Das Delta

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Rütten und Loening, 2007, Titel: 'Das Delta', Originalausgabe

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93

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Rita Dell'Agnese
Die Stille der Trommeln

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2010

Kurzgefasst:

Im Jahre 1894 reist Mary Cooley als erste weiße Frau im Auftrag der Royal Geographic Society in eine der gefährlichsten Regionen der Welt: ins Nigerdelta. Noch bevor sie ihr Ziel erreicht, wird ihr prophezeit, dass sie in Afrika einen Mann sehen wird, der ein Geist ist, und einen Toten, der nicht tot ist. Und dass sie auf eine Liebe stoßen wird, die schon lange auf sie wartet...

 

Mit Das Delta legt Jens J. Kramer einen ausgereiften historischen Roman vor, der - obwohl einem ernsten Thema gewidmet - von überquellender Farbenpracht und Sinnlichkeit ist. Wohl mag man bei der Bezeichnung "Afrika-Roman" auf dem Cover zunächst zögern, gibt es doch wenige solcher Romane, die ohne Idealisierung auskommen. Doch hier ist tatsächlich drin, was drauf steht: Ein Stück lebendiges Afrika. Dabei sind es keineswegs Krokodile, Nilpferde oder andere exotische Tiere, die als drohende Gefahr in den Mangrovensümpfen lauern. Es ist letztlich nichts anderes als die Arroganz der Menschen - ob weiß oder schwarz, die auf Opfer lauert. Es gelingt Jens J. Kramer, die Ereignisse, die zum Aufstand der Brass führten, ohne Moralinspritze aufzuarbeiten. Dazu bedient er sich einer Gruppe von Figuren, die so überlegt charakterisiert sind, dass man sich ihnen nicht entziehen kann.

Sprechende Bilder

Der Autor lässt über weite Strecken Bilder für sich sprechen. Nur so wird er dem Wesen jenes Gebiets gerecht, dem er seinen Roman widmet. Dabei sind es immer wieder ganz ruhige Formulierungen, die dem Roman eine besondere Stärke verleihen. So etwa das Crescendo der Trommeln, das seinem Höhepunkt entgegen strebt. Und dessen Wucht durch den Schluss deutlich wird: "Die Stille der Trommel". Immer wieder zeigt sich das dramaturgische Fingerspitzengefühl des Autors, der gefangen nimmt und seine Leser ähnlich berauscht, wie es der Rhythmus der Trommeln mit den auf Rache sinnenden Brass tut.

Fiktiv und doch so lebendig

Zur "komischen" Heldin hat Jens J. Kramer die Engländerin Mary Cooley bestimmt. Sie reist ins Nigerdelta, vordergründig um Fische für die Royal Geographic Society zu fangen. In Wahrheit auf der Suche nach Abenteuer und Lebenslust, geht sie unerschrocken ihren Weg - der sie mehr als einmal ins Wasser wirft. Doch da ist der kauzige Cap'n, der sich irgendwie für die schrullige Engländerin verantwortlich fühlt, die so wenig Sinn für Gefahr hat - und die über einen starken Schutzgeist verfügt. Denn es wäre grundfalsch, sich unter der - fiktiven - Figur Mary Cooley ein leicht dümmliches Geschöpf vorzustellen, das sich ständig in Gefahr bringt. Es sind aber nicht nur diese beiden "Helden", die den Roman so köstlich und belebend machen, es sind auch die vielen anderen Protagonisten, die gefährlicher als eine Raubkatze oder liebenswürdiger als eine schnurrender Kater auftreten - und doch so viel Charakter und Persönlichkeit mitbringen.

Ein Stück Kolonialgeschichte

Hinter all den verwickelten Taten der Protagonisten verbirgt Jens J. Kramer die eigentliche Botschaft des Romans: Die Schilderung eines Stücks Kolonialgeschichte. Diese ist durchaus real und detailliert recherchiert. Aber nie erdrückend, wenn auch da und dort eine etwas zu ausführliche Schilderung den Lesefluss hemmt. Nicht glücklich gelöst ist die Frage der Zeitsprünge. Der Autor verzichtet auf nähere Datumsangaben, damit macht er es da und dort sehr schwierig, die Chronologie auf die Reihe zu bringen. Auch wenn es möglicherweise ein bewusst eingesetztes Stilelement ist, gibt es dafür doch einen leichten Abzug. Positiv ist hingegen die Karte, die einen Überblick über das Gebiet gibt und so die Ereignisse besser nachvollziehen lässt.

Das Delta

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Letzte Kommentare:
18.03.2015 13:58:22
Galarina

Wenn ich Jens Johannes Kramers historischen Roman "Das Delta" mit einem Wort charakterisieren müsste, würde ich mich für das Wort ungewöhnlich entscheiden. Ungewöhnlich ist Jens Johannes Kramers Roman gleich in mehrfacher Hinsicht: in der Wahl des Handlungsortes, in der Wahl des Themas, in der Ausgestaltung der Charaktere und in seiner Erzähltechnik und Sprache.

1894: Die 32jährige Mary Cooley reist im Auftrag der Royal Geographic Society in das Nigerdelta, um dort Fische zu katalogisieren. Noch bevor sie ihr Reiseziel erreicht, wird ihr prophezeit, dass sie dort einen Mann sehen wird, der ein Geist ist und einen Toten, der nicht tot ist und dass sie auf die Liebe stoßen wird, die schon lange auf sie wartet. Im Nigerdelta angekommen, muss Mary Cooley schnell feststellen, dass die Region nicht zu Unrecht als eine der gefährlichsten Regionen der Welt gilt. Die Region ist geprägt von Kämpfen zwischen den Eingeborenen und den Engländern um die Vorherrschaft im ölreichen Delta. Auch Mary Cooley gerät in das Netz aus Korruption, Verschwörung und Intrigen und wird heimlich Zeugin eines mörderischen Fetischkultes. Zur Seite steht ihr der undurchsichtige Graf Charles DeCardi, der ihr mehr oder weniger willig immer wieder aus der Patsche helfen muß...

Das Nigerdelta und der Kampf der Eingeborenen und Engländer um die dortige Vorherrschaft ist ein Thema im historischen Roman, das mir in dieser Form, obwohl ich bereits viele historische Romane gelesen habe, bisher nicht begegnet ist und bietet den Lesern viel neue Information um Land, Kultur und Religion der Bewohner und Geschichte der Region. Die Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss in der Region steht deutlich als Träger im Vordergrund des Romans, die Beziehungsgeschichte zwischen Mary Cooley und Charles DeCardi ist aber eine durchaus interessante und auflockernde Beigabe, da beide Figuren äußerst eigenwillige Charaktere sind. Die Dialoge zwischen beiden gehören so auch wegen ihres Witzes, ihrer Kreativität und Spritzigkeit zu den Highlights des Romans.

Trotz der reizvollen Thematik, die auf einer wahren Begebenheit aufbaut, und der interessanten Charaktere macht der Autor Jens Johannes Kramer es seinen Lesern nicht leicht in die Welt des Nigerdeltas einzusteigen. Insbesondere das erste Drittel des Romans ist geprägt von häufigen Orts- und Szenenwechseln, was bewirkt, dass der Leser relativ lange dem Geschehen und den handelnden Personen nicht nahe kommt. Obwohl der Autor eine flüssige, angenehme Sprache einsetzt, trägt auch sein Sprachstil dazu bei, den Leser eher auf Distanz zu halten und ihn nicht in der Erzählung versinken zu lassen. Auf diese Weise fordert der Autor eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nigerdeltas, das bis heute noch nicht zur Ruhe gekommen ist.

Fredebold und Fischer hat "Das Delta" als gebundenes Buch mit Schutzumschlag und Lesebändchen herausgebracht. Das Buch enthält außer dem Roman eine Karte und ein Nachwort des Autors, in dem er Informationen zur Abgrenzung von Fakten und Fiktion erläutert.

"Das Delta" ist ein ungewöhnlicher, anspruchsvoller historischer Roman, der sich nicht einfach nebenher lesen lässt, den Leser aber mit interessanten Informationen aus der Geschichte des Nigerdeltas, Kultur und Religion seiner Bewohner und humorvollen Szenen insbesondere mit den Protagonisten zwischen den ernsten Auseinandersetzungen der Region belohnt.

23.08.2012 18:29:19
oswald niemela

Ich habe das Buch heute beendet und kann nur sagen. Ich bin begeistert von der Farbigkeit der Sprache, der hervorragenden Darstellung der verschiedenen Persönlichkeiten und der historischen Ausführung zum damaligen kolonialen Geschehen auf dem Niger und seinen zahlreichen Nebenflüssen. Gut getroffen auch das arrogante Auftreten der Kolonialvertreter gegenüber der Eingeborenen.

Oswald Niemela
89604 Allmendingen