Im Schatten der Zeche

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2010, Titel: 'Im Schatten der Zeche', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Gelungener Krimi aus dem Ruhrpott

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2010

Kurzgefasst:

Juni 1912. Im Ruhrgebiet ist der Streik der Bergarbeiter gescheitert. In Sterkrade halten Gaukler und Schausteller Einzug. Am Vorabend der traditionellen Fronleichnamskirmes liegen im Schatten der Zeche zwei Tote, ein junger Bergmann und ein kleinwüchsiger Artist. Was verbindet die beiden Männer? Kriminalwachtmeister Zomrowski sieht sich im Wohnwagenlager der Kirmesleute um, ermittelt in der Zechensiedlung Dunkelschlag und reist sogar mit der preußischen Staatseisenbahn bis nach Bonn um am Ende eine Lösung zu finden, mit der keiner gerechnet hat.

 

Im Frühsommer 1912 scheitert im Ruhrgebiet der Streik der Bergarbeiter. Währenddessen steht die Fronleichnamskirmes in Sterkrade an. Am Vorabend der Kirmes wird in unmittelbarer Nähe ein kleinwüchsiger Artist einer Schaustellergruppe erschlagen aufgefunden, wenige Meter entfernt liegt erschossen ein junger Bergmann. Der junge Kriminalwachtmeister Johann Zomrowski beginnt zu ermitteln.

Dabei tritt er lange auf der Stelle und bekommt keinerlei Hinweise. Seine Kollegen werden auch nicht recht fündig, und so ermittelt er des öfteren in der Zechensiedlung Dunkelschlag, wo er auch Verwandte hat. Dort hat aber niemand etwas entscheidendes beizutragen, und auch die Schaustellertruppe Marsilius ist verdächtig und bei der Aufklärung nicht besonders hilfreich. Da erreicht sie die Todesnachricht von Wilhelm Voigt, dem berühmten "Hauptmann von Köpenick", und unter Betrachtung von dessen Lebensweise geht es endlich voran.

Einfühlsame Einblicke in das Leben der Zechenarbeiter

Peter Kersken hat mit seinem zweiten Kriminalroman aus dem Ruhrgebiet nach Tod an der Ruhr einen spannenden Fall aus einer bewegten Zeit vorgelegt. Er bietet einen guten und lehrreichen Einblick in das Leben der Bergarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als viele Polen ins Ruhrgebiet kamen und Arbeit fanden und die Industrie gerade in vollster Blüte war. Kersken schafft es, die Stimmungen in der Zeche und den Arbeitersiedlungen einzufangen und den Leser so in die Zeit zurück zu versetzen. Da geht es um die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes, um seine wenigen Freizeitvergnügen und den Ausflug am Sonntag Nachmittag und erste kleine Luxusgüter wie ein Fahrrad. Überhaupt ist man sehr stolz auf die aufkeimende Fahrradindustrie, Kersken zeigt die Anfänge und Träume der Fahrradhändler (die gleichzeitig Nähmaschinenbedarf verkaufen), und auch hier findet sich ein winziger Hinweis, der nachher zum Lösen des doppelten Mordfalls beiträgt.

Auf der Suche nach Hinweisen, die sehr kärglich gestreut sind, muss Zomrowski, ein aufstrebender junger Mann mit Sohn aus erster Ehe, viele Wege auf sich nehmen, die ihm durch sein Fahrrad erleichtert werden. Da ist auch mancher Weg vergebens, aber so lernt man viel über die Zeit, das Denken und die Traditionen der Zechenarbeiter. Wie die Deutschen über die Polen denken und umgekehrt, wie das Zusammenleben funktioniert, das alles sind Trümpfe, die immer wieder ausgespielt werden, wenn auch manchmal dadurch ein längerer Stillstand in den Mordermittlungen zustande kommt. Die Zeiten waren hart, wenngleich aus der Sicht eines aufstrebenden Kriminalwachtmeisters erträglicher als für manch andere. Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, werden hier etwas besonderes, wie eine Fahrt mit der Eisenbahn bis nach Bonn auf Kosten der Bürgermeisterei, um in einer Irrenanstalt zu ermitteln. Auch das erste Aufkommen von Automobilen wird hier erwähnt.

Fein und ohne Lücken beobachtet

Der Kriminalfall selber ist recht interessant, zumal es vielerlei Sackgassen und versteckte Hinweise gibt. Das Puzzle setzt sich nur schleppend zusammen, wofür auch die Schaustellertruppe verantwortlich ist. Die Schaustellerei spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, es ist eher der vermeintliche Menschenschlag der fahrenden Künstler, der hier stellvertretend gezeigt wird. Kersken erweist sich als feiner Beobachter und hat ein Gespür für die Menschen, ohne in jeweilige Klischees abzudriften. Das ist gut und richtig und bewahrt den Roman vor dem Absturz in Ruhrpott-Trivialliteratur.

Im Gegenteil. Kerskens Krimi ist rundum gelungen, sowohl aus kriminaltechnischer, als auch aus historischer Sicht. Dass neben dem Mordfall auch Zomrowskis Privatleben ausgiebig beschrieben wird, in dem es zudem recht stark menschelt, ist ein Gewinn für den Roman. Auch die kleinen Frotzeleien unter den Kollegen machen die sympathische Seite des Romans aus. Sechs Seiten Informationen zu den realen Hintergründen und einige Personen- und Ortsverzeichnisse ergänzen so einen rundum gelungenen Roman, der mehr ist als nur ein historischer Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Hier darf gerne öfter ermittelt werden.

 

Im Schatten der Zeche

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