Mark Twain unter den Linden

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2010, Titel: 'Mark Twain unter den Linden', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein lauer Winterspaziergang in Berlin

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2010

Kurzgefasst:

Berlin, 1891. Der Kaiser steht stramm, um Mark Twain zu empfangen. Wissenschaftler wie Virchow und Helmholtz schmücken sich mit seinem Besuch. Und beim amerikanischen Botschafter geht er mitsamt seiner Familie ein und aus. Als Mark Twain im Herbst und Winter des Jahres 1891 in Berlin lebt, kann er sich über öffentliche Würdigungen nicht beklagen. Doch über das unkonventionelle Verhalten Twains und seinen Humor kann nicht jeder lachen. Nicht der hohe politische Beamte Franz von Rottweil, auch nicht der Verehrer von Tochter Clara - ein junger deutscher Offizier - und schon gar nicht der Kaiser, der den berühmten Autor zu einem Bankett eingeladen hat. Nicht mal in seiner eigenen Verwandtschaft, bei seiner Cousine Alice und ihrem Mann, General von Versen, kommen Mark Twains Scherze immer gut an. Als der Schriftsteller zudem von einer fremden Frau verfolgt wird, und auch die Berliner Unterwelt sich auf einmal für ihn und seine Familie zu interessieren scheint, ist das Maß voll...

 

Viel ist nicht bekannt über den historisch verbürgten Aufenthalt Mark Twains in Berlin im Herbst und Winter 1891/92. Das wenige bekannte, gemischt mit einigen Ereignissen der Zeit, hat Herbert Beckmann nun im Jahr 2010, in dem der 100. Todestag des Schriftstellers gedacht wird, zu einem Roman zusammengefasst.

Ein Amerikaner in Berlin

Mark Twain macht sich im Herbst 1891 zusammen mit seiner Frau, seinen drei Töchtern und seinen beiden Bediensteten auf nach Berlin, um dort Verwandte seiner Frau zu besuchen. Ein glücklicher Nebenaspekt ist die Flucht vor seinen Gläubigern, denn der Kauf einer Druckerei hat ihn in beträchtliche Schulden gestürzt. So zieht er mit seinen Mitreisenden in ein Haus in einem nicht gerade beliebten Viertel und mietet die beiden dort ansässigen Katzen gleich mit.

Schon bald pflegt er seine verwandtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakte, wird aber auch auf offener Strasse von Unbekannten angepöbelt, ohne zu wissen, warum. Auch scheint er von einer jungen Dame verfolgt zu werden, die sich ihm aber nicht zu erkennen gibt. Twain stolpert von einer unglücklichen Situation in die nächste und leider selbst beim Empfang beim Deutschen Kaiser seinen peinlichen Mund nicht halten. Und auch von seinen Nachbarn wird er schief beäugt, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Der Kaiser bitte zum Empfang

Herbert Beckmann versteht es in seiner Hommage an Mark Twain, den Leser in das Berlin der Kaiserzeit zu versetzen und lässt Majestät auch höchstpersönlich auftauchen. Beckmann beobachtet sehr fein das Geschehen auf und neben den Strassen, und er tut dies aus den Augen des Ich-Erzählers Harris, Twains Diener, der natürlich seinen Herren und dessen Charakter sehr gut kennt und daher auf jede zu erwartende Peinlichkeit vorbereitet ist. Dieses Wissen macht die Lektüre des Romans zu einem Amüsement, der dadurch eine gewisse Leichtigkeit erfährt und somit angenehm zu lesen ist.

So plätschert der Roman zu Beginn allerdings so vor sich hin, und ehe man es sich versieht, ist man bei der Hälfte der 272 Seiten angekommen, und von den angekündigten Handlungssträngen ist eigentlich noch nicht viel vorgekommen. Kurze Kapitel und große Schrift tun ihr übriges dazu, und so wartet man doch sehnsüchtig darauf, dass einmal etwas wirklich prägnantes passiert. Ob die Einladung zum Kaiser, die eigentlich danach schreit, der Höhepunkt eines solchen Romans zu sein, dies wirklich ist, mag der Leser selbst entscheiden, aber im Grunde ist dieser Empfang nur eine weitere von vielen aneinandergereihten Anekdoten und Peinlichkeiten des großen Schriftstellers aus Übersee.

Nett, aber nicht überragend

Die Charakterisierung der Personen, von Twain selber einmal abgesehen, ist recht spärlich, gerade was die Familie angeht. Das kommt der Erzählperspektive aus Harris' Sicht natürlich entgegen, denn er kennt die Familie schon lange und muss sich daher nicht in Einzelheiten ergehen. Aber auch der Großteil der anderen Personen bleibt von der Beschreibung her eher blass. Einzig die Personen, die wirklich auch für Harris interessant zu sein scheinen wie der Kaiser oder die Frau, die Twain verfolgt und sogar von Harris selbst deswegen verfolgt wird (und im Wasser endet), werden mit ein paar Einzelheiten bedacht. So bleiben viele Beschreibungen von Personen oberflächlich, wohingegen Zeit und Ort besser erfasst sind.

Mark Twain unter den Linden ist somit ein netter, ungefährlicher und amüsanter Roman, der leider keinerlei wirkliche Höhepunkte zu bieten hat, was die Dramaturgie der Geschichte angeht. Dennoch liest man vergnügt den Roman bis zum Ende durch, was ja auch nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt. Ein netter Einstieg ins Mark Twain-Jahr, dem man mehr Tiefe gewünscht hätte und einen richtigen Spannungsbogen. Eine Personenliste und ein paar historische Kommentare sowie das obligatorische passende Lesezeichen ergänzen den Roman aus dem Gmeiner-Verlag. Wie heißt es doch in dem Roman: "Aus der Distanz lässt sich ein Idol gewiss am bequemsten bewundern." Das mag sein, aber ein bisschen näher dran hätte dem Roman gewiss nicht geschadet.

 

Mark Twain unter den Linden

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Letzte Kommentare:
10.07.2013 13:50:28
Peter Omegin

Vielleicht lese ich zu wenig, aber ich habe selten einen Roman gelesen, den ich durchweg als humorvoll, stellenweise auch als richtig spannend empfunden habe. Sicher gibt es keine vorwärtstreibende Handlung. Doch das störte mich nicht. Im Gegenteil. Die pointierte, parteiische Schilderung kleiner und großer Alltagsgeschichten dieses "Urlaubs" reizte mich immer wieder zum Schmunzeln und Weiterlesen.
Diener Harris kommentiert die Aktionen seines Herrn fast immer recht kritisch-sarkastisch. Dennoch spürte ich die große Bewunderung für seinen Herrn.

Das Buch macht Lust auf mehr.