Das Gesicht des Teufels

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2010, Titel: 'Das Gesicht des Teufels', Originalausgabe

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Volker Faßnacht
Bauernhaufen, der rote Hahn und eine liebevolle Hexe

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Mär 2010

Kurzgefasst:

Göttliche Gabe oder Teufelswerk? Rothenburg ob der Tauber, 1524: Um der Ehe mit einem verschlagenen Müller zu entgehen, versucht Köhlerin Hanna zu fliehen. Dabei gerät sie in die Wirren der Bauernkriege, zudem plagen sie Visionen, die sich später als wahr erweisen. Als ein Patrizier einen Hexenprozess gegen sie anstrengt, scheint ihre Lage aussichtslos. Nur ihre beiden Freundinnen und der Ordensritter Ulrich halten zu ihr, aber wie wollen sie Hanna retten? Eine Spur führ zurück in die Vergangenheit...

 

Das Gesicht des Teufels ist der zweite historische Roman von Kay Cordes. Der Autor befasst sich in diesem Roman mit einer unmöglichen Liebe zwischen einer armen Köhlerstochter und einem Deutschordens-Ritter, dem Bauernkrieg um 1524/1525 und dem gar schmalen Grad zwischen Heilerin und Hexe.

Äußerst präzises Bild der Gesellschaft im Jahr 1524/1525

Die Fürsten, der Adel, Beamte, Patrizier und der Klerus lebten von der Arbeitskraft der Bauern. Und da die Nutznießer der bäuerlichen Arbeitskraft immer zahlreicher wurden, stiegen auch die Abgaben, die zu leisten waren: Großzehnt, Kleinzehnt, Steuern, Zölle und Zinsen. Ebenso Frohn- und Spanndienste für ihre Grundherren, sowie zusätzliche Pachten und weitere Dienstverpflichtungen, waren sie erst einmal durch Missernten in die Leibeigenschaft geraten. Zusätzlich wurden die, den Bauern bis dahin zugestandenen Rechte (z.B. Weide- und Forstwirtschaft, sowie Fischerei- und Jagdrechte) zunehmend von den Herren beschnitten bzw. aberkannt.

Als weitere Komponente für den Ausbruch des Bauernkrieges kann auch der mancherorts sehr ausschweifende Lebensstil vieler Kirchenvertreter gesehen werden, der Menschen wie Böhm, Savonarola, Luther, Zwingli und Müntzer dazu veranlasste, den Absolutionsanspruch der Kirche zu untergraben. Luther beispielsweise lehrte die Menschen, ihre Forderungen zu formulieren, seine Bibelübersetzung ermöglichte den Bauern zu erkennen, dass auch sie einen Anspruch auf Gottes Gnade hatten. Die all zu oft verwendete Redewendung "es geschehe alles zum Willen Gottes" wurde zunehmend kritisch hinterfragt.

Freiwillig wollte die Feudalherrschaft ihre Rechte nicht beschnitten wissen und so waren sie nicht bereit, Abstriche in ihrer Macht einzugestehen. Verhängnisvoll, da die ausgebeuteten, unzufriedenen und oft auch hungernden Bauern gar keine andere Wahl hatten, als zu rebellieren. So wurde der (später so benannte) "Große Bauernkrieg" Teil der Geschichte Deutschlands.

Kay Cordes gelingt eine sehr detaillierte und überzeugende Beschreibung der Umstände. Wie es sich hochgeschaukelt hat, die Dynamik des alles überrollenden Mobs an Fahrt gewann und frei nach dem Motto "wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns" auch Bevölkerungsteile mitriss, die der eigentlichen Sache neutral gegenüber gestanden hätten. So war der "Bauernkrieg" mitnichten ein Krieg der Bauern allein, sondern vielmehr ein Kampf des gemeinen Mannes (Bauern, Bergwerker und einfache Städter) gegen die ihn jeweils beherrschende Obrigkeit.

Eine Liebesgeschichte und eine Hexe, die den Roman von der Sachbuchebene erhebt

Hanna, die junge Köhlerin und Hauptprotagonistin des Romans, erlebt Visionen, nachdem sie auf dem Karnevalsumzug eine seltsame Begegnung hatte. Kurze Zeit später stirbt ihr Vater durch ein Unglück, das sie vorhergesehen hatte. Ihr Bruder will sie aus eigener Bequemlichkeit an einen reichen Bürger verschachern und Hanna verliebt sich in einen Ritter des Deutschordens. Nachdem Hanna den Avancen ihrer Verehrer (ein "Jugendfreund" bemüht sich ebenfalls um sie) einen Korb gegeben hat, rächen die sich mit Hexen-Denunziationen an ihr. Zusammen mit den beginnenden Aufständen der Bauernhaufen in der Umgebung gerät Hanna immer mehr in Bedrängnis, zumal anscheinend auch der Stadtrichter Dr. Aufreiter sie unbedingt brennen sehen will.

Die Geschichte um Hanna, ihre Visionen und die Liebe zwischen einer einfachen Köhlerin und einem Ritter des Deutschordens ist neben den sehr gut beschriebenen geschichtlichen Abläufen um die Reformation und die Bauernkriege der dazu gedichtete und frei erfundene Teil des Romans. Die vielleicht von vielen Lesern befürchtete Romantik-Schnulze und der Fantasy-Touch der Visionen sehenden Hexe ist nur vordergründig gegeben. Denn es war eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit, als Katholiken gegen die Reformierten kämpften und wo schnell mal eine kleine Denunzierung inszeniert wurde, um einen unliebsamen Gegner außer Gefecht zu setzen. Wie schnell konnte da aus einer einfachen und freundlichen Heilerin eine böse Hexe werden?

Im Bauernkrieg machten insbesondere die Ritter niederen Standes - zum Beispiel Götz von Berlichingen - oftmals gemeinsame Sache mit den Bauern, so dass auch eine Liaison zwischen einer Köhlerin und einem Ritter durchaus im Bereich des Möglichen gewesen sein kann.

Alles in Allem ist Das Gesicht des Teufels von Kay Cordes eine äußerst kurzweilige und unterhaltsame Sommerlektüre mit einer ordentlichen Portion Geschichte, die sich sehr gut einfach mal übers Wochenende weglesen lässt.

 

Das Gesicht des Teufels

Das Gesicht des Teufels

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Letzte Kommentare:
01.12.2010 19:13:30
Roland Schwalme

Endlich ein Buch, welches vom "Bundschuh" und den "Deutschherren" im Frankenland handelt. Spannend geschrieben und bis zur letzten Seite lesenswert. Vor allen Dingen Rothenburg ob der Tauber, jährlich von tausenden Menschen besucht, wurde hervorragend beschrieben. Ich kenne die Gegend von Rothenburg bis Mergentheim und es war schön, einen Roman von der romantischen Straße zu lesen.

10.07.2010 01:03:24
Lanina

Als ich im Laden stand und unbedingt mal wieder einen historischen Roman lesen wollte, fiel mein Blick auf "Das Gesicht des Teufels".

Was soll ich sagen? Nie wieder beurteile ich Bücher nach dem Umschlag - das habe ich wenigstens gelernt.

Ein schreckliches Buch, furchtbar geschrieben, lässt sich nicht flüssig lesen, die Charaktere finde ich absolut unpersönlich mit wenig Tiefgang.
Die letzten 150 Seiten habe ich einfach nicht mehr lesen können. Meine Gedanken sind bei jedem dritten Absatz zum Alltag abgeschweift. Das passiert mir sonst nie.

Lasst es gut sein, liebe Bücherfreunde.