Die Gauklerin von Buchhorn

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2010, Titel: 'Die Gauklerin von Buchhorn', Originalausgabe

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Dirk Jaehner
Ein sympathisch geschriebenes Bild vom mittelalterlichen Bodensee

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Feb 2010

Kurzgefasst:

Nach jahrelanger Gefangenschaft in Ungarn hofft Graf Udalrich von Buchhorn auf ein friedlicheres Leben mit seiner Frau Wendelgard am Bodensee. Doch als sie im September 919 dem Ruf des neu gekrönten Königs, Heinrich dem Vogeler, nach Konstanz folgen, um dort die Strapazen der Vergangenheit zu vergessen, ereilt sie neues Ungemach: Während einer Jagdpartie ersticht ein Meuchelmörder einen Beamten des königlichen Hofs. Kurz darauf wird auch ihr eigener Burgverwalter in Buchhorn ermordet.
Weder Eckhard, Sekretär des Bischofs von Konstanz, noch Gerald, treuer Schmied der Grafenfamilie, glauben an einen Zufall. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den Mördern. Die Spur führt sie zu einer Gruppe Fremder, die im Wald um Buchhorn lagern. Unter ihnen befindet sich die ebenso attraktive wie geheimnisvolle Gauklerin Kunigunde...

 

So lob ich mir das: Da behauptet ein Rezensent so mir nichts, dir nichts, für diesen wirklich gelungenen Roman sei es unmöglich, eine Fortsetzung zu schreiben. Und was machen die Autoren? Sie schreiben eine Fortsetzung. Touché, verehrte Autoren, touché!

Nun gibt es also einen zweiten Band zur Buchhorn-Saga. Sein Titel lautet Die Gauklerin von Buchhorn. Offensichtlich gehen die Autoren auch hier mit der Mode unter historischen Romanen, eine weibliche Figur auf den Titel zu hieven. Das erweckt Erwartungen, besonders unter der männlichen Leserschaft. Und bedient leider auch ein Klischee. Vielleicht soll damit kundgetan werden, dass Frauen im Mittelalter - dieser Roman spielt im Jahr 919 - doch nicht so unterdrückt sind, wie die landläufige Meinung es verkaufen will. Aber der Roman kolportiert dann doch das klassische Rollenverständnis: Der Mann geht auf die Jagd, die Frau bleibt daheim und hütet Herd und Kinder.

Alte Bekannte

Und doch ist Die Gauklerin von Buchhorn ein würdiger Nachfolger der Herren von Buchhorn. Fast jedenfalls. Alle Protagonisten des ersten Romans sind wieder vertreten: Graf Udalrich von Buchhorn, der immer noch unter seiner Gefangenschaft bei den Ungarn leidet. Seine Frau Wendelgard, die inzwischen wieder ein Kind erwartet. Fürstbischof Salomo von Konstanz, der, zwar deutlich gealtert, aber immer noch im Hintergrund die Fäden zieht. Dessen Gehilfe Eckhard, der in bester Cadfael-Manier ausgeschickt wird, um detektivische Nachforschungen anzustellen. Gerald der Schmied, inzwischen in Buchhorn sesshaft und mit der ehemaligen Schankmaid Fridrun verheiratet.

Für das neue Buch haben die Autoren Udalrichs Vergangenheit bei den Ungarn und Geralds Rachegelüste für den Tod seiner Eltern weitergesponnen. Weiteres Überbleibsel aus dem Vorgängerroman ist Wulfhard, ein gedungener Verbrecher. Ihm gibt Gerald - zu Recht - die Schuld am Tod seiner Eltern, obwohl Wulfhard sie nicht selbst umgebracht hat. Nun soll Wulfhard der Prozess gemacht werden, der vom Grafen bestellte Fronbote für Buchhorn soll ihn hinrichten. Für Gerald eine Genugtuung, denn er hat das Richtschwert gefertigt. Doch am Tag vor der Hinrichtung wird der Fronbote ermordet und verstümmelt aufgefunden. Die Hinrichtung wird aufgeschoben, und obwohl Gerald nichts sehnlicher wünscht als Wulfhards Tod, sieht er doch ein, dass Lynchjustiz nicht der gerechte Weg ist. Gemeinsam mit Eckhard macht er sich daran, den Mord aufzuklären.

Viel Handlung

Parallel dazu muss Graf Udalrich sich mit dem neuen König Heinrich dem Vogler auseinandersetzen. Dieser ist, ebenso wie Herzog Burchard von Schwaben, ein Neuzugang zur Personenriege. Beide Figuren sind historisch, ihre Handlungen im Buch entsprechen der historischen Wahrscheinlichkeit. Heinrich weilt in Konstanz, weil er sein Reich einen will. Dazu muss er, der geborene Sachse, sich mit den süddeutschen Fürsten gutstellen. Herzog Burchard, einst Gegner von Heinrichs Vorgänger König Konrad, hat sich Heinrich unterworfen, weil der ihm Unterstützung gegen Hochburgund zugesagt hat. Doch weder der König noch Udalrich trauen ihm über den Weg.

Noch weniger traut Udalrich jedoch den Welfenfürsten, die er beschuldigt, ihn an die Ungarn verraten zu haben, um sich seine Grafschaft aneignen zu können. Dass Udalrich seinerseits sich weigert, König Heinrich von seiner Zeit bei den Ungarn zu berichten, macht ihn besonders in den Augen der Welfen verdächtig, weil sie ihn so beim König des Verrats bezichtigen können. Dass Udalrich auf einer Jagd ein Attentat auf den König verhindert, erleichtert seine Position am Hof auch nicht.

Auch in dieser Sache muss Eckhard ermitteln. Und bald stellt sich heraus, dass es Verbindungen zwischen den beiden Ereignissen gibt. Zwei weitere Morde, einen am Stallmeister des Grafen, und mehrere Attentatsversuche, einer an Wulfhard, geschehen noch, und Eckhard und Gerald scheinen mit ihrer Weisheit am Ende. Doch sie haben die Spielleute, die in Buchhorn gastieren, nicht auf der Rechnung gehabt.

Leicht unübersichtlich

Das sind eine ganze Menge Handlungsstränge, die die Autoren da auf gut 400 Seiten untergebracht haben. Der Leser macht sich auf die Suche nach einer Haupthandlung, wird jedoch nicht so recht fündig. Das und die reichliche Bevölkerung sind die beiden großen Probleme des Romans. Einerseits dient das der lebendigen Zeichnung einer literarisch fast unbeachteten Epoche. Andererseits fehlt dadurch der rote Faden, an dem der Leser durch Handlung(en) und Epoche geführt wird. Gefühlt ist Graf Udalrich die zentrale Figur, in seinem kleinen Reich am Bodensee spielt sich die Handlung hauptsächlich ab und viele Protagonisten stehen in seinem Dienst. Doch in der Krimi-Handlung agieren Eckhard, Gerald und - Wulfhard, der vom Saulus zum Paulus wird. Auch ist Udalrich weitgehend passiv. Das wird zwar mit seinem Ungarn-Trauma erklärt, aber trotzdem dauert es zu lange, bis er in die Handlung eingreift. Versöhnlich stimmt indes, dass er am Ende ein wenig die Ereignisse in Ungarn lichtet.

Immer noch ist das 10. Jahrhundert eine literarische terra incognita. Die Buchhorn-Saga arbeitet die Dunkelstellen auf und macht immer noch Lust auf mehr. Doch würde man sich eine klarer strukturierte Handlung mit weniger Nebenschauplätzen und eine übersichtlichere Personenkonstellation wünschen. Der Schluss ist offen genug für eine Fortsetzung, Geschichten, die sich aus diesem Handlungs- und Personenkreis erzählen lassen, gibt es inzwischen ja genug.

 

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