Die Hure des Kaisers

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2010, Titel: 'Mistress of Rome', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75

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Eva Schuster
Unterhaltsames Historienspektakel im alten Rom

Buch-Rezension von Eva Schuster Jun 2010

Kurzgefasst:

Rom, 82 n. Chr.: Die junge Sklavin Thea muss ihre Herrin zu den Gladiatorenkämpfen begleiten, die sie verabscheut. Doch diesmal zieht ein neuer Kämpfer alle Zuschauer in seinen Bann: Arius, genannt »der Barbar«. Thea fühlt sofort eine innere Verbundenheit, und tatsächlich sind sie und Arius Seelenverwandte beide haben so viel Mord und Grausamkeit erlebt, dass sie den Tod verachten. Doch sie können ihre Liebe nicht leben, denn der Kaiser persönlich begehrt Thea für sich.

 

Rom, 81 n. Chr.: Die knapp fünfzehnjährige Thea kommt als Sklavin zu der gleichaltrigen Lepida, einer verwöhnten Tochter aus gutem Haus. Regelmäßig muss Thea ihre Herrin zu den blutrünstigen Gladiatorenspielen begleiten. Während Lepida dieses Spektakel fasziniert, ist Thea eher angewidert. Einmal erregt ein Gefangener, der sich eindrucksvoll gegen die Wächter wehrt und begnadigt wird, ihre Aufmerksamkeit.

Rund ein halbes Jahr später sieht Thea den ehemaligen Gefangenen in der Arena wieder - er wurde wegen seines Könnens als Gladiator ausgebildet. Der stolze Arius, genannt "der Barbar", fällt auch den anderen Zuschauern auf und wird rasch zum Publikumsliebling. Auch Lepida ist von ihm fasziniert und lässt ihm durch Thea Botschaften bringen. Doch während Arius Lepidas Werbungen zurückweist, verliebt er sich - ausgerechnet in Thea, die seine Gefühle erwidert.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Aus Rache verkauft Lepida Thea an ein Bordell, Arius verliert sie aus den Augen. Während er sich in die Kämpfe stürzt, bekommt Thea einen Sohn von ihm. In den Jahren darauf arbeitet sie als Sängerin, ehe ausgerechnet Kaiser Domitian sie entdeckt und zu seiner Geliebten macht. Mehr als zehn Jahre vergehen, ehe sich Arius und Thea durch Zufall wiedersehen. Doch eine Beziehung scheint aussichtslos, da der Kaiser Thea für sich ganz allein beansprucht ...

Die Hure und der Barbar

Liebe, Leidenschaft und Intrigen kannten bereits die alten Römer zu Genüge. Der Debütroman von Kate Quinn ist ein kurzweiliger Historienroman, der gleichwohl nicht besonders anspruchsvoll ist. Sowohl Thea als auch Arius sind sympathische Charaktere, die der Leser rasch ins Herz schließt. Thea, eigentlich Leah, ist eine Jüdin, die im Kindesalter als eine der wenigen Einwohner einen Römerangriff auf ihre Stadt überlebt hat. Sie geriet in Gefangenschaft, wurde aber in Lesen und Schreiben unterrichtet und erhielt ihren griechischen Namen. Mit der Stellung bei Lepidas Vater Quintus Pollio wendet sich aber das Blatt erneut für sie. Thea ist klüger als ihre verwöhnte Herrin, der wiederum ist das ein Dorn im Auge. Als Lepida dann begreift, dass Thea eine Beziehung zu Arius hat, der sie trotz monatelangen Werbens nicht beachtete, will sie Rache. Jahre später treffen sich die beiden Frauen allerdings wieder - denn inzwischen bewegt sich auch Lepida durch ihre Heirat in kaiserlichen Kreisen und hofft darauf, Kaiser Domitian für sich zu gewinnen. Als sie sieht, dass ihr hier erneut ihre ehemalige Sklavin zuvorgekommen ist, flammt ihr Hass wieder auf.

Thea wiederum ist als Geliebte des Kaisers zwar finanziell luxuriös versorgt, doch sie ist immer noch eine Sklavin und ihr Leben ist alles andere als leicht. Domitian begehrt sie, entwickelt dabei aber einen krankhaften Wahn. Sie weiß, dass ihr Leben bedroht wäre, sobald ein anderer Mann ins Spiel käme. Zudem verheimlicht sie dem Kaiser die Existenz ihres Sohnes Vix, der fernab im Haushalt von Flavia, der kaiserlichen Nichte, lebt, da sie fürchtet, er könne den kleinen Vix als Druckmittel verwenden.

Der gefeierte Arius ist ein Gladiator wider Willen. Eigentlich sollte er wie andere britannische Gefangene in der Arena getötet werden, doch er leistete so überzeugenden Widerstand, dass ein neues Leben als Gladiator auf ihn wartete. Das Publikum liebt den gewaltigen Mann, der alles und jeden zu hassen scheint und keinen Kampf verliert. Anders als seine Konkurrenten macht er sich nichts aus Ruhm und Ehre, er sehnt sich bloß nach einem freien Leben. Sein Sohn Vix ist sein Ebenbild und schon als kleiner Junge eine Art Miniaturausgabe von ihm. Thea benannte ihn nach Vercingetorix, dem heldenhaften gallischen Häuptling, der Cäsar erst sehr spät unterlag und von dem Arius ihr einst erzählte. Eine sehr reizvolle Figur ist Marcus Norbanus, der auf Wunsch des Kaisers Lepida heiratet. Er ist in so ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil von Lepida: Ein angesehener Senator in den mittleren Jahren, Enkel des göttlichen Augustus, sehr klug und einfühlsam. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in der Bibliothek, die blutigen Spiele betrachtet er mit Abscheu. Wegen seines Alters und seiner verkrüppelten Schulter sieht Lepida ihn als hässlich an, Thea hingegen erkennt seine vornehme Ausstrahlung. Marcus ist bemüht, aus der arrangierten Ehe mit der viel jüngeren Lepida, die mit ihm nichts gemeinsam hat, das Beste zu machen. Umso schmerzlicher ist dann die Erfahrung, dass die kränkliche Tochter Sabina von ihrer Mutter abgelehnt wird und Lepida Marcus' Sohn aus erster Ehe verführt. Obwohl Marcus keine der Hauptrollen einnimmt, ist er doch ein wichtiger Charakter, dem der Leser inständig eine Wendung zum Besseren wünscht.

Kaiser Domitian ist im Gegensatz zu populäreren Herrschern wie Julius Cäsar, Caligula, Nero oder Augustus eine recht unverbrauchte historische Figur. Es gelingt Kate Quinn recht gut, seine Zwiespältigkeit darzustellen - einerseits die herzliche, offene Art mit Sinn für Humor, andererseits sein wahnhaftes Misstrauen in den späteren Jahren und sein Hang zur Grausamkeit, wie ihn auch so viele andere Cäsaren pflegten. Etwas kurz kommen alle Details zu seiner Regierungszeit. Der Fokus liegt auf seiner Charakterdarstellung, der historische Hintergrund bleibt recht blass. Generell ist das Werk kein Roman, der in geschichtlichen Fakten schwimmt. Es ist in erster Linie eine dramatische Liebesgeschichte, wenn auch durchaus nett in die tatsächlichen Geschehnisse eingebunden. Die bekannten Informationen zu Kaiser Domitian werden hier recht geschickt mit der fiktiven Geschichte verwoben. Für regelmäßige Leser von Antikenromanen ist der Inhalt allerdings oberflächlich. Der Vorteil ist dabei, dass man nichts über die Epoche wissen muss, um den Roman genießen zu können. Wem die Antike eher fremd ist, der kann hier trotzdem zugreifen und einen Leseversuch wagen, denn es gibt keine Exkurse in Sachen Politsystem oder militärische Operationen.

Positiv fällt auf, dass sich trotz all der Liebeswirrungen unter den Figuren die erotischen Schilderungen sehr zurückhalten. Teilweise ist das beinah schon zu spartanisch, etwa wenn Theas und Arius' erste Nacht nur angedeutet wird, generell ist es aber erfreulich, dass es keine seitenlangen Geschlechtsakte zu lesen gibt. Zudem gibt es, auch wenn der Roman historisch gesehen recht oberflächlich bleibt, einige anrührende Szenen. Das Schicksal von Thea und Arius bewegt den Leser, sehnlichst wünscht er den beiden eine glückliche Zukunft. Manche Szenen sind sehr traurig, etwa wenn Arius durch den Kaiser seinen besten Freund verliert oder wenn Marcus seinen Sohn in flagranti mit seiner Ehefrau ertappt. Andere wie das Wiedersehen zwischen Thea und Arius nach über zehn Jahren machen Freude und all diese Stellen sorgen dafür, dass das Lesevergnügen durchgängig aufrecht erhalten wird.

Einige Schwächen trüben den Gesamteindruck

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind die ständig wechselnden Perspektiven des Romans. Die Geschichte wird in den ersten Kapiteln aus der Sicht Theas erzählt. Dann aber gibt es auch immer wieder Abschnitte, in denen aus Lepidas Perspektive berichtet wird, in denen ein personaler Erzähler sich auf Arius konzentriert und sogar Julia, die Nichte des Kaisers, wird ein paar mal kurz als Ich-Erzählerin eingeflochten. Da sich die Wege zwischen Thea und Arius für mehr als zehn Jahre trennen, ist es logisch, dass Thea nicht durchgängig die Ich-Erzählerin sein kann, wenn Arius' Schicksal näher beleuchtet werden soll - aber gerade die Sichtweise Lepidas hätte sich die Autorin durchaus sparen können. Sie ist dem Leser so unsympathisch, dass es oft nur wenig Spaß macht, ihre selbstgefälligen Schilderungen zu verfolgen.

Problematisch sind die teils großen Zeitabstände, die einfach übersprungen werden. So gibt es nach Theas Verkauf an einen Bordellbetreiber gleich einen Sprung von mehreren Jahren. Die Handlung lässt ihre Zeit im Bordell einfach aus, ebenso wie die Geburt ihres Kindes und setzt erst wieder ein, als Thea das Glück hat, als Sängerin bei einem gütigen Herrn mit Sinn für ihr Talent dienen zu dürfen. Auch im späteren Verlauf der Handlung gibt es immer wieder Stellen, an denen sich der Plot zu schnell entwickelt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich Charaktere kennenlernen und Gefühle füreinander entwickeln, es geschieht alles ein bisschen hektisch und zu einfach. Vielleicht ist das der Unerfahrenheit der jungen Autorin geschuldet, so wie auch die etwas übertrieben heldenhafte Darstellung von Arius und Thea. Arius scheint fast übermenschliche Kräfte zu haben und überlebt auch den grausamsten und aussichtslosen Kampf in der Arena, Thea wiederum zeigt trotz ihres Schicksals immer eine außergewöhnlich gefasste Haltung.

Fazit: Ein romantischer und dramatischer Roman aus der Antike mit recht gelungenen Charakteren und einer mitreißenden Handlung. Für Historienexperten bleibt das Werk ein bisschen zu blass, weder über die Epoche noch über die realen Figuren gibt es detaillierte Informationen. Wer sich aber mit leichter Unterhaltung zufrieden gibt, findet hier solide Lektüre, die die Zeit schnell verfliegen lässt.

Die Hure des Kaisers

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Letzte Kommentare:
27.01.2012 21:50:32
Eva

Meines Erachtens kommt bei der Bewertung des Buchs durch histo-couch übertrieben stark heraus, dass es dem Buch an historischen Fakten fehlt. Bei ausführlicher Analyse des Romans musste ich feststellen, dass die verschiedenen Themenbereiche durchaus sehr gut recherchiert sind und außer Julias Episode keine groben Fehler vorhanden sind. Viele Beschreibungen Domitians lassen auf antike Quellen zurückführen. Alltag und das Leben der antiken Frau sind real, wenn auch bei Lepida etwas überspitzt, herausgearbeitet. Die Intention der Autorin war nicht, einen Tatenbericht des Domitians in den Vordergrund der Geschichte zu stellen, sondern dessen Charakter und das ist nicht als Manko der Erzählung zu sehen. Mich hat das Buch positiv überrascht, da die Autorin nicht in antiker Geschichte studiert ist und dafür besitzt sie eine umfassende Kenntnis über die Zeitspanne ihres Erstlingsbuchs. Als Schwäche sehe ich lediglich die Perspektivenwechsel, die den Leser unnötig verwirren können. Ansonsten finde ich übermäßige Kritik an dem Buch nicht unbedingt verständlich.

16.05.2011 17:49:55
anyways

Das jüdische Mädchen Thea überlebt nur knapp den Mord an ihrer Mutter und den Geschwistern und den Selbstmord ihres Vaters der die Familie vor den römischen Invasoren schützen wollte. Thea wird aufgegriffen, versklavt und schließlich an Quintus Pollio, dem Spielleiter der kaiserlichen Gadiatorenkämpfe, verkauft. Sie wird die Leibsklavin von dessen Tochter Lepida, die sie, obwohl gleichaltrig, drangsaliert und schikaniert. Als der neue „Star“ in der Arena der Gladiatoren aufgeht, buhlen beide Frauen um seine Kunst. Lepidas Rache ist schrecklich, als sie von der Liaison Theas mit Arius dem Barbaren erfährt. Eine Rache die Thea zu einer wahren Odyssee durch Freudenhäuser bis an den Hof des Kaisers führt.





Wahrlich ein Sündenpfuhl ist Rom im 1. Jahrhundert nach Christus. Kriege, Kriegsspiele, Verschleppungen, Versklavungen und Vergewaltigungen sind ebenso an der Tagesordnung wie die Lasterhaftigkeit und Tugendlosigkeit der oberen Klasse.

Ein gelungenes Debüt der noch recht jungen Autorin. Das brodelnde Leben in Rom , die politischen Schachzüge und die Gladiatorenkämpfe sind anschaulich dargestellt, trotzdem wollte der Funken nicht so recht überspringen. Mir fehlte ein wenig Tiefgang in der Darstellung der Protagonisten. Die regelrechte Abschlachtung seiner Gegner in der Arena hinterläßt bei Arius genauso wenig seelische Narben wie die Arbeit als Dirne und die brutalen Vergewaltigungen durch den Kaisers, bei Thea.Merkwürdiger Weise ist im ganzen Buch auch nur von zwei Kindern die Rede....?Die Bösen waren zu diabolisch und die Guten zu engelsgleich. Wenig glaubhaft für meinen Geschmack. Einzig die Gestalt des Stiefsohns von Lepida wurde facettenreich interpretiert. Die Darstellung der Hörigkeit zu seiner Stiefmutter und seine innere Zerissenheit seinem Vater und dem Kaiser gegenüber sind glaubhaft.

16.11.2010 22:42:55
KimVi

Die Sklavin Thea dient im Haushalt von Quintus Pollio. Ihre eigentliche Herrin ist die Tochter des Hauses, die vierzehnjährige Lepida Pollia. Lepida ist ziemlich verwöhnt und egoistisch. Sie möchte stets im Mittelpunkt stehen und die sofortige Erfüllung all ihrer Wünsche ist für Lepida eine Selbstverständlichkeit. Thea hat oft unter den Launen ihrer herrschsüchtigen jungen Herrin zu leiden.

Bei Gladiatorenwettkämpfen zieht der scheinbar unbesiegbare Kämpfer Arius das Interesse von Lepida auf sich. Lepida versucht ihn in ihren Bann zu ziehen. Sie schreibt ihm Briefe und beauftragt Thea damit, diese zu überbringen. Doch all ihre Verführungskünste zeigen bei dem Gladiator keine Wirkung. Er wagt es tatsächlich ihr die kalte Schulter zu zeigen. Wutentbrannt stellt Lepida fest, dass der Gladiator und ihre Sklavin Thea sich durch die Zustellung ihrer Briefbotschaften näher gekommen sind. Diese Niederlage kann Lepida nicht auf sich sitzen lassen. Sie verkauft Thea in ein Bordell und trennt die Liebenden voneinander.

Bald stellt Thea fest, dass sie ein Kind von Arius erwartet. Dadurch kann sie dem Leben im Bordell bereits nach wenigen Monaten entgehen, denn Huren mit gerundeten Bäuchen sind bei der Kundschaft nicht gerade beliebt. Ihr neuer Herr erkennt Theas Gesangstalent und bildet ihre Stimme aus. Sie steigt zur gefeierten Sängerin auf und weckt das Interesse des Kaisers. Er wählt Thea zu seiner Geliebten aus. Die mittlerweile verheiratete Lepida, glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als sie die verhasste Rivalin an der Seite des mächtigsten Mannes im Reich entdeckt. Sie selbst würde nur zu gerne Theas Platz einnehmen. Hasserfüllt beginnt sie gegen Thea zu intrigieren....

Meine Meinung

Die Handlung beginnt im Jahre 81 n. Chr. mit einem Prolog aus der Sicht der Sklavin Thea. Das folgende Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Es gibt Passagen, die aus der Sicht eines Erzählers beschrieben werden, aber auch Szenen, bei denen man in die Protagonisten selbst schlüpft und die Ereignisse in der Ich-Form, aus der jeweiligen Sicht, miterlebt. Diese Form der Erzählung ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch da der Anfang der Perspektivenwechsel mit dem Namen der jeweiligen Personen überschrieben ist, kann man sich gut orientieren. Die wechselnden Perspektiven lassen die Erzählung lebendig wirken. Durch die Verwendung der unterschiedlichen Ich-Formen kann man außerdem in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten eintauchen und bekommt nicht nur einen Einblick in ihr Inneres, sondern auch noch einen Eindruck davon, wie sie auf die anderen Personen wirken.

Viele verschiedene Charaktere hauchen der Handlung Leben ein. Es gibt Personen, die dem Leser sympathisch sind und andere, die sofort gegenteilige Gefühle auslösen. Besonders die verwöhnte Lepida, mit ihrem grenzenlosen Egoismus und ihrer Vorliebe für Intrigen, dürfte die Gemüter erhitzen. Es fällt leicht, sich in die Personen hineinzuversetzen und ihren Handlungen zu folgen. Die lebendigen Akteure erzählen ihre Geschichte vor einer detailliert und gut beschriebenen historischen Kulisse. Das alte Rom erwacht zum Leben, sodass man schon fast vermeint die Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren oder den tosenden Beifall in der Arena zu hören. Sitten und Gebräuche fließen ganz nebenbei in die Handlung ein und auch geschichtliche Daten kommen zur Erwähnung. Sie werden Teil der Geschichte und lassen sie somit noch glaubhafter wirken.

Die Liebesgeschichte zwischen Thea und dem Gladiator Arius ist, meiner Meinung nach, nicht zu romantisch und überladen. Die Liebe der beiden ist zwar für den Leser spürbar, doch sie drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern lässt genug Raum für die spannende historische Unterhaltung. Man kann das Ende zwar erahnen, doch bis dahin hält das Schicksal noch einige Überraschungen bereit.

Mein Fazit

Ich lese sehr gerne historische Romane. Doch bisher habe ich das antike Rom dabei vernachlässigt, da ich nicht dachte, dass mich Erzählungen vor diesem Hintergrund interessieren könnten. "Die Hure des Kaisers" hat mich allerdings eines Besseren belehrt. Kate Quinns Erzählung konnte mich durch eine durchgehend spannende Handlung, facettenreiche Charaktere und eine lebendige historische Kulisse überzeugen.

21.07.2010 13:41:49
Sandra

Intrigantes altes Rom.

Inhalt:
Rom im Jahre 81 nach Christus: Thea - eine jüdische Sklavin in Diensten der edlen Herrin Lepida Pollia besucht mit der hohen Dame die Gladiatoren Spiele im Kolosseum. Angewidert von der unmenschlichen Brutalität und dem fürchterlichen Blutvergießen versucht sie, den Tag irgendwie durchzustehen. An diesem Tag erblickt sie auch das erste Mal einen neuen Gladiatoren in der Arena: Es handelt sich um den sogenannten „Barbaren“ – mit richtigen Namen Arius. Dieser soll in Kürze der Kämpfer überhaupt werden – erhaben über seine Opfer, unschlagbar und unsterblich – ein Gott in der Arena.


Natürlich wirft die intrigante und hochnäsige Lepida Pollia sofort ein Auge auf den neuen stattlichen Hünen. Jedoch findet die Liebe ihren eigenen Weg und bringt Arius und Thea zueinander. Beide sind so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben, bis Lepida es schafft, die beiden auseinander zu führen und aus den Augen zu verlieren. Thea findet sich als billige Hure in einem Bordell weit entfernt von Rom wieder – verzweifelt, verarmt und mit dem Kind von Arius unter dem Herzen. Arius fristet sein weiteres Dasein als Gladiator mit dem Wissen, dass Thea tot sein müsse.


Jedoch meint es das Schicksal gut mit der jungen Jüdin und bringt sie als Sängerin in einen guten Haushalt. Von hier an beginnt ein unglaublicher Aufstieg, der sie bis in die Gemächer des Kaisers führt. Hier soll für sie jedoch erst die Hölle ihres Lebens beginnen …


Als Lepida Pollia davon erfährt, dass ihre ehemalige Sklavin ihr schon wieder ein Ziel verstellt hat greift sie zu allen erdenklichen Mitteln um die Gunst des Kaisers auf sich zu ziehen. Sie spinnt Intrigen, von ungeahnten Ausmaßen …


Meine Meinung:
Ich finde das Buch sehr gelungen und konnte es auch nachdem ich erstmal mit dem Lesen anfing kaum aus den Händen legen. Ort und Zeit des Geschehens sind sehr interessant. Man kann richtig schön im alten Rom schwelgen und fühlt sich der Handlung und den Personen sehr nahe. Thea und Arius sind herzensgute Menschen mit denen ich sehr mitgefiebert und ihnen alles Glück der Welt gewünscht habe. Grundsätzlich fand ich die gesamte Geschichte bildlich sehr gut dargestellt. Besonders die eingebildete Lepida mochte ich das ein oder andere Mal gerne selber in die Finger bekommen. Die Story hat mir das alte Rom mit all seinen Facetten sehr nahe gebracht.


Weitere Werke von Kate Quinn würde ich ohne Weiteres gerne lesen.

11.07.2010 11:10:37
Dominik

Bin seit ca drei Jahren ein grosser Fan historischer Romane und mit "die Hure des Kaisers" habe ich nun wieder ein Example gefunden, dass echt spannend war zum lesen. Ein moderner Mensch wie wir es sind, können sich glaub ich nur noch schwer vorstellen, was für Zeiten die Menschen damals durchleben mussten, aber trotzdem schafft Kate Quinn es, dass man nicht nur dabei sondern mitten drin ist. Also gäbe es eine Punktescala würde dieser Roman die Höchstnote bekommen.

13.06.2010 13:31:11
Bellexr

Die Todgeweihten grüßen dich

Rom im Jahr 81 n. Chr. Zu Ehren der Thronbesteigung von Kaiser Domitian finden im Kolosseum Gladiatorenkämpfe statt. Zu diesem Ereignis muss die 14-jährige Sklavin Thea ihre gleichaltrige, verwöhnte Herrin Lepida begleiten, obwohl sie Gewalt jeglicher Form verabscheut. Für Thea ist die Arena nur eine riesige Leichenhalle, viel lieber würde sie in ein Theater gehen, um dort der Musik zu lauschen. Während einer Vorführung wiedersetzt sich ein Gefangener den Befehlen seiner Wächter und wird niedergeschlagen. Seit Mut weckt das Interesse des Kaisers und so wird er von ihm begnadigt, um fortan als Gladiator in der Arena zu kämpfen. Und auch das Interesse von Thea an dem jungen Arius ist geweckt.

Interessant und unterhaltsam beschreibt die Autorin das Leben in Rom voller Intrigen und Oberflächlichkeit. So gibt sie ihren Lesern einen guten Einblick in das Leben einer Sklavin, vermittelt sehr gut die Machtlosigkeit gegenüber der Willkür ihrer Besitzer und zeigt auch auf, dass die Macht des Cäsars über allem steht, er nach Gutdünken über Leben und Tod entscheiden kann und diese Macht auch nur zu gerne ausübt. Auch den Gladiatorenkämpfen im Kolosseum gewährt Kate Quinn stellenweise viel Raum, sodass man sich die Brutalität dieser Spiele gut vorstellen kann, ohne dabei langatmig zu werden. Und so gelingt es ihr schon nach kurzer Zeit, einen in das Leben der damaligen Zeit eintauchen zu lassen.

Die Geschichte von Thea und Arius, sowie von Lepida und deren Familie umfasst eine Zeitspanne von rund 15 Jahren. Und das ereignisreiche, gefahrvolle Leben dieser Figuren ist durchweg atmosphärisch dicht umgesetzt und stellenweise auch richtig spannend erzählt, besonders zum Ende hin. Der Schreibstil der Autorin ist prall, farbenprächtig, schnörkellos und sehr modern gehalten.

Ihre Figuren lässt sie abwechselnd immer selbst zu Wort kommen. So erlebt man die Welt Roms zur damaligen Zeit mal aus Sicht von Thea, dann wieder aus Sicht von Lepida, wobei dieser anfangs viel Raum zuteilwird. Erst zur Mitte hin überwiegt die Geschichte von Thea und Arius wieder, wobei die Handlungsstränge sich immer wieder verknüpfen und man ständig über das weitere Leben der einzelnen Figuren informiert ist.

Thea ist ein junges, musikbegabtes, intelligentes Mädchen jüdischer Herkunft, welches bereits in ihrem kurzen Leben schon viel Schlimmes erleben musste, sodass sie erfahren und abgeklärt wirkt, aber auch ihre Verletzlichkeit ist durchweg zu spüren. Der junge Brite Arius ist ein sehr verschlossener, ungestümer, wilder, junger Mann, dem über weite Strecken des Buches hin ein Hauch der Unsterblichkeit anhaftet, was manchmal schon etwas unglaubwürdig wirkt.

Neben diesen beiden Figuren gibt es natürlich auch die entsprechende Gegenspielerin. Diese Rolle hat die junge Lepida Pollia inne. Die Wege von Thea und der intriganten, machthungrigen Ehefrau des Senators Marcus Norbanus kreuzen sich immer wieder und Lepida lässt kaum eine Möglichkeit aus, Thea zu schaden. Zusätzlich gibt es noch einen Nebenstrang, in dem Julia, die Nichte des Kaisers Domitian, zu Wort kommt. Inwieweit diese, scheinbar nicht recht zur Geschichte passende Nebenhandlung, zum Roman gehört, erfährt man erst ziemlich zum Schluss.

Auch die weiteren Figuren, angefangen vom freundlichen, weisen Senator Marcus Norbanus, wie auch dessen ehrenhafter, treuer Sohn Paulinus (Präfekt der Prätorianergarde) und ganz besonders die Figur von Kaiser Domitian, sind durchweg sehr facettenreich und lebendig angelegt und überzeugen von Anfang an.

Fazit: Kate Quinn ist mit ihrem Debüt ein opulenter, unterhaltsamer und modern erzählter Roman gelungen, der von der ersten Seite an wunderbar unterhält.