Das Haus der roten Dämonen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Das Haus der roten Dämonen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Kirsten Lambeck
Vom Waisenhaus in die Alchimistenwerkstatt

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Apr 2010

Kurzgefasst:

Prag 1570. Als der Waisenjunge Jan die Chance bekommt, dem berühmten Maler Giuseppe Arcimboldo und seinem Adlatus Contrariozu dienen, ist er überglücklich. Doch im Haus des Malers geschehen unheimliche Dinge: Türen öffnen sich wie von Geisterhand, die Räume im Innern scheinen sich zu verändern - und nachts glaubt Jan, dämonische Wesen davonfliegen zu sehen. Dem Jungen stockt der Atem, als er das schaurige Geheimnis seines Meisters enthüllt: Arcimboldo kann die Fabelwesen auf seinen Bildern lebendig werden lassen - aber nur, wenn er seinen Farben das Blut von Sterbenden beimischt. Contrario ist seinem Meister nur zu gerne behilflich... Da wird Jans schöne Freundin Julia von Contrario entführt. Und für Jan beginnt ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit.

 

Jan, Waisenhausinsasse in Prag 1570, scheint besonderes Glück zu haben: er wird, obwohl er schmächtig und klein ist, vom großen Künstler Messer Arcimboldo als Gehilfe ausgewählt und zieht in dessen Haus ein.
Zunächst nimmt der Adlatus des Meisters, Contrario, den Jungen in seine Obhut. Schon bald begleitet Jan den Mann, der als Arzt arbeitet, an die Krankenlager und zu den Sterbenden der Moldaustadt. Aderlass ist die vorherrschende Therapie - Jan geht Contrario zur Hand. Nur bei der Behandlung von Sterbenden wird der Junge vor die Tür geschickt. Doch Jan erfährt schnell, was vor sich geht: das Blut der Sterbenden wird nicht, wie sonst üblich, in die Gosse geschüttet - Contrario füllt es in ein Glasfläschchen und nimmt es mit.

Fabelwesen für den Umzug des Kaisers

Auch im Haus des Meisters geht nicht alles mit rechten Dingen zu: Das Haus selbst verändert pausenlos seine Form, Türen und Korridore erscheinen und verschwinden - das Haus hat seinen eigenen Willen. Jan lebt sich ein, grundiert Leinwände und mahlt Pigmente, während der Meister an einem besonderen Auftrag arbeitet. Er soll für Kaiser Maximilian einen großen Festumzug mit mythologischen Themen gestalten - der Meister gestaltet aber keine Tiere aus Leinwand und Farbe, sondern erschafft lebendige Fabelwesen aus seinen Bildern. Dazu nutzt er einen besonderen Firnis, für den er unter anderen Zutaten das Blut Sterbender braucht.

Nächtliche Flucht durch Prag

Doch der Adlatus Contrario Buntfinger spielt ein doppeltes Spiel: auch er erschafft Kreaturen und verändert die Geschöpfe seines Meisters. Jan gerät zwischen die Fronten, als Contrario ein dreiköpfiges Ungeheuer aus einer Zeichnung des Jungen zum Leben erweckt: den Leu, der fortan in Prag sein Unwesen treibt. Von da an nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf: Jan flieht mit seiner Verbündeten und Freundin Julia durch das nächtliche Prag, Contrario, den Leu und zahlreiche andere Fabeltiere auf den Fersen. Als Meister Arcimboldo und Julia schließlich in der Gewalt Contrarios sind, steht Jan vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Grenzgang zwischen Fantasy und historischem Roman

Das Haus der roten Dämonen ist ein Roman an der Grenze zwischen Fantasy und historischem Jugendroman. Die Handlung ist durch und durch fantastisch, ein psychedelischer Reigen bevölkert von Ungeheuern, Chimären, Doppelgängern, Homunculi und anderem Getier, trotzdem ist der Hintergrund voll sauber erzählter historischer Bezüge. Arcimboldo gestaltete tatsächlich im Jahre 1570 einen großen Festumzug zu Ehren Kaiser Maximilians (allerdings wohl ohne lebendige Chimären), auch die alltäglichen Bezüge zum Leben im mittelalterlichen Prag sind sehr realistisch dargestellt.

Prags Lokalkolorit und viele Details

Hier werden viele Themen angerissen, so zum Beispiel das jüdische Leben in Prag - Jan und Julia holen sich Rat und Unterstützung bei einem Rabbi aus dem jüdischen Viertel Prags -, oder die technischen Aspekte der Malerei im 16. Jahrhundert, die Alchimistenkunst oder der Mythenglaube der Zeit. Dabei vermeidet Dempf jeden belehrenden Tonfall und reisst seine Leserschaft mit auf eine alptraumhafte Jagd durch das nächtliche Prag.

Actionreiche Handlung ohne Atempausen

Mit dem Fortschreiten der erzählten Geschichte wird die Handlung immer rasanter, actionreicher und unübersichtlicher, Atempausen oder ruhigere Szenen fehlen fast völlig und oft ist völlig unklar, wo die Realität aufhört und die Welt der von Arcimboldo und Contrario erschaffenen Kreaturen beginnt. Sprachgewaltig und bunt schildert Dempf die Fabelwesen, aber auch das Innenleben seiner Protagonisten. Neben Julia ist es vor allem Jan, mit dem die Leser mitfiebern: der Junge ist durch den Tod seiner Mutter als Hexe schwer traumatisiert, außerdem verbindet ihn ein besonderes Band mit seinem Meister.

Insgesamt ist Dempf ein spannender, wenn auch manchmal etwas unübersichtlicher Jugendroman für Menschen ab dreizehn mit einem Faible für Fantastisches gelungen, der aufs Interessanteste eine Fantasy-Geschichte mit einem historischen Roman verspinnt.

 

Das Haus der roten Dämonen

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