Tuck - Streiter des Herrn

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2009, Titel: 'Tuck', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78
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Carsten Jaehner
Gelungener Abschluß der walisischen Robin Hood-Trilogie

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2009

Kurzgefasst:

In den dunklen Wäldern von Wales herrscht Bran, der Rabenkönig, als Anführer einer Schar von Geächteten. Doch das kleine Königreich Elfael, dessen Erbe er ist, wird von dem normannischen Abt Hugo regiert. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die Rebellen aus den Wäldern hervorzulocken und sie zu vernichten. Bruder Tuck, ein sächsischer Mönch, der bei den Geächteten lebt, versucht Frieden zu stiften. Doch er lockt damit nur seine Freunde in eine Falle, die der verräterische Abt für sie aufgestellt hat.

Die Rebellen sind verzweifelt und niedergeschlagen. Schon verlassen die ersten die Gemeinschaft, um die Waffen zu strecken und nach Hause zurückzukehren. In dieser verzweifelten Lage ist es nur Bruder Tucks Gottvertrauen, das Bran davon abhält, alle Hoffnung aufzugeben. Doch der tapfere Mönch braucht weit mehr als himmlischen Beistand, um Frieden zu stiften. Und so schmiedet er einen verwegenen Plan, Verbündete zu suchen, wo sie keiner vermutet - mitten im vom Feind besetzten Land.

 

Ende des elften Jahrhunderts ist Wales immer noch von den Normannen besetzt. Zwar hatte König Wilhelm der Rote den Rebellen unter Rhi Bran versprochen, ihm seine Güter wiederzugeben, hat sich jedoch nicht daran gehalten. So geht der Widerstand aus den Wäldern gegen die Normannen unvermindert weiter.

Der Mönch Tuck unternimmt einen letzten Versuch, Abt Hugo davon zu überzeugen, die Grausamkeiten zu beenden. Doch der unterdrückt weiterhin mit Hilfe von Sheriff de Glanville und Guy de Gisburne das Volk. Dieses Volk ist auch inzwischen von Bran enttäuscht, da er sein Versprechen nach Freiheit nicht halten konnte. Doch bei seinem Besuch beim Abt findet Tuck heraus, dass die Heerscharen des Königs nur noch minimal besetzt sind, und so macht sich Bran auf den Weg, um Hilfe zu holen.

Doch zunächst muss im benachbarten Königreich der König aus einer Gefangenschaft befreit werden. Zum Dank will ihm der König jeden Wunsch erfüllen, als Bran jedoch Männer für seinen Kampf wünscht, wird dies abgelehnt. Währenddessen macht sich Mérian, Brans Freundin, auf den Weg zu ihrer Familie, um ihren Vater, der Bran hasst, um Hilfe zu bitten. Doch ihr Vater ist inzwischen tot und ihr Bruder neuer König. Doch der hat inzwischen die Tochter des Barons Neufmarché geheiratet, der ein Lehnsmann König Wilhelms ist...

Der Widerstand geht weiter

Mit Tuck - Streiter des Herrn schließt Stephen Lawhead direkt an seinen Vorgänger Scarlet an und beendet damit auch seine Robin Hood-Trilogie. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist dieses Mal der Mönch Tuck die Hauptperson, dies allerdings neben Bran, der mehr Raum bekommt als noch im vorherigen Buch. Doch ohne Tuck würden die entscheiden Situationen vermutlich anders ausgehen, was nicht nur an seinen Sprachkenntnissen und seiner Position als Geistlicher liegt. "Streiter des Herrn" heißt der deutsche Untertitel (das Original hat keinen Untertitel - warum müssen deutsche Verlage immer mehr in den Titel stopfen als das Original?), und das deutet schon drauf hin, dass Tuck auch durchaus mit Waffen umzugehen weiß.

Nach der Enttäuschung der Nicht-Wiedereinsetzung als König von Elfael, obwohl es ihm versprochen wurde, beginnt der Roman am für Bran und seine Leute denkbar tiefsten Punkt. Er klammert sich hoffnungsvoll an den Strohhalm der Hilfe anderer Königreiche, wird dort allerdings abermals enttäuscht, und auch Mérian hat mit ihrer Aktion kein Glück. Allerdings hat Mérian fast niemandem gesagt, wo sie ist, und so wird sie bei ihrer Familie als Rebellin gefangen gehalten. Lawhead nutzt damit das alte Stilmittel, dass die Helden von vorn anfangen und sich hocharbeiten müssen, um letztlich doch zu einem guten Ende zu kommen.

Spannend trotz wenigen "Bösen"

Waren in Scarlet noch die "Bösen" diejenigen, die im Fokus des Romans standen, bleiben nun diese Bösen eher blass. Sheriff Glanville und Gisburne sind nur mehr Randfiguren, einzig Abt Hugo kann noch am ehesten einige Glanzpunkte setzen, wenngleich auch er nicht häufig vorkommt. Der Roman ist bestimmt durch die Suche nach Verbündeten, und als sich Wilhelm doch entschließt, mit einem Heer endgültig für Ordnung zu sorgen, erinnert man sich stark an die Varus-Schlacht, wo einige Rebellen gegen ein Übermeer von Feinden kämpft und es langsam ausmerzt. Erst als Wilhelms Truppen die Taktik ändern, entdeckt eine Heeresgruppe aus Zufall das Dorf der Rebellen im Wald, was nicht ohne Verluste bleibt. Immerhin kann man sich sicher sein, dass Bran trotz allem alles weiterhin im Griff hat, und auch der Rabe auch noch einmal auf.

Lawhead pflegt weiterhin einen flüssigen und gefälligen Schreibstil, der einem die Lektüre leicht macht und den Leser trotzdem in das mittelalterliche Wales entführt. Mit wenigen Worten malt er die Landschaft, sein Hauptaugenmerk liegt allerdings in der Sprache der Menschen und den politischen Verhältnissen, wer wem untertan ist und wer in welchem Recht steht. Das alles fügt sich zu einem launigen Roman, der Spaß macht, ihn zu lesen und bei dem man sich ohne große Hintergedanken um eine zu vermittelnde Botschaft in Ruhe auf die 420 Seiten einlassen kann. So ist nicht sonderlich viel Tiefgang zu erwarten, aber wer einen Roman im Robin Hood-Stil lesen will, weiß ungefähr, was ihn erwartet.

Schöne Verbindung zur bekannten Robin Hood-Geschichte

Immer wieder taucht zwischendurch als Bänkelgesang die Geschichte des Robin Hood auf, wie man sie gemeinhin aus Nottingham kennt, wenngleich die Handlung nicht immer zu vergleichen ist. Aber sehr geschickt beendet Lawhead seinen Roman und verbindet somit beide Geschichten miteinander, indem Thomas a'Dale, Enkel des im Roman neu eingeführten Charakters Alan a'Dales, ein neuer Mitstreiter Brans, das Lied singt. Dies ist eine schöne Geste in Richtung der bekannten Sage und bringt somit die Trilogie zu einem besonderen und würdigen Abschluß.

Insgesamt ist Tuck der gelungene Abschluß der Trilogie. Zwar kann man den Roman auch für sich lesen, aber eine Lektüre der anderen beiden Teile empfiehlt sich dennoch, da bereits viele Personen der anderen Romane auftauchen und so nicht mehr eingeführt werden, und zudem wird nur in wenigen Sätzen auf die Vorgeschichte eingegangen. Eine Karte von Wales im 11. Jahrhundert und Hinweise zur Aussprache ergänzen den Roman, zudem gibt es an Kapitelanfängen einige Bilder abgedruckt, die auf den Inhalt hinweisen.

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