Gold

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Pirate Latitudes', Originalausgabe

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67

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Dirk Jaehner
Diese Piraten-Pistole muss nicht sein - macht aber Spaß

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Nov 2009

Kurzgefasst:

Port Royal, Jamaika, 17. Jahrhundert. Captain Charles Hunter, Freibeuter in inoffiziellen Diensten des britischen Gouverneurs von Jamaika, heuert eine verwegene Crew von Spezialisten an, um den gewagtesten Raubzug anzutreten, den die Karibik je gesehen hat. Das Ziel: ein spanisches Handelsschiff, das tonnenweise Edelmetall an Bord haben soll. Der Hafen, in dem das Gold vor Anker liegt, gilt allerdings als uneinnehmbar. Und er wird vom ruchlosen Konquistador Cazalla schwer bewacht. Just mit Cazalla hat Captain Hunter noch eine Rechnung offen; der Spanier ließ Hunters Bruder grausam ermorden. Doch nicht nur er könnte den englischen Piraten am Erfolg hindern. Denn unter Hunters Vertrauten lauert ein Verräter...

 

Michael Crichton goes Jack Sparrow. Wirklich? Der neue Roman des Autors von Jurassic Park und ER heißt Pirate Latitudes (übersetzt etwa "Breitengrad der Piraten"). Will Crichton, der sich gerne im High-Tech-Genre aufgehalten und ansonsten nur wenige historische Romane verfasst hat, etwa auf den Fluch der Karibik-Erfolgszug aufspringen? Genau wird man das nie erfahren, denn Crichton starb plötzlich und unerwartet am 4. November 2008. Fast genau ein Jahr später, am 24. November 2009, erschien in den USA posthum sein letztes Buch. Die deutsche Ausgabe mit dem etwas ungelenken Titel Gold - Pirate Latitudes folgte nur wenig später.

Doch schon setzt die Legendenbildung um das Buch ein: Ein nicht näher bezeichneter Mitarbeiter Crichtons habe das Manuskript auf seinem Computer entdeckt. Wann aber Crichton dieses Buch tatsächlich geschrieben hat, bleibt im Dunkeln. Angeblich soll er eine Fassung bereits in den 1990er Jahren fertiggestellt haben. Hier sind ein paar Daten zum Vergleich: Der Disney-Film Fluch der Karibik beruht auf einer Attraktion eines hauseigenen Vergnügungsparks, die 1967 eröffnet wurde. Die beiden Autoren des Films haben das Skript schon in den 1990er Jahren (!) angeboten, wurden in Hollywood aber abgelehnt. Hat da etwa jemand von jemandem abgeschrieben?

Wie dem auch sei, Gore Verbinski hat mit Fluch der Karibik von 2003 den definitiven Piratenfilm gedreht. Ob anderen Autoren das nun gefällt oder nicht, ihre Piratengeschichten - besonders jene, die in der Karibik spielen - müssen sich an der Jack-Sparrow-Saga messen lassen.

Eine Männer-Geschichte

Gewisse Ähnlichkeiten mit den Jack-Sparrow-Geschichten kann Gold jedenfalls nicht verleugnen: Die deutlichste ist der Angriff eines Riesenkraken auf das Schiff des Protagonisten Charles Hunter. Der größte Unterschied jedoch: Gold ist ein sorgfältig recherchiertes und vor allen Dingen ernstes Buch. Komik entsteht höchstens - und eher selten - durch die Lakonik der Hauptfigur. Und so beginnt der Roman testosterongeschwängert als Kombination aus Die Kanonen von Navarone, Die glorreichen Sieben und Die Wildgänse kommen: Besagter Charles Hunter, Freibeuter von des englischen Königs Gnaden, will mit dem Einverständnis des englischen Gouverneurs von Jamaika eine Schatzgaleone der spanischen Flotte in einem unzugänglichen Hafen kapern. Dazu muss er zunächst seine Mannschaft in der herunter gekommen jamaikanischen Hauptstadt Port Royal zusammensuchen, dann jene abgelegene Insel auf der unzugänglichen Seite betreten, einen hohen Berg überwinden und die Kanonen der Festung zerstören, die über der Hafeneinfahrt thront. Der Coup gelingt, der Schatz ist erwartungsgemäß riesig, doch weil jetzt erst die Hälfte des Buches erreicht ist, ahnt die Leserschaft, dass das Entkommen von der spanisch besetzten Insel das größere und schwierigere Unterfangen ist. Die Rückkehr nach Port Royal gestaltet sich als tödlicher Hindernislauf mit vielen Umwegen, bei dem es einen Hurrikan, ein eigentlich überlegenes spanisches Verfolgerschiff, einen kannibalischen Kariben-Stamm und bereits erwähnten Riesenkraken zu überleben gilt.

Unterhaltsame Klischees

Nichts von diesen Handlungselementen stellt eine Revolution im Genre des Piratenromans dar. Eigentlich macht Crichton in manchen Punkten sogar einen Rückschritt, entsprechen doch so ziemlich alle Figuren den gängigen Klischees, und die Frauen ganz besonders. Die sind entweder Huren oder Hexen, sogar wenn sie verheiratet oder die Tochter des Gouverneurs sind. Dabei ist besonders die Geschichte der Hexe wohl in der Entwicklung stecken geblieben, denn die seltsamen Rituale, die sie, eine Passagierin und ehemalige Geisel der Spanier, in ihrer Kajüte auf Hunters Schiff durchführt, bleiben ohne Folgen für die Handlung. Auch erfüllt der Tod des übermächtigen Gegners Cazalla nicht die Erwartungen, die durch die vielschichtigen Rachegelüste innerhalb Hunters Mannschaft geweckt werden. Allenfalls der ernsthafte Versuch, eine einigermaßen historisch korrekte Geschichte über jene oft allzu romantisierte Zeit zu erzählen, ist der Beachtung wert. So sind Zweifel angebracht, ob die jetzt veröffentlichte auch die vom Autor als endgültig abgesegnete Fassung gelten darf. Vergleicht man Gold beispielsweise mit Crichtons anderem historischen Roman, Der 13. Krieger, fällt die weniger sorgfältige Handlungsführung und -ausarbeitung der Piraten-Geschichte auf.

Und doch steigt man nicht ohne Interesse oder Lust in die Lektüre ein. Die gut 360 Seiten lesen sich locker herunter, die kurzen Kapitel erleichtern das Bei-der-Stange-Bleiben, die Schlagzahl der recht filmisch erzählten Action ist bemerkenswert hoch und spart nicht mit blutigen Details. Und schließlich heißt der Autor Michael Crichton, der schon oft genug bewiesen hat, dass er Geschichten erzählen kann. Außerdem kann man augenzwinkernd zur Kenntnis nehmen, dass Crichton, ebenso wie beim 13. Krieger, den Versuch unternimmt, seine Geschichte mit angeblichen historischen Dokumenten als tatsächliches Ereignis zu verkaufen. Vielleicht hätte er mit ausreichend Zeit für seine Literaturliste ähnlich viele historische Querverweise entwickelt, aber das muss Spekulation bleiben.

P.S.: Aus dem Nachlass auf die Leinwand

In den USA ist das Buch eingeschlagen wie eine Bombe und verkauft sich wie geschnitten Brot. Kein Wunder, dass Crichton-Spezi Steven Spielberg derzeit ein Drehbuch für einen Spielfilm schreiben lässt. Doch in der Branche sind schon Stimmen zu hören, die dieser ernsten Variante von Fluch der Karibik wenig Chancen einräumen. Die Piratenbraut von Renny Harlin mit Geena Davis oder Piraten von Roman Polanski mit Walter Matthau haben als Mega-Flops Kino-Geschichte geschrieben und sind bei den Hollywood-Produzenten noch nicht vergessen. Immerhin soll David Koepp das Drehbuch erarbeiten. Er hat schon Jurassic Park nach Crichtons Vorlage für Spielberg entwickelt, schrieb außerdem das Drehbuch zur letzten Grabräuber-Manifestation Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel und ist in Hollywood dank Spider-Man, Illuminati und Krieg der Welten gut im Geschäft.

 

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Letzte Kommentare:
22.02.2013 21:55:33
M.Reinsch

Editieren
Charles Hunter, ein englischer Freibeuter mit Kaperbrief des Gouverneurs von Jamaika, erfährt, dass eine Galeone der spanischen Flotte an der Insel ­Leres vor Anker liegt. Da diese Schiffe die Schätze der "Neuen Welt" nach Spanien überführen, wittert er reiche Beute. Und so macht er sich mit 60 Mann Besatzung auf seinem Schiff, der "Cassandra" auf, sich diese ­Priese zu holen. Kompliziert macht diesen Raubzug, die schwer bewachte Festung Matanceros mit ihrem gefürchteten Befehlshaber Cazalla, die die Bucht der Insel bewacht ...
Die Geschichte bietet wohl alles, was man von einem Piratenroman erwartet: noble Piraten, böse Spanier, Überfälle und Seegefechte. Als Zugabe bekommt man noch schwere Stürme, Verräter und einen Krakenüberfall, nebst willigen Ladys, die sich gerne von Piratenkapitänen verführen lassen.
Kurzum, das Ganze wäre als "Groschenroman" sehr gut angekommen! Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Handlung hat immer einen Spannungsbogen, aber die Figuren erinnern an einen Scherenschnitt der alten Piratenfilme. Hier läuft wirklich alle so ab, wie man sich als 12 Jähriger einen Piratenroman vorstellt, nun ja vielleicht etwas blutiger ...
Fazit: Leider ein weitere Michael Chrichton Roman, der mich enttäuscht hat. Zwar basiert er anscheinend auf Tatsachen, aber diese sind so ausgeschmückt, das die Geschichte eben zu einem schön, schaurigen Piratenabenteuer verkommt - kann man lesen, muss man aber nicht!