Der Weihnachtsfluch

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2008, Titel: 'A Christmas Grace', Originalausgabe

Couch-Wertung:

62
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Kirsten Lambeck
Eine beschwerliche Reise nach Irland

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Dez 2009

Kurzgefasst:

Emily reist an Weihnachten nach Westirland, um ihrer Tante Susannah in ihren letzten Tagen beizustehen. Doch schnell wird klar, dass Susannah ihr etwas verheimlicht. Als Daniel, der einzige Überlebende eines Schiffsunglücks, in Susannahs Haus Zuflucht sucht, greift eine unerklärliche Angst im Ort um sich. Und dann stößt Emily bei ihren Nachforschungen auf merkwürdige Parallelen zu einem ungelösten Todesfall in der Vergangenheit.

 

England, kurz vor Weihnachten im Jahr 1895. Die eher gelangweite Hausfrau und Mutter Emily Radley sinniert soeben über die bestmögliche Festdekoration ihres wohlgeordneten Heimes, als sie die Nachricht bekommt, ihre verwitwete Tante läge im Sterben - in einem gottverlassenen Dorf in Westirland. Von ihrem Mann sanft überredet, macht sich Emiliy auf den durchaus beschwerlichen Weg über die irische See und quer durch die grüne Insel. Dort findet sie nicht nur ihre - noch relativ lebendige - Tante Susannah vor, sondern gleich eine ganze Dorfgemeinschaft, die (Wie soll es bei dem Titel auch anders sein?) von düsteren Ahnungen, Verdächtigungen und einem dunklen Geheimnis besessen ist.

Ein Dorf in Angst und ein geheimnisvoller Schiffbrüchiger

Nachdem sich ein starker Sturm, der sich über Tage - passend zur Stimmung - aufgebaut hat, sich endlich entlädt und man am Strand einen jungen Mann findet, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen: im Dorf gab es bereits einmal einen Schiffbrüchigen - und damals gab es einen Mord. Seitdem lebt das Dorf in Angst und Mißtrauen. Emily als Aussenstehender fällt die Aufgabe zu, sich des Rätsels anzunehmen und es zu lösen.

Eine Meisterin der Stimmung...

Anne Perry gelingt es in dem recht kurzen Bändchen über knapp 180 Seiten, die Winterstimmung in Westirland mit Kälte, Sturm und Abgeschiedenheit spürbar zu machen. Auch die viktorianische Gesellschaft ist interessant und eindringlich beschrieben. Überhaupt liegen die Qualitäten des diesjährigen Weihnachtskrimis der Autorin, die in den letzten Jahren je eine abgeschlossene christmas novel veröffentlicht hat, eher in der Beschreibung von Gesellschaft, Landschaft und Stimmung.

... aber leider nicht der Handlung

Kurz gesagt: Die Handlung überzeugt nicht. Warum der arme Schiffbrüchige von den Dorfbewohnern beinah für den Leibhaftigen gehalten wird, und warum sich die Ereignisse offenbar zwanghaft wiederholen sollen, bleibt rätselhaft. Die Auflösung ist banal und weit hergeholt. Obgleich die Ausgangssituation durchaus eine spannende ist, entsteht das Gefühl, die Autorin hält sich an Beschreibungen und Nebensächlichkeiten auf und vergisst darüber, ihre Geschichte zu erzählen.

Auch die Figuren sind, mit Ausnahme der Emily, die sich von der biederen Hausfrau zur Detektivin wandelt, blass und nicht zu Ende gedacht. Der Weihnachtsfluch ist ein Ableger von Anne Perrys Krimireihe über Thomas und Charlotte Pitt (Emily ist Charlottes Schwester) und mag für Leser dieser Reihe von besonderem Interesse sein.

Ein Buch für Kerzenlicht

Trotz aller Kritik: Es bleibt ein kleines Bändchen, das sich an einem Abend unter dem Weihnachtsbaum lesen lässt und viktorianisch-weihnachtliche Stimmung zaubert. Aber, abseits vom Kerzenlicht betrachtet: leider keine spannende und nachvollziehbare Handlung.

Der Weihnachtsfluch

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