Die Prophetin vom Rhein

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2010, Titel: 'Die Prophetin vom Rhein', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Natalie Höhne
Vollgepackt, aber nicht überladen!

Buch-Rezension von Natalie Höhne Dez 2009

Kurzgefasst:

Stets im Konflikt mit den Mächtigen ihrer Zeit, hat Hildegard von Bingen andere Sorgen, als sich um die junge Theresa zu kümmern, die Schutz in ihrem Kloster sucht. Doch schneller als gedacht, wächst das Mädchen der Äbtissin ans Herz. Allerdings scheint die leidenschaftliche Theresa nicht für das Klosterleben gemacht: Sie verliebt sich in den Händlerssohn Willem und muss die Nonnen verlassen. Ihre Berufung findet sie schließlich bei der Wehmutter Eva, die das geschickte Mädchen zur Hebamme ausbildet. Aber Theresa kann Willem nicht vergessen. Blind vor Liebe, ahnt sie nicht, dass er einer gefährlichen Ketzersekte angehört. Helfen kann allein Hildegard, doch gerade die scheint ihre größte Gegenspielerin zu werden...

 

Dieses Buch vereint mehrere Schicksale zu einer großen Geschichte. Hildegard von Bingen ist in ihren jahrelangen Kampf um ein eigenes, eigenständiges Kloster auf dem Rupertsberg verwickelt. Doch auf einmal sind da auch noch Theresa und Gero, ein verwaistes Geschwisterpaar, welches ihrer Aufmerksamkeit und Fürsorge bedarf. Die Schicksale dieser drei Menschen sollen für immer verbunden bleiben, und doch muss jeder von Ihnen seinen eigenen Weg gehen. Nachdem Gero, dessen größter Wunsch das Leben eines Ritters ist, die Lehre bei einem Sarwürker (= Kettenhemdhersteller) antreten muss und sein Ziel in weite Ferne rücken sieht, ist es vor allem seine Schwester, welche sich erst einmal in das klösterliche Leben fügt. Doch auch Theresa ist keine kirchliche Laufbahn vorbestimmt, und so ist es schließlich die Liebe zu Willem, dem Sohn eines Tuchhändlers, welche sie den Händen Hildegards entreißt.

Doch diese Liebe wird die junge Frau einige Entbehrungen und Gefahren lehren, denn Willem gehört der religiösen Bewegung der "guten Christen" an und in der Stunde der größten Not kreuzen sich die Wege von Hildegard, Theresa und Gero schließlich wieder.

Menschliche Hildegard von Bingen

Jede der drei Hauptpersonen hat ihren eigenen Kampf zu bestreiten. Hildegard, die Magistra, muss sogar mehrere Schlachten schlagen. Einmal gilt es die Unabhängigkeit für ihr Kloster auf dem Rupertsberg zu gewinnen, und zum Zweiten steht sie in stetem Kampf um ihre eigene Gesundheit. Drittens versucht sie die ihr von Gott gegebenen Inspirationen in Festgeschriebenes umzusetzen, und zuletzt ist es auch noch die immer stärker um sich greifende Sekte der Katharer, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Hildegard von Bingen wird von Brigitte Riebe nicht als jene Heilige gezeichnet, als welche die Benediktinerin heute im Allgemeinen gilt. Die Magistra ist ein Mensch mit großen Stärken und besonderen Fähigkeiten und doch hat sie auch Schwächen und schwierige Eigenschaften. Ein eiserner Willen und Zähheit können eben auch Schärfe und Eigensinnigkeit bedeuten.

Aber Hildegard ist nicht der Mittelpunkt dieses Werks, sondern ein Teil des roten Fadens. Mehr noch ist es Theresas Weg, den der Leser mit Spannung verfolgt. Die junge Frau steht in ihrem Eigensinn der Oberin vom Rupertsberg in nichts nach und kämpft ihrerseits unermüdlich um ein gemeinsames Leben mit Willem. Dieser jedoch ist seinem Onkel, einem strenggläubigen Katharer hörig und beweist kaum einen eigenen Willen. Theresa ist keine sehr vielfältige, aber trotzdem natürliche Figur und entwickelt sich von einem etwas bockigen Teenager zu einer verantwortungsbewussten, jungen Frau mit starkem Willen.

Geros Weg ist ein kleinerer Abzweig, verglichen mit den zwei anderen Hauptsträngen und doch muss auch er einiges durchstehen und sich weiterentwickeln, um die Wandlung vom Handwerkslehrling zum Ritter vollziehen zu können. Hier hätte die Autorin vielleicht noch ein wenig mehr charakterliche Entwicklung in die Figur investieren können, denn die Figur bleibt ein wenig blass.
Brigitte Riebe gelingt es, allen Hauptfiguren ein eigenes, authentisches Gesicht zu verleihen und den Leser zum mitfiebern zu bewegen. Auch die zahlreichen Nebenrollen sind eingängig und farbig gestaltet und tragen zur Lebendigkeit des Romans bei, ohne ihn zu überladen.

Einblicke in die Welt der Katharer

Neben der spannenden Geschichte um Theresas, Geros und Hildegards Lebensweg lernt der Leser einiges über die politischen Vorgänge jener Zeit und erhält Einblicke in die christliche Glaubensbewegung der Katharer. Da Theresa nach dem Verlassen des Klosters den Beruf der Hebamme erlernt, gewinnt man außerdem Erkenntnisse vom Alltag dieses Berufs im 12. Jahrhundert und erfährt, dass besonders das Unwissen und der Aberglauben der Menschen im Mittelalter eine heilkundige Frau schnell zu einer Hexe machen konnten.

Brigitte Riebe wählt eine klassische Struktur für ihren Roman, unterteilt ihn in einzelne Bücher und Kapitel und fasst ihn in einen Rahmen aus Prolog und Epilog. Der Prolog, wiederum in klassischer Form, bildet den Monolog einer dem Leser unbekannten Person. Ein spannender Einstieg, welcher sogleich das Interesse des Lesers fesselt, allerdings ist die Auflösung dessen im Epilog eher etwas zuviel des Guten und ein geheimnisvolleres, offenes Nachwort hätte dem Werk gut gestanden.
Der Roman lässt sich ohne Holpersteine lesen und versetzt den Leser durch einen authentischen Schreibstil und Ausschnitte aus Reden und Schriften Hildegards an den Ort des Geschehens.

 

Die Prophetin vom Rhein

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