Der schwarze Jakobiner

  • Emons
  • Erschienen: Januar 2002
  • Emons, 2002, Titel: 'Der schwarze Jakobiner', Originalausgabe
Der schwarze Jakobiner
Der schwarze Jakobiner
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Jörg Kijanski
70

Histo-Couch Rezension vonDez 2009

Herzogtum Berg zur Zeit der Französischen Revolution

Kurzgefasst:

September 1795. Für die junge Wipperfürther Kaufmannstochter Anna bricht an einem einzigen Tag eine Welt zusammen. Sie wird einem Mann versprochen, den sie nicht heiraten will, sie muß mitansehen, wie ihre Heimatstadt in Flammen aufgeht und ihr Elternhaus in Trümmern gelegt wird. Der Einzige, bei dem sie Trost findet, der mittellose Mediziner Jan, verschwindet nach dem Stadtbrand. Als ein Buchdrucker ermordet wird, der Jan Zuflucht gewährt hat, fällt der Verdacht auf Jan. Auch die französischen Besatzer jagen ihn, weil er zwei Soldaten getötet haben soll. Doch Anna ist von seiner Unschuld überzeugt. Sie bricht mit ihrer Familie und macht sich auf die Suche nach ihm, quer durch das von französischen Truppen besetzte Bergische Land. In dem jungen Kaufmann Jakob findet sie einen Begleiter, der in ihrem einsamen Kampf zu ihr steht. Doch je mehr Anna über Jan erfährt, desto mehr gerät sie in Zweifel. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Jan und Jakob, zu dem sie immer mehr Vertrauen faßt. Doch wird er sie vor dem schwarzen Jakobiner schützen können, vor dem alle zittern und den Anna für den wahren Mörder hält?

 

Herzogtum Berg, September 1795. In dem kleinen Städtchen Wipperfürth ist die Stimmung im Haus des Kaufmanns Heyder angespannt, denn dessen Tochter Anna erscheint verspätet zum Abendessen. Ihr Vater eröffnet ihr daraufhin, dass es für die Neunzehnjährige nun Zeit werde, endlich erwachsen zu werden und sich zu verloben. Den passenden Mann habe er bereits ausgesucht. Anna ist schockiert, liebt sie doch heimlich den mittellosen Medicus Jan. Aber einer solchen Verbindung würde ihr Vater nie zustimmen, denn Jan ist katholisch und als wäre dies nicht schon schlimm genug, musste Anna erst kürzlich feststellen, dass sie in anderen Umständen ist.

Als Anna auf dem Wolfsberg sitzt, um dort eine Stadtansicht zu malen, bemerkt sie ein plötzlich aufbrechendes Feuer in einem der Dachstühle. Nur mit Not gelingt es ihrer Familie, einen Teil des Besitzes zu retten und die Stadt zu verlassen, die kurz darauf nahezu vollständig niederbrennt. Tote gab es offenbar nicht, doch von Jan fehlt plötzlich jede Spur. Einem Hinweis zufolge könnte er bei einem Buchdrucker in Lennep untergeschlüpft sein. Anna lernt wenig später den jungen Kaufmann Jakob Wulf kennen, der sie auf ihrer Suche nach Jan begleitet. Da zwischenzeitlich die französischen Truppen den Rhein überquert haben und nun auf der Suche nach den Kaiserlichen sind, birgt die Fahrt gewisse Risiken. Als Anna in Lennep den Buchdrucker Bähr aufsucht, findet sie diesen im Sterben liegend vor. Er kann ihr nur noch sagen, dass ihn der schwarze Mönch umgebracht habe und dass sie Jan in Elberfeld suchen soll. Wenig später erfährt Anna, dass für die Ermordung des Buchdruckers die Franzosen Jan verantwortlich machen. Sollte er der geheimnisvolle Jakobiner sein?

Gute Schilderung der Gesellschaft

Richtig durchgestartet ist Volker Kutscher mit seiner "Gereon-Rath-Reihe", die 1929 beginnt (Der nasse Fisch; 91 von 100 möglichen Punkten auf der Histo-Couch) und deren aktueller dritter Teil Goldstein (spielt zwei Jahre später) soeben in der Februar-Ausgabe 2011 der Krimi-Couch zum "Volltreffer des Monats" gekürt wurde. Zuvor schrieb Kutscher in den 1990er Jahren die Krimis Bullenmord und Vater unser sowie den hier vorliegenden historischen Kriminalroman Der schwarze Jakobiner (2002), erschienen im Kölner Emons-Verlag.

Das Herzogtum Berg im Jahre 1795 bildet zum Großteil den Ort der Handlung, obwohl die Geschichte überraschenderweise in Philadelphia/ Pennsylvania, also in der neuen Welt beginnt. Doch zurück nach Wipperfürth, wo alles begann: Anna, Tochter des strengen Kaufmanns Heyder, ist schwanger und soll gegen ihren Willen einen Mann heiraten, den sie bis jetzt noch nie gesehen hat. Die ohnehin eher auflehnende junge Frau nimmt also den Stadtbrand zum Anlass, ihre Familie heimlich zu verlassen, um ihren geliebten Jan zu suchen. Doch dies stellt sich recht schwierig dar, nicht zuletzt weil es plötzlich überall von französischen Soldaten wimmelt.
Während die Leser/innen Anna auf ihren gefahrvollen Reise von Wipperfürth über Lennep und Elberfeld bis letztlich nach Düsseldorf und Ratingen begleiten, erfahren diese am Ende eines jeden Kapitels aus den Tagebuchaufzeichnungen des Jean Bouvier, was sich in den Jahren 1792-94 in Paris ereignet hat. Die Französische Revolution forderte nicht nur den Kopf des Königs, sondern anschließend die Leben zahlloser Unschuldiger.

Überschaubarer Spannungsbogen

Da nur recht wenige Figuren in der Geschichte eine große Rolle spielen (Anna - Jan - Jakob) ist die weitere Abfolge nicht allzu schwer zu erraten. So hat Der schwarze Jakobiner zweifelsfrei seine Stärke in der detaillierten Schilderung der damaligen gesellschaftlichen und politischen Lage sowie in der Beschreibung der Handlungsorte und Landschaften (Volker Kutscher wuchs in Wipperfürth auf). Weniger stark ist eine Handlung, die sich allzu gemächlich aufbaut, erst nach rund hundert Seiten richtig Fahrt aufnimmt und bis zum Ende einen durchaus überschaubaren Spannungsbogen aufzeigt.

Wer vor allem in der Region Berg/ Oberberg oder im Rheinland zuhause ist, sollte zugreifen, und auch für all jene Leser/innen, die sich für die Zeit der Französischen Revolution interessieren, ist Der schwarze Jakobiner zu empfehlen. Wem es vor allem um Spannung geht, wird hingegen bessere Titel finden.

 

Der schwarze Jakobiner

, Emons

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