Sand oder der Freiheit eine Gasse

Erschienen: Januar 1993

Bibliographische Angaben

  • , 1993, Titel: 'Sand oder der Freiheit eine Gasse', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Emotionaler Einblick in eine vernachlässigte Epoche

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Jul 2006

Mannheim, 1819. Die ganze Stadt kennt nur ein Thema: am 23. März hat der Student Carl Ludwig Sand einen Mord begangen und den Dramatiker und Schriftsteller August von Kotzebue niedergestochen! Die wirre Tat eines Einzeltäters? Oder eine Verschwörung aus dem patriotischen Studenten- und Turnerkreis, der die wiederhergestellte Ordnung in den deutschen Landen erschüttern soll? Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, denn den Herrschenden käme eine Gelegenheit zur Unterdrückung der Freiheitsbewegungen gerade recht. Doch Sand liegt nach einem Selbstmordversuch verletzt darnieder und kämpft um sein Leben ...

Ein Mordfall, der trotz bekannter Auflösung Spannung bietet

Eigentlich ist alles von vornherein klar: Carl Ludwig Sand, der Theologiestudent, hat den russischen Konsul und Dramatiker August von Kotzebue ermordet. Der Täter ist geständig und wartet schwer verwundet auf seine Hinrichtung. Was auf den ersten Blick nach einer viel zu frühen Auflösung eines Mordfalles anhört, ist der Auftakt zu einer intensiven Suche nach der Wahrheit. Denn viel mehr als die Tat selbst interessieren die Motive und die Hintergründe.

Im Jahre 1819 erholen sich die deutschen Lande langsam von den Jahrzehnten der napoleonischen Kriege. Der Wiener Kongress hat die alte Ordnung wiederhergestellt, doch republikanische Elemente wie die Pressefreiheit haben in manchen Staaten Einzug gehalten. Besonders unter der Studentenschaft gibt es viele, die nach dem gemeinsamen Kampf gegen die Franzosen neue Rechte für sich beanspruchen. Die Errungenschaften der Französischen Revolution sollen in Deutschland Einzug finden, und der frisch erfundene deutsche Nationalismus soll gehegt und gepflegt werden.

Ein packendes Stück Geschichte intensiv erzählt

Die Zeit zwischen den Napoleonischen Kriegen und der Zeit Friedrichs des Großen wird im historischen Genre leider weitestgehend vernachlässigt. Umso schöner, wenn bei den wenigen Romanen solche Goldstücke dabei sind wie Sand oder Der Freiheit eine Gasse. Die National- und Freiheitsbewegung, die schließlich zur zweiten Reichsgründung führen wird, war richtungsweisend für die spätere deutsche Geschichte, im Guten wie im Schlechten. Menschen, die sich Jahrhunderte lang als Sachsen, als Bayern, als Preußen verstanden, beginnen nun, sich als Deutsche zu fühlen.

Auch der Attentäter Sand ist Teil dieser Bewegung. Sein schlichtes, aber begeisterungsfähiges Gemüt wird mitgerissen von patriotischen Liedern und Gedichten, von den Leibesertüchtigungen um Turnvater Jahn, von dem großen Zusammenhalt – und dementsprechend auch von der Ausgrenzung der Feinde. Tilman Röhrig erzählt Sands Werdegang im Wechsel mit den aktuellen Geschehnissen rund um Festnahme, Vernehmung und Prozess. Der Leser lernt Sands Geschichte immer weiter kennen und auch den jungen Mann dahinter. Dabei gelingt es dem Autor, keiner glorifizierenden Verehrung anheim zu fallen und eine neutrale Darstellung vorzubringen.

Anspruchsvolle Sprache, die zum Nachdenken anregt

Röhrigs Stil ist – obwohl das Buch aus seiner frühen Schaffensperiode stammt – bereits anschaulich und anspruchsvoll geschrieben, nimmt den Leser gefangen, ohne ihn zu unterfordern. In langen Dialogen lässt er die damalige Epoche auferstehen, lässt den Leser an den Gedanken aller Gesellschaftsschichten teilhaben. Und berührt den Leser in intensiven Szenen, wie dem Fest auf der Wartburg, das in einer Bücherverbrennung endete, die düstere Gedanken an Ereignisse aus dem vergangenen Jahrhundert weckt. Und wenn letzten Endes Sands – in seinen Augen – heroisches Opfer zur Speerspitze für die alte Ordnung wird und die Karlsbader Beschlüsse ermöglicht, wird dem Leser die Sinnlosigkeit des Attentats mit grausamer Intensität vor Augen geführt.

Sand, auch unter dem Titel Der Funke der Freiheit erschienen, ist ein besonderer historischer Roman, der vom Zeitgeist ebenso zu erzählen weiß wie von Einzelschicksalen und ein wichtiges Stück deutscher Geschichte zum Leben erweckt.

Sand oder der Freiheit eine Gasse

Sand oder der Freiheit eine Gasse

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Letzte Kommentare:
20.08.2015 14:56:16
J.Tyler

Als geschichtsbewußter und waschechter Mannheimer war dieses Buch natürlich ein Muss! - Und es übertraf meine Erwartungen! Die Chronologie des Attentats aus Sands Sicht ist fazinierend. - Es zeigt allerdings auch, was Fanatismus erzeugen kann. Die Charaktere sind gut und bildhaft beschrieben. Von der großen Familie Bassermann bis zu Drais und den "einfachen" Handwerkern zeigt Röhrig einen Querschnitt des vorindustriellen Mannheim - bevor es den Wasserturm gab.....

03.12.2014 13:13:57
Peter Drescher

Ich habe das Buch nur in den Besitz genommen, weil ich es für zwei Euro auf einem Wühltisch fand. Da zuzugreifen bedeutete keine Pleite. Auf der inneren Rückseite klebte noch der Rückgabezettel einer Bibliothek, dem ich entnehmen konnte, dass das Buch in zehn Jahren zweimal ausgeliehen wurde. Als ich dann mit dem Lesen anfing, fesselte mich die Story immer mehr. Nicht nur die äußere Handlung - Sands "Inneres" ist faszinierend. Habe diese Lektüre absolut nicht bereut.
Als Westthüringer möchte ich noch die belanglose Kleinigkeit erwähnen, dass man vom Eisenacher Marktplatz aus die Wartburg nicht sehen kann.
Peter Drescher