Schurken der Landstraße

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2007, Titel: 'Gentlemen of the Road', Originalausgabe

Couch-Wertung:

73
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Carsten Jaehner
Juden mit Schwertern

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2010

Kurzgefasst:

Sie sind ein seltsames Paar - der blasse, spinnenbeinige Zelikman, ein wortkarger fränkischer Jude auf Wanderschaft, sowie Amram, der afrikanisch-jüdische Riese, dessen scharfe Zunge ähnlich verletzen kann wie seine Streitaxt. Brüder im Geiste und Kameraden, so ziehen sie um das Jahr 950 durch die kaukasischen Berge und tun das, wonach ihnen gerade ist. Auftragsdiebstahl, Trickbetrügerei oder sonstige Übeltaten - dem ungleichen Paar scheint nichts fremd. Gleichwohl kommen sie an ihre Grenzen, als sie gezwungen werden, Eskorte und Aufpasser des Prinzen der Chasaren zu werden. Sein Vater, der Bek, wurde von seinem brutalen Bruder vom Thron gestoßen, und der unreife, übellaunige Junge will nur eins: Seinen Vater rächen und den rechtmäßigen Thronfolger auf seinem Platz sehen. Helfen könnte der Kagan, das gottgleiche Oberhaupt, der auf einer Insel der Wolga lebt und nie einen Untertan zu Gesicht bekommt. Oder soll eine Armee gegen den Usurpator zu Felde ziehen?

 

Der Kaukasus im finstersten 10. Jahrhundert. Zwei zwielichtige Gestalten schlagen sich durch ihr erbärmliches Leben, der eine ein fränkischer Jude namens Zelikman, der andere ein afrikanisch-jüdischer schwarzer Riese namens Amram, dessen bester Freund seine Streitaxt ist. Durch Betrügereien und Gaunereien arbeiten sie sich durch den unwirtlichen Kaukasus und treffen auf einen einäugigen Elefantentreiber, der sie dazu bringt, den Prinzen der Chasaren, Filaq, vor seiner brutalen Familie in Sicherheit zu bringen.

Filaqs Vater ist ermordet worden, und sein Bruder Buljan soll den Thron an sich gerissen haben. Ehe man sich's versieht, ist auch der Einäugige Opfer von ihren Verfolgern geworden, und gemeinsam mit dem verletzten Hanukkah, einem weiteren Gauner, ziehen die drei Richtung Osten. Helfen könnte ihnen bei ihrem Rachefeldzug der Kagan, das gottgleiche Oberhaupt, doch den hat noch nie jemand wirklich gesehen und gesprochen. Filaq selbst versucht das eine oder andere Mal, selbst zu fliehen, und bis sich die bunte Schar an ihr Ziel gearbeitet hat, gibt es noch viele Überraschungen und unvorhersehbare Ereignisse zu überstehen.

Schwere Sprache

Michael Chabon hatte, wie er im Nachwort verrät, ursprünglich vor, den Roman Juden mit Schwertern zu nennen, wurde aber von allen, denen er den Titel nannte, ausgelacht, denn Juden kämpfen normalerweise nicht. In seinem Roman Schurken der Landstraße tun sie es doch, und nicht zu knapp, es wird schon der eine oder andere Tropfen Blut auf den nur 183 Seiten vergossen. Dabei schafft es der Autor jedoch, die Helden seines Romans durch seine Sprache durchaus sympathisch erscheinen zu lassen und als schlitzohrige Gauner zu beschreiben.

Überhaupt, die Sprache. Selten werden Leser eines Romans durch solch verschachtelte Sätze gefordert, wie der Autor sie hier massenhaft aneinander reiht. Dies ist nicht immer leicht zu lesen, mancher Leser mag mit diesem Schreibstil sogar überfordert sein. Nicht nur in den Beschreibungen, auch in den Dialogen benutzt Chabon blumige Ausdrücke, windet sich ein paar mal um sich selbst, und manchmal fragt man sich als Leser, ob denn der Satz auch wirklich zu einem sinnvollen und inhaltlich und formal korrektem Ende geführt werden wird. Dies trübt leider das Lesevergnügen erheblich, denn man hat so des öfteren das Gefühl, dass die Geschichte überhaupt nicht voran kommt.

So hätte die Geschichte vielleicht nicht einmal die 183 Seiten umfasst, und sehr historisch ist sie eigentlich auch nicht. Abgesehen von ein paar Beschreibungen und ein paar historischen Stammesaufklärungen hätte der Roman - rein vom Inhalt her - auch gut 500 Jahre eher oder später oder gar in der Zukunft spielen können. Klugerweise nennt der Autor seinen Roman daher auch nicht "historischer Roman" sondern im Untertitel "eine Abenteuergeschichte", und das ist sie dann auch, nicht mehr und nicht weniger.

Starke Beobachtungsgabe

Wenn man schon geschichtlich nicht viel erfährt, so versteht es der Autor dennoch, seine Charaktere in vielen Farben zu schildern, gelegentlich ihre Vergangenheit zu durchleuchten und somit ihr Handeln und Tun zu erklären. Hier liegt sicherlich die Stärke des Romans: der Autor hat eine starke Beobachtungsgabe, wenn man sie denn aus seinen Satzgefügen herauszulesen vermag.

Zu Beginn des Romans findet sich eine Karte der Gegend, in der der Roman spielt (leider ohne den Weg einzuzeichnen, den die Helden zurücklegen), und am Ende findet sich ein achtseitiges Nachwirt des Autoren, das sehr interessant ist und den Leser über den zuvor gelesenen Roman aufklärt. Auch wenn man durch das durchaus ansprechende Buchcover meinen mag, es handle sich um ein Buch, in dem Elefanten eine herausragende Rolle spielen (was nicht so ist), bleibt ein Roman, der schwer zu lesen ist, der den Leser aber doch für seine Bemühungen entlohnen kann, wenn man sich darauf einlassen kann. Ansonsten besteht durchaus die Gefahr, dass der Leser enttäuscht das Buch unfertig gelesen zur Seite legt. Eine etwas klarere Sprache würde dem Autor künftig bestimmt eine große Fangemeinde bescheren. So lässt er seine Leser zweifelnd zurück.

 

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