Das Schönste, was ich sah

  • Hoffmann & Campe
  • Erschienen: Januar 2009
  • Hoffmann & Campe, 2009, Titel: 'Das Schönste, was ich sah', Originalausgabe
Das Schönste, was ich sah
Das Schönste, was ich sah
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Rita Dell'Agnese
95

Histo-Couch Rezension vonJan 2010

Wie ein Buch zu einem Gemälde wird

Kurzgefasst:

Giovanni Segantini und Luigia Bugatti: Er malte sie, als sie fast noch ein Kind war. Er liebte sie leidenschaftlich, solange er lebte.

Als Giovanni Segantini sich an der Akademie Brera einschreibt, hat er eine albtraumhafte Kindheit und Jugend hinter sich. Er ist abgerissen, hungrig und hat kein Geld. Trotzdem wird er der engste Freund Carlo Bugattis, eines reichen Mailänder Bürgersohnes, der auch an der Brera studiert und schon einen Namen als Möbelbauer hat. Carlos' schöne, verwöhnte Schwester Luigia verliebt sich in den scheuen Giovanni, der zum Erstaunen aller in der Akademie einen Preis nach dem anderen bekommt. Der Maler und Luigia werden ein Paar und haben zusammen vier Kinder. Es ist ein turbulentes Leben, aber Luigias Hingabe an Giovannis Künstlertum und seine unerschütterliche Liebe zu ihr wappnen sie gegen alle Widrigkeiten.

 

Giovanni Segantini erwischt nicht den besten Start ins Leben: Schon als Kind ist er weitgehend auf sich alleine gestellt, hungert und sehnt sich nach der Geborgenheit in einer Familie. Als seine Mutter nach langer Krankheit stirbt, kommt Giovanni zu seiner Halbschwester Irene nach Mailand. Doch die junge Frau ist mit dem siebenjährigen Kind überfordert und lässt den Jungen täglich spüren, welche Last er für sie darstellt. Als Giovanni erfährt, dass sein Vater gestorben ist, reißt er aus und landet in einem Erziehungsheim. Dort wird zwar sein zeichnerisches Talent bemerkt, doch niemand mag dies entsprechend fördern. Durch Fleiß und Ideenreichtum erkämpft sich Giovanni einen Platz an der Mailänder Kunstschule Brera, wo er sich durch seine Art und Herkunft aber nur wenig Freunde unter den Professoren macht. Trotzdem vermag sich sein Talent durchzusetzen und Giovanni Segantini beginnt, sich einen Namen als bedeutender Künstler zu machen. Durch seinen Freund Carlo Bugatti lernt Giovanni die Frau seines Lebens kennen: Die jüngere Schwester Carlos, Luigia Bugatti, wird zur treuen Gefährtin Giovanni Segantinis und zur Mutter seiner vier Kinder. Das Paar hat in einem abenteuerlichen Leben zu bestehen, das viele Höhen und Tiefen kennt.

Hommage an einen großen Künstler

Autorin Asta Scheib hat den Lebensweg von Giovanni Segantini mit großem Feingefühl nachgezeichnet und präsentiert eine Biographie, die sowohl eine Hommage an einen großen Künstler darstellt, als auch eine Liebeserklärung an dessen Gefährtin Luigia Bugatti, die vom Künstler liebevoll Bice genannt wird. Leise aber nachdrücklich ist die Erzählweise von Asta Scheib und schon bald beginnt sich das Buch zu einem farbenprächtigen Gemälde zu formen. Immer wieder mag der Leser darüber staunen, mit welcher Zielstrebigkeit sich der wilde Junge Giovanni einen Platz im Leben erkämpft und da und dort mag man beschämt sein eigenes Leben überdenken, um festzustellen, dass man selber niemals so viel Biss aufgebracht hätte.

Mehr als nur eine Biographie

Das Schönste, was ich sah ist aber mehr als nur eine Biographie. Es ist die ungeschminkte Schilderung einer Gesellschaft, die die Menschen kompromisslos in zwei Kategorien einteilt: In Verlierer und Gewinner. Empathisch schildert Asta Scheib, wie sich Giovanni einzig durch seine Kunst gegen die gesellschaftlichen Zwänge durchzusetzen vermag, jedoch die Rolle des Außenseiters niemals ablegen kann, selbst dann nicht, als seine Bilder international höchste Auszeichnungen einheimsen. Es gelingt Asta Scheib, sowohl Verständnis für die Lage Giovanni und Bices zu wecken, als auch für die Menschen, die der Familie nicht immer wohlgesinnt sind. Die schnörkellose Sprache der Autorin scheint mit dem ungestümen Gestaltungsdrang des Künstlers zu korrespondieren und macht Das Schönste, was ich sah, zu einem besonderen Leseerlebnis.

Manchmal etwas gar lang

Einziger Schwachpunkt des Buches ist die manchmal etwas zu ausufernde Beschreibung, die gewisse Ermüdungserscheinungen bei der Leserschaft aufkommen lässt. Schade auch, dass weder von Giovanni Segantini noch Bice Luigia Bugatti ein Bild zu finden ist, so dass der Leser aufs Internet ausweichen muss, um einen Eindruck von der Familie wie auch vom Schaffen des Malers, der zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit gehörte, zu bekommen.

Trotz dieser Abstriche ist Das Schönste, was ich sah ein ausgesprochen feinfühliges, stimmiges Buch, das nicht zuletzt auch ein sehr gelungenes Portrait der üppigen Mailänder Gesellschaft wie des kargen und beschwerlichen Lebens der Landbevölkerung in Norditalien und im Schweizer Berggebiet darstellt.

 

Das Schönste, was ich sah

, Hoffmann & Campe

Das Schönste, was ich sah

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