunterschiede, der Glaube zu unterschiedlich, zumindest was den Vertreter des Sultans angeht, aber auch der des angehenden Kreuzritters. Auch erscheint der Weg der Vier oftmals zu leicht. So haben sie meist zu schnell Hilfe und ernsthafte Probleme fügen sich zu hervorragenden Lösungen.

Und dennoch ist der vorliegende Roman einer, den man schnell weg lesen kann. Es ist immer etwas los und man will allzu gerne wissen, wie es weitergeht. Wer über die genannten Schwächen hinwegsehen kann und einen eindrücklich beschriebenen, nahe an den geschichtlichen Überlieferungen angelehnten Roman sucht, dürfte mit Der Eid der Kreuzritterin gut bedient sein.

 

Der Eid der Kreuzritterin

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Letzte Kommentare:
01.02.2015 14:30:07
Lesejudit

Noch nie habe ich von den Kinderkreuzzügen gehört. Ein sehr spannendes Thema, wie ich finde. Die Geschichten der vielen Protagonisten verwirrten mich am Anfang des Buches etwas. Jedoch werden die einzelnen Geschichten spannend erzählt bis sie dann in dem gemeinsamen Kreuzzug zusammen finden. Ab da an kann man wundervoll mit den beiden Mädchen und ihren Rittern mitfühlen. Trotzdem haben mir zwei andere Ricarda Jordan Bücher, Die Geisel des Löwen und Tochter der Elbe noch besser gefallen.

06.10.2012 18:52:48
Silky

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen.Der Schreibstil der Autorin zieht einen regelrecht in einen Lesebann. Die Protagonisten werden so liebenswert beschrieben, das man einfach wissen möchte was sie alles erleben.
Am beeindruckendsten fand ich die Überquerung des Passes über die Alpen. Ricarda Jordan schafft es einem das Gefühl zu geben mit über den Pass gezogen zu sein. Ich bekam bei ihrer Beschreibung eine Gänsehaut und dachte tatsächlich die armen Kinder dort liegen zu sehen.
Ein toller Roman über die Kinderkreuzzüge!