Wintersonate

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2007, Titel: 'The Savior', Originalausgabe

Couch-Wertung:

97

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Birgit Stöckel
Ein berührendes, bedrückendes und vielschichtiges Werk

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Jan 2010

Kurzgefasst:

Unglück im Glück: Burkhard Keller wird zwar von der Wehrmacht im Zwieten Weltkrieg nicht eingezogen. Aber die Aufgabe, die er stattdessen bekommt, ist nur auf den ersten Blick dankbar. Keller ist Geiger und spielt in Lazaretten Bach, Paganini und Ysaye. Schließlich wird der sensible Violinist zum Handlanger seines Lager-Chefs gemacht, der in einem perfiden Experiment herausfinden will, ob Musikgenuss verlorenen Lebenswillen und Lebensfreude in erniedrigten und gequälten Menschen wiedererwecken kann. Der Musiker erkennt nach und nach, was in diesem Konzentrationslager wirklich vor sich geht und dass auch sein eigenes Leben in Gefahr ist.

 

Burkhard Keller ist ein begabter Violinist, der an der Hochschule Köln Musik studiert hat. Als Hitler die Macht ergreift, beginnt die Politik sein Leben und sein Spielen zu beeinträchtigen. Während des Zweiten Weltkrieges wird Keller nicht eingezogen, doch seine ihm zugeteilte Aufgabe ist auch nicht erfreulich. Er muss in Lazaretten und Hospitälern vor den verwundeten Soldaten auftreten und für sie Bach, Paganini und Ysaye spielen. Doch auf Gegenliebe stößt das selten, denn die meisten Männer können mit der Musik wenig anfangen. Eines Tages wird er wieder zu einem neuen Auftrag abgeholt, doch diesmal bringt ihn der Wagen in ein Arbeitslager. Dort soll Keller mit seiner Musik dem Kommandanten bei einem Experiment helfen: Der Lagerkommandant möchte erforschen, inwieweit Musik die Lagerinsassen berührt, ihnen wieder Hoffnung einflösst...

Ein ganz normaler Protagonist mit (fast) ganz normalem Leben

Eugene Drucker hat mit seinem Debütroman eine wahre Perle der historischen Romane vorgelegt. Eindringlich, bedrückend und berührend schreibt er über die Macht der Musik, wobei er sich auf die Erlebnisse seines Vaters im Zweiten Weltkrieg und seine eigenen Erfahrungen bei Auftritten in Krankenhäusern stützt.
Sein Protagonist, der Geiger Burkhard Keller, ist dabei kein Held im eigentlichen Sinne, ganz im Gegenteil. Er ist politisch nicht interessiert, seine ganze Leidenschaft gilt der Musik. Doch das Aufsteigen der Nationalsozialisten an die Macht und die sich daraus ergebenden Folgen beeinflussen ihn und sein Spiel. Fein gezeichnet entsteht das Portrait eines Mannes, der sich anfangs nicht eingestehen will oder kann, dass die Parolen der Nazis immer größeren Nährboden finden und das Deutschland von dem einmal eingeschlagenen Kurs so schnell nicht abweichen wird. Später, in den Kriegsjahren, hält er möglichst den Kopf unten und versucht, einfach irgendwie durchzukommen. Seine Auflehnung ist rein privater Natur, wenn er in seinem Zimmer Stücke von Bartók und anderen "entarteten" Komponisten spielt. Das verschafft ihm zwar eine persönliche, tiefe Befriedigung, doch andererseits hat er panische Angst, dass seine Nachbarn das mitbekommen und ihn bei der Gestapo anzeigen. So spielt er nur, wenn kaum einer außer ihm im Haus ist, bei geschlossenen Fenster und Türen und mit Dämpfer. Ein paar Versuche, auch außerhalb seiner vier Wände Courage zu zeigen, scheitern immer wieder an seiner Angst. Auch wenn man als Leser sich öfters über die Passivität Kellers ärgert, so drängt sich einem die Frage auf, ob man selber wirklich anders gehandelt hätte oder ob man nicht auch versucht hätte, mit hochgezogenen Schultern und Scheuklappen vor den Augen durch diese Zeit zu kommen.

Doch nicht nur Keller berührt. Da gibt es zum Beispiel den jungen, ruhigen Wachmann Rudolph, der im Arbeitslager, in dem Keller spielen muss, seinen Dienst verrichtet. Er liebt selbst die Musik sehr, wenn auch nur als Zuhörer, und ist im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht mit seinem Herzen bei der Arbeit. Doch auch er legt, wenn nötig, eine erschreckende Kaltblütigkeit an den Tag, damit sein Mangel an Eifer nicht auffällt. Er weiß, dass das eine einzige Chance ist, zu überleben. Daneben gibt es noch den Lagerkommandanten, der seinen Job mit umso mehr Eifer ausübt und zu seiner Ideologie und seinen Taten steht. Dabei wird eine schwierige Frage aufgeworfen: Wer ist ehrlicher und moralisch "besser"? Der Kommandant, der mit schonungsloser Ehrlichkeit zu seinen Überzeugungen steht oder jemand wie Keller, der nur allzu gerne das Befolgen von Befehlen vorschiebt, um sich zu rechtfertigen?

Die Macht der Musik

Natürlich spielt auch die Musik eine wichtige Rolle. Zum einen hat sie schon immer Kellers Leben bestimmt und seine Gefühle, Gedanken und Emotionen bestimmen sein Spiel. Zum anderen ist sie Hauptbestandteil des "Experiments", das der Lagerkommandant durchführen lässt. Er möchte herausfinden, ob Musik die apathischen Insassen von ihrem "Tod im Leben" zum echten Leben zurückführen kann, ob verschüttete oder verdrängte Gefühle und Gedanken dadurch wieder hervorgerufen werden können. Als die Musik tatsächlich zu ihren Zuhörern durchdringt, entstehen dadurch einige verstörende Szenen. Es kommt eine Bandbreite an starken Emotionen auf, die Geiger und Auditorium gleichermaßen überfordern. Neben Wut und Verzweiflung regt sich auch leise Hoffnung. Diese Hoffnung überträgt sich stellenweise auch auf den Leser und lässt ihn, wider alle Vernunft, auf ein versöhnliches Ende hoffen.

Sprachlich fein erzählt

Eugene Druckers Roman ist nicht nur wegen der Figuren und der Geschichte an sich lesenswert, sondern auch wegen der Sprache. Anfangs bedient er sich seiner ruhigen, unspektakulären Sprache, der man leicht folgen kann. Viele Dinge werden nur angedeutet und nicht klar ausgesprochen. Im weiteren Verlauf des Buches wird die Sprache immer klarer und deutlicher, manchmal sogar brutal. Das geschieht im gleichen Maße, wie Keller viele Dinge immer deutlicher werden und er immer weniger die Augen vor den Tatsachen verschließen kann. Dadurch wird ein Sog aufgebaut, der den Leser mitzieht und nicht mehr so leicht los lässt.
Die eigentliche Geschichte, nämlich die Zeit, die Keller im Lager bei dem "Experiment" verbringt, umfasst nur drei Tage. Es wird nirgends deutlich erwähnt, in welchem Jahr genau das stattfindet, doch lassen einige Hinweise darauf schließen, dass es in den letzten Kriegsjahren passiert. Zwischendrin werden in Rückblenden weitere Episoden aus Kellers Leben erzählt, z.B. über seine Freundschaft mit einem jüdischen Musiker oder seiner Beziehung zu Alina, einer jungen jüdischen Frau. Dadurch bleibt der Roman abwechslungsreich und spannend und der Einblick, den man in Kellers Leben und seiner Persönlichkeit werfen kann, wird noch viel deutlicher und intensiver.

Dieser Roman ist wahrhaft keine leichte Kost. Auch wenn auf billige Effekthascherei verzichtet wurde und es nur wenige wirklich brutale Szenen gibt, sind Schrecken und Entsetzen doch ständige Begleiter, so dass dieses Buch nichts für zart besaitete Gemüter ist. Umso bedrückender ist das Ganze, da dieses Buch die Geschichte von ganz normalen Leuten erzählt. Die Lebensgeschichten, die man erfährt, sind zum großen Teil nichts Außergewöhnliches, sondern sind so hunderte wenn nicht tausende Male passiert. Sich diesem Buch zu entziehen fällt schwer und es hallt noch lange nach der letzten Seite nach.

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