Der Bastard von Tolosa

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2009, Titel: 'Der Bastard von Tolosa', Originalausgabe

Couch-Wertung:

93

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Volker Faßnacht
Ausdrucksstarker Debüt-Roman mit viel Gefühl!

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Nov 2009

Kurzgefasst:

Wie Tausende "Soldaten Christi" folgt der junge Edelmann Jaufré Montalban 1096 dem Aufruf des Papstes, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Viele grausame Schlachten später beginnt er am Sinn des Krieges zu zweifeln. Als seine Geliebte brutal niedergemetzelt wird, will er sich auf seine Burg nahe dem heutigen Toulouse zurückziehen. Doch dort erwartet ihn eine Gattin, die er nur unter Zwang geheiratet hatte - und eine tödliche Intrige um das Rätsel seiner Herkunft.

 

Der Bastard von Tolosa ist der Debüt-Roman von Ulf Schiewe. Ein mutiges Werk. Nicht jeder Debütant würde die Kreuzzüge, die Ich-Erzählform und die Retrospektive als Korsettstangen für ein Erstlingswerk wählen, zumal auch der beträchtliche Umfang des Romans mit über 900 Seiten leicht dazu hätte führen können, dass der Autor an seinem eigenen Vorhaben scheitert.

Eine rauhe und brutale Männergesellschaft

 

 

Wer lange Räuber war, soll nun Ritter werden. Wer gegen Brüder und Verwandte kämpfte, soll fortan auf gerechte Weise gegen die Barbaren kämpfen. Wer bisher für wenig Lohn als Söldner diente, soll seinen Lohn in der Ewigkeit finden.

 

(Papst Urban II., Aufruf zum Kreuzzug auf dem Konzil von Clermont, 1095)

Jaufré Montalban ist ein junger Adeliger, der von zu Hause ausreißt, um dem Ruf des Papstes zu folgen. Viel mehr aber noch, aus Trotz wider seiner - zwar standesgemäßen - Heirat, die jedoch gegen seinen Willen stattgefunden hat.

14 Jahre danach ist nicht mehr viel geblieben. "Die Zeit heilt alle Wunden" sagt man, Groll gegenüber der Familie weicht dem Heimweh und die sinnentleerte Brutalität der Kämpfe im Heiligen Land, wo sich mehr und mehr die Frage stellt, wer die Guten und wer die Bösen sind. Der überflüssige Tod von Freunden und Weggefährten tun ihr Übriges, dass Jaufré Montalban erkennt, dass dies ein Krieg ist, der ihn nichts mehr angeht.

Aufgrund eines geheimnisvollen Schreibens seines Onkels Odo kehrt Jaufré schließlich zurück und muss erfahren, wie es ist, wenn man einfach abhaut und 14 Jahre nichts von sich hat hören lassen. Er rennt wahrlich keine offenen Türen ein, weder bei seiner Frau, noch bei den Anwohnern seines Dorfes und schon gar nicht bei seinem älteren Sohn. Und trotzdem ist er gerade noch rechtzeitig heimgekehrt: Ein fremder Ritter versucht, das Land, den Titel und die Frau für sich zu gewinnen, die er, Jaufré, bis dahin niemals lieben gelernt hatte. Die Zeit der wahren Kämpfe hat somit gerade erst begonnen...

Der Autor reift mit seiner Geschichte - ebenso wie der Protagonist Jaufré Montalban

Wer hofft, mit Der Bastard von Tolosa einen einfach zu lesenden Roman erwerben zu können, sollte diesen getrost im Regal des Buchhändlers stehen lassen, zu viele Namen, unbekannte Ereignisse, politische und geografische Gegebenheiten prasseln zu Beginn des Buches auf die Leserschaft ein. Das recht unbekannte Terrain der Kreuzzüge muss von Ulf Schiewe erst einmal beschreiben werden und dafür braucht es viel Platz. Den ersten Teil des Buches deshalb als langatmig zu bezeichnen, trifft die Sache jedoch nicht richtig. Auch die Gedankenwelt des alternden Protagonisten, ob dieser dem jungen Mönch seine Lebensgeschichte anvertrauen kann, obwohl er ihn ja selbst einbestellt hatte, mag zu Anfang etwas wirr erscheinen (noch kennt ja der geneigte Leser nicht die ganze Geschichte). Das erklärt sich alles viel später und ist im Nachhinein betrachtet dermaßen brillant aufgebaut, dass man die durchaus skeptisch zu sehende Retrospektive zusammen mit der Ich-Erzählweise für dieses Werk als einzig logisches Stilmittel anerkennen muss.

Interessant ist auch der Wandel des Kreuzritters Jaufré Montalban, der zunächst als tumb-naiver und kriegswütiger Draufgänger beschrieben wird. Ein streitsüchtiger Raufbold, der sich nach mehreren Schlüsselerlebnissen langsam zu einem ausgebrannten und desillusionierten, gebrochenen Menschen entwickelt, bevor er, beseelt durch eine neue und große Verantwortung, endlich zeigen kann, was für ein Mensch er eigentlich tatsächlich ist.

Die von vielen Lesern kritisch gesehene Perspektive des von sich selbst erzählenden Hauptdarstellers erzeugt eine fesselnde Nähe zu diesem Menschen. Man selbst schlüpft in diese Rolle und erlebt die seelischen Höhen und Tiefen, als wären es die Eigenen. Dazu kommen immer wieder die gefühlten Sprünge in der Erzählform, wenn Jaufré die Rolle des um sein Leben kämpfenden Kreuzritters verlässt und überwechselt in sein Dasein als Memoiren-erzählenden Greis.

Eine fiktive Geschichte, die glaubhaft erzählt wird

Ein weiterer Pluspunkt des vorliegenden Romans ist die Plausibilität der Geschichte. Seine schnöde von ihm verlassene und nie geliebte Ehefrau wartet nicht sehnsüchtig auf ihn, zumal er noch eine Bastardtochter mitbringt. Seine Söhne erkennen und akzeptieren ihn nicht. Ein benachbarter Burgherr greift bereits nach seinen Besitztümern, und die Dorfbewohner lassen ihn spüren, dass er sie damals einfach im Stich gelassen hat. Und doch klappt die Annäherung - nicht schnell, aber stetig. Unter den geschilderten Umständen ist das glaubhaft.

Ulf Schiewe knüpft ein dichtes Netz von Intrigen. Der Roman lebt aber nicht von historischen überlieferten Begebenheiten, sondern von dem inneren Kampf eines Menschen, der erkennen muss, dass nicht immer alles so ist, wie es zu sein scheint und was man aus dieser Erkenntnis machen kann. Was wäre aber, wenn es diese Figur tatsächlich gegeben hätte und er sich anders entschieden hätte?

Der Bastard von Tolosa ist ein ganz erstaunliches Debüt-Buch: Ein Hardcover mit einem auch für historische Romane ungewöhnlich großen Umfang, einem Personenregister, historische Landkarten vom Heiligen Land bzw. den Corbieras, einem Inhaltsverzeichnis und der Danksagung des Autors. Nicht vergessen werden sollte die ungewöhnliche Covergestaltung, die wohltuend aus der Masse des Angebots am Markt heraus sticht.

Ein Roman, bei dem die Beteiligten alles richtig gemacht haben, wie ja auch schon die Leserwahl 2009 hier auf der Histo-Couch gezeigt hat. Erst im November 2009 in den Buchläden erschienen, hat es am Ende sogar noch in die Top10 gereicht. Einzig der Umstand, dass es manchmal recht brutal zugeht, bringt ein paar Punkte Abzug.

 

Der Bastard von Tolosa

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Letzte Kommentare:
13.10.2015 18:58:56
Hannes

Ein gewaltiges Buch.
Ich hatte bereits die Bücher über die Normannen von Ulf Schiewe gelesen und war deshalb von den 918 Seiten nicht geschockt.
Wenn ich nicht gewusst hätte,dass es sich um ein Erstlingswerk handelte, hätte ich dies nie geglaubt. Diese Brllianz, nicht nur in die Vergangenheit zurückzublicken, sondern dies auch in der Vergangenheit fortzuführen, spricht von einer absoluten Sprachsicherheit.
Von der Thematik her, kann ich Ihrem Reszensenten nicht ganz folgen. Ich hatte nie den Eindruck einen tumb-naiven Protagonisten vor mir zu haben, sondern für mich war es total schlüssign das er schon von Anfang an die Nase von den Jahrzehte langen Kämpfen voll hatte, nicht nur die durch die ihn direkt betreffenden Ereignisse. Ich bin auch nicht der Meinungn dass die Handlung manchmal zu brutal geschildert wurde. Das gehört einfach zum Thema dazu. Sonst hätte Hedwig Courts-Mahler das Buch schreiben müssen.
Alles in allem freue ich mich auf den Nachfolgeband "Die Comtessa".

05.01.2013 19:24:57
tassieteufel

Nachdem man ihn gegen seinen Willen verheiratet hatte, zog der junge Jaufré Montalban ins Heilige Land um dort dem Ruf des Papstes zu folgen und Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. 14 Jahre später, nach unzähligen Schlachten, Entbehrungen und dem Tod vieler Gefährten, hat sich bei Jaufre‘ Kriegsmüdigkeit eingestellt und er ist desillusioniert, was ihre Mission im Heiligen Land betrifft. Als auch noch seine Geliebte bei einem Überfall getötet wird, kommt er endgültig ins Nachdenken über seine Zukunft. Ein Schreiben seines Onkels Odo, das verschiedene Andeutungen enthält, gibt dann endgültig den Ausschlag, daß er mit ein paar Gefährten und seiner Tochter Adela heim kehrt. Doch in Rocafort erwarten ihn alles andere als Ruhe und Frieden. Da ist zunächst Gattin Berta, die er einst schnöde verließ und die keineswegs erfreut ist über seine Rückkehr, seine Söhne wollen nichts von ihm wissen, zudem ist seine Burg verschuldet und der Prior des Klosters hat die Schuldverschreibungen an einen Edelmann weiter veräußert, der nun sein Recht fordert und Jaufre`s Burg in Besitz nehmen will.

Nachdem mich „Die Hure Babylon“ so begeistert hatte, war ich natürlich neugierig auf die Vorgänger und habe dann auch chronologisch richtig mit dem 1. Teil begonnen.
Ulf Schiewes Schreibstil ist plastisch und sehr anschaulich, von Anfang an wird man in das Geschehen hineingezogen und erlebt Jaufre`s diverse Abenteuer und seine Entwicklung mit. Dass Die Handlung in 2 verschiedenen Zeitebenen und teilweise in Rückblicken und in Ich-Form erzählt wurde, hat mir sehr gut gefallen, so bekommt man immer mal eine andere Sichtweise geboten, wenn Jaufre‘ von Dingen erzählt, die er bereits erlebt hat.
Die Figurenzeichnung ist hier durchweg gelungen und die oft in historischen Romanen bemängelte Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere sucht man hier (zum Glück) vergeblich! Dabei kann man auch noch sehr gut die Entwicklung der Figuren mitverfolgen. Jaufre‘ kehrt kriegsmüde und vom Verlust seiner Geliebten gezeichnet aus dem Heiligen Land zurück, nur um zu erkennen, was er eigentlich Frau und Kindern damit angetan hat. Sehr gut gefallen hat mir hier auch Hamid, der als Freund Jaufre` oft auch unbequeme Wahrheiten sagt und damit die Freundschaft der Beiden noch festigt. Auch Berta erscheint sehr lebensecht und auch hier muß man anmerken, das Berta zwar eine resolute Person ist, die ihre Position im Leben gemeistert hat, aber eben nicht als moderne Frau rüber kommt, wie das leider in so vielen historischen Romanen der Fall ist.
Richtig begeistert hat mich wieder der historische Hintergrund, egal ob auf einem Basar, im Schlachtgetümmel , der heimischen Burg, das dörfliche Leben oder bei einem Bankett im Heiligen Land, all diese Szenen sind so farbenfroh und detailliert beschrieben, das man sie als Leser quasi vor sich sieht. Und das gilt auch für die politischen Intrigen, Machtkämpfe und familiären Verwicklungen. Hier muß man allerdings etwas aufpassen, das man bei dem verwirrenden Geflecht der komplizierten Familienverhältnisse und den oft gleichen Namen nicht etwas den Überblick verliert. Zwar gibt es ein Personenregister im Buch, aber ich hätte hier einen Stammbaum noch ganz hilfreich gefunden, zumal mir immer noch die Figuren von der „Hure Babylon“ im Kopf rumgeisterten. Wer also einen ehr liebeslastigen, seichten und einfach weg zu lesenden Roman vor austauschbarer Kulisse sucht, der ist hier falsch! Wer sich aber neben einer spannenden, realistischen und plastisch geschilderten Handlung auch für den fundierten historischen Hintergrund begeistert, der muss hier unbedingt zugreifen!

FaziT: durchweg spannend und mit einem glaubwürdig und sehr bildhaft geschilderten historischen Hintergrund kann man hier als Leser ins 12. Jahrhundert abtauchen. Eine rundum gelungene Mischung, die ich bedenkenlos weiter empfehlen kann!

10.09.2011 20:51:49
M.Reinsch

Ein wirklich schönes Buch mit einer sehr interessanten Geschichte. Hr.Schiewe hat sich eines "Randthemas" angenommen, das er wunderbar in den Mittelpunkt stellt: Die verzwickte Erbfolge im Hochadel.
Vom schreibstil her sehr gut und flüssig zu lesen, störten mich nur die vielen (manchmal leider nicht übersetzten) Lateintexte, oder spanisch/französischen Teile (stört den Lesefluss doch etwas, wenn man in anderen Büchern deren Bedeutung nachschlagen muß). Hamid kommt mir etwas abgekupfert aus der K.Costner-Robin Hood Verfilmung vor, belebt aber die Geschichte sehr. Hervorzuheben ist auch , daß Jaufré ein Protagonist mit Ecken und Kanten ist, dem kaum etwas in den Schoß fällt. So weiß man (leider) das sich am Ende Alles zum Guten wenden wird, da der Roman als "Erinnerungserzählung" aufgebaut ist, aber man durchlebt gerne die angesammelten Erinnerungen in der ersten Person. Manchmal etwas verwirrend sind die vielen Namen (aber für einen ganzen Teil gibt es ja ein Register am Buchende).
Ein für mich sehr ärgerlicher Punkt: Es giobt zwar eien Karte von Outremer, aber keien von Nordspanien/Südfrankreich im Buch. Ich hätte gerne einmal die Lage der einzelnen Burgen/Städte angesehen, zumal 2/3 des Buches dort angesiedelt sind.
Für ein Erstlingswerk, merhr als beachtlich! Ich denke Hr.Schiewe braucht keinen Vergleich mit Rebecca Gable zu scheuen, zumal auch er den Weg gefunden hat, immer wieder gelebte Geschichte mit einem Schmunzeln niederzuschreiben...
96° Micha

21.08.2011 11:05:51
Danton

21.08.2011

Ich habe schon viele historische Romane gelesen und glaube, dass ich von mir behaubten kann, gute Romane erkennen zu können, doch selbst jetzt, drei Wochen, nachdem ich das Buch beendet habe, ist "gut"gar kein Ausdruck für dieses Buch. Die perfekte Mischung aus Spannung und Leidenschaft. Kein Film kann dieser Lektüre gerecht werden, für Liebhaber von historischen Romanen eine Pflichtlektüre!
Herr Schiewe versteht es, die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten. So etwas nennt man Talent, Hut ab!!!

13.02.2011 17:04:05
grossebine

Der Bastard von Tolosa erzählt die Geschichte des Mannes Jaufre, der als Jüngling aus Verzweiflung und Trotz seine Heimat verläßt, sich den Soldaten Christi anschließt um gemeinsam die Stadt Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Nach Jahren als Kämpfer tritt er, inzwischen kriegsmüde, ausgebrannt und desillusioniert, zusammen mit seiner Tochter und seinem besten Freund die Heimreise an. Anfangs eher widerwillig, aber dann doch mit jedem Kilometer mehr von Vorfreude erfüllt, muss er entsetzt feststellen daß in Rocafort nichts so ist wie erwartet. Er schlittert von einem Krieg in den nächsten aber dieses mal geht es um ihn persönlich, seine Existenz und die seiner Familie.
Der Roman, erzählt aus Sicht des Mannes großteils in Rückblenden, hat mich von Beginn an mitgezogen in eine Welt vor 1000 Jahren.
Anfangs etwas irritiert von der " lockeren" Sprache und Ausdruchsweise des Erzählenden habe ich diese aber schnell akzeptiert. Es ist keine Geschichte der Höfe oder des Klerus, sondern der einfachen Menschen, die weder lesen noch schreiben können, der Bauern und der Soldaten. Die Figuren sind überzeugend dargestellt mir ihren Stärken und Ängsten, Wünschen und Zweifeln. Ich empfand die störrische und resolute Berta genauso glaubhaft wie Jaufre den harten Krieger aber auch nachgiebigen und toleranten Mann. Die Erfahrungen ihres Lebens hatten sie zu diesen Menschen werden lassen und dabei spielt das Jahrtausend keine Rolle. Mich hat der Roman sehr zum Nachdenken angeregt und ich fand nur eines schade: Ich hätte gerne das gesamte Leben Jaufres erzählt bekommen.

10.05.2010 19:12:34
Thielmann, Gudula

Dieser Debütroman hat mich tagelang gefesselt. Beim Lesen erinnerte ich mich oft an die Odyssé. Es war genauso spannend. Auch ich habe mich an das voluminöse Buch herangetraut und habe es keine Minute bereut. Eigentlich liest man in der heutigen, schnelllebigen Zeit nicht mehr so oft so dicke "Schinken". Ich wollte eigentlich nur einmal "reinschauen", bin dann aber so neugierig geworden, wie die Geschichte sich weiter entwickelt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und habe es auch schon einigen Freunden empfohlen, die sehr gerne lesen. Auch von dieser Seite nur positive Meinungen. Auch wenn es im Prinzig ein Buch für Männer ist (meine Meinung), wegen der oft sehr ausführlichen Beschreibungen der Kriegsszenen, habe ich auch diese gerne gelesen, da alles sehr ausführlich, spannend und interessant beschrieben ist. Ich habe seit langem nicht mehr ein so spannendes Buch in den Händen gehabt.
Leider ist es zu voluminös, um es im Bett zu lesen!!

08.04.2010 22:45:34
Zabou1964

Meine Meinung:
Der Debütroman von Ulf Schiewe „Der Bastard von Tolosa“ ist mit 928 Seiten und einem Gewicht von über einem Kilogramm ein „dicker Brocken“. Trotz dieses Umfangs habe ich mich – Gott sei Dank – an sein Werk herangetraut. Der Einband zeigt auf einem goldgelben Untergrund einen sehr aufwendig gearbeiteten Ring, der in der Handlung auch eine Rolle spielt. Auf der Innenseite ist eine Karte der Gegend um Tolosa in Südfrankreich abgebildet. Ein besonderes Highlight stellte für mich das beigefügte Lesezeichen dar, auf dem die wichtigsten Figuren aufgezählt und kurz beschrieben waren – eine wirklich geniale Idee, die das lästige Nachschlagen in einem eventuell vorhandenen Personenverzeichnis am Ende eines Buches ersparte. An dieser Stelle gab es dann aber auch noch detaillierte Angaben zu den historischen Figuren, die im Roman vorkamen, sowie ein Nachwort des Autors.

Um die eigentliche Geschichte über den Edelmann und Krieger Christi Jaufré Montalban spannt sich eine Rahmenhandlung, in der Jaufré einem jungen Mönch seine Lebensgeschichte erzählt, damit dieser sie später seinem Sohn weitergeben kann. Seine Geschichte beginnt Ende des elften Jahrhunderts, als Jaufré mit dem ersten Kreuzzug aufbricht, um Jerusalem von den „Ungläubigen“ zu befreien. Vierzehn lange Jahre kämpft er im fremden Land, hat eine Geliebte und eine Tochter, bis ein furchtbarer Schicksalsschlag ihn an dem Sinn seines Tuns zweifeln und in die Heimat Tolosa zu seiner Ehefrau Berta zurückkehren lässt. Doch auch dort findet er leider nicht den ersehnten Frieden. Seine Amme enthüllt ihm Details seiner Familiengeschichte und schon bald muss er seine Burg gegen einen Widersacher verteidigen.

Trotz der umfangreichen Seitenzahl hat der Autor die Spannung über die ganze Geschichte halten können. Die Handlung spielt auf verschiedenen Zeitebenen, sodass der Leser immer wieder wichtige Einzelheiten aus der Vergangenheit der Protagonisten erfährt. Diese Rückblenden passten sehr gut in den Erzählfluss.

Sprachlich war die Lektüre für mich ein echter Genuss. Geschickt hat Ulf Schiewe immer wieder Wörter alt-provenzalischen Ursprungs einfließen lassen, die das Lesen für mich authentisch machten. Für Sprachunkundige folgte fast immer im folgenden Satz eine Übersetzung. Die Beschreibungen der Figuren und vor allem der Landschaften ließen mich alles um mich herum vergessen und weckten mein Fernweh. Einige romantische Passagen im Roman möchte ich fast als poetisch bezeichnen. Die Kampfszenen und deren Folgen wurden sehr realistisch beschrieben, sodass zartbesaitete Leser eventuell ein wenig schockiert sein könnten.

Sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren waren mehrdimensional dargestellt. Jaufré war trotz seiner Berufung als Krieger Christi als ehrlicher und liebevoller Mann beschrieben. Meine absolute Lieblingsfigur war jedoch Hamid, sein arabischer Freund, der immer das rechte Wort zur rechten Zeit fand und Jaufré in jeder Lebenslage treu zur Seite stand.

Fazit:
Ich bin sehr froh, dass mich die Dicke des Buches nicht von der Lektüre abgehalten hat. Mir wäre ein äußerst wertvolles Leseerlebnis entgangen. Ein grandioses Erstlingswerk, dem hoffentlich bald ein nächstes folgen wird.

05.04.2010 18:48:25
Horst-Dieter

Sehr überzeugender Debütroman von Ulf Schiewe. Von der ersten bis zur 900sten Seite fesselt der Autor mit lebensnahen und spannenden Schilderungen der Zeit der Kreuzzüge. So ähnlich kann es gewesen sein.
Unverständlich ist für mich die Wertung von Herrn Fassnacht, es gehe zuweilen etwas zu brutal zu. Ich glaube, wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie brutal es tatsächlich war.
Unbedingte Leseempfehlung!

27.03.2010 12:58:00
Netha

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch durch sein schlichtes, aber denn noch wunderschönes Cover.
Gleich zu beginn fiel mir auf welch klare und bildhafte Sprache der Autor verwendete. Und was mich ganz besonders gefreut hat, dieses Buch ist in der alten Rechtschreibung geschrieben.
Es beginnt damit das Jaufré. Seines Zeichen Burgherr auf Rocafort, einen Mönch zu sich ruft um einige Schreibarbeiten anfertigen zu lassen.
Als Aimar, ein sehr junger Mönch, vor ihm steht stutzt Jaufré anfangs. Aber er schließt ihn bald in sein Herz. Der junge Mönch ist sehr vertrauensvoll und wissbegierig. Im laufe der nächsten Tage, als die Briefe geschrieben werden sollen, ergibt es sich das Jaufré beginnt aus seinem Leben zu erzählen.
Und so erfährt der Leser sein gefährliches Leben in der Zeit um die Eroberung Jerusalems, aber auch warum Jaufré sich dem Kreuzzug angeschlossen hat.
Es waren gefährliche Zeiten, in denen Jaufré aber auch erleben durfte was es heißt wirkliche Freunde zu haben. Nach einem Brief seines Onkels an seinen Herrn in Tripolis entscheidet Jaufré sich dazu zurück zu kehren in die Heimat. Aber auch dort hat er einiges zu überstehen bis er endlich wieder Frieden mit sich und den seinen schließen kann.

Ulf Schiewe schaffte es mich fast von Anfang an zu fesseln. Seine Schlachtszenen sind recht detailgetreu niedergeschrieben, aber denn noch nicht zu grausam.
Die Recherche zu diesem Buch muss gewaltig gewesen sein, den alles passt auch mit der wahren Geschichte sehr gut zusammen.
Der Leser erfährt so einiges was nicht gerade zum Allgemeinwissen zählt.
Auch die Gewissensbisse die Jaufré hegt werden dem Leser nahe gebracht, so das es einige Stellen gab wo ich inne halten musste um über das was ich gerade gelesen habe nachdenken.
An den Endes der Abschnitte flechtet Ulf Schiewe kleine Sätze ein die dem Leser sagten das diese Sache noch nicht abgeschlossen sei, und mich dann immer weiter zog beim lesen. Da ich ja unbedingt wissen wollte wie das weiter ging.
Sehr hilfreich war ein beigelegtes Lesezeichen, in dem noch einmal die wichtigsten Protagonisten erklärt wurden. So konnte man immer wieder schauen wer den nun wer war, da es bei 928 Seiten einige Figuren gab die dort mitspielten.
Ich habe schon sehr viele historische Romane gelesen, aber so etwas wie hier ist mir noch nie untergekommen, dieses Buch ist mit Herzblut geschrieben worden. Und für mich ein klares Highlight im Jahre 2010.
Mit Spannung erwarte ich das zweite Buch von Ulf Schiewe, welches ich garantiert lesen werde.

Dieses Werk erhält von mir ganz klar fünf Sterne.

22.02.2010 17:37:45
arno

Es gibt zu dem Buch keine Histo-Couch Wertung und die Bewertungdes Buches fällt auch ziemlich düftig aus. Für mich ist das Buch eine spannende Unterhaltung gewesen, meine Frau mußte mich um 3°°Uhr ins Bett scheuchen, so war ich von dem Buch gefesselt. Ich habe dem Buch 95 Punkte gegeben und ich finde es braucht sich nicht hinter den Büchern einer Rebecca Gablé oder Elisabeth Chadwick zu verstecken. Es ist das Buch eines Mannes der ganz normal schreibt wie eben Männer sprechen. Ich meine zickige Weiber gab es schon zu jeder Zeit und wird es immer geben. Ein sehr gutes Buch was Lust auf mehr von Ulf Schiewe hoffen lässt. Arno

04.02.2010 20:31:45
Armin

Gleich vorneweg - "Der Bastard von Tolosa" gehört unter die Top 10 der Besten historischen Romane.
Die Lebensgeschichte von Jaufré wird so beeindruckend geschildert das man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Seit "Säulen der Erde" oder "Das Lächeln der Fortuna" hat mich kein historischer Roman mehr so gefesselt. Ich freue mich schon heute auf das nächste Buch von Ulf Schiewe - weiter so !!!

24.01.2010 21:23:38
Lexa

Den überschwänglichen Beschreibungen kann ich mich nicht vorbehaltlos anschließen. Das Buch hat mich unterhalten, mitgerissen und in seinen Bann gezogen hat es mich nicht.
Gestört haben mich z.B. diese permamenten Schwarz/Weiß-Darstellungen mancher Protagonisten. Der oftmals flapsige Schreibstil und die sehr modernen Dialoge passen für meinen Geschmack nicht in einen Roman über das 12. Jahrhundert. Die Gespräche zwischen Jaufré und seiner elfjährigen Tochter muten mich an, ein Buch über das 20. Jahrhundert zu lesen. Berta´s Zickeleien finden in der Neuzeit statt.
Ein wirklich gutes Buch läßt mich eintauchen in die Zeit, in der es spielt. Dies ist mir hier nicht passiert.

24.11.2009 11:11:01
Andreas Benner

Ein historischer Roman soll vor allem eines können: den Leser unterhalten. Wenn man darüber hinaus drei Tage Sonderurlaub einreicht, weil man partout die Geschichte weiter verfolgen möchte, wenn man drei Tag lang seine Kinder und Ehefrau vernachlässigt, wenn man in drei Tagen nur wenige Stunden Schlaf bekommt, um den Figuren des Romanes möglichst nahe zu sein, dann, ja dann ist es ein gelungener Roman. Tief beeindruckt über diese einmalige Neuerscheinung sitze ich nun wieder an meinem Arbeitsplatz und hoffe auf ein weiteres Geschichtsepos ähnlicher Qualität. Seit Ken Follet`s Roman "Die Säulen der Erde" habe ich kein so fesselndes Buch mehr in Händen gehabt, und ich habe weiß Gott schon mehrere hundert Romane gelesen.

20.11.2009 16:25:54
olympia

Jofré Montalban wird von seiner Familie, speziell von seiner Mutter und seinem Onkel, schwer enttäuscht. Sie erlauben nicht, dass er seine große Liebe heiratet und zwingen ihn zur Ehe mit einem ihm unbekannten Mädchen. Nicht lange nach der unglücklichen Eheschließung zieht er aus Trotz mit dem Fürsten Raimund von Toulouse nach Outremer, um dort als Soldat Christi Jerusalem von den Heiden zu befreien.
Viele Jahre später, als Kastellan der größten Christenfestung der Kreuzfahrerstaaten, wird eines Tages seine Geliebte Noura brutal ermordet. Da er des Tötens bereits müde ist und ihn nun nichts mehr in Outremer hält, begibt er sich auf die Reise nach Hause ins Frankenreich.

Was Ulf Schiewe mit diesem Erstlingswerk geschaffen hat, steht den historischen Romanen bekannter Autoren wie Ken Follett, Rebecca Gablé oder auch Noah Gordon (um nur ein paar zu nennen) um nichts nach.
Von Beginn an zieht einem die Erzählung Jaufrés in den Bann. Das Buch ist in der "Ich-Perspektive" geschrieben, was vielleicht etwas Skepsis hervorrufen mag. Diese ist jedoch völlig unbegründet, da Schiewe diesen Part der Erzählweise perfekt beherrscht. Mit einem glatten, schnörkellosen und pointierten Sprachgestus lässt er seinen Protagonisten von seinem Leben berichten. Perfekt gesetzt sind die Übergänge von der Gegenwart Jaufrés zu seiner Vergangenheit. Die Figuren wirken lebendig, glaubhaft und authentisch. Mit viel Feingefühl und Empathie zeigt Schiewe auch die Grausamkeiten der Kreuzzüge, ohne dabei ins Voyeuristische oder Reißerische abzugleiten.
Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite prall gefüllt mit Ereignissen. Ob es die Schlachten mit den Türken, eine Auseinandersetzung mit dem Vetter von Jaufrés Lehnherrn oder die Trauer um seine Frau, der Leser steht mitten im Geschehen. Als Jaufré für seine Abreise in die Heimat auf einem Basar herumstreicht, um Geschenke für seine Familienangehörigen zu kaufen und sich mit schönen Dingen die im Frankenreich unbekannt sind, einzudecken, kann man die Händler förmlich ihre Ware anpreisen hören und die fremdartigen Gewürze riechen.

Fazit: Über 900 Seiten pures Lesevergnügen. Ein hervorragender Debütroman, der sich hervorhebt in der Masse der angebotenen historischen Romane. Man darf hoffen, von diesem Autor noch viele Bücher dieser Qualität lesen zu können.
Eine unbegrenzte Leseempfehlung!