Insel der Vergessenen

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2005, Titel: 'The Island', Originalausgabe

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89

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Rita Dell'Agnese
Bewegende Geschichte um die Lepra im 20. Jahrhundert

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2009

Kurzgefasst:

Auf den Spuren der Vergangenheit ihrer Familie reist die Archäologin Alexis nach Kreta. Nicht weit entfernt vom Heimatdorf ihrer Mutter entdeckt sie die Insel Spinalonga, bis 1957 Griechenlands Leprakolonie. Endlich erfährt sie, welche Rolle die Insel der Vergessenen über Generationen hinweg im Leben ihrer Familie gespielt hat. Noch ahnt sie nicht, wie stark das Geflecht aus Intrigen, Verrat und enttäuschter Liebe auch ihr eigenes Leben bestimmt...

 

Ein kleiner Fleck auf dem Bein zerstört das Glück der Griechin. Denn was die junge Bewohnerin nur wenige Wochen vor ihrer Hochzeit entdeckt, bedeutet Verbannung auf die Insel Spinalonga. Dort befindet sich die Lepra-Kolonie. Anhand ihrer Familiengeschichte, der die Archäologin Alexis nachspürt, wird der Schrecken deutlich, der die älteste bekannte Krankheit der Menschheit noch bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begleitet hat. Es wird aber auch deutlich, wie sehr Lebensqualität von der eigenen Einstellung und vom Zusammenhalt der Menschen abhängt.

Unerwartete Tiefe

Zunächst scheint Insel der Vergessenen eine unterhaltsame aber eher seichte Geschichte um die Zweifel einer jungen Engländerin zu werden. Denn Alexis lässt ihren Verlobten kurzerhand in einem Badeort auf Kreta zurück, um einen Abstecher in die Heimat ihrer Mutter zu machen. Die Mutter hat um ihre Herkunft stets ein großes Geheimnis gemacht und Alexis möchte diesem nun auf den Grund gehen. Doch schon nach wenigen Seiten bekommt das Buch unerwarteten Tiefgang. Was Alexis im kleinen Fischerdorf antrifft, macht nicht nur die Protagonistin sondern auch die Leserinnen und Leser betroffen. Denn durch die Erzählung einer Freundin ihrer Mutter erfährt Alexis vom jahrzehntelangen Leid, das ihre Familie einst heimgesucht hat.

Spannend aufgebaut

Der belanglose Einstieg macht schnell einer sich sachte aber mit großer Bandbreite entfaltenden Geschichte Platz. Es ist nicht so sehr das Geheimnis, das darin Raum einnimmt, sondern das Elend der von Lepra Betroffenen. Victoria Hislop gerät dabei aber nicht in die Schiene "weinerliches Mitleid". Gerade ihre verhaltene Optik stellt die Nähe her, die packt und nicht mehr los lässt. Dabei lässt es die Autorin keineswegs bei der Schilderung bewenden, welches Schicksal die Lepra-Kranken ereilte. Vielmehr baut sie hervorragend eine Geschichte um zerstörerische Liebe, um Intrige und Vernichtung ein. Dies so ausgezeichnet, dass es auf den über 400 Seiten kaum eine Länge gibt.

Interessante Charaktere

In einer gut verständlichen, trotz Übersetzung erstaunlich melodiösen Sprache zeichnet Victoria Hislop interessante Charaktere, die zwar manchmal noch etwas mehr Ecken und Kanten vertragen könnten und deren Handlungen doch immer mal wieder leicht klischeehaft sind - wohl der hauptsächliche Schwachpunkt des an sich starken Romans -, die aber schnell ans Herz wachsen.

Insel der Vergessenen ist ein sehr schöner, oft stiller Roman, der ein kaum bekanntes Thema behandelt und gerade dadurch auch betroffen macht, weil Lepra noch heute in vielen Ländern vorkommt.

 

Insel der Vergessenen

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Letzte Kommentare:
01.07.2014 19:02:33
Helga Tischler

Während der 1.Seiten plätschert die Geschichte dahin, aber schon bald fesselt das Buch und man ist zutiefst berührt über das Schicksal dieser Menschen. Die Autorin gleitet nie in das Weinerliche, sondern beschreibt mit großem Respekt das Leben und den
Kampf dieser Menschen, den einige von ihnen dann auch gewinnen. Eine Geschichte die beweist, dass diese fürchterliche Krankheit auch Europa heimgesucht und vielen Menschen die Ausstoßung aus der Gemeinschaft und schließlich den Tod gebracht hat. Ein Buch, das ich bereits 2x gelesen habe und auch nicht - wie viele meiner anderen Bücher - weiterschenken werde.

17.09.2013 15:56:14
Tatjana

Ich lese nicht viel und nicht gerne, aber dieses Buch hat mich gefesselt und mich emotional überwältigt. Eine gelungene Geschichte, in der sich jeder auf irgendeine Art und Weise widerfinden kann. Wer griechisch versteht sollte parallel dazu auch die Verfilmung gesehen haben. Unbeschreiblich schön, dramtisch und gefühlvoll.

05.09.2013 09:32:40
Marcel Ritzi

Ich habe diesen Roman in Englisch gelesen und war sehr berührt von der tragischen, aber auch sehr menschlichen Geschichte und der gekonnten Darstellung der Protagonisten. Victorias Hislops Erfolg ist berechtigt, da sie es versteht, den Leser mit grosser Empathie in ein - noch nicht so lange vergangenes - dunkles Drama der griechischen Geschichte mitzunehmen. Ich wünsche mir weitere solche Bücher.

28.02.2013 00:11:45
Elena

Die Geschichte Spinalongas bringt mich zu jeden Augenblick zum weinen. Die Darstellung Victoria Hislops im Buch ist zu loben, den mit ihrer Art zu schreiben hat Sie die im Buch vorkommenden Personen emotional näher gebracht, aber auch schön charakterisiert. Ich danke ihr vom Herzen,dass Sie sich ein Herz gefasst hat und über eine solch schicksalhafte und traurige Geschichte geschrieben hat. Danke

17.01.2012 15:39:40
Mathilde Hüskes

Habe mir den Roman im Oktober 2011 auf Kreta gekauft und nach einem Besuch auf der Lebrainsel Spinalonga gelesen.

Das Buch hätte mir wahrscheinlich auch so gut gefallen, aber mit diesem Hintergrund, einfach klasse. Ab und an musste ich mir verstohlen eine Träne aus dem Auge wischen.

Einige Passagen fand ich etwas langatmig, ab und an auch etwas "schöngefärbt", aber die meiste Zeit einfach nur schön