Qatna

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Qatna', Originalausgabe

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Eva Schuster
Aus dem Leben einer Nebenfrau Echnatons

Buch-Rezension von Eva Schuster Mai 2010

Altsyrien im 14. Jahrhundert v. Chr.: Prinzessin Kija ist Tochter des Königs Idanda und seiner Nebenfrau Prinzessin Iset. Gemeinsam mit ihren Halbbrüdern wächst Kija im Palast der syrischen Handelsmetropole und Königsstadt Qatna auf. Im Gegensatz zu den meisten anderen syrischen Gebieten ist Qatna selbständig geblieben und genießt den Schutz Ägyptens, ohne abhängig zu sein. Obwohl ein Mädchen, hat die wissbegierige und intelligente Kija im Kindesalter eine umfassende Ausbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen genossen.

Bei einem Besuch des Kaufherren Eheja aus dem fernen Kizzuwatna im Palast lernt Kija dessen attraktiven jungen Sohn Talzu kennen. Talzu findet Gefallen an Kija und ihr ergeht es umgekehrt genauso; die Verbindung ist jedoch nicht standesgemäß. In diesen Tagen ergeben sich zugleich umfassende politische Veränderungen und Qatna droht zum Spielball der umgebenden Großmächte zu werden - zwischen dem erstarkenden Hethiterreich unter dem fähigen König Schuppiluliuma, dem hurritischen Reich Mittani, Babylonien und Ägypten kündigen sich große Veränderungen an und die Zukunft Qatnas erscheint ungewiss.

Im Strudel dieser Ereignisse gerät Kija zwischen die Fronten zweier Männer. Der eine ist Talzu, der mittlerweile Karriere am Hof des Hethiterkönigs macht. Der andere ist der ägyptische Thronfolger Amunhotep, der Kija auf den ersten Blick verzaubert und dessen Geliebte sie wird. Doch zu Kijas Verzweiflung heiratet Amunhotep, der spätere Echnaton, überraschend eine gewisse Nofretete. Für Kija ist Echnaton damit aber dennoch nicht Vergangenheit, denn sie wird zu seiner Nebenfrau ...

Eintauchen in das syrische Altertum

Im Jahr 2002 stießen Forscher bei Ausgrabungen in der einstigen Königsstadt Qatna auf eine Gruft der königlichen Familie mit über 2000 kostbaren Funden, die seit der Palastzerstörung um 1340 v. Chr. versteckt gelegen hatten. Diese archäologische Sensation inspirierte die Altertumswissenschaftlerin Maria Courant zu ihrem Roman über Qatna, der sich auf viele der bisherigen Kenntnisse stützt und sie mit dichterischer Freiheit anreichert.

Die Autorin beweist ihr Können vor allem in den detailreichen Schilderungen des Alltagslebens. Der Leser erhält mit der Zeit ein umfassendes Bild vom Leben der Figuren: Tischriten, Kleidungsstücke, Speisen, religiöse Zeremonien, Feste, Marktbesuche und Schönheitspflege werden nicht bloß en passant erwähnt, sondern ausgiebig dargestellt. Souverän führt Maria Courant den Leser an der Hand durch die syrische Metropole und visualisiert das Alltagsleben so farbenprächtig, dass keine Fragen offen bleiben. Kija und ihr Verhältnis zu Echnaton und Talzu bildet zwar ein bestimmendes Element in der Handlung, doch nicht umsonst ist der Roman nach der Stadt benannt: Qatna ist in erster Linie keine Liebesgeschichte, sondern versteht sich als lebendiges Porträt einer prächtigen Altertumsmetropole, die plötzlich zwischen die Fronten gerät und ihrem Untergang entgegen sieht.

Mängel bei der Charakterzeichnung

Nicht in allen Punkten überzeugend sind dagegen die Charaktere. Kija ist zweifellos eine interessante Figur mit einem bewegenden Schicksal und Maria Courant hat aus den spärlichen Überlieferungen eine reizvolle Geschichte um die Nebenfrau Echnatons gebastelt. Allerdings ist Kija nicht durchweg eine Sympathieträgerin. Vor allem zu Beginn des Romans fällt sie vor allem durch ihr ausgesprochenes Selbstbewusstsein auf, das fast schon arrogant wirkt. Kija hält nicht nur viel auf ihre Schönheit, die bewundernden Blicke von Männern sieht sie als Selbstverständlichkeit, denn "schließlich war sie die Königstochter, und zwar die einzige". Auch wenn sie in schnippischem Tonfall auf überraschte Reaktionen hinsichtlich ihrer Bildung bemerkt, dass sie eine Prinzessin und nicht irgendeine Händlerstochter sei, hilft dies nicht gerade, dass der Leser sie ins Herz schließt. Grundsätzlich erscheint Kija in ihrer Fortschrittlichkeit ein bisschen zu modern und es wirkt mitunter, als habe man eine Frau des 20. Jahrhunderts ins Altertum versetzt. Dass Kija darüber hinaus zusätzlich zu ihrer Klugheit und ihrer Emanzipation auch noch seherische Fähigkeiten besitzt, unterstützt diesen Eindruck einer eher unrealistischen Figur.

Talzu erscheint im Gegensatz zu Kija von Beginn an sympathisch, als kluger junger Mann, der ein klares Ziel vor Augen hat. Talzu ist durchaus selbstbewusst, doch zugleich kennt er seine Grenzen und begreift schnell, dass er als einfacher Kaufmannssohn keine ideale Partie für eine Königstochter ist. Ehrgeizig verfolgt er seinen eigenen Weg am Hof des Hethiterkönigs, ohne den Kontakt den Kija und die Freundschaft zu deren Bruder Akizzi zu verlieren.

Licht und Schatten zeigen sich bei der Darstellung Echnatons. Solange er noch kein Pharao ist und den Namen Amunhotep trägt, erscheint er durchaus als charismatische Figur und Kijas Faszination ist verständlich. Nach seiner Heirat mit Nofretete verschwindet er jedoch weitgehend aus dem Blickfeld des Lesers und auch die pikante Feindschaft zwischen Kija und Nofretete ist weniger prickelnd und spannend inszeniert, als die Konstellation erwarten lässt.

Gewöhnungsbedürftig sind die teils sehr langen und nur schwer auszusprechenden Namen der Figuren. Im Anhang findet sich zwar eine Auflistung der dramatis personae, doch bei Namen wie Tudhalja, Schuppiluliuma und Mitannamuwa gerät der Leser dennoch leicht ins Stolpern. Grundsätzlich kann die Autorin Maria Courant bei allem Bemühen nicht verbergen, dass sie in erster Linie eine Altertumswissenschaftlerin und erst in zweiter Linie Romanschriftstellerin ist. Zweifellos präsentiert sich Qatna nicht nur als umfassend recherchiertes Werk, sondern als als interessante Geschichte mit einer abwechslungsreichen Handlung. Dennoch überwiegt oft der informative Charakter und Leser ohne Vorkenntnisse können durch die komplexen Zusammenhänge verwirrt und überfordert werden. Wer einen romantischen Liebesroman vor syrischer und ägyptischer Kulisse erhofft, wird ohnehin enttäuscht werden, denn dies ist nicht der Anspruch von Maria Courant.

Insgesamt liegt mit Qatna ein historisch sehr fundierter Roman um die syrische Königsstadt und Echnatons Nebenfrau Kija vor, der allerdings mehr durch den Informationsgehalt überzeugt als durch die Handlung und die Charaktere selbst.

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