Julia

  • Fischer
  • Erschienen: Januar 2010
  • Fischer, 2010, Titel: 'Juliet', Originalausgabe
Julia
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Rita Dell'Agnese
69

Histo-Couch Rezension vonMär 2010

Koketterie mit Shakespeares berühmtesten Drama

Kurzgefasst:

Ein altes Buch lockt die junge Amerikanerin Julia nach Italien: Es ist die längst vergessene erste Fassung der Romeo-und-Julia-Geschichte und handelt von den verfeindeten Familien Tolomei und Salimbeni in Siena. Völlig überrascht stößt Julia auch auf die Warnung ihrer verstorbenen Mutter: Bis heute liege ein Fluch auf den Familien - und damit auch auf ihr. Denn ihr wahrer Name ist Giulietta Tolomei... Auf der Suche nach ihrem Erbe spürt Julia, dass sie beobachtet und verfolgt wird. Wird der Fluch der Vergangenheit auch ihr zum Schicksal?

 

Was geschah mit Romeo und Julia wirklich? Eine mögliche Antwort hält die Autorin Anne Fortier mit ihrem jüngsten Roman Julia bereit. Allerdings ist diese Version sehr stark vom amerikanischen Denkmuster geprägt. Denn Julia alias Giulietta Tolomei ist zwar ursprünglich Italienerin, wuchs dann aber zur Hauptsache in Amerika auf. Mit diesem Rucksack kehrt die junge moderne Frau, die sich ganz dem Shakespeare-Stück Julia und Romeo verschrieben hat, nach Italien zurück, wo sie sich auf die Suche nach einem Familienschatz macht. Schon bald findet die junge Frau ein Tagebuch aus dem 14. Jahrhundert. Nach und nach offenbart dieses das ganze Drama und die unglückliche Liebe von Giulietta und Romeo.

Flüssig zu lesen, aber wenig Historie

Der Roman Julia ist nur sehr begrenzt als historischer Roman zu verstehen. Zwar lebt er vom geschickten Wechselspiel der beiden Zeitebenen, doch bleibt jene des 14. Jahrhunderts eher oberflächlich, was den historischen Hintergrund betrifft. Wohl werden die Familienverhältnisse und Verstrickungen gut und nachvollziehbar dargestellt, doch vom gesellschaftlichen Leben etwa ist nur wenig zu erfahren. Immerhin schenkt Anne Fortier dem "Palio" besonderes Augenmerk - einem Rennen durch die Straßen von Siena, das oft mehr als nur ein Wettkampf ist und durchaus mit Mord und Totschlag enden kann. Auch die Machtverhältnisse in Sienas besserer Gesellschaft sind sehr gut dargestellt. Doch liegt das Gewicht des Buches eindeutig auf der stark amerikanisierten Giulietta Tolomei und ihrer Suche nach dem Familienschatz.

Klischeehafte Protagonisten

Leider schafft es Anne Fortier nicht, die Protagonisten der Gegenwart von einer klischeehaften Darstellung weg zu führen. Während es ihr bei den Charakteren des 14. Jahrhunderts noch einigermaßen gelingt, den Figuren eine gewisse Dreidimensionalität zu verleihen, bleiben diejenigen des 21. Jahrhunderts flach und vorhersehbar. Das drückt auch auf die Spannung - diese hält sich vor allem im historischen Teil recht passabel, sackt aber auf der modernen Zeitebene immer wieder gefährlich ab. Eine gewisse Ähnlichkeit zu den bekannten Abenteuergeschichten á la Indiana Jones ist nicht zu übersehen. Nicht zu kurz kommt natürlich die Liebe - was bei einem Grundstoff wie Julia und Romeo ja auch zu erwarten ist.

Nett, aber kein Höhenflug

So bleibt der Roman Julia auf der Ebene eines netten, aber nicht unbedingt tiefgründigen Lesestoffs. Weder sprachlich noch inhaltlich ist es ein Höhenflug, aber insgesamt recht unterhaltsam. Die Aufmachung des Buches hingegen verdient einen Applaus. Nicht nur das Cover ist gelungen, auch die Bilder auf den Innenseiten der Buchdeckel sind sehr ansprechend. So präsentiert sich der Roman als hochwertige Ausgabe, der inhaltlich aber leider nicht ganz mit dem Erscheinungsbild mithalten kann.

 

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